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Leistung und Leistungsmessung von Klausuren

Eine empirische Untersuchung

Forschungsarbeit 2011 26 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung und Forschungsfrage

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist „Leistung“?
2.2 Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung
2.3 Schriftliche Leistungsmessung
2.4 Funktionen von Prüfungen

3 Hypothesenbildung

4 Forschungsdesign und Methodenwahl

5 Datenerhebung
5.1 Fragen zur Durchführung der Klausuren
5.2 Fragen zur Rückgabe der Klausuren

6 Datenauswertung

7 Überprüfung der Hypothesen

8 Beantwortung der Forschungsfrage

9 Reflexion der Methode und weiterer Forschungsbedarf

10 Fazit

11 Literatur

12 Anhang

1 Einleitung und Forschungsfrage

Während seines gesamten Lebens muss ein jeder Mensch eine Vielzahl von Prüfungen absolvieren. Dabei sollte man natürlich jederzeit versuchen, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Während der Schullaufbahn stehen Prüfungen für die Schülerinnen und Schüler regelmäßig auf der Tagesordnung. Es gibt mannigfaltige Vorschriften und Empfehlungen für die Handhabung dieser Leistungserhebungen. So existieren diesbezüglich diverse mitunter durchaus divergierende Meinungen in der Fachliteratur. Aber auch wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer nicht gerade einen Überblick über das aktuelle Potpourri in der wissenschaftlichen Literaturlandschaft besitzt, so wird sie oder er dennoch wenigstens mit entsprechenden Gesetzestexten (z.B. in Form von Erlassen des Kultusministeriums) konfrontiert. Sowohl hier als auch dort werden Hinweise, Anregungen und (z.T. verpflichtende) Vorgaben gemacht, deren Einhaltung empfohlen wird oder zwingend notwendig für einen funktionierenden Ablauf ist. Dies ist sicherlich unerlässlich, da es sonst womöglich ein wildes Durcheinander gäbe, vergliche man mehrere Schulen oder auch nur verschiedene Klassen einer Klassenstufe einer Schule miteinander. Dem soll durch diese Handreichungen entgegengewirkt werden. Schließlich ist es gleichfalls für die Schülerinnen und Schüler wichtig, dass Festlegungen bestehen, anhand derer eine Orientierung für die Handhabung der Prüfungen gegeben wird und auf die sie sich gegebenenfalls in Problemfällen auch berufen können. Ferner verfolgt eine Prüfung natürlich mehrere Aufgaben gleichzeitig und dient keinesfalls alleinig dazu, dass Noten vergeben werden, wie im weiteren Verlauf der Arbeit noch erläutert werden soll. Die Vielzahl an Meinungen und den Schwierigkeiten und Handlungsspielräumen entsprechend, die sich rund um das Thema der Handhabung von Klausuren eröffnen, soll in diesem Beleg anhand der Einschätzung einer Klasse nachgegangen werden. Dabei gilt es nicht nur eine Momentanaufnahme und somit ein Meinungsbild der Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, sondern dieses soll auch mit entsprechenden Theorien verglichen werden. Dabei wird herauszufinden sein, inwieweit sich diese Theorien mit der praktischen Anwendung im Schulalltag decken und in welchen Punkten Unterschiede sichtbar werden. Gleichzeitig soll ausgearbeitet werden, wo seitens der Schülerinnen und Schüler Veränderungen und Verbesserungen gewünscht sind, sodass die Handhabung der Klausuren im Fach Deutsch dementsprechend optimiert werden kann. Schließlich soll durch diese Form der Überprüfung nicht lediglich eine Note generiert werden, sondern u.a. auch das weitere Lernen Stimulation erfahren.

Demzufolge soll in dem vorliegenden Beleg folgender Forschungsfrage nachgegangen werden: „Wie bewerten Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse die Handhabung von Klausuren im Fach Deutsch?“

In der Arbeit sollen die theoretischen Grundlagen beleuchtet werden. Dabei gilt es auf zentrale Begriffe wie „Leistung“, „Leistungsmessung und -beurteilung“, „schriftliche Leistungsmessung“ sowie auf die Funktionen von Prüfungen einzugehen. Nachfolgend soll das gewählte Forschungsdesign beleuchtet werden. Es schließt sich die Darstellung der Ergebnisse der Datenerhebung und deren Interpretation an. Weiterhin folgt die Beantwortung der Hypothesen und der Forschungsfrage. Letztlich soll der Fokus auf Kritikpunkte und ein abschließendes Fazit gerichtet werden.

2 Theoretische Grundlagen

Eingangs soll der Fokus auf den Begriff der „Leistung“ gelegt werden. Danach stehen die Begriffe „Leistungsmessung“, „Leistungsbeurteilung“ sowie „schriftliche Leistungs-messung“ im Mittelpunkt. Anschließend sind einige Funktionen von Prüfungen zu beleuchten.

2.1 Was ist „Leistung“?

Ausführlich und differenziert haben sich Werner Sacher und Eiko Jürgens mit dem Leistungsbegriff auseinandergesetzt. So definiert Sacher die Leistung eines Menschen als „[…] ein Handeln oder ein Handlungsergebnis mit ausdrücklichem Bezug auf einen Gütemaßstab“[1]. Weiterhin stellt er fest, dass einerseits das Streben nach Leistung zum Menschsein dazugehört, dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass jemand zwingend unter Leistungsforderung gestellt werden muss. Ebenso wenig dient dieses Leistungsstreben als Legitimation beliebiger Leistungsanforderungen. Vielmehr sind diese Anforderungen seiner Meinung nach nur dann pädagogisch gerechtfertigt, wenn die jungen Menschen auch von sich aus zu diesen Leistungen bereit wären.[2] Dass letzter Punkt schwierig ist, räumt er aber selber gleich ein und entzieht somit weiterer Kritik die Grundlage. Jürgens meint, dass den Schülerinnen und Schülern Sinn und Zweck schulischer Leistungen einsichtig und nachvollziehbar gemacht werden müssen.[3] Er ergänzt: „Leistungsanforderungen müssen in ihrer Berechtigung nachgewiesen werden. Sie müssen rational begründet werden unter Beachtung der allgemeinen Ziele von Erziehung und Schule.“[4] „Leistungsforderungen dienen also der Herausforderung zu einem möglichst freiwilligen, durch Einsicht getragenes Leistenwollen“[5] so Jürgens in seinen weiteren Ausführungen.

Kommt es nun zur Internalisierung von Leistungsanforderungen und werden diese Anforderungen für die Gestaltung des gesellschaftlichen und individuellen Lebens bestimmend, so spricht Sacher von einer Leistungsorientierung. Weiterhin sei zu beachten, dass keinesfalls pausenlos die Erhebung von Leistungen erfolgen kann, denn dem ist kein Mensch auf Dauer gewachsen.[6] In seiner weiteren Darstellung versucht Sacher nun, Leistung aus einer pädagogischen Position zu umreißen und meint: „Es wäre natürlich auch ebenso falsch, dem jungen Menschen alle Leistungsanforderungen zu ersparen, wie es verfehlt ist, ihm eine Leistung abzupressen, zu welcher er nicht motiviert ist.“[7] Als Ursachen führt er diesbezüglich an, dass Schülerinnen und Schüler sich mitunter unterschätzen und zu Leistungen aktiviert und provoziert werden müssen, die ihrem eigentlichen Können, dessen sie sich aber nicht bewusst sind, entsprechen. So könnten sie Manches leisten, was sie sich selber gar nicht zutrauen würden. Jedoch darf nach Sacher nie der Sinn der abgeforderten Leistung aus dem Blickfeld geraten. Da Schülerleistungen keineswegs Sachverhalte darstellen, die völlig objektiviert und wertfrei beschrieben werden können, muss die Individualität jeder oder jedes Einzelnen mit in Bezug gesetzt werden.[8] Ferner meint Sacher, dass die pädagogische Aufgabe hauptsächlich darin besteht, Leistung zu erzeugen sowie zu entwickeln und erst nachrangig diese zu überprüfen und zu beurteilen.[9]

Letztlich darf dabei aber laut Sacher auch nicht vergessen werden, dass es „[…] Zeiten und Gelegenheiten geben [muss], wo die Schüler Handlungsmöglichkeiten erproben können, ohne schon bewertet zu werden […].“[10] Er betont im Hinblick auf die Schule erneut: „Schüler brauchen nicht nur Leistungsanforderungen, sondern auch Ermutigung, Trost, Zuspruch und Unterstützung, wenn ihnen etwas nicht oder noch nicht gelingt.“[11] Dem stimmt Jürgens zu, denn auch er sieht schulisches Lernen nicht dauernd im Zusammenhang mit der Forderung und Beurteilung von Leistungen.[12]

2.2 Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung

Die Notengebung ist als zweiphasiger Prozess angelegt. Auf die Feststellung der Leistung einer Schülerin oder eines Schülers folgt anschließend deren Beurteilung.[13] Georg Hans Neuweg definiert Leistungsfeststellung[14] wie folgt:

„Leistungsfeststellung ist das Ermitteln von Schülerleistung durch die Messung von Lernergebnissen unter Anwendung eines Messinstruments (Feststellung der Mitarbeit, besondere mündliche, schriftliche, praktische oder grafische Formen der Leistungsfeststellung). Das Ergebnis der Leistungsfeststellung kommt im Grad der Richtigkeit und Vollständigkeit der Schülerantworten zum Ausdruck, ausgedrückt etwa als Zahl der korrekt gelösten Aufgaben, der bei der Bearbeitung unterlaufenen Fehler oder der erreichten Punkte.

Leistungsbeurteilung ist die im Anschluss an die Leistungsfeststellung vorgenommene Bewertung des Messergebnisses durch den Vergleich mit einem Bewertungsmaßstab. Das Ergebnis der Leistungsbeurteilung wird durch die vom Gesetzgeber definierten Beurteilungsstufen (Noten) ausgedrückt.“[15]

Jedoch stehen der Lehrerin oder dem Lehrer keine fertigen Messinstrumente zur Verfügung, weswegen er sich diese selbst zu konstruieren hat. Es müssen bei Schülerleistungen Kriterien entwickelt werden für das, was als vollständig oder unvollständig, als richtig oder falsch angesehen wird. Je komplexer die zu messende Leistung ist, umso schwieriger wird es, solche Kriterien zu bestimmen. Dies bewertet Neuweg als problematisch.[16]

Nach Neuweg müssen Prüfungsanforderungen zudem transparent sein. So verbessern sich die Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler, wenn sie wissen, worauf es bei den Prüfungen ankommt. Ein zielorientiertes Lernen ermöglicht dabei die Kenntnis darüber, in welchem Tempo die Aufgaben zu lösen sein werden und welches konkrete Können auf welchem Niveau in der Prüfung erforderlich ist.[17] Dies bestätigt auch Jürgens, der meint, „[…] dass in einer Prüfung ausschließlich solche Kompetenzen gemessen werden, die im vorangegangenen Unterricht tatsächlich erworben werden konnten“[18]. Außerdem muss der Lernstoff gründlich behandelt und zudem ausreichend Gelegenheit für Lernprozesse gegeben worden sein. Das Niveau der Prüfungsinhalte ist mit dem der im Unterricht behandelten Inhalten gleich zu halten. Ebenso ist darauf zu achten, dass Arbeits- und Prüfungsform einander entsprechen.[19] Hasselhorn und Gold unterstützen dies ebenso, denn auch sie fordern, dass die ausgewählten Aufgaben der Prüfung eine repräsentative Auswahl der bereits im Unterricht verwendeten Lernaufgaben darstellen soll.[20]

[...]


[1] Sacher, Werner: Prüfen - beurteilen - benoten. Theoretische Grundlagen und praktische Hilfestellungen für den Primar- und Sekundarbereich. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 1994, S. 1. Im Folgenden zitiert als "Prüfen – beurteilen – benoten".

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Jürgens, Eiko: Leistung und Beurteilung in der Schule. Eine Einführung in Leistungs- und Bewertungsfragen aus pädagogischer Sicht. Sankt Augustin: Academia Verlag 2005, S. 27. Im Folgenden zitiert als "Leistung und Beurteilung in der Schule".

[4] Ebd.

[5] Ebd., S. 38.

[6] Vgl. Sacher: Prüfen - beurteilen - benoten. S. 2.

[7] Ebd., S. 6.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Vgl. Ebd., S. 7.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule. S. 72.

[13] Vgl. Neuweg, Georg Hans: Schulische Leistungsbeurteilung. Rechtliche Grundlagen und pädagogische Hilfestellungen für die Schulpraxis. Linz: Trauner Verlag 2009, S. 9. Im Folgenden zitiert als "Schulische Leistungsbeurteilung".

[14] Die Begriffe „Leistungsfeststellung“ und „Leistungsmessung“ sollen hier synonym verwendet werden.

[15] Ebd., S. 9f.

[16] Vgl. Ebd., S. 10f.

[17] Vgl. Ebd., S. 19.

[18] Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule. S. 77.

[19] Vgl. Ebd., S. 77f.

[20] Vgl. Hasselhorn, Marcus / Gold, Andreas: Pädagogische Psychologie. Erfolgreiches Lernen und Lehren. Stuttgart: Kohlhammer 2006, S. 347. Im Folgenden zitiert als "Pädagogische Psychologie".

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656392644
ISBN (Buch)
9783656393535
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211115
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Schule Leistung Klausur Klausuren Leistungsmessung Messung Leistungsbewertung Bewertung Deutsch Forschung Forschungsarbeit Qualitativ Qualitative Methode

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