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Einführung zur archaischen Tyrannis in Ephesos

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definition: Tyrannis

3. Tyrannis in Ephesos
3.1 Pythagoras
3.2 Melas und Pindaros
3.3 Pasikles
3.4 Athenagoras und Komas
3.5 Melankomas

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einführung

Die nachfolgende Hausarbeit entstand im Rahmen des Basismoduls 1 „Geschichte der Antike“, in der Veranstaltung „Die griechische Tyrannis“. Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Überblick über die Tyrannis der Stadt Ephesos in archaischer Zeit zu geben. Zunächst aber ein paar kurze Worte zur Geschichte der Stadt.

Ephesos gehört zu den bekanntesten Städten der Antike und ist vor allem bekannt für ihr Weltwunder – dem Artemistempel. Ephesos liegt an der Ostküste der heutigen Türkei und ist heute, aufgrund geographischer Veränderungen, etwas weiter im Landesinneren gelegen als noch zu archaischer Zeit. Aufgrund seiner geographischen Lage, war Ephesos auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehr bedeutend. Die wichtigste Einkommensquelle stellte der Tempel dar.[1] Die Stadt selbst besteht allerdings schon wesentlich länger. Erste Siedlungspuren in dem Stadtgebiet, werden auf das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert.[2] Erstmals findet die eine Stadt namens Apaša in hethitischen Quellen das 14. Jahrhunderts v. Chr. Erwähnung, von der heute angenommen wird, dass es sich dabei um das heutige Ephesos handelt.[3] Im Tempel selbst wurde Keramik aus mykenischer gefunden, weshalb die Stadt auch damals schon ein wichtiger mykenischer Handelspunkt gewesen sein dürfte.[4]

Um die eigentliche Gründung der Stadt ranken sich verschiedene Legenden. Die wahrscheinlichste Gründungsgeschichte findet sich bei Pausanias. Hier heißt es, dass Androklos sich mit seinem Gefolge um den Tempel angesiedelt hatte, nachdem er die dort ansässigen Karer und Leleger vertrieben hatte.[5] An dieser Stelle bestand die Stadt bis zur Belagerung durch den lydischen König Kroisos[6], auf den später noch kurz eingegangen wird. Diese Geschichte entstand etwa 1000 Jahre nach den dort beschriebenen Ereignissen. Es ist also fraglich, ob es wirklich so abgelaufen ist da nicht bekannt ist, wie viel im Laufe der Jahre verfälscht wurde. Es zeigt aber dennoch, wie wichtig dieser Mythos für das kollektive Bewusstsein der damaligen Bevölkerung war[7] und auch die Tyrannis dürfte einen bedeutenden Einfluss auf diese gehabt haben.

2. Definition: Tyrannis

Als „Tyrannis“ bezeichnet man eine Form der Alleinherrschaft des antiken Griechenlands. Generell wird hier zwischen der älteren und der jüngeren Tyrannis unterschieden. Die Ältere Tyrannis, oder auch Archaische Tyrannis, umfasst einen Zeitraum von ca. 150 Jahren, von der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. bis Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. Die Jüngere Tyrannis bildet die Zeit vom frühen 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die hellenistische Zeit im 4. Jahrhundert v. Chr. In der moderneren Forschung seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die hellenistische Zeit als eine weitere, dritte Periode der Tyrannis hinzugefügt.[8] Sie endet mit der Schlacht von Actium.[9]

Der Begriff „τυραννίδος“ (Tyrannidos) wird Mitte des 7. Jh. v. Chr. als erstes bei Archilochos von Paros in Zusammenhang mit dem Lyderkönig Gyges erwähnt:

"οὔ μοι τὰ Γύγ<εω> τοῦ πολυχρύσου μέλει,
οὐδ' εἷλέ πώ με ζῆλος, οὐδ' ἀγαίομαι
θ<εῶ>ν ἔργα, μεγάλης δ' οὐκ ἐρ<έω> τυραννίδος·
ἀπόπροθεν γάρ ἐστιν ὀφθαλμῶν ἐμῶν."[10]

In diesem Gedicht-Fragment beschreibt Archilochos, dass er weder Interesse am Reichtum Gyges‘ hat, noch das er ein Tyrann sein möchte.[11] Allerdings, so merkt Berve an, ist nicht gesichert, das mit dieser angesprochenen „τυραννίδος“ die Herrschaft von Gyges gemeint ist.[12] Was aber deutlich wird ist, dass der Begriff als solches nicht negativ zu verstehen ist. Für Archilochos ist es vielmehr eine beneidenswerte Situation des Königs. Dieser Neid wird in der Forschung bereits als negatives Attribut der Tyrannis ausgelegt.[13] Ein Tyrann ist also, ungeachtet dieser Aussage, nicht der grausame Herrscher wie er in späteren Geschichten dargestellt wird, sondern lediglich der Machthaber. So findet beispielsweise eine Übersetzung des Fragments, die überhaupt nicht von einem Tyrann oder einer Tyrannis spricht.[14] Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass die vorliegende Quelle anders interpretiert und übersetzt worden ist, als in den meisten anderen Übersetzungen. In einem weiteren Fragment erwähnt Archilochos die Tyrannis explizit als Herrschaftsform. Im vorigen Fragment geht vorwiegend über den Tyrannen als Machthaber. In den letzten Zeilen heißt es:

[...]


[1] Letzner, Wolfram: Kulturführer zur Geschichte und Archäologie. Ephesos. Eine antike Metropole in Kleinasien, Mainz 2010, S. 7.

[2] Ebd., S. 10.

[3] Schwertheim, Elmar: Kleinasien in der Antike. Von den Hethitern bis Konstantin, München 2005, S. 37.

[4] Ebd.

[5] Paus, 7, 2.8.

[6] Vgl. Elliger, Winfried: Ephesos. Geschichte einer antiken Weltstadt, Stuttgart 1985, S. 11.

[7] Vgl. Schwertheim, S. 39.

[8] Cobet, Justus: Tyrannis, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 12/1, Stuttgart/ Weimar 2002, Sp. 948 – 950.

[9] Vgl. Berve, Helmut: Die Tyrannis bei den Griechen. Erster Band. Darstellung, München 1967, S. 383.

[10] Archil., frg. 22 Diehl.

[11] Barceló, Pedro: Basileia, Monarchia, Tyrannis: Untersuchungen zu Entwicklung und Beurteilung von Alleinherrschaft im vorhellenistischen Griechenland. Historia Einzelschriften 79, Stuttgart 1993, S.91.

[12] Vgl. Berve, S. 3.

[13] Ebd.

[14] Vgl. Treu, Max: Archilochos, Göttingen 1959, S. 30.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656392811
ISBN (Buch)
9783656395249
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211400
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Schlagworte
tyrannis ephesos

Autor

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Titel: Einführung zur archaischen Tyrannis in Ephesos