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Aggressives Verhalten in der Kindertagesstätte

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Aggressives Verhalten
1.1 Analyse
1.2 Ursachen
1.3 Maßnahmen

2. Elternzusammenarbeit

3. Eigene Meinung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Immer wieder fallen Kinder durch ein bestimmtes, oft negatives oder auffälliges, Verhalten in der KiTa auf. Die üblichen Hilfestellungen, die ihnen angeboten werden, damit sie sich in die Gruppe und den Alltag integrieren können, nutzen sie nicht als ihren Vorteil. Diese Kinder haben oft ein aggressives Verhalten, könnten aber auch unter AD(H)S leiden.

Durch ein solches Verhalten werden diese Kinder häufig sozial isoliert. Andere Kinder haben Angst oder fühlen sich im Spiel gestört und lehnen sie deshalb ab. Mehrere Untersuchungen ergaben, dass der Aufbau von Kontakten und das Gestalten von Beziehungen den Kindern schwer fällt, welche eine Entwicklungsstörung haben (Sarimski, Schaumburg 2010, S. 124). Befragungen von Eltern und ErzieherInnen ergaben, dass auch junge Kinder mit Behinderungen seltener Freundschaften schließen als Kinder ohne Behinderung (ebd. S. 125). Die Isolation ist ein Teufelskreislauf. Sie führt zu Stress, Einsamkeit und somit auch weniger Empathiefähigkeit, was es wiederum erschwert Freunde zu finden. Die Gefahr gemobbt zu werden erhöht sich ebenfalls dadurch.

Viele erzieherische Versuche sind bei einigen Kindern nicht ausreichend erfolgreich, sodass ein Gefühl der Machtlosigkeit entsteht. Wenn ein Kind häufig negativ auffällt, wird es mit diesem Verhalten interpretiert. Es wird dann zum Beispiel „Problemkind“ genannt. Verhalten die ErzieherInnen sich gegenüber diesem Kind deutlich frustriert, so hat das Kind keine Motivation mehr sich anzustrengen: „Die Erzieherin schimpft sowieso immer mit mir.“ Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung[1] bewirkt dasselbe.

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit aggressivem Verhalten in der KiTa und gehe auf mögliche Handlungsschritte im Umgang mit den Kindern, aber auch den Eltern ein. Allgemein kann besonders die Zusammenarbeit mit den Eltern kompliziert und herausfordernd sein, wie ich in einem Praktikum miterleben konnte, weshalb dieses Thema in einem eigenen Kapitel beschrieben wird.

1. Aggressives Verhalten

1.1 Analyse

Viele Kinder werden schnell wütend, attackieren unkontrolliert ihre Mitmenschen, werfen mit Gegenständen oder zerstören diese und beleidigen andere. Sind die Kinder in so einem Zustand ist das Ansprechen oder Anfassen fast unmöglich. Solche Situationen können durch Aufforderungen („Zieh deine Schuhe an, wir wollen raus gehen!“) oder durch ein Verbot („Du kannst das jetzt nicht haben, Anna spielt damit!“) ausgelöst werden. Es wurde auch beobachtet, dass solch eine Situation entsteht, wenn das Kind von den Eltern abgeholt wird, es aber gerade viel lieber mit etwas anderem beschäftigt ist.

Die meisten ErzieherInnen sind nicht ausreichend ausgebildet um auf Kinder einzugehen, die ein aggressives Verhalten haben. Sie fühlen sich weniger kompetent in ihrer Arbeit und leiden langfristig unter dem Stress, der täglich entsteht. Kinder mit auffälligem Verhalten ziehen die Aufmerksamkeit der ErzieherInnen auf sich, die eigentlich dazu dienen soll, die gesamte Gruppe zu leiten. Aber auch die anderen Kinder werden durch das Verhalten belastet, gehen auf Distanz und lehnen solche Kinder häufig ab.

1.2 Ursachen

Was sind Aggressionen? Zuerst einmal besitzt jeder ein gewisses Aggressionspotential. Das Wort Aggression an sich ist sehr schwer zu definieren, da es sich auch in der Literatur nicht deutlich genug von anderen Auffälligkeiten abgrenzt (Essau, Conradt 2004). Der Begriff stammt aus dem lateinischen aggredere und bedeutet kriegerischer Angriff. Erst später wurde das Adjektiv dazu gebildet und wird gleichgesetzt mit angriffslustig oder auch herausfordnerd (Drosdowski u. a. 1963, S. 14). Unter Aggressionen werden heute unterschiedliche Verhaltensweisen zusammengefasst, die einem Organismus schädigen (Werbik 1971, S. 233).

Kinder benutzen Aggressionen, um ihre Grenzen und ihren sozialen Handlungsspielraum auszutesten (Eibl-Eibesfeldt 2000, S. 212). Durch die verschiedenen Reaktionen merken sie schnell, was erlaubt ist und was nicht und passen sich meist an. Reift die Persönlichkeit des Kindes, so kann es seine Aggressionen auch besser kontrollieren. Die Kultur, in der sich das Kind befindet, legt fest, inwieweit Aggressionen erlaubt sind. Die körperliche Züchtigung wurde damals als bewährte Erziehungsmaßnahme anerkannt und ist heute, nicht in allen Ländern, aber auf jeden Fall in Deutschland, gesetzlich verboten (BGB § 1631 Abs. 2).

Solche unangemessenen Verhaltensweisen können durch die Veränderung von Lebensräumen entstehen, aus dem das Kind herausgerissen wird, zum Beispiel durch einen Umzug. Aggressive Verhaltensstörungen gehören mit zu den häufigsten Störbildern von Kindern und Jugendlichen (Cordes 2000, S. 2).

Ist das Aggressionspotential bei Kindern zu gering, so führt dies ebenfalls zu Problemen, da die Kinder ihre Interessen nicht durchsetzen und anderen die Grenze ihres Handelns nicht zeigen können.

Wie entstehen Aggressionen? Für die Entstehung der Aggression spielen biologische, psychosoziale, soziologische und situative Faktoren eine große Rolle. Zu allgemeinen Ursachen zählen Schwangerschaftskomplikationen, niedriges Geburtsgewicht, Schädigungen des Nervensystems, sowie das Rauchen während der Schwangerschaft.

Zu den biologischen Faktoren gehören unter anderem die Hormone und die Ernährung. Eine Untersuchung von 800 KiTa-Kindern in Nürnberg stellte fest, dass es zwei Gruppen von Aggression gibt. Der Stresshormonenspiegel Cortisol wurde gemessen und verglichen mit den Verhaltensweisen der Kinder. 5% der Kinder waren reaktiv-aggressiv (auch heiße Aggression genannt) und 3-4% waren instrumentell-aggressiv (auch kalte Aggression genannt) (vgl. Possemeyer 2004, S. 155).

Reaktiv-aggressive Kinder hatten den höchsten Cortisolwert. Sie sind ängstlich, impulsiv, fühlen sich schnell persönlich angegriffen und reagieren darauf mit Aggressionen. Die kleinsten Anlässe verbinden diese Kinder mit Stress (vgl. ebd.).

Im Gegensatz dazu hatten instrumentell-aggressive Kinder den niedrigsten Cortisolwert. Sie suchen eher den Stress, damit sie auf einen normalen Cortisolwert kommen. Charakterlich sind sie furcht- und mitleidslos und setzen Aggressionen ein, um an ihre Ziele zu kommen (vgl. ebd.).

So bräuchten reaktiv-aggressive Kinder eine ruhige, angstfreie Umgebung und instrumentell-aggressive Kinder mehr Aufregung, um nicht aggressiv werden zu müssen (Amrhein 2009, S. 76).

Auch die Ernährung hat einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Eine Untersuchung in einer Schule ergab, dass sich eine Ernährungsumstellung zu einer Veränderung des Verhaltens der Schüler führte (Spurlock 2006, S. 250).

Psychosoziale Faktoren meinen, dass Aggressionen erlernbar sind. Da gibt es zum einen das Lernen am Erfolg durch Belohnung. Eine Belohnung kann auch die Aufmerksamkeit sein, welche die Eltern den Kindern geben, wenn diese gerade aggressiv sind. Die Eltern verstärken das aggressive Verhalten negativ, indem sie dieses Verhalten über sich ergehen lassen oder nicht konsequent handeln.

[...]


[1] »Die selbsterfüllende Prophezeiung beschreibt das Phänomen, dass ein erwartetes Verhalten einer anderen Person (Prophezeiung) durch eigenes Verhalten erzwungen wird. Erwartet jemand ein bestimmtes Verhalten von seinem Gegenüber, erzwingt er durch eigenes Verhalten genau dieses Verhalten.« (http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung)

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656396833
ISBN (Buch)
9783656397496
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211538
Note
1,0
Schlagworte
aggressives verhalten kindertagesstätte

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Titel: Aggressives Verhalten in der Kindertagesstätte