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Sexueller Missbrauch an Kindern und wie ErzieherInnen reagieren können

Studienarbeit 2011 19 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Dir und Mir

1. Einleitung

2. Definition: sexueller Kindesmissbrauch

3. Die Geschichte des Missbrauchs

4. Anforderungen und nötige Kompetenzen der Fachkräfte
- Wahrnehmung und Erkennen von gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindswohlgefährdung
- Gesprächsführung mit Kindern in für sie belastenden Situationen
- Gestaltung von Konfliktgesprächen mit Eltern
- Strukturierung und Planung von Hilfen und Schnittstellen- management
- Vorgehensweise bei Gefährdungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Einrichtung

5. Statistik – Wer sind die Täter

6. Stille Hilferufe: Folgen sexuellen Missbrauchs bei Kindern

7. Wie ist mit einem Begründeten Verdacht umzugehen?

8. Rechtliche Möglichkeiten pädagogischen Fachpersonals
- Schutzauftrag bei Kindswohlgefährdung
- Weitere Paragraphen

9. Umgang mit betroffenen Kindern
- Vertraute Strukturen sind wichtig
- Dem Kind Glauben schenken
- Das Kind schützt seine Vertrauensperson
- Du bist nicht schmutzig
- Der Täter ist an allem Schuld
- Die ärztliche Untersuchung
- Du weißt über alles Bescheid

10. Prävention (für Kinder und Eltern)
- Kinderbücher zur Vorbeugung
- Kinderbücher für Kinder, die sexuellem Missbrauch bereits zum Opfer gefallen sind
- Eltern

11. Fortbildungen

12. Schluss

Dir und mir
wünsche ich Augen
die die Lichter und Signale
in unseren Dunkelheiten erkennen
Ohren
die die Rufe und Erkenntnisse
in unseren Betäubungen
vernehmen
dir und mir
eine Seele
die all das
in sich aufnimmt und annimmt
und eine Sprache
die in ihrer Ehrlichkeit
uns aus unserer Stummheit
herausführt
uns aussprechen lässt
was uns gefangen hält[1]

Margot Bickel

1. Einleitung

In dieser Belegarbeit geht es um sexuellen Kindesmissbrauch. Im folgenden wird ein Einblick in die Thematik des sexuellen Missbrauchs an Kindern gegeben, wobei eine Definition folgt, außerdem kurze Exkursionen in die Geschichte des sexuellen Missbrauchs an Kindern, die Folgen sexuellen Missbrauchs, die Möglichkeiten von Fachkräften in Verdachtsfällen und die Prävention im Kindergarten und in Zusammenarbeit mit den Eltern.

Die Autorin hat dieses Thema für diese Arbeit gewählt, weil es ein sehr wichtiges und immer aktuelles Thema ist. Es ist wichtig darüber aufzuklären und darüber zu sprechen, um die Tabuisierung dieses Themas langsam aufzuheben. Je besser Eltern und Fachkräfte informiert sind, desto eher kann sexueller Missbrauch erkannt und beendet werden. Hierbei gilt: je früher es erkannt wird, desto besser ist es für das Kind.

Dieses Thema ist nicht nur für die Eltern besonders wichtig, sondern auch für die Einrichtungen, da die Kinder hier fast genauso viel Zeit verbringen wie zu Hause und häufig sogar noch mehr.

Kinder, denen ein derartiger Missbrauch widerfährt, zeigen Kurz- und Langzeitfolgen. Um den Kindern dann so gut wie nur möglich helfen zu können, bedarf es guter und konstanter Betreuung, damit das Kind ein möglichst normales weiteres Leben führen kann.

2. Definition: sexueller Kindesmissbrauch

Eine einheitliche Definition für etwas Derartiges zu finden fällt der Wissenschaft und auch der Gesellschaft schwer. Es ist nicht nur ein schwieriges Thema, sondern es gilt in der Gesellschaft als Tabu. Niemand spricht gerne über das, was vielen Kindern in unserer näheren und weiteren Umgebung täglich angetan wird.

„Zusammenfassend wird unter sexuellem Missbrauch von Kindern jede Handlung verstanden, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner körperlichen, seelischen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Die Missbraucher nutzen ihre Macht und Autoritätsposition aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der Kinder zu befriedigen, die Kinder werden zu Sexualobjekten herabgewürdigt.“[2]

Eine Erweiterung zur Ausnutzung der Macht der TäterInnen findet sich bei wildwasser.de:

„Aufgrund des Entwicklungsstandes kann ein Kind nicht frei und überlegt zustimmen bzw. die Missbrauchshandlungen ablehnen. In der Regel kennt es den Erwachsenen gut, vertraut ihm und erwartet deshalb von ihm nichts Böses.“[3]

3. Die Geschichte des Missbrauchs

Der älteste Hinweis auf sexuelles Interesse an Kindern wurde auf einer ca. 5000 Jahre alten Tontafel der Sumerer gefunden, auf ihr steht:

„(Der Gott) Enlil sprach zur (Göttin) Ninlil von Beischlaf. Sie will nicht. Meine Vagina ist zu klein. Sie versteht den Beischlaf nicht. Meine Lippen sind zu klein. Sie verstehen nicht zu küssen.“[4]

Auch in vielen anderen antiken Hochkulturen wie bei den Griechen oder im alten Rom hatten die Kinder oft schon sehr früh Erfahrungen mit sexuellen Handlungen.

Auch aus dem Mittelalter wird derartiges berichtet.

Um diesen Abschnitt jedoch nicht ins Unendliche zu treiben, kann hier zusammenfassend gesagt werden, dass aus allen Epochen und Hochkulturen Hinweise auf Misshandlung und Sexualisierung kleiner Kinder existieren. Der sexuelle Missbrauch an Kindern begann also schon früh in der Geschichte der Menschheit und hat sich bis in die heutige Zeit gezogen.[5]

4. Anforderungen und nötige Kompetenzen der Fachkräfte

Wahrnehmung und Erkennen von gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindswohlgefährdung

Hier ist wichtig für die Fachkraft, dass sie über Ursachen, Formen und Folgen einer Kindswohlgefährdung Bescheid weiß und dieses Wissen auch anwenden kann. Für die Fachkraft bedeutet dies, dass sie die Anzeichen einer Kindswohlgefährdung rechtzeitig wahrnehmen, erkennen und richtig interpretieren kann. Außerdem muss sie unterscheiden zwischen einer schwierigen Lebenslage (niedriges Bildungsniveau, Armut, Todesfall in der Familie, Trennung, etc.) und einer wirklichen Kindswohlgefährdung. Desweiteren sollte die Fähigkeit zur genauen Beobachtung und Beschreibung von Verhalten ausgebildet sein. Die Fachkraft muss dazu bereit sein, sich zu reflektieren, was einschließt, dass eigene Gewalterfahrungen, der eigene Umgang mit Gewalt und Vorurteile bewusst gemacht werden.

Gesprächsführung mit Kindern in für sie belastenden Situationen

Die Fachkraft muss auch in belastenden Situationen in der Lage zur Kommunikation sein. Außerdem muss sie eine angemessene Nähe-Distanz-Regulation mit Kindern in schwierigen Situationen entwickeln und beibehalten. Sie muss das Kind als Experten in der eigenen Sache wahrnehmen und es als solchen Experten wertschätzen.

Gestaltung von Konfliktgesprächen mit Eltern

Der Fachkraft muss bewusst sein, dass das Wohl des Kindes immer im Vordergrund steht, bei allen Entscheidungen. Außerdem muss sie das Verhältnis zwischen Kinder- und Elternrechten kennen. Die Fachkraft muss auch das Spannungsfeld bewerten können sowie Möglichkeiten und Wege der Hilfe, Beratung und Unterstützung kennen. Sie muss auch zu Eltern in schwierigen Lebenslagen ein angemessenes Nähe-Distanz- Verhältnis bewahren. Die Fachkraft muss die Eltern als Experten in eigener Sache wahrnehmen und wertschätzen, sowie über interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen verfügen um evtl. den Standpunkt der Eltern nachvollziehen zu können. Desweiteren ist es wichtig, dass die Bereitschaft besteht, unterschiedliche und nicht selten widersprüchliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Strukturierung und Planung von Hilfen und Schnittstellenmanagement

Das Wissen um den Schutzauftrag bei Kindswohlgefährdung im Gesamt-zusammenhang des gesetzlichen Kinderschutzes und der Rechte von Kindern ist für Fachkräfte ebenso wichtig, wie das Wissen über präventive Angebote, wie zum Beispiel zur Persönlichkeitsstärkung und Resilienzförderung bei Kindern. Auch die Kommunikation mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen anderer Dienste und Einrichtungen, die professionell in diesem Bereich arbeiten ist wichtig für Fachkräfte. Die Fachkräfte müssen auch untereinander kommunizieren, damit schwierige Abwägungsentscheidungen richtig eingeschätzt und getroffen werden können. Bei den Fachkräften muss die Fähigkeit vorhanden sein, ihre eigenen Belastungsgrenzen zu kennen, erkennen zu können und sie zu berücksichtigen. Dies sollten sie in Zusammenarbeit mit anderen tun, so kann jeder in soweit helfen, wie er es schafft und kann. Desweiteren ist zu erwarten, dass die Fachkraft eigene Fehler erkennt, angemessen damit umgeht und daraus lernt.

Vorgehensweise bei Gefährdungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Einrichtung

Die Fachkraft muss über die Risiken von Gefährdungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Einrichtung Bescheid wissen und Möglichkeiten zur Prävention und Intervention kennen. Sie muss wissen, wer die Ansprechperson ist und sie muss die Verfahrensabläufe und Beschwerdemöglichkeiten in Fällen, in denen ein Übergriff in der Einrichtung stattgefunden hat, kennen. Ebenso ist es wichtig für Fachkräfte die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kennen und über Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung im Team zu verfügen.[6]

5. Statistik – Wer sind die Täter?

An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die Dunkelziffern in diesem Bereich besonders hoch eingeschätzt werden, deshalb sind die Statistiken nicht besonders aussagekräftig.

In der folgenden Statistik ist gut zu erkennen, dass die Täter zu 33,5% männliche Bekannte sind, insgesamt sind jedoch häufiger Familienangehörigen und Verwandte als Täter aufgeführt. Die größeren Posten besetzen in dieser Statistik die männlichen Täter, doch die Täterinnen dürfen an dieser Stelle nicht unter den Tisch gekehrt werden, auch wenn sie eine relativ schwache Position in der Statistik belegen, muss gesagt werden, dass auch Frauen zu Täterinnen werden. Also darf nicht nur vor dem bösen, fremden Mann gewarnt werden, sondern auch vor fremdem, weiblichen Personen mit fragwürdigen Absichten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

6. Stille Hilferufe: Folgen sexuellen Missbrauchs bei Kindern

Oft sprechen Kinder gar nicht oder erst spät bzw. im Erwachsenenalter über den

Missbrauch in der Kindheit. Das liegt unter anderem daran, dass Kinder oft zu ihrem

eigenen Schutz verdrängen oder die inneren Schmerzen auf andere Ebenen

verschieben, da der Missbrauch Verstörung und quälende Gefühle auslöst, die nicht

alleine bewältigt werden können.[8] Außerdem hat der Täter das Kind häufig mit Drohungen, Druck und Einschüchterung so gut unter Kontrolle, dass das Kind sich nicht traut etwas zu sagen, aus Angst vor den Konsequenzen. Auch das Preisgeben intimster Details ist ein Grund für Kinder, den Missbrauch zu verheimlichen und zu verschweigen, denn wenn sie sich jemandem anvertrauen würden, müssten sie ihm zumindest teilweise Details schildern. Des Weiteren ist der Missbrauch ein „liebevoll gehütetes Geheimnis“ zwischen Täter und Kind, was eine (zugegebenermaßen fragwürdige) Verbindung zwischen Täter und Kind bildet.[9] Oft wissen sie auch nicht, ob ihnen überhaupt geglaubt wird und so nehmen sie lieber den Missbrauch hin, als zu riskieren, dass sie als Lügner hingestellt werden.[10]

[...]


[1] http://www.aliena.de am 12.10.2011

[2] Deegener, 2010, Seite 22

[3] www.wildwasser.de am 25.09.2011 um 18.28 Uhr

[4] Deegener, 2010, Kapitel 5

[5] Vgl. Deegener, 2010, Kapitel 5

[6] Vgl. Maywald, 2011, Seite 19ff. (alle Teilüberschriften aus diesem Kapitel sind der selben Quelle entnommen)

[7] http://www.google.de am 09.11.2011

[8] Vgl. Friedrich, 1998, Seite 92

[9] Vgl. Friedrich, 1998, Seite 97

[10] Vgl. Friedrich, 1998 , Seite 97 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656391814
ISBN (Buch)
9783656392439
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210899
Institution / Hochschule
Private Fachschule für Wirtschaft und Soziales Erfurt
Note
1
Schlagworte
sexueller missbrauch kindern erzieherinnen

Autor

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