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Die ökonomische Theorie der Kriminalität. Eine kritische Betrachtung des Rational-Choice-Ansatzes zur Erklärung kriminellen Verhaltens.

Bachelorarbeit 2013 36 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in das Thema

2 Definitionen, Zuordnung und Abgrenzung
2.1 Definitionen
2.2 Zuordnung und Abgrenzung der Rational-Choice-Theorie

3 Die theoretische Basis – Von Ursachen und Lösungsstrategien
3.1 Das Dilemma der kriminologischen Theorien…
3.1.1 … am Beispiel der Anomie-Theorie nach Merton
3.1.2 … am Beispiel der Kontrolltheorie nach Hirschi
3.2 Der Rational-Choice Ansatz als Lösung aus dem Dilemma
3.2.1 Das Rational-Choice-Model nach Becker
3.2.2 Berücksichtigung der „Individuellen Risikopräferenzen“

4 Kritik an der ökonomischen Kriminalitätstheorie
4.1 Aus der Theorie ersichtliche Kritik
4.2 Zwischenfazit

5 Überprüfung der ökonomischen Theorie der Kriminalität anhand emp. Untersuchungen
5.1 Überprüfung anhand der Studie von Entorf und Spengler
5.2 Überprüfung anhand des Täter-Opfer-Ausgleichs als Beispiel für die Wirkung von Strafe im Rational-Choice-Ansatz

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abbildungsverzeichnis

Graphik Nr. 1: Übersicht über die Kriminalitätstheorien, eigene Darstellung, 2012

Graphik Nr. 2: Vier Bindungen und kriminelles Verhalten nach Hirschi, eigene Darstellung, 2012

Graphik Nr. 3: Graphik Nr. 3: Risikoverhalten und Verbrechensentscheidung, nach Pyle, 1983, S. 12

Tabellenverzeichnis

Tabelle Nr. 1: Typologie der Arten individueller Anpassung, Merton; Robert, Sozialstruktur und Anomie, Walter de Gruyer-Verlag, Berlin, 1995, S. 293

Tabelle Nr. 2: Strafverfolgungsindikatoren für das allgemeine Strafrecht Entorf, Horst; Spengler, Hannes: Die Abschreckungswirkung der deutschen Strafverfolgung – neue Evidenz durch Verknüpfung amtlicher Statistiken, in: DIW – Research Notes Nr. 5, Berlin, 2005, S. 20

Tabelle Nr. 3: Schadensreduktion in Mio. € durch erhöhte Abschreckung, Entorf, Horst; Spengler, Hannes: Die Abschreckungswirkung der deutschen Strafverfolgung – neue Evidenz durch Verknüpfung amtlicher Statistiken, in: DIW – Research Notes Nr. 5, Berlin, 2005, S. 47

Tabelle Nr. 4: Fallaufkommen, vor und nach der Bereinigung, Kerner, Hans-Jürgen.; Eikens, Anke; Hartmann, Arthur: Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland, in: recht - Bericht für das Bundesministerium der Justiz, Godesberg-Verlag, Mönchengladbach, 2011, S. 12

Tabelle Nr. 5: Leistungsvereinbarung zwischen Beschuldigten und Geschädigten, Kerner, Hans-Jürgen.; Eikens, Anke; Hartmann, Arthur: Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland, in: recht - Bericht für das Bundesministerium der Justiz, Godesberg-Verlag, Mönchengladbach, 2011, S.43

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in das Thema

Kriminalität - wird nicht selten als ein Schichtenproblem betrachtet, welches in vielen Diskussionen oftmals die besser gestellten Teile der Bevölkerung im Vergleich zu ihren sozial schlechter gestellten Pendants bevorteilt. Dabei konzentrieren sich große Bereiche der Wissenschaft und Politik bei der Suche nach Ursachen häufig auf die gesellschaftlich schwächeren und sozial benachteiligten Schichten und Milieus. Dieses liegt womöglich an der Dominanz einiger in Wissenschaft, Politik und Behörden vorherrschend anerkannter Theorien, zum anderen an der generell begrenzten Aussagefähigkeit einzelner kriminologischer Ansätze, häufig einhergehend mit gleichzeitiger Fokussierung auf ausgewählte Teile der Gesellschaft. Bei genauerer Betrachtung wird ersichtlich, dass sich die gewonnenen „eindeutigen“ Ergebnisse spätestens dann relativieren, wenn neben den Untersuchungsmerkmalen Kriminell / Nicht-Kriminell und Schicht-zugehörigkeit auch die Art des kriminellen Handelns Berücksichtigung findet. Nicht selten mit dem Ergebnis, dass jeder Schicht und jedem Milieu ein spezifisch gehäuftes Aufkommen sozial abweichenden Verhaltens zugeordnet werden kann. Diese Erkenntnis bedeutet allerdings nicht, das Schicht X zwangsläufig krimineller ist als in Schicht Y, oder das die in Ihr lebenden Individuen gefährdeter sind kriminell zu werden als etwa Personen anderer Bevölkerungsteile. Es zeigt nur dass bestimmte Verbrechensarten in einigen Teilen der Bevölkerung häufiger auftreten und in anderen weniger. Modelle und Theorien welche Schicht-, Milieu- oder Gruppenzugehörigkeit eng mit delinquentem Verhalten in Verbindung setzen, unterliegen oftmals dem Dilemma, dass sie durch das Fehlen eines schlüssigen Handlungs-konzeptes nicht (ausreichend) erklären können warum kriminelles Handeln stattfindet, oder wieso Menschen in ähnlich schwierigen sozialen Verhältnissen und mit vergleichbaren Lebensläufen eben nicht delinquent werden. Ein Phänomen das selbst dann aufzutreten vermag, wenn viele oder zumindest einige der in den jeweiligen kriminologischen Theorien benannten Ursachen auf eine Gruppe oder einzelne Individuen zutreffen. Diesbezüglich stellt sich aus Sicht der Ökonomie die Frage „Kann die Ökonomische Theorie der Kriminalität einen Beitrag zur Lösung dieses Dilemmas beisteuern, und wenn ja, welchen?“.

In den letzten Jahrzehnten ist es zu einer verstärkten Ökonomisierung vieler gesellschaftlicher Bereiche gekommen, dieser Trend zeigt sich u. a. in der Ökonomisierung des Rechts und der Kriminalität! Wie zuvor in anderen Bereichen, versuch(t)en Vertreter der Ökonomie unter anderem Ansätze zu entwickeln, mit deren Hilfe Erklärungen für (kriminelles) Handeln nachvollziehbar werden soll(t)en. Eines dieser Erklärungsmodelle ist der 1968 vorgestellte und auf Gary Becker basierende „Rational-Choice-Ansatz zur Erklärung kriminellen Verhaltens“, welcher eine Lösung des oben beschriebenen Erklärungsdilemmas anbietet. Zentraler Gedanke dieses Ansatzes ist die Unterstellung eines rationalen und auf Nutzenmaximierung ausgelegten Handlungskonzeptes für alle Individuen, unabhängig von möglicherweise delinquenten Neigungen des Handelnden.

Ziel dieser Bachelor-Arbeit ist es die folgenden Fragen zu klären: „Bietet die ökonomische Kriminalitätstheorie mit dem Rational-Choice-Ansatz ein sinnvolles Handlungskonzept zur Erklärung kriminellen Verhaltens? Und bietet die Theorie nach Becker die versprochene Lösung für das Handlungsdilemma der soziologischen Theorien?“ Es gilt weiterhin zu prüfen ob die auf der Theorie (Kapitel 3) basierende These „Wenn kriminelle Handlungen auf Grundlage rationaler Wahlentscheidungen getroffen werden, dann sollte eine Erhöhung/Verringerung des Strafmaßes den Nettonutzen einer Tat senken/erhöhen und so zu einer Verringerung/Steigerung von Kriminalität führen.“ Diese wird in unter Berücksichtigung einer kritischen Auseinandersetzung (Kapitel 4) und der empirischen Ergebnisse (Kapitel 5) bestätigt oder falsifiziert. Den Schluss dieser Bachelor-Arbeit bildet ein persönliches Fazit (Kapitel 6). Um dem Leser den Einstieg in die Thematik etwas zu erleichtern, folgt im direkten Anschluss an diesen Abschnitt (Kapitel 2) eine kurze Abhandlung über grundsätzliche Begrifflichkeiten und Inhalte, sowie eine Zuordnung und Abgrenzung der ökonomischen Theorie der Kriminalität zu weiteren Kriminalitätstheorien.

2 Definitionen, Zuordnung und Abgrenzung

Dieses Kapitel dient der Erläuterung und Abgrenzung zentraler Begriffe der Ökonomie, des Rechts, der Kriminalität und der Kriminalitätstheorien.

2.1 Definitionen

Kriminologie und Kriminalistik: Beide Begriffe klingen auf den ersten Blick ähnlich und wenig unterschiedlich. Bei genauer Betrachtung zeigen sich jedoch markante Unterschiede. Während sich „Kriminalistik“ u. a. folgen-dermaßen definiert „Kriminalistik wird als Wissenschaft von der Strategie und Methodik der Aufdeckung und Aufklärung, der Täterermittlung und –überführung, vom taktischen und technischen Vorgehen bei der Kriminalitätsbekämpfung bezeichnet. In diesem Kontext umfasst sie das Wissen um die Methoden und Mittel der Verhütung, Aufdeckung und Aufklärung von Straftaten, einschließlich der Fahndung nach Personen und Sachen sowie der Erlangung gerichtlicher Beweise.“ (Forker, 2000, S. 53 f.); wird unter „Kriminologie“ eine empirische und interdisziplinäre Wissenschaft verstanden die sich mit dem Zustandekommen, den Ursachen der Begehung und der Verhinderung bekannter und noch unbekannter Verbrechen beschäftigt und nicht der (praktischen) Aufklärung(sarbeit) von Verbrechen dient. (vgl. Schmelz, 1997, S. 573)

Kriminalität: Unter Kriminalität wird ein von den jeweiligen gesellschaftlichen Normen und Rechten abweichendes, strafbares Verhalten verstanden. Kriminalität ist ein eindeutig negativ assoziierter Begriff welcher u. a. dazu dienlich ist sozial abweichendes Verhalten innerhalb einer Gesellschaft verbal und inhaltlich kenntlich zu machen. Eine weitere, juristische Definition lautet wie folgt: „Kriminalität im juristischen Sinn ist ein Verhalten (Tun oder Unterlassen), das gegen das Strafgesetz verstößt.“ (Hellmer, 1966, S. 11)

Ökonomie des Rechts / Rechtsökonomik: „Betrachtet das Recht als ökonomischen Gegenstand. Vornehmlich Institutionen, Grundlagen und Strukturen des Rechts sowie Fragestellungen rechtlicher Natur werden vom Standpunkt der Volkswirtschaftslehre aus untersucht. […] Dabei bedient sich die ökonomische Analyse des Rechts einer beachtlichen Breite an wirtschaftstheoretischen Ansätzen, insbesondere der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie des Marktes, der Wohlfahrtsökonomik, der ökonomischen Theorie der Regulierung, […] und der Verhaltensökonomik, und ist grundsätzlich allen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen empirischen Methoden zugänglich.“ (Schöbel, 09.12.2012, 12.57 Uhr)

Ökonomie der Kriminalität: Die Ökonomie der Kriminalität ist ein Teilgebiet der Ökonomie des Rechts und beschäftigt sich vornehmlich mit Entscheidungsvorgängen bei (potentiellen) Tätern, der Wirkung von Strafe, und der effizienten Bereitstellung von Sicherheit. Als Frage formuliert könnte der Begriff der „Ökonomie der Kriminalität“ folgendermaßen ausgedrückt werden: Wie viel Kriminalität sollte man zulassen, d.h. wie viel Ressourcen und welche Bestrafung sollte eingesetzt werden, um das Verbrechensaufkommen so weit wie möglich einzuschränken? (vgl. Entorf, 1999, S. 1)

2.2 Zuordnung und Abgrenzung der Rational-Choice-Theorie

Um Kriminalität und kriminelles Handeln wissenschaftlich und möglichst vorurteilsfrei deuten zu können bedienen sich Kriminologen, Psychologen, Pädagogen, Soziologen und Juristen neben empirischen Erhebungen einer Vielzahl von Theorien und Ansätzen aus den Disziplinen Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Medizin/Biologie und Ökonomie. Diese Kriminalitäts-theorien lassen sich u. a. nach ihrem jeweiligen Untersuchungs- und Aussageschwerpunkt unterscheiden und können so entsprechenden Theoriekomplexen zugeordnet werden. Demnach ist es möglich Theorien entsprechend ihrem Inhalt entweder zu den ätiologischen, den konstruktivistischen oder den Abschreckungs-Theorien zu zählen, wobei einige dieser Komplexe noch weiter unterschieden werden können. Ätiologische Theorien (Ursachen-Theorien) lassen sich weiterhin nach ihren soziologischen z.B. Anomietheorie, psychologischen oder biologischen Ursachen z.B. Neurophysiologischer Ansatz unterscheiden; während konstruktivistische Theorien (Normsetzungs-Theorien) wie Beispielsweise der Labeling-Approach-Ansatz von konstruktivistischen Lerntheorien z.B. Lerntheorie nach Bandura differenziert werden können. Einzig bei den Abschreckungstheorien zu denen der Rational-Choice-Ansatz von Becker/Ehrlich zählt scheint eine weitere Unterscheidung derzeit nicht möglich. Siehe hierzu Graphik Nr. 1.

Eine Zuordnung einzelner Theorien und Ansätze bedeutet auch gleichzeitig eine Abgrenzung zu denjenigen Theorien welche nicht im jeweiligen Komplex enthalten sind. So ist der Rational-Choice-Ansatz als eine Abschreckungstheorie etwa von der Anomietheorie oder der Subkulturtheorie, die beide den Ursachentheorien zugeschrieben werden abzugrenzen und zu unterscheiden. Eine weitere mögliche Abgrenzung ist die Abgrenzung dieser (modernen) Theorien zu den „klassischen“ Theorien des 18. Jh. eines Cesare Beccari oder Jeremy Bentham. (KrimLex, 09.12.2012, 18:35 Uhr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 1: Übersicht über die Kriminalitätstheorien, eigene Darstellung, 2012

3 Die theoretische Basis – Von Ursachen und Lösungsstrategien

3.1 Das Dilemma der kriminologischen Theorien…

Geht es um Theorien zur Erklärung von sozial abweichenden Verhalten wird innerhalb der Kriminologie zuweilen der Ausdruck der „Dominanz von Theorien mit mittlerer Reichweite“ verwendet um die begrenzte Aussagekraft einzelner Ansätze zu verdeutlichen. Dieser Ausdruck besagt, dass sich Kriminalitäts-Theorien auf einen begrenzten Untersuchungsbereich konzentrieren und meist nur wenige, ausgewählte Aspekte untersuchen die in einem engen Zusammenhang zur Kriminalität stehen. Dabei ist zu betonen dass der Begriff des Zusammenhangs augenscheinlich eine feste Kausalität von Ursache und Wirkung z.B. Schichtzugehörigkeit und Kriminalität vortäuscht, letztlich aber „nur“ eine Erhöhung oder Verringerung der Wahrscheinlichkeit beschreibt kriminell zu werden. (vgl. Jung, 2007, S. 73) Neben diesem eingeschränkten Untersuchungsspektrum gesellt sich, wie bereits zu Beginn erwähnt, das Problem eines fehlenden Handlungskonzeptes für kriminelles Handeln. Das Dilemma der Aussagekraft von kriminologischen Theorien wird verdeutlicht bei der exemplarischen Betrachtung der beiden folgenden Ursachen-Theorien.

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Details

Seiten
36
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656396628
ISBN (Buch)
9783656396895
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211320
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Schlagworte
theorie kriminalität eine betrachtung rational-choice-ansatzes erklärung verhaltens

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Titel: Die ökonomische Theorie der Kriminalität. Eine kritische Betrachtung des Rational-Choice-Ansatzes zur Erklärung kriminellen Verhaltens.