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Erich Kästners Kinderbuch 'Pünktchen und Anton' und dessen Verfilmungen

Ein Vergleich

von Franziska Schmidt (Autor)

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Roman 1931
2.1 Inhalt
2.2 Die Eltern und weitere tragende Rollen
2.3 Zeitlicher Hintergrund und gesellschaftliche Situation

3 Die erste Verfilmung
3.1 Inhalt
3.2 Die Eltern und weitere tragende Rollen
3.3 Zeitlicher Hintergrund und gesellschaftliche Situation

4 Die zweite Verfilmung
4.1 Inhalt
4.2 Die Eltern und weitere tragende Rollen
4.3 Zeitlicher Hintergrund und gesellschaftliche Situation

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Sehr früh schon zeigte sich, welche Faszination von dem Medium „Film“ auch auf die Kinder ausging, wenn diese- in einem verdunkelten Raum vor der großen, magisch-weißen Leinwand sitzend- sich einer bewegten, fotografischen Schein- oder Halbwirklichkeit konfrontiert sahen.“[1]

Schon seit den 1950er Jahren wird in Deutschland Literatur verfilmt, die Zahl der Literaturadaptionen steigt stetig. Bis heute haben vor allem Kinderbücher als Adaptionsgrundlage an Bedeutung nichts verloren. „Adaption bedeutet die Bearbeitung eines (fiktionalen) Stoffes für ein anderes Medium. Der Wechsel findet statt zwischen Medien derselben Kunstform oder Medien unterschiedlicher Kunstformen. […].“[2]

Im Folgenden sollen Erich Kästners Kinderbuch Pünktchen und Anton aus dem Jahre 1931 und dessen Filmadaptionen aus den Jahren 1953 und 1999 analysiert und verglichen werden.

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass „[…] bislang keine gültigen Kriterien entwickelt [wurden], die eine ästhetische Einschätzung der Adaption unter Berücksichtigung ihrer Vorlage ermöglichen würden […].“[3] Um also den Vergleich einzugrenzen, geht es vor allem um die Betrachtung der inhaltlichen Schwerpunkte sowie das Bild der Kinder und der Gesellschaft zur jeweiligen Zeit.

Pünktchen und Anton ist eines der berühmtesten Werke Erich Kästners. In all seinen Kinderbüchern versucht Kästner auf soziale Problematiken aufmerksam zu machen, gleichzeitig aber auch seine Leser zu unterhalten. Auch die Verfilmungen seiner Werke nehmen diese Schwerpunkte auf, soll schließlich die Adaption nichts an Informations- und Unterhaltungswert verlieren. Zusätzlich ist es für die Autoren der Literaturverfilmungen ein Muss, auf das ursprüngliche Werk aufmerksam zu machen. „[Es wird] oftmals betont auf das literarische Vorbild [hingewiesen], so als gelte es, dem Programm durch die Prädikatsverleihung Literaturverfilmung ein besonderes Qualitätssiegel aufzudrücken.“[4] Viele Verfilmungen haben jedoch inhaltlich nur noch wenig mit dem Originalroman gemeinsam. Auch das wird im folgenden Vergleich zu erkennen sein.

2 Der Roman 1931

2.1 Inhalt

Der Roman Pünktchen und Anton erschien 1931, zur Zeit der Weimarer Republik. Die Idee kam Kästner durch eine Kurzgeschichte im Berliner Tageblatt. „Bei dieser […] Geschichte handelt es sich um eine selbstständige Kurzgeschichte, erschienen 1928, die Kästner als einen wesentlichen Teil des Handlungsgerüsts für seinen zweiten Kinderroman […] verwendet hat.“[5] Mit der in Berlin spielenden und fiktiven Geschichte der wohlsituierten Luise „Pünktchen“ Pogge und dem armen aber fleißigen Jungen Anton Gast griff Kästner eine Thematik auf, die bis in die heutige Zeit passt. Er schreibt problemorientiert und realistisch, vor allem was die Problematik der Gegensätze zwischen Arm und Reich in einer Zeit der Weltwirtschaftskrise angeht, aber dennoch ist die Geschichte unterhaltsam und verständlich.

Der Roman beginnt mit der Szene, in der Pünktchen das Betteln zuhause spielt. Es ist eine Art Vorgriff auf die später folgende Handlung, denn Pünktchen und Anton lernen sich beim Betteln kennen. Während Pünktchen gemeinsam mit ihrem Kindermädchen „Fräulein Andacht“ Streichhölzer verkauft um den vermeintlichen Freund von dieser zu beschwichtigen, ist Anton in wirklicher Not. Seine Mutter ist krank, kann nicht arbeiten und so fehlt der Familie das Geld zum Leben. Pünktchen und Anton werden dicke Freunde und erleben gemeinsam viele Abenteuer. Da Anton, um Geld zu verdienen, auch arbeiten geht, leiden seine Schulnoten. Der Lehrer will sich mit der Mutter in Verbindung setzen, Pünktchen kann das jedoch verhindern, indem sie dem Lehrer heimlich von Antons Situation erzählt. Später bemerkt Anton, dass Fräulein Andachts Freund Robert in das Haus der Pogges einbrechen will und verhindert dieses. Robert wird festgenommen und Pünktchens Kindermädchen flieht vor Scham. Die Pogges erkennen die Vernachlässigung ihrer Tochter und nehmen sich von nun an mehr Zeit für sie. Außerdem darf Anton mit seiner Mutter, die Pünktchens neues Kindermädchen wird, bei den Pogges einziehen.

Um verstärkt auf die Situation der einzelnen Protagonisten aufmerksam zu machen, wird ein Großteil der Geschichte in direkter Rede erzählt. Zudem findet man viele Dialoge. Erich Kästner hat außerdem zwischen den Kapiteln kleine „Nachdenkereien“ eingebaut. „Die […] Nachdenkereien […] zwingen den Leser dazu, sich von der Ebene der Handlung zu distanzieren und über sie […] zu reflektieren.“[6]

2.2 Die Eltern und weitere tragende Rollen

Erich Kästner befasst sich in seinem Roman mit zahlreichen Problematiken. Die starken sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich spielen dabei eine wichtige Rolle. Deutlich wird dies vor allem durch die Familien von Pünktchen und Anton. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein. Pünktchen kommt aus gutem Hause. Ihr Vater ist Spazierstockfabrikant, ihre Mutter eine Frau von Welt, die gerne Geld ausgibt und dabei nur wenig Zeit für ihre Tochter hat. Finanziell ist die Familie gut gestellt. Es gibt ein Kindermädchen, „Fräulein Andacht“ und eine Haushaltsdame, die „Dicke Bertha“, wobei Letztere eine weniger große Rolle im Roman spielt. Von einem wirklich erfüllten Familienleben kann bei Pünktchen nicht gesprochen werden. Ihre Eltern haben kaum Zeit für sie und das Kindermädchen nutzt sie aus. Einzig in Dackel Piefke hat sie ein „echtes“ Familienmitglied, das ihr auf Schritt und Tritt folgt. Man erkennt hier deutlich das typische Bild eines Mädchens, dem es zwar nicht an Materiellem, dafür aber an elterlicher Zuneigung fehlt. Dieses klischeehafte Muster findet man bis heute in Romanen und Filmen. Frei nach dem Motto: „Geld allein macht nicht glücklich.“ Pünktchen selbst merkt man das jedoch kaum an. Ihr sind Freundschaft und Gerechtigkeit wichtig, sie ist kreativ und um ironische Aussagen kaum verlegen. „Von dem altklugen Tonfall, in dem sie überwiegend spricht, heben sich […] gerade die Sätze ab, in denen sie ausnahmsweise völlig auf irgend eine ironische Distanz verzichtet.“[7]

Antons Familie beschränkt sich auf die Mutter. Diese kann ihrem Sohn zwar finanziell nicht viel bieten, ist aber für ihren Jungen immer da. Von Antons Vater ist nie die Rede. Schon durch diese Familienstrukturen zeigt sich ein Gegensatz zwischen Arm und Reich, auf wirtschaftlicher und persönlicher Ebene.

Vor allem Antons Charakter und Verhalten ist von Kästner bewusst gewählt. Viele der Hauptcharaktere in seinen Büchern werden als „[…] Musterknaben charakterisiert und erfüllen die Funktion von Vorbildern, denen die jungen Leser nachstreben sollen.“[8]

Das genaue Gegenteil zu Anton stellt Gottfried Klepperbein dar. Er kennt Pünktchen und Anton aus der Schule und ärgert diese regelmäßig. In einer „Nachdenkerei“ in seinem Buch beschreibt Kästner ihn als „[…] faul und zugleich schadenfroh, heimtückisch und gefräßig, geldgierig und verlogen […].“[9]

[...]


[1] Sahr, Michael: Verfilmte Kinder- und Jugendliteratur. S.1.

[2] Ulrike Schwab. Erzähltext und Spielfilm. Zur Ästhetik und Analyse der Filmadaption. S.29.

[3] Hurst, Matthias: Erzählsituationen in Literatur und Film. S. 4.

[4] Vgl. ebd., S. 1.

[5] Steck-Meier, Esther: Erich Kästner als Kinderbuchautor. S. 160

[6] Hübener, Andrea: Erich Kästners Kinder- und Jugendbücher in der Grundschule und Sekundarstufe I. S. 34

[7] Hübener, Andrea: Erich Kästners Kinder- und Jugendbücher in der Grundschule und Sekundarstufe I. S. 36

[8] Haywood, Susanne: Kinderliteratur als Zeitdokument. S. 57

[9] Kästner, Erich: Pünktchen und Anton. S. 115

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656393849
ISBN (Buch)
9783656394648
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211474
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Germanistik
Note
Schlagworte
vergleich erich kästners kinderbuch pünktchen anton verfilmungen

Autor

  • Franziska Schmidt (Autor)

    10 Titel veröffentlicht

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Titel: Erich Kästners Kinderbuch 'Pünktchen und Anton' und dessen Verfilmungen