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Bibelübersetzung in französischer Sprache – Die Geschichte der Bibelübersetzung

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Romanistik - Französisch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bibel in Frankreich - Von der Vulgata bis ins 21. Jahrhundert

3. Hieronymus und die Vulgata
3.2. Übersetzungsweise

4. Zeitgenössische französische Bibelübersetzungenim Vergleich: Die Bibel von Louis Segond und dieBible en français courant
4.1. Die Bibel von Louis Segond
4.2. La Bible en français courant
4.3. Louis Segond und dieBible en français courantim Vergleich
4.3.1 Die biblischen Texte
4.3.2 Der Vergleich der biblischen Texte
4.3.3 Bewertung

5. Schlussbemerkung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Die Bibel ist nach zeitgenössischer christlicher Auffassung ein aus ihren Originalsprachen Griechisch und Hebräisch in andere Sprachen übersetzbares Buch (vgl. Mülke 2008: 126). In dieser Auffassung unterscheidet sich das Christentum stark von anderen Religionen, beispielsweise vom Islam, denn der Koran darf laut islamischer Lehre nicht übersetzt werden (vgl. Hagemann in Craemer-Ruegenberg/Zimmermann 1985: 47). Die Einzigartigkeit der Bibel in dieser Hinsicht war wohl die Grundlage dafür, dass es zum weltweit meistübersetzten Buch werden konnte. Es existieren heute Gesamtübersetzungen in 452 Sprachen und Teilübersetzungen in weiteren 2479 Sprachen (vgl. Ullmann 2009: 7). Jedoch ließ die Übersetzung ein- und desselben Textes in so viele Sprachen die starke Unterschiedlichkeit der Übersetzungen untereinander deutlich werden.

Die Divergenz der Übersetzungen kann auf die unterschiedlichsten Gründe zurückgeführt werden (vgl. Matschke, 2006: 5-10). Einer davon ist, dass die unterschiedlichen Übersetzungsverfahren, bzw. –theorien, nach denen die Bibel in andere Sprachen übertragen wurde, zu den Abweichungen führten.

In Frankreich entstanden im Verlauf der Geschichte zahlreiche Bibelübersetzungen. Hier sind die Unterschiede in den verschiedenen Übersetzungen noch deutlicher zu sehen, da die Übersetzung in dieselbe Zielsprache erfolgte.

In dieser Arbeit werden die Geschichte der französischen Bibelübersetzung, wie auch die für diese Geschichte maßgebliche Vulgata von Hieronymus und zwei zeitgenössische französische Bibelübersetzungen in ihrer Art des Übersetzens vorgestellt.

2. Die Bibel in Frankreich - Von der Vulgata bis ins 21. Jahrhundert

Die frühe Kirche in Frankreich besaß nur lateinische Bibeltexte. Die Bibelübersetzung von Hieronymus, die Vulgata aus dem 4 Jhd., wurde unter den vorhandenen Texten die bis ins 12. Jhd. maßgebende lateinische Bibelübersetzung (vgl. Matschke 2006: 50). Weil sich jedoch die Sprache im mündlichen Sprachgebrauch in Frankreich schon im 8. Jhd. zu weit vom Latein der Vulgata und der Kirche entfernt hatte, musste der Klerus schon zu dieser Zeit die Predigten vor dem einfachen Volk in der Sprache des Volkes halten (vgl. Matschke 2006: 50). Darüber hinaus entstand die Notwendigkeit, zumindest einzelne Texte der Bibel ins Altfranzösische zu übersetzen. Aus liturgischen und spirituellen Gründen wurden zunächst einige Psalmen ins Altfranzösische übertragen, dann auch Gebete, wie zum Beispiel das Vater Unser, und Lobgesänge. Diese ersten biblischen Texte in altfranzösischer Sprache werden auf 1120 datiert und stammen aus Canterbury von dem Kopisten Eadwin (vgl. Delforge 1991: 33).

Im 12. und 13. Jahrhundert wurden weitere Abschnitte der Bibel übersetzt, es handelte sich dabei zumeist um kommentierte Texte, darunter 1295 dieBible historialedes Priesters Guyart des Moulins, eine Übersetzung der biblischen Geschichtsbücher, die sehr erfolgreich war, oft überarbeitet und reproduziert wurde und auch die erste Einführung in die Bibel auf französisch enthielt (vgl. Delforge: 41). Weil der Zugang zu biblischen Texten in der Volkssprache eine stärkere Eigenständigkeit im Glauben und damit eine stärkere Unabhängigkeit von der Kirche mit sich brachte, fürchtete die Kirche Häresien. Nach dem Konzil der römisch-katholischen Kirche von Basel-Ferrara-Florenz (1431-1449) war sogar zeitweise die Übersetzung der Bibel in die Vulgärsprache verboten (vgl. Delforge 1991: 43f.). Später behielt sich die römisch-katholische Kirche weiterhin das Recht vor, volkssprachliche Übersetzung zu autorisieren oder zu verbieten (vgl. Matschke 2006: 52).

1455 wurde dann mit der Erfindung des Buchdrucks ein entscheidender Schritt für die weitergehende Verbreitung der biblischen Texte möglich gemacht, sodass diese nicht mehr nur den Privilegierten zugänglich war.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts existierte jedoch keine vollständige Bibelübersetzung in französischer Sprache. Diese Lücke schloss 1530 der Humanist

Lefèvre d’Etaples mit derBible de Françoys, eine Übersetzung von der zu dieser Zeit maßgeblichen Vulgata (vgl. Delforge 1991: 44). Zunächst hatte Lefèvre bereits Übersetzungen von den Psalmen und den Paulusbriefen veröffentlicht, daraufhin 1523 eine Übersetzung des Neuen Testamentes und schließlich die komplette Bibel. Diese musste er jedoch in Antwerpen drucken, da das französische Parlament Bibelübersetzungen, die es als förderlich für die sich verbreitende reformatorische Bewegung betrachtete, verboten hatte.

Lefèvre löste sich nur minimal von der Vulgata, vollzog jedoch mit dem Bezug auf den griechischen Urtext 59 kleinere Änderungen (vgl: Delforge 1991: 55). Wie so viele andere frühe Bibelübersetzungen handelte es sich beiBible de Françoysdemnach größtenteils um eine Enkelübersetzung, also um eine Übersetzung einer Übersetzung.

Lefèvre hatte ähnlich wie Luther das Ideal, dem einfachen Volk die Heilige Schrift zugänglich machen zu können: „Aussi maintenant le temps est venu que notre Seigneur Jésus-Christ (…) veut que son évangile soit purement annoncé par tout le monde“ (Lefèvre in Delforge 1991: 56). Einen ähnlichen Erfolg und Einfluss wie Luther mit seiner Bibel konnte Lefèvre in Frankreich jedoch nicht erreichen, weil sich die reformatorische Bewegung in Frankreich eher auf eine Übersetzung von Olivétan stützte, die 1535 erschien und ebenfalls von Luther inspiriert war. Diese Übersetzung nämlich bezog sich erstmal vollständig auf die hebräischen und griechischen Urtexte (vgl. Delforge 1991: 62). Übersetzungen auf der reformatorischen Seite nahmen sich dies zum Vorbild und somit begann auf reformatorischer Seite eine Emanzipation von der Vulgata (vgl. Matschke 2006: 52).

1540 erfolgte eine Revision der Bibel Olivétans von Genfer Reformatoren aus, dieBible de Genève, bei der erstmals nicht gotische, sondern römische Schriftzeichen verwendet wurden (vgl. Delforge 1991: 79). Von dieser Bibelübersetzung legte nun wiederum Calvin 1546 eine weitere Revision vor, die dann 1588 neu aufgelegt wurde (vgl. Delforge 1991: 78). Für die reformierte Kirche in Frankreich waren diese Bibeln aus Genf wichtig, da die Protestanten im Inland aufgrund von anhaltender Verfolgung keine eigenen Bibeln drucken konnten (vgl. Delforge 1991: 87).

Eine der von den römisch-katholischen Kirche autorisierte Bibeln, die um diese Zeit erschienen, war zum BeispielLa saincte Bible de Louvainvon 1578, die sich zwar auf einen lateinischen Text stütze, sich aber stark von der Bibel Léfevres und derBible de Genèvebeeinflussen ließ (vgl. Delforge 1991 100 u. 102).

1598 wurden die Rechte der Protestanten mit dem Edikt von Nantes gestärkt, dieses wurde jedoch von Ludwig dem XIV 1685 mit dem Edikt von Fontainbleu wieder aufgehoben. Während der Herrschaft des Sonnenkönigs wurde auf vorhandende Bibelübersetzungen zurückgegriffen. Nach dem Edikt von Fontainbleau konnte zumindest die katholische Seite weitere Bibelübersetzungen veröffentlichen, darunter eine Übersetzung von Sacy, die sehr erfolgreich wurde. Dies blieb jedoch bis ins 18. Jhd. die einzige Bibel, die die schnell fortschreitende Entwicklung der Sprache berücksichtigt hatte (vgl. Delforge 1991: 139 u. 141). Ohne selber drucken zu dürfen mussten sich die unter Unterdrückung leidenden Protestanten in Frankreich wieder an Genf wenden, wo unter anderen entstehenden Übersetzungen auch dieBible de Génevevon 1588 erneut revidiert wurde. Erfolgreicher war aber die Übersetzung von Frédéric Ostervald von 1744, ein Rückgriff auf eine Übersetzung von David Martin von 1724, da sie sprachlich sehr zeitgemäß und modern war. Diese Übersetzung setzte sich im Laufe der Restauration 1814-1830, die endlich die Anerkennung der Protestanten in Frankreich mit sich brachte, gegenüber anderen protestantischen Bibelübersetzungen durch (vgl. Delforge 1991: 185).

Neu gegründete Bibelgesellschaften in vielen europäischen Ländern ermöglichten zeitgleich, also zu Beginn des 19. Jhds., die weitgehende Verbreitung der Bibel (vgl. Matschke 2006: 53). Besonders auf protestantischer Seite konnten so im Laufe des Jahrhunderts viele weitere Bibelübersetzungen veröffentlicht werden, darunter 1874 (Altes Testament) und 1880 (Neues Testament) eine Bibelübersetzung von Louis Segond, die sehr erfolgreich war und von der innerhalb von dreißig Jahren schätzungsweise 300.000 Exemplare gedruckt wurden (vgl. Delforge 1991: 226f.). Die Bibel Segonds wurde bis ins 21. Jhd. hinein neu aufgelegt, 1978 beispielsweise in der sogenanntenLa Colombe(vgl. Delforge 1991: 271) und 2002 in derNouvelle Bible Segond,die 2007 wiederum in einer Neuedition herausgebracht wurde (vgl. Coyault 2010) .

Währenddessen legte die katholische Kirche im 19. Jahrhundert eher Bibelübersetzungen aus den vorherigen beiden Jahrhunderten neu auf (vgl. Matschke 2006: 54). Gegenüber den Protestanten, die durch Olivétan bereits 1535 eine Bibel besessen hatten, die auf hebräischen und griechischen Urtexten beruhte, war für die Katholiken die Vulgata immer noch maßgebend. August Crampon aber brachte 1894, in seinem Todesjahr, auch für den Katholizismus eine heilige Schrift heraus, die auf hebräischen, griechischen und aramäischen Urtexten beruhte und sich nicht

an der Vulgata orientierte. Seine Version erfuhr zwar darauffolgend einige erforderliche Änderungen, wurde aber zur klassischen Bibel der Katholiken bis ins 20. Jhd. (vgl. Delforge 1991: 262 f.). Jedoch wollte die katholische Kirche weiterhin, im Gegensatz zu den Protestanten, die Bibel nicht jedem Gläubigen zugänglich machen, da sie dies für gefährlich hielt. Darum kannten die Katholiken zumeist Bibeltexte und biblische Inhalte nur aus den Gottesdiensten.

Dies änderte sich jedoch im 20. Jhd.: In seiner EnzyklikaDivino afflante Spiritu[1]von 1943 ermutigte Papst Pius XII die Christen zur Lektüre der Heiligen Schrift, was die Bibelexegeten von den Zwängen der Vergangenheit befreite und den Christen einen neuen Zugang zu den biblischen Texten ermöglichte (vgl. Delforge 1991: 281). Nach 1945, also nach Ende des Zweiten Weltkrieges, entstanden viele Vereinigungen, die sich mit der Exegese der Bibel beschäftigten und infolge dessen wurden auch viele neue Bibelübersetzungen veröffentlicht (vgl. Delforge 1991: 269). Die Ergebnisse einer dieser Vereinigungen, derEcole Biblique de Jérusalem, wurden in derBible de Jérusalemvon 1956 auch dem breiten Publikum zugänglich gemacht (vgl. Matschke 2006: 56).

Im 20. Jhd. wurde auch die ökumenische Zusammenarbeit möglich. So wurde zum Beispiel 1982 dieBible en français courantveröffentlicht, die mit einer alltäglichen Wortwahl und einfachen Syntax ein breites Publikum erreichen sollte, möglichst Erstleser oder auch Nicht-Muttersprachler (vgl. Matschke 2006: 59).

Somit bot das 20. Jhd. wie kein anderes zuvor, besonders auch durch das Edikt des Papstes Pius, die Möglichkeit zur freien Bibelübersetzung, -wissenschaft und interkonfessioneller Zusammenarbeit

[...]


[1]Durch den göttlichen Geist, der mit Begeisterung erfüllt

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656392613
ISBN (Buch)
9783656394570
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211130
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Romanisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
bibelübersetzung sprache geschichte bibelübersetung

Autor

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Titel: Bibelübersetzung in französischer Sprache – Die Geschichte der Bibelübersetzung