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Stadtgeographie: Glasgow East End – Geschichte und Entwicklung

Hausarbeit 2008 13 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung des East Ends und der Gorbals
2.1 Lage
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Aktuelle Probleme

3 Das Projekt „GEAR“
3.1 Maßnahmen und Inhalte
3.2 Ergebnisse und Kritik des Projektes

4 Aktuelle stadtplanerische Projekte
4.1 „Glasgow City Plan“
4.2 „East End Local Development Strategy“

5 Entwicklungen in den Gorbals
5.1 Ziele und Chancen
5.2 Wohnungsmarkt
5.3 „Crown Street Regeneration Project“

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: East End und Gorbals

Abb.2: Wohnen in den Gorbals

Abb.3: Scottish Index of Multiple Deprivation

Abb.4: Glasgow City Plan Part 1

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit des Moduls „Regionale Geographie: Schottland“ befasst sich mit dem Thema Glasgow East End. Glasgow ist mit über 600.000 Einwohnern die größte Stadt Schottlands und gilt als ehemalige Hochburg der Schwerindustrie, vor allem in dem Bereich der Stahlbranche (z.B. Schiffs- oder Lokomotivenbau). Wichtige Stadtgebiete bei der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jh. waren u.a. das East End und die Gorbals. Durch die rasante Entwicklung kam es zu massiven sozialen Problemen, die teilweise auch heute noch existieren oder Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen. Trotz erheblicher Aufwertungen, z.B. im Zuge der Wahl zur Kulturhauptstadt im Jahr 1990, gehören einige Stadtgebiete zu den am meisten benachteiligten Regionen in ganz Schottland. In dieser Arbeit sollen das East End und die Gorbals zunächst vorgestellt werden, um dann aktuelle und vergangene Entwicklungsprojekte zu beleuchten. Ich gehe dabei abweichend vom Titel auch auf die Gorbals - die räumlich gesehen nicht zum East End gehören - ein, da sie ein wichtiges Ziel der Exkursion dieses Seminars sind und zudem eine ähnliche Entwicklung wie das East End aufweisen. Hier ist der Fokus eher auf den Wohnungsmarkt gerichtet, während ich beim East End mehr auf ganzheitliche Projekte eingehe.

2 Einordnung des East Ends und der Gorbals

Zunächst möchte ich klären, welche Stadtgebiete Glasgows eigentlich als East End bzw. Gorbals bezeichnet werden, einen kurzen historischen Abriss liefern und im Anschluss die aktuellen Probleme erläutern.

2.1 Lage

Das East End liegt östlich der Innenstadt von Glasgow und erstreckt sich laut Glasgow City Council von der High Street im Westen bis zum Tollcross im Osten, sowie von der Alexandra Parade im Norden und dem Fluss Clyde im Süden, der gleichzeitig auch die Stadtgrenze Glasgows in diesem Bereich darstellt. (Glasgow City Council 2005). Die Gorbals hingegen liegen südlich des Clyde in unmittelbarer Nähe der Innenstadt und nehmen eine Fläche von etwa 240 ha ein (Entrust 2003: 3). In Abb. 1 sind die beiden Gebiete in ihrer Lage in Glasgow dargestellt.

Abb.1 East End und Gorbals

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Entrust 2003: The Glasgow Case Study. The Gorbals

2.2 Historische Entwicklung

Das East End hat sich in erster Linie mit der Expansion Glasgows am Ende des 18. Jh. entwickelt. Es wurden zwar einige Repräsentativbauten und gehobene Wohnhäuser errichtet, allerdings verlagerte sich Struktur zunehmend in Richtung Arbeiterviertel. Mit Einführung der Dampfmaschine im beginnenden 19. Jh. wurde vor allem die Textilindustrie zum Zugpferd, da einerseits manuelle Weberein wie etwa in Bridgeton schon vorhanden waren und sich Kohleminen in der Nähe befanden (The Glasgow Story 2004a). Die Gorbals hingegen haben sich aus einem eigenständigen Dorf entwickelt, dass 1790 nach Glasgow eingemeindet wurde. Es hatte sich bereits eine lokale Ökonomie mit Kohleförderung, Webereien und Waffenproduktion ausgebildet (The Glasgow Story 2004b). Ab 1830 stieß auch die Schwerindustrie mit Stahlproduktion und Schiffbau hinzu. Durch die massive Industrialisierung stieg die Bevölkerung in den Vierteln stark an: Massenunterkünfte und Slumbildung waren die Folge. Abb. 2 zeigt einen Hinterhof in der Crown Street in den Gorbals, welche die Armut und Wohnverhältnisse verdeutlicht (The Glasgow Story 2004c).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Wohnen in den Gorbals

Quelle: http://www.theglasgowstory.com/imageview.php?inum=TGSA00813

Mit dem Niedergang der Industrien nach dem 1. Weltkrieg kam es in Glasgow zu massiver Arbeitslosigkeit, die aber vor allem die Arbeiterviertel Gorbals und East End traf. Um der desolaten Wohnsituation Herr zu werden wurden in den 50er Jahren in den sog. „Slum Clearences“ die Slums beseitigt und durch neue Wohneinheiten ersetzt. Durch den hohen Bedarf ging es vor allem darum, schnell und billig zu bauen. So entstanden in kürzester Zeit Großwohnsiedlungen mit Hochhäusern, die mancherorts immer noch das Stadtbild prägen (The Glasgow Story 2004d).

2.3 Aktuelle Probleme

Das East End gehört mit seinen sozialen Problemen zu den am meisten benachteiligten Region in ganz Schottland. Dies ist zum einen der Literatur zu entnehmen und zeigt sich auch im „SIMD“, dem Scottish Index of Multiple Deprivation der schottischen Regierung. In diesen Index fließen die Aspekte Einkommen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Bildung, Wohnsituation, Zugang zu Verkehr sowie zu öffentlichen Einrichtungen und Kriminalität in unterschiedlichen Gewichtungen ein. Es werden relative Werte errechnet und eine Ranglisten von Platz 1: am meisten benachteiligt bis Platz 6505: am wenigsten benachteiligt erstellt. Abb. 3 zeigt einen Ausschnitt aus der interaktiven Karte des „SIMD“, das Gebiet des East Ends ist rot markiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Scottish Index of Multiple Deprivation

Quelle: http://www.scotland.gov.uk/Topics/Statistics/SIMD/map.asp

Es wird deutlich, dass alle Gebiete innerhalb des East Ends stark benachteiligt sind (dunkle Signatur). Als Beispiel ist in grün Glasgow Shettleston ausgewählt, welches den 8. Platz in der Datenbank belegt (The Scottish Government 2008). Aufgrund der sozialen Probleme sind in der Vergangenheit viele Menschen auf der Suche nach einer Arbeit und einer besseren Wohnung in andere Stadtteile abgewandert. Ein weiteres Problem im East End sind die Brachflächen, die von der Industrie hinterlassen worden sind und fast 15% des Gebietes ausmachen (Glasgow City Council 2005). In den Gorbals gab es eine ähnliche Entwicklung: Die Bevölkerung sank von 90.000 im Jahre 1930 auf nur noch 9700 Menschen im Jahre 1991, zudem waren 96% der Wohneinheiten zur Miete (Entrust 2003: 6). Die Arbeitslosigkeit ist mit 20% sehr hoch, 28% der Schulabgänger werden sofort arbeitslos, es gibt viele Asylbewerber, sowie eine hohe Anzahl an Gewaltverbrechen und Drogendelikten (Entrust 2003: 19).

3 Das Projekt „GEAR“

Im Jahre 1976 wurde für das East End auf einer Fläche von etwa 1600ha ein umfangreiches Stadtteilerneuerungsprogramm beschlossen: das „Glasgow Eastern Area Renewal Scheme“, kurz: „GEAR“. Hintergrund sind die bereits erläuterten sozialen Probleme, die durch die Deindustrialisierung und der schlechten Anpassung auf die neuen ökonomischen und technischen Gegebenheiten hervorgerufen wurden (Rich 1981: 214). Das zeigt sich einerseits beim Bevölkerungsrückgang: die Zahl sank von 145.000 im Jahre 1951 auf 45.000 im Jahre 1978, aber auch an der Arbeitslosenquote von über 20%. Auch die Wohnsituation war sehr nachteilig. So bestanden 1978 40% der Haushalte aus Wohnungen mit zwei oder weniger Zimmern und über 10% der Wohnungen verfügte über keine eigenen sanitären Anlagen (Barke & Sim 1981: 318). Die Wohneinheiten waren schlecht instand gehalten, vor allem aufgrund mangelnder privater Investitionen. Das Ziel von „GEAR“ war die ökonomische, soziale und imagewirksame Aufwertung bzw. Wiederherstellung des Gebiets. Insgesamt wurde das Projekt unter der Leitung der Scottish Development Agency (SDA) acht Akteuren mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen übertragen (Rich 1981: 215).

3.1 Maßnahmen und Inhalte

Insgesamt wurden für das Projekt über 550 Mio. Pfund bereitgestellt um folgende Maßnahmen umzusetzen: Oberstes Ziel war die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Dazu wies die SDA neue Gewerbeflächen aus, stellte Subventionierungen zur Verfügung und stand Unternehmen beratend zur Seite. In diesem Zuge gab es auch Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für die Bewohner. Als Zweites sollte die Sozialstruktur und die Wohnsituation verbessert werden. Es wurden über 7500 Wohnungen neu gebaut oder renoviert, vornehmlich der Bestand aus der Zwischenkriegszeit. Außerdem sollte das Angebot für sozial benachteiligte Gruppen verbessert werden. Dazu gehört beispielsweise die Betreuung von Kindern und Alten, der Bau von Spielplätzen und Büchereien oder auch die Einstellung von mehr Lehrern und Sozialarbeitern. Ein wichtiges Ziel war es auch, die Betroffenen zur Partizipation bei den Erneuerungsprozessen zu bewegen. Zuletzt sollte auch das Stadtbild und Verkehrsinfrastruktur durch diverse Projekte wie z.B. Fassadenreinigung verbessert werden (Rich 1981: 215-216).

3.2 Ergebnisse und Kritik des Projektes

Insgesamt konnte durch „GEAR“ die angespannte Situation im East End deutlich verbessert werden. Vor allem die Investitionen in den Wohnungsmarkt und in die soziale Netzwerke haben die Lebensqualität erhöht. Es wurden über 2000 Arbeitsplätze geschaffen, allerdings konnten Verluste an die Peripherie Glasgows nicht ausgeglichen, sondern höchstens etwas abgeschwächt werden. Ein Kritikpunkt ist die nicht unerhebliche Bürokratie, die durch die Zusammenarbeit von acht Akteuren entstanden ist und zu Verzögerungen und Unstimmigkeiten geführt hat (Barke & Sim 1981: 319). Dadurch, dass die Akteure auch noch weitere Verpflichtungen und Projekte hatten, war nicht immer klar wo und wie viel Geld verwendet worden ist. Zweitens wird kritisiert, dass GEAR ein sehr isoliertes Projekt war und dafür andere Bereiche zu kurz gekommen sind. Es fehlten landesweite Richtlinien und Strategien, von denen sowohl das East End als auch andere benachteiligte Gebiete hätten profitieren können (Rich 1981: 217).

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Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656390510
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210735
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Geographisches Institut
Note
1,4
Schlagworte
stadtgeographie glasgow east geschichte entwicklung

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