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Eine Analyse der PISA-Studie auf den Positivismus und ihre Auswirkungen auf das deutsche Bildungssystem

Hausarbeit 2013 22 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dogma 1: Inkompatibilität quantitativer und qualitativer Methoden
2.1 Analytische und synthetische Aussagen
2.2 Bedeutungsvolle Aussagen
2.3 Kritik an analytischen Aussagen
2.4 Die Quine-Duhem-These
2.5 Reine, objektive Wissenschaft
2.6 Fazit des ersten Dogmas

3. Dogma 2: Dichotomie von Tatsachen und Werten

4. Dogma 3: Dichotomie von empirischen Wissenschaften und Geisteswissenschaften

5. Die PISA-Studie
5.1 Ziel der PISA-Studie
5.2 Beschreibung der Kompetenzen
5.3 Durchführung der PISA-Studie

6. Kritische Betrachtung des Begriffs der Kompetenz

7. Positivistische Merkmale in der PISA-Studie
7.1 Fragebögen
7.2 Kompetenzmessung
7.3 Aufgaben und deren Auswertung
7.4 Wertfreie empirische Forschung?
7.5 Fazit der positivistischen Merkmale

8.Auswirkungen positivistischer Forschung auf das Bildungssystem
8.1 Neue wissenschaftliche Orthodoxie
8.2 Empirische Aussagen versus Realität im Klassenzimmer
8.3 Machtverschiebung zugunsten der neuen Orthodoxie

9. Ein zirkulärer Prozess
9.1 Outputsteuerung
9.2 Bildungsbegriff
9.3 Kompetenzwandel

10. Indizien für die Stärkung des Positivismus

11. Fazit

12. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bildungsforschung erlebt seit der internationalen Durchführung von empirischen Studien wie PISA einen Wandel, in dem sozialwissenschaftliche Bildungszusammenhänge nur noch anhand von Zahlen und Daten erfasst werden. Bisherige Reformbestrebungen werden aufgrund der erfassten Erkenntnisse verworfen und stellen Bildungsdiskurse als lösbare Probleme dar.

Das Erfahrungswissen von Pädagogen und traditionell geisteswissenschaftliche Forschung geraten zunehmend in den Hintergrund und werfen die Grundfrage nach der Wissenschaftlichkeit dieser Disziplinen auf. Bildungsforschung rückt somit immer näher an die Seite positivistischer Lehre. Diese neu formierte „wissenschaftliche Orthodoxie“[1] soll in der empirischen Bildungsforschung anhand der Analyse von PISA-Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nachgewiesen werden und positivistische Widersprüche aufwerfen, die in den Studien verankert sind und vor deren Überhandnahme renommierte Sozialwissenschaftlicher wie Adorno gewarnt haben[2].

Hierbei nutzen wir die Erkenntnisse Kenneth R. Howes über die positivistischen Dogmen, versuchen uns jedoch von seiner Analyse auf britische und U.S amerikanische Bildungsforschung zu lösen, sondern übertragen diese auf die heutigen PISA-Studien der OECD. Dazu werden die einzelnen Dogmen erstmals erläutert und die Methodik und Ziele der PISA-Studie dargestellt. Anschließend wird PISA unter dem Gesichtspunkt positivistischer Lehre und den Dogmen Howes analysiert, um mögliche Überschneidungen aufzuzeigen. Dabei soll nachgewiesen werden, dass sich in Deutschland eine neue wissenschaftliche Orthodoxie formen soll und auch tatsächlich bildet. In Anbetracht des enthaltenen Positivismus sollen zuletzt die Auswirkungen der neuen Orthodoxie auf das deutsche Bildungssystem hervorgehoben werden, um zu zeigen, dass der hohe Einfluss von quantitativen Leistungsstudien auf unser Bildungssystem zu einer Implementierung und Reproduktion des Positivismus führt.

2. Dogma 1: Die Inkompatibilität quantitativer und qualitativer Methoden

Das erste Dogma beschäftigt sich mit der kritischen Darstellung des Positivismus und regt zum Nachdenken an. Im Vordergrund dieses Dogmas stehen die zwei empirischen Forschungsmöglichkeiten: quantitative Forschung und qualitative Forschung. Der Positivismus legt fest, dass diese Methoden unvereinbar miteinander sind und jede Forschungsmethode für sich ihr eigenes Forschungsfeld hat, woraus folgt, dass sie getrennt voneinander betrachtet werden müssen. Die qualitative Forschung wird immer mit Interpretationen verbunden, die subjektiv sind, wodurch jeder qualitatives Forschungsmaterial anders deuten und auswerten kann. Dies ist ein Anlass für die Anhänger des Positivismus ausschließlich die quantitative Forschung als „wahre“ wissenschaftliche Forschungsmethode zu betrachten. Anders ausgedrückt: Positivismus und Interpretivismus sind nicht mit einander vereinbar.[3]

Den Positivisten zu Folge ist einzig allein ihre erkenntnistheoretische Position die „richtige“ Wissenschaft. Deswegen haben sich andere Forschungsmethoden an ihnen zu orientieren, was zur Folge hat, dass Forschungen wie zum Beispiel die spekulative Metaphysik in den Augen der Positivisten nicht als Wissenschaft betrachtet werden darf.[4]

2.1 Analytische und synthetische Aussagen

Der Positivismus vertritt zwei zentrale Lehrsätze: den Reduktionismus und die Unterscheidung von analytischen und synthetischen Aussagen. Der Reduktionismus versucht komplexe Sachverhalte in ihre Einzelteile zu zerlegen, um sie so besser zu verstehen. Hierbei geht man davon aus, dass man selbst die Natur in ihre kleinsten Bestandteile, bis hin zu den Atomen zerlegen und so ihre komplexesten Phänomene erklären kann. Als Beispiel könnte man hier den Uhrmacher nennen, der seine Uhr in die einzelnen Bestandteile, wie Feder, Zahnrädern und Hebeln zerlegt und so das „System“ Uhr versteht.[5]

2.2 Bedeutungsvolle Aussagen

Ebenso werden bedeutungsvolle Aussagen unterschieden. Die Bedeutung einer Aussage ist davon abhängig, inwieweit sie verifizierbar oder falsifizierbar ist. Bedeutungsvolle Aussagen werden in zwei Gruppen kategorisiert: synthetische und die analytische Aussagen. Die synthetischen Aussagen sind solche, die empirisch belegt werden können und die frei von Vorerfahrungen sind. Des Weiteren kann man sie beobachten und beispielsweise zu der Aussage kommen: ,,Auf dem Mond gibt es Eidechsen.“ Diese Aussage kann durch Beobachtungen entweder verifiziert oder falsifiziert werden. Analytische Aussagen werden hingegen zweigeteilt. Zum einen gibt es Aussagen, die durch formale Logik feststellbar sind, wie beispielsweise: ,,Entweder es regnet, oder es regnet nicht“. Alleine die reine Logik reicht aus, um diese Aussage zu belegen und es benötigt keine weitere empirische Forschung. Zum Anderen gibt es analytische Aussagen, die durch ihre Begrifflichkeiten und Bedeutungen belegt werden. Beispielsweise: „Tote leben nicht“.[6]

Zusammenfassend kann man sagen, dass bedeutungslose Aussagen, also Aussagen, die weder analytischer, noch synthetischer Herkunft sind, nicht wissenschaftlich sind. Somit gilt zum Beispiel die Philosophie, welche sich oft mit nicht zu beobachten metaphysischen Entitäten beschäftigt, nicht als Wissenschaft. Ebenso kann man die wissenschaftlich anerkannten Theorien von Sigmund Freud in den Augen der Positivisten vernachlässigen, da sie keiner empirischen Forschung unterliegen.6

2.3 Kritik an analytischen Aussagen

Quine stellt in seiner Kritik den Typ analytischer Aussagen in Frage, die durch ihre Begrifflichkeit belegt werden. Sein Kritikpunkt ist hier, dass Bedeutungen, Synonyme und Definitionen nach seiner Auffassung nicht verstanden werden können, ohne auf empirische Begriffe zurückzugreifen. Weiter behauptet er, dass wenn es bei solchen Aussagen ausschließlich um den Gebrauch der Begriffe ginge, sie sich nicht mehr von synthetischen Aussagen unterscheiden würden und somit nicht mehr apriorisch wären.[7]

[...]


[1] Kenneth R. Howe: Positivistische Dogmen, Rhetorik und die Frage nach einer Wissenschaft von der Erziehung; in: Johannes Bellmann und Thomas Müller: Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Pädagogik; 2011, S.72

[2] Adorno, Theodor W., Hans Albert, Ralf Dahrendorf, Jürgen Habermas, Harald Pilot und Karl R. Popper: Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie; Neuwied und Berlin; Luchterhand; 1969

[3] Vgl. Kenneth R. Howe: Positivistische Dogmen, Rhetorik und die Frage nach einer Wissenschaft von der Erziehung; in: Johannes Bellmann und Thomas Müller: Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Pädagogik; 2011, S.58

[4] Vgl. Kenneth R. Howe: Positivistische Dogmen, Rhetorik und die Frage nach einer Wissenschaft von der Erziehung; in: Johannes Bellmann und Thomas Müller: Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Pädagogik; 2011, S.59

[5] Vgl. http://www.robertfreund.de/blog/2009/03/21/reduktionismus-die-vereinfachung-komplexer-sachverhalte-ist-unangemessen/ Stand 21.12.2012

[6] Vgl. Kenneth R. Howe: Positivistische Dogmen, Rhetorik und die Frage nach einer Wissenschaft von der Erziehung; in: Johannes Bellmann und Thomas Müller: Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Pädagogik; 2011, S.59

[7] Vgl. Kenneth R. Howe: Positivistische Dogmen, Rhetorik und die Frage nach einer Wissenschaft von der Erziehung; in: Johannes Bellmann und Thomas Müller: Wissen, was wirkt, Kritik evidenzbasierter Pädagogik; 2011, S.60

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656389019
ISBN (Buch)
9783656389309
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211254
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Bundeswehr
Note
1,7
Schlagworte
eine analyse pisa-studie positivismus auswirkungen bildungssystem

Autor

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Titel: Eine Analyse der PISA-Studie auf den Positivismus und ihre Auswirkungen auf das deutsche Bildungssystem