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Die Veränderung des Gedächtnisses und der Psychomotorik bei Menschen ab dem 3. Lebensjahr

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Gerontologie / Alterswissenschaften

Leseprobe

Gliederung:

1. Der demographische Wandel

2. Die Menschen bleiben immer länger jung
2.1. Gedächtnis
2.1.1 Bereiche des Gehirns
2.1.2 Verschiedene Hypothesen zur Erklärung der kognitiven Probleme
2.1.3 Gründe für eine Beeinträchtigung beim Lernprozess
2.1.4 Einflussfaktoren für die Entwicklung der kognitiven Intelligenz
2.2. Psychomotorik
2.2.1 Reaktionsversuche
2.2.2 Mehrfach- Wahl- Reaktionen
2.2.3 körperliche Aktivitäten als Training
2.2.4 Autofahren als Reiz-Reaktions-Aufgabe
2.2.5 Alltagskompetenzen
2.3 Fazit

3. Ein Zwangstest für alte Autofahrer?

1. Der demographische Wandel

Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland in einer zunehmend alternden Gesellschaft auf, weshalb es zu einer deutlichen Veränderung der altersmäßigen Zusammensetzung der Bevölkerung kommt. Der Anteil der unter 20-Jährigen sinkt voraussichtlich in den Jahren 2005 bis 2025 von 21,1 Prozent auf 17,5 Prozent, während der Anteil der über 64-Jährigen von derzeit 18,7 Prozent auf 23,7 Prozent ansteigen wird. Das bedeutet, dass es weniger Kindergartenkinder sowie Schüler/-innen geben wird und somit auch das Erwerbspotenzial schrumpfen wird. Zwar wird die Bevölkerungszahl nicht zwangsläufig abnehmen, da es eine hohe Zuwanderung gibt. Da jedoch auch die Zuwanderer altern, können diese die Alterung der Gesellschaft allenfalls verlangsamen. Die geringen Kinderzahlen in Deutschland sind zum einen auf den Rückgang von Familien mit drei oder mehr Kindern zurückzuführen und zum anderen auf die wachsende Anzahl Kinderloser.

Die demografischen Veränderung wirken sich im Bildungssystem bereits kurz- und mittelfristig aus: Die Zahl der Kinder im Krippenalter geht bis 2015 auf 94,4 Prozent zurück und die Zahl der Kindergartenkinder verringert sich sogar auf 88,9 Prozent. Die Zahl der Schüler/-innen an allgemein- und berufsbildenden Schulen geht in den Jahren 2002 bis 2015 um 1,7 Millionen auf 86,3 Prozent zurück. Innerhalb der Gruppe der insgesamt weniger werdenden Kinder und Jugendlichen wird jedoch der Anteil der jungen Menschen aus bildungsfernen Schichten zunehmen. Dies ist zum einen eine Folge der vom Bildungs- und Ausbildungsstand der jungen Frauen abhängigen unterschiedlichen Geburtenquoten und zum anderen des wachsenden Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005)).

2. Die Menschen bleiben immer länger jung

Aufgrund der sinkenden Geburtenrate und der medizinischen Leistungen, die mittlerweile möglich und in Deutschland für alle zugänglich sind, gibt es also zusehends mehr alte Menschen. Diese Tatsachen sind der Anlass für zahlreiche wissenschaftliche Erforschungen der Altersvorgänge nicht nur in dem Zuständigkeitsbereich der Medizin, sondern auch der Psychologie. Dabei wurde der Fokus auf Alternsformen und Alternsnormen gelegt. Im Rahmen dieser Arbeit wird anhand verschiedener Studien und Untersuchungen verdeutlicht, inwieweit die Vorurteile nicht gerechtfertigt sind, welche hinsichtlich eines Abbaus des Gedächtnisses und der Psychomotorik älterer Menschen häufig bestehen. Es wird gezeigt, unter welchen Bedingungen Menschen ab dem dritten Lebensalter keine oder nur geringe Leistungsdifferenzen im Vergleich zu ihren jüngeren Altersgenossen zeigen.

2.1 Gedächtnis

Unter Gedächtnis versteht man das „Phänomen“ (Häcker, Stapf (2004), S. 342), welches sich bei einem Bewusstseinsvorgang als Nachwirkung auf einen bereits früher verlaufenen Prozess einstellt und welche vom Subjekt meistens auch mit dem Bewusstsein, dass es sich um bereits gehabte Eindrücke handelt, aufgefasst wird. Leistungen des Gedächtnisses sind hauptsächlich das Wiedererkennen und das „Erinnern von Wahrnehmungen in Form von Vorstellungen“ (Häcker, Stapf (2004), S. 342). In der Gedächtnisforschung konkurrieren heute zwei Modelle; auf der einen Seite die „Speicher-Theorien“ (vgl. Atkinson, Shiffrin (1968)), die als Grundlage für Altersuntersuchungen dienen, und die „Ressourcentheorien“ (vgl. Smith (1996), S. 236-250). Unter den Speichertheorien ist das Drei-Speicher-Modell am weitesten vertreten und eventuelle Altersunterschiede werden auf die Eigenschaften dieser Speicher zurückgeführt. Nach dem Ressourcen-Modell werden altersspezifische Unterschiede mit verschiedene Mängel im Lern- und Erinnerungsprozess begründet (vgl. Lehr (2007), S. 92).

2.1.1 Bereiche des Gehirns

Man unterscheidet im Gehirn sieben verschiedene Bereiche, sie werden als prozedurales Gedächtnis, das für das Lernen und Erinnern von Fertigkeiten zuständig ist, das Primargedächtnis oder auch Kurzzeitgedächtnis für einmalig präsentierte Informationen, das episodische Gedächtnis für kürzlich geschehene Ereignisse, das Quellengedächtnis für Kontexterinnerungen, das semantische Gedächtnis zum Erinnern an objektives Fachwissen, das räumliche Gedächtnis zur räumlichen Orientierung und das autobiographische Gedächtnis bezeichnet. Nach Baltes (vgl. Baltes (1997), S. 366-380) gibt es nur Altersunterschiede im Kurzzeitgedächtnis und im episodischen Gedächtnis, die Fähigkeit aller anderen Bereiche des Gehirns bleiben altersstabil (vgl. Lang; Martin & Pinquart (2012), S. 66-68).

Als häufigstes Gedächtnisproblem werden die prospektiven Gedächtnisprobleme genannt. Als prospektive Gedächtnisleistungen bezeichnet man die Fähigkeit, sich selbstständig an zukünftige Dinge erinnern zu können, wie beispielsweise eine Verabredung zum richtigen Zeitpunkt einzuhalten, eine Nachricht weiter zu geben oder Medizin zur verordneten Tageszeit einzunehmen. Huppert, Johnson und Nickson (vgl. Huppert, Johnson & Nickson (2000), S. 63-81) haben in einer Studie herausgefunden, dass fast die Hälfte aller über 65-Jährigen mit prospektiven Gedächtnisproblemen zu kämpfen haben, bei Demenzkranken sind es sogar 88% (vgl. Lang; Martin & Pinquart (2012), S. 69). Im Bereich des Gehirns kommt es folglich im Alter zu einem Leistungsdefizit im Vergleich zu jüngeren Personen, der sich auf das alltägliche Leben auswirken kann.

2.1.2 Verschiedene Hypothesen

Es gibt verschiedene Hypothesen zur Erklärung von kognitiven Problemen. Drei davon werden im Rahmen dieser Arbeit erwähnt. Die Speed-Hypothese nach Salthouse (vgl. Salthouse (1996), S. 403-428) geht davon aus, dass eine Veränderung der kognitiven Leistungsfähigkeit auf ein Nachlassen der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung zurückzuführen ist. Das wird dadurch belegt, dass statistisch gesehen die Verarbeitungsgeschwindigkeit als starker Prädiktor für Altersunterschiede gesehen wird (vgl. Lang; Martin & Pinquart (2012), S. 65). Zimprich (vgl. Zimprich (1998), S. 89-96) hat diese Speed-Hypothese in Bezug auf die fluide Intelligenz getestet. Dabei zeigte sich jedoch, dass die Geschwindigkeit der Informationsbearbeitung, gemessen an den Ergebnissen des Zahlensymboltests, keine zentrale Bedeutung für die Entwicklung der fluiden Intelligenzkomponente in einem Zeitraum von sieben bis acht Jahren hat (vgl. Lehr (2007), S. 81). Nach der Kapazitätshypothese nimmt die Gedächtniskapazität mit zunehmendem Alter ab, dagegen die Störanfälligkeit zu, das heißt zum einen, dass kürzlich Gelerntes oft schlechter erinnert werden kann, als früher Gelerntes. Die „Common-Cause“- Hypothese geht von einer gemeinsamen Ursache für kognitive Leistungsveränderung und sensorischer Veränderung aus. Als gemeinsame Ursache werden generell Abbauprozesse im Gehirn angenommen (vgl. Lang; Martin & Pinquart (2012), S. 66).

Nach West und Bramblett (1990) sagt die Vorstellung einer Person über die Qualität ihres Gedächtnisses mehr über die tatsächliche Erinnerungsleistung voraus, als das Alter oder bestimmte Messwerte der Person. Das heißt, dass die Überzeugung von seinem kognitiven Können eine wichtige Rolle spielt. Jedoch haben ältere Menschen häufig eine zu pessimistische Vorstellung von der eigenen Gedächtnisleistung (vgl. Lehr (2007), S. 100). Ein Ansatzpunkt für die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten ist folglich die Steigerung des Selbstbewusstseins im Bezug auf das eigene Gedächtnis. Wenn folglich durch Training und Aufklärung die eigene Überzeugung positiv beeinflusst wird, hängt es nicht zwingend vom Alter ab, welche Leistung das Gehirn erbringen kann.

2.1.3 Einflussfaktoren für die Entwicklung der kognitiven Intelligenz

Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die die kognitive Entwicklung positiv beeinflussen und dafür sorgen, dass man bis ins hohe Alter gute Leistungen zeigen kann. Zum einen ist der Lebensstil ausschlaggebend. Nach dem “Use it or lose it-Ansatz“ (Lang; Martin & Pinquart (1012), S. 72) hilft ein engagiertes, aktives Leben bei der Aufrechterhaltung von kognitiven Leistungsfähigkeiten bis ins hohe Alter. Hultsch, Hertzog, Small und Dixon (vgl. Hultsch, Hertzog, Small & Dixon (1999), S. 245-263) haben in einer Untersuchung, bei welcher der Einfluss der Ausführung von Alltagsaktivitäten auf neuere Informationsverarbeitung, wie beispielsweise das Erlernen einer neuen Sprache, untersucht wurde und haben die subjektive Gesundheit 250 mittlere und ältere Erwachsene längsschnittlich beobachtet. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen intellektuellen Aktivitäten und der darauffolgenden Veränderung der kognitiven Leistungsfähigkeit festgestellt, der für den eben beschrieben Ansatz spricht.

Zudem wirkt sich formale Bildung schon in jungen Jahren lebenslang positiv auf die Gedächtnisleistung aus. So hat Willis und Schaie (vgl. Willis, Schaie (2005), S. 243-276) herausgefunden, dass Personen mit höherer Qualifikation in Tätigkeiten mit höheren Anforderungen zu finden sind, was sich wiederum auf die kognitive Entwicklung im Alter auswirkt. Ähnlich wie bei Kleinkindern fördert nach Schooler (1999) eine komplexe, anregungsreiche Umwelt mit verschiedenen Stimuli und Anforderungen ebenfalls die kognitive Entwicklung, da die Zahl der täglichen Entscheidungen und Handlungsmöglichkeiten größer ist. Daneben begünstigen natürlich auch tägliche Gedächtnistrainings sowohl die Leistung, als auch das Selbstwertgefühl der Trainierenden, welches, wie bereits erwähnt, nicht zu missachten ist. In diesem Zusammenhang haben Zöllig, Eschen und Martin (vgl. Schloffer, Prang & Frick-Salzmann (2010), S. 4-12) ein sogenanntes Orchestrierungsmodell entwickelt, das bei kognitiven Trainings angewendet wird. Orchestrierungsmodelle stellen nicht abstrakte Lerninhalte in den Mittelpunkt, sondern die täglichen Aktivitäten der Personen. Dabei sollen die Ressourcen der jeweiligen Person aktiv genutzt werden, um ein selbst gesetztes Ziel zu erreichen (vgl. Lang; Martin & Pinquart (1012), S. 72-76). Es gibt folglich wirkungsvolle Möglichkeiten die Gehirnleistung bis ins hohe Alter aufrecht zu erhalten und mit dem nötigen Training können ältere Menschen durchaus bessere Leistungen erbringen, als junge.

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Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656411499
ISBN (Buch)
9783656412243
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210904
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
Schlagworte
Gerontologie Gedächtnis Psychomotorik Senioren drittes Lebensalter Gedächtnistraining Alterskompetenz

Autor

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Titel: Die Veränderung des Gedächtnisses und der Psychomotorik bei Menschen ab dem 3. Lebensjahr