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Thomas Becket als Kanzler

Machtmensch oder "Asket in Höflingsgewand"?

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Jugend von Thomas Becket

3. Thomas Becket als Kanzler
3.1 Der Weg zum Kanzleramt
3.2 Das Verhältnis vom Kanzler Thomas Becket zu Heinrich II
3.3 Thomas Becket im Kanzleramt

4. Berufung zum Erzbischof

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Thomas Becket ist durch seinen brutalen Tod in der Kathedrale von Canterbury im Jahr 1170 als Märtyrer in die englische Geschichte eingegangen. Kaum drei Jahre nach seiner Ermordung durch vier radikale Anhänger König Heinrichs II., wurde er durch Papst Alexander III. am 21. Februar 1173 heilig gesprochen.[1] Diese ungewöhnlich schnelle Heiligsprechung manifestierte die Verehrung Beckets, die nach seinem Tod das gesamte englische Königreich erfasst hatte. Die Todesstätte Thomas Beckets sollte über das gesamte Mittelalter die am häufigsten besuchte Wallfahrtsstätte nördlich der Alpen sein.[2]

Wer war dieser Mann, der den Zorn des englischen Königs und seiner Getreuen dermaßen auf sich gezogen hat? Wieso wurde er als Märtyrer und Heiliger in solch hohem Maße verehrt? Um diese Fragen zu beantworten, muss man das ambivalente Leben Thomas Beckets betrachten. Er war als Kanzler von Heinrich II. einer der engsten Vertrauten des Königs und gleichzeitig sein bester Freund. Als Erzbischof hingegen war Becket einer der größten Widersacher des Königs in England und wurde von diesem ins Exil gejagt.

In dieser Arbeit soll es darum gehen, Thomas Becket als „weltliche“ Persönlichkeit vorzustellen, sein Handeln sowie seine politischen Verdienste für die englische Krone darzustellen und die Frage zu klären, ob er als Kanzler ein machtgieriger Mann oder ein „Asket in Höflingsgewand“[3] gewesen ist. Dabei wird zunächst die, wenig bekannte, Jugend von Becket und sein Werdegang zum Kanzleramt beleuchtet. Danach widmet sich die Arbeit seinen Aktivitäten als Kanzler, mit denen er sich noch als getreuer Diener seines Königs präsentierte. Abschließend wird Beckets Berufung zum Erzbischof von Canterbury beschrieben. Die Bekleidung des höchsten kirchlichen Amts in England, stellte den Grundstein für den Bruch Beckets mit dem König dar.

Die Quellen zu dem Leben von Thomas Becket und seiner Zeit sind nicht nur aufgrund etlicher Viten, die nach seiner Heiligsprechung verfasst wurden, äußerst zahlreich.[4] Zu Beginn des 12. Jahrhunderts begann das englische Königshaus mit einer intensiven Zentralisierungspolitik und dem Ausbau der königlichen Verwaltung. In Folge dessen, nahm die Anzahl der schriftlichen Dokumente, wie etwa Urkunden und Steuerlisten, schlagartig zu. Auch begannen zahlreiche Personen, wie Johann von Salisbury oder auch Thomas Becket, private Briefsammlungen anzulegen, die bis zur heutigen Zeit erhalten geblieben sind. Daher haben wir ein vergleichsweise gutes Wissen über das England des 12. Jahrhunderts.[5]

Durch die gute Quellenlage ist das Leben von Thomas Becket in der modernen Forschung ausgiebig dargestellt, auch wenn die wichtigsten Werke über den Kanzler und Erzbischof naturgemäß aus dem englischen Raum stammen. Zu den wichtigsten Werken in deutscher Sprache zählen mit Sicherheit die hervorragende Biographie von Pierre Aubé und das Buch von Hanna Vollrath über das Leben von Thomas Becket. Im Folgenden werde ich mich auch bei biographischen Abschnitten auf diese beiden Autoren und auf die Aufzeichnungen von William fitz Stephen stützen.

2. Die Jugend von Thomas Becket

Über die Jugend von Thomas Becket ist, trotz seiner zahlreichen zeitgenössischen Biographen, nur relativ wenig bekannt. Bemerkenswert ist zudem, dass keiner seiner Zeitgenossen das Geburtsjahr von Thomas Becket erwähnt. Weder in den Werken von fitz Stephen, noch in anderen Viten findet man präzise Datierungen zu Thomas Beckets frühen Lebensjahren. Nur aufgrund der späteren Altersangaben, lässt sich das Geburtsjahr von Becket bestimmen. Da allerdings die Angaben voneinander abweichen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, in welchem Jahr Becket geboren wurde. Man geht heute davon aus, dass Becket zwischen den Jahren 1118 und 1120 das Licht der Welt erblickte.[6]

Als gesichert gilt hingegen, dass Thomas Becket in London geboren und aufgewachsen ist. Schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts war London eine der größten Städte Englands und als wachsende Handelsstadt ein Anziehungspunkt für Menschen von Nah und Fern. Auch Thomas Beckets Vater war einer der zahlreichen Männer, der mit seiner Familie in das aufblühende Handelszentrum an der Themse zog. Gilbert Becchet stammte aus Rouen und konnte seiner Familie aufgrund seiner Tätigkeit als Kaufmann ein wohlbehütetes Zuhause bieten.[7] Dank der Beschreibung eines anonymen Chronisten aus Lambeth, haben wir ein verlässliches Bild von der Geburtsstadt Beckets und der Umgebung, in der er aufgewachsen ist. Sein Vater hatte es als Kaufmann und Händler in London schnell zu Wohlstand und bescheidenem Reichtum gebracht, so dass er und seine Familie im Londoner Bürgertum Akzeptanz fanden.[8] Thomas‘ Mutter stammte ebenfalls aus Frankreich. Mathilde wurde in Caen geboren und zog wahrscheinlich schon mit Gilbert Becchet als ihren Ehemann nach London, wo sie ihm drei Töchter und einen Sohn gebar.[9] Die meisten Zeitgenossen, auch William fitz Stephen, berichten, dass es schon während der Schwangerschaft Mathildes das erste göttliche Zeichen gab, welches auf die zukünftigen Taten von Thomas deutete. Mathilde will in einem Traum die gesamte Kirche von Canterbury in sich getragen haben.[10] Ein eindeutiges Zeichen, wofür ihr Kind bestimmt war. Die meisten Überlieferungen sind großzügig mit weiteren solcher „Wunder“ ausgeschmückt, die allerdings als damals übliche Übertreibung abgetan werden können.

Ob Mathilde wirklich einen solchen Traum gehabt hat oder nicht, fest steht, dass sie versucht hat, ihren Sohn zu einem ehrenwerten, gottesfürchtigen Menschen zu erziehen. Thomas' Mutter verstand es auch, in ihm eine tiefe Frömmigkeit und einen festen Glauben an Gott zu wecken, von dem er in seinem gesamten Leben nicht abweichen sollte.[11] Thomas verinnerlichte so die typischen christlichen Ideale seiner Zeit. Für ihn war Sparsamkeit eine Tugend und er verstand, dass „Geben seliger den Nehmen sei.“[12] Beckets wichtigstem Biographen, William fitz Stephen, verdanken wir eine gute, allerdings wohl auch idealisierte, Beschreibung des jungen Thomas: „Seine Worte waren voller Unschuld und Liebreiz. Er war von schlankem Wuchs und anmutigem Äußeren. Gute Beispiele ahmte er gelehrig nach. Er zeigte schon vor der Zeit Klugheit und vereinte den Charme der Jugend mit der Ernsthaftigkeit des Mannesalters.“[13] Auch andere Zeitgenossen beschreiben den auffälligen Charakter des Knaben. Johannes von Salisbury, ein durchaus kritischer Mann, ist das gute Gedächtnis und der aufmerksame Verstand von Thomas aufgefallen. Die Eigenschaften, die Becket im Alter auszeichnen sollten, wies er bemerkenswerter Weise schon als Jugendlicher auf.[14]

[...]


[1] Aubé, Pierre: Thomas Becket. Eine Biographie, übers. von: Heinemann, Enrico/Schäfer, Ursel, Zürich, 1990, S. 356ff.

[2] Vollrath, Hanna: Thomas Becket. Höfling und Heiliger, Zürich, 2004, S. 11. [3] Vollrath, Hanna. In: Ebd., S.39.

[4] Insgesamt sind heute nur noch 13 Viten über Thomas Becket erhalten. Die verlässlichsten zeitgenössischen Biographien über Thomas Becket stammen von Herbert von Bosham und William fitz Stephen. Vgl. Vollrath, S. 11f.

[5] Aurell, Martin: Die ersten Könige aus dem Haus Anjou. In: Vollrath, Hanna/Fryde, Natalie (Hrsg.): Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm den Eroberer bis Richard III., München, 2004, S. 71- 101, S.71ff.

[6] Vollrath, S. 19.

[7] Aubé, S. 23.

[8] Ebd.

[9] Ebd., S. 27. [10] Aubé, S. 27. [11] Ebd., S. 29.

[12] Pierre Aubé. In: Ebd., S. 30.

[13] William fitz Stephen, zit. nach: Aubé, S. 30.

[14] Aubé, S. 30.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656394105
ISBN (Buch)
9783656394259
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211631
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Schlagworte
Thomas Becket England Mittelalter Heinrich II.

Autor

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Titel: Thomas Becket als Kanzler