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Verantwortung in Partnerschaften aus christlich-ethischer Sicht

Unterrichtsentwurf 2012 17 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachwissenschaftliche Analyse
2.1 Beziehungsformen im historischen Wandel
2.2 Ethische Reflexionen
2.2.1 Fischer
2.2.2 Rendtorff

3.Fazit

4. Fachdidaktische Analyse

1.Einleitung

Dieser Unterrichtsentwurf umfasst das Thema „Partnerschaft in Verantwortung leben“. Da es sich bei diesem Thema um ein sehr weitläufiges handelt, wird während des gesamten Entwurfs auf eine Differenzierung von sexuellen Präferenzen verzichtet, ebenso wie auf polygame und promiskuitive Beziehungsformen. Anstelle soll der Fokus auf feste Beziehungsstrukturen gesetzt und sich der Frage, wie sich aus christlich-ethischer Sicht verantwortungsvolle Partnerschaften auszeichnen, angenähert werden. Hierzu sollen zunächst in der fachwissenschaftlichen Analyse partnerschaftliche Entwicklung im historischen Wandel dargestellt werden. Hierauf erfolgt eine Reflexion über unterschiedliche, divergierende Stellungnahmen in der christlichen Ethik, an die eine eigene Positionierung anschließt. Diese Grundlage dafür bieten die Ethiker Trutz Rendtorff und Johannes Fischer.

Zuletzt folgt die fachdidaktische Analyse, bei der es darum geht, diese wissenschaftliche Ausführung in den Schulalltag von Schülerinnen und Schülern zu integrieren. Deshalb erfolgt abschließend die begründete Wahl eines Wertemodells, mit dem das Thema „Partnerschaft in Verantwortung leben“ angemessen für den schulischen Unterricht aufbereitet werden kann.

2.Fachwissenschaftliche Analyse

2.1 Beziehungsformen im historischen Wandel

In diesem Abschnitt sollen die Strukturen von partnerschaftlichen Beziehungen im historischen Wandel vom vorindustriellen Zeitalter bis in die Postmoderne berücksichtigt werden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts konnte die vorindustrielle Familie als eine Art Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft bezeichnet werden. Diese Bezeichnung ist zum Einen darauf zurückzuführen, dass das Familienleben durch einen generationsübergreifenden Zusammenschluss gekennzeichnet war. Paare lebten nicht nur mit ihren Kindern, sondern häufig auch mit ihren Eltern und/oder Schweigereltern zusammen. Zum Anderen leitet sich diese Bezeichnung aber auch von ihrer alltäglichen Struktur ab: das familiäre Verhältnis lässt sich als symbiotisch charakterisieren, da ihr Arbeits- und Alltagsleben durch die Verteilung von Aufgaben bestimmt war.[1] Jedes Familienmitglied hatte seinen eigenen, mit dem der anderen abgestimmten Funktionsbereich. Durch diese effektive Arbeitsteilung konnte die Familie sicher stellen, dass gemeinsame Interessenschwerpunkte und Ziele zeitnah und akkurat umgesetzt werden konnten. Hierbei stand das Kollektiv deutlich im Vordergrund, individuelle Bedürfnisse traten in den Hintergrund.[2]

Mit der Industrialisierung taten sich die ersten Veränderungen in der familiären Gemeinschaft auf. Die Aufgabenteilung wurde erstmals zur Aufgabentrennung. Hierbei kristallisierte sich die „klassische Rollenverteilung“ heraus, bei der sich das Aufgabenfeld des Mannes auf seinen beruflichen Verdienst und die Rolle als Familienernährer konzentriert. Im Gegenzug dazu entwickelte sich die Frau als Verantwortliche für den Haushalt und die gemeinsamen Kinder und übernahm die Rolle der Versorgerin.[3] Das Geschlechterverhältnis blieb hierbei zwar symbiotisch, allerdings nahm diese Symbiose anders ausgeprägte Züge an: während der Mann zwar wie vorher in Abhängigkeit zum Aufgabenbereich der Frau steht, ist diese ihm nun allerdings materiell unterlegen und steht in seiner finanziellen Abhängigkeit. Hinzu kommt außerdem, dass die Arbeitsumfelder der beiden Partner erstmals divergieren und sich somit eine neuartige geographische Ungleichheit auftut.

Das 19. Jahrhundert und die Errichtung des Sozialstaates brachten eine weitere bedeutsame Veränderung in den Strukturen von Partnerschaften. Soziale Unterstützungsprogramme wie Bausparprämien, Sozialhilfe und Ausbildungsbeihilfe förderten die Ausbildung von individuellen Bedürfnissen und lockerten materielle Abhängigkeit und Unterordnung innerhalb der Familie und Partnerschaften auf. Die Familie wird nicht mehr ausschließlich als Kollektiv betrachtet, sondern ihre einzelnen Mitglieder treten in den Vordergrund und erfahren individuelle Behandlung nach ihren persönlichen Bedürfnissen.[4]

Dennoch ist die wohl größte Veränderung in den partnerschaftlichen Verhältnissen in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu vermerken. Das Bild der gut bürgerlichen Kleinfamilie, der monogamen Ehe ohne Scheidungsoption und die geschlechterspezifische Rollenverteilung gehört seit den Emanzipations- und Frauenbewegungen der Vergangenheit an. Im Fokus steht nun die Frau mit ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen, die ihren Anspruch auf Bildung und Beruf deutlich macht. Juristisch wird diese bedeutsame Veränderung der weiblichen Lebensgestaltung zudem gefestigt, indem diese Rechte in das Bürgerliche Gesetzbuch im vierten Buch über das Familienrecht eingegliedert werden und dabei im Jahr 1998 den nicht unerheblichen Rahmen von §1297 bis §1587 umfassen.[5]

Diese emanzipatorische Bewegung rief nicht unerhebliche demographische Veränderungen für den Beginn des 21. Jahrhunderts hervor. Zum Einen lässt sich eine sinkende Heiratsneigung verzeichnen, da die Ehe nicht länger als Statussymbol fungiert oder der Existenzsicherung dient.[6] Beispielhaft lag das Erstheiratsalter bei Männern in Westdeutschland 1960 bei 25,9 Jahren, im Jahr 2004 jedoch bereits bei 31 Jahren. Ähnlich verhält es sich mit den Frauen, die 1960 im Durchschnitt das erste Mal die Ehe mit 23,7 Jahren eingingen. Vierundvierzig Jahre später, also im Jahr 2004, hatte sich das Alter bereits auf 28,4 Jahre erhöht.[7] In Ergänzung dazu stieg die Scheidungsrate jedoch drastisch. Während in Deutschland in den 1960er Jahren von 10.000 Ehen 39,2 geschieden wurden, lag diese Quote im Jahr 2005 schon bei 112,4, was fast einer Verdreifachung gleichkommt.[8] Des Weiteren ist auch ein Rückgang in der Geburtenquote vorherrschend. Im Jahr 1960 betrug die deutsche Geburtenziffer, also die Anzahl der Kinder pro gebärfähige Frau, noch 2,37, während im Jahr 2007 Frauen im gebärfähigen Alter nur noch durchschnittlich 1,37 Kinder auf die Welt brachten.[9]

Insgesamt haben die partnerschaftlichen Konstruktionen also an Pluralität gewonnen. Dies ist jedoch nicht ausschließlich auf das gewandelte Bild und die veränderte Bedeutung der Ehe zurückzuführen, sondern hat auch pragmatische Gründe. Dadurch, dass Frauen nun ihre Priorität auf die Bildung und die berufliche Karriere verlagert haben, nahm ihr Ausbildungs- und Arbeitsverhältnis mehr Zeit in Anspruch als vorher, sodass das eheliche Leben und die Erfüllung eines Kinderwunsches zeitlich nach hinten verlagert werden musste. Viele Frauen haben sich dann allerdings auch gänzlich gegen die Gründung einer Familie entschieden, weil sie Gefallen an einem berufsorientierten Leben gefunden haben. Dies ist ein Erklärungsansatz für den starken Geburtenrückgang seit den 1960er Jahren. Zum Anderen ist er aber auch darauf zurückzuführen, dass in den 60er und 70er Jahren das Bewusstsein durch die Popularisierung von Verhütungsmitteln geschult wurde, dass Sexualität und Generativität nicht exklusiv miteinander verbunden sind. Alternativ zur Ehe gewann die partnerschaftliche Beziehung im eheähnlichen Verhältnis an Beliebtheit, sodass Heiraten häufig auch nur noch mit dem Zusammenfall eines Kindes auftraten. Zudem scheint in Deutschland die Heirat aber auch keine Bedingung mehr für die Erfüllung eines Kinderwunsches zu sein, wie Statistiken über außereheliche Geburten zeigen. Während 1960 die Quote bei 95.321 Kindern lag, hatte sie sich im Jahr 2006 mit 197.010 Kindern um 106,7% erhöht.[10]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die partnerschaftlichen Veränderungen vom vorindustriellen Zeitalter bis in die Postmoderne Tendenzen aufzeigen, die sich vom Kollektiv zum Individuellen entwickeln. Das partnerschaftliche Zusammenfinden ist nicht länger an ein sehr kleines Spektrum gebunden, das abhängig ist von gemeinsamer Lebensweise, übereinstimmendem Erfahrungshorizont und Gemeinsamkeiten. Vielmehr ist das Prinzip der freien Partnerwahl mit einem individuell gestalteten Lebenskonzept in der Postmoderne vorherrschend.[11] Bedingt durch tendenziell eher ungleiche Lebensweisen und Lebensgestaltungen werden die Partner dazu animiert, ihre Beziehung subjektiv zu gestalten und auszurichten

[...]


[1] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 121.

[2] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 120.

[3] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 121.

[4] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 122.

[5] Vgl. Beck, 1998.

[6] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 123.

[7] Vgl. Burg-Lempart, 2010, S. 26.

[8] Vgl. Burg-Lempart, 2010, S. 27.

[9] Vgl. Burg-Lempart, 2010, S. 27.

[10] Vgl. Burg-Lempart, 2010, S. 27.

[11] Vgl. Beck-Gernsheim, 1994, S. 126.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656411475
ISBN (Buch)
9783656412212
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211734
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Theologische Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
partnerschaft verantwortung

Autor

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