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Das Schulwesen in Bayern unter Montgelas

Seminararbeit 2012 22 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung Bayerns zum modernen Staat
2.1. Maximilian IV. Joseph (Max I.) und Maximilian Joseph Freiherr
von Montgelas
2.2. Die Außenpolitik Montgelas‘
2.3. Innenpolitische Reformen

3. Das Schulwesen unter Montgelas
3.1. Verwaltungssystem
3.2. Erste Phase der Schulreformen
3.3. Zweite Phase der Schulreformen
3.4. Lehrerbildung

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bayern befand sich im 19. Jahrhundert in einer Hochphase. Im Jahre 1799 verstarb der Kurfürst Karl Theodor.[1] Zum neuen Kurfürsten erhob man Max IV. Joseph, der im Jahre 1806 als Max I. zum ersten König Bayerns aufstieg.[2] In den Jahren 1799-1817 galt Maximilian Joseph Freiherr (seit 1809 Graf) von Montgelas, den Max Joseph von Zweibrücken im Jahre 1795 zu seinem politischen Berater machte, als der führende Politiker in Bayern.[3] Montgelas war sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch tätig und formte somit den Staat Bayern. Und nicht ohne Grund nennt der Historiker Eberhard Weis diese Periode, in der König Max regierte und Montgelas als leitender Minister tätig war, als die „Begründung des modernen bayrischen Staates“.[4] Als hervorragende außenpolitische Erfolge sind aufzuzählen die bedeutende Erweiterung des Territoriums in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 und des Friedens von Pressburg von 1805[5], sowie die Erhebung Bayerns zum Königreich am 1. Januar 1806 und somit auch das Erlangen „der vollen staatlichen Souveränität“.[6]

Beide Staatsmänner waren aufklärerisch erzogen worden, weshalb sie sich in ihren Zielen, die Missstände im Staat zu beheben, auch einig waren. Schon im Jahre 1796 hatte Montgelas in Ansbach ein Programm erarbeitet, das „Ansbacher Mémoire“[7], welches so gut wie alle politischen Bereiche erfasste und den bayrischen Staat neu organisieren sollte. Dieses Programm galt auch als Grundlage für die darauf folgenden innenpolitischen Reformen, die auch als die „Revolution von oben“[8] bezeichnet wurden. Dadurch, dass Bayern viele neue Gebiete hinzugewonnen hat, war das Ziel der „Revolution von oben“ die Schaffung eines einheitlichen Staates, was nur mit der Veränderung bestimmter politischer, religiöser, militärischer, sowie gesellschaftlicher Bereiche möglich war.

Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich zunächst die außenpolitischen Tätigkeiten Montgelas’ und zudem auch seine innenpolitischen Neuregelungen aufzeigen. Im weiteren Verlauf werde ich dann einen Überblick über die Änderungen in der Bildungspolitik, einem ebenfalls von Reformen betroffenen Bereich, geben. Um den Rahmen der Arbeit aber nicht zu sprengen werde ich mich nur auf das Schulwesen konzentrieren und mit dieser Arbeit versuchen dem Leser einen Überblick verschaffen zu können. Bei der Abhandlung und Vorstellung des Schulwesens in Bayern werde ich versuchen auf die Fragen, inwiefern Ansätze einer Schulpolitik zu vermerken waren, welche bildungspolitischen Umwälzungen von der Regierung getätigt worden waren oder nur ansatzweise getätigt worden sind und welche Phasen eventuell zu verzeichnen sind, Antworten zu geben.

2. Die Entwicklung Bayerns zum modernen Staat

2.1. Maximilian IV. Joseph (Max I.) und Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas

Maximilian IV. Joseph entstammte aus dem Hause der Wittelsbacher. Im Jahre 1795 wurde er nach dem Tod seines Bruders Karls II. Herzog von Zweibrücken. Da zu dieser Zeit aber das Gebiet vom französiscehn Heer besetzt war, war er gezwungen zu flüchten und lebte in Mannheim und Ansbach. Nach dem Tod seines Onkels Karl Theodor wurde er 1799 der neue Kurfürst von Bayern und ab 1806 regierte er als König Max I. in Bayern.[9]

Im Jahre 1796 berief Maximilian IV. Joseph Montgelas zu seinem politischen Berater. Montgelas wurde im Jahre 1759 geboren, er absolvierte in Straßburg das Studium der Rechte, während dessen er auch den Geist der Aufklärung in sich aufnahm. Bereits mit 18 Jahren wurde Montgelas unbesoldeter Hofrat und Bücherzensor in München, wo er aber in Ungnade des Kurfürsten Karl Theodor fiel, weil er aufklärerische Literatur, anstatt sie zu beseitigen, förderte. Aus diesem Grund und ebenso weil er keine Aussicht auf Besoldung hatte wechselte Montgelas in den Dienst des Herzogs Karls II. von Zweibrücken. Montgelas‘ erste Reformpläne sind bereits in dieser Zeit zu verzeichnen, denn nachdem ihn Maximilian IV. Joseph zu seinem Berater machte, entstand auch sein erstes Konzept für seine Reformpolitik, das „Ansbacher Mémoire“.[10] Ab 1799 bis zu seinem Tod im Jahre 1817 war Montgelas leitender Minister, er hatte die Position des Außen-, Finanz- sowie Innenministers inne.[11]

2.2. Die Außenpolitik Montgelas‘

Beim Regierungsantritt des Kurfürsten Maximilian IV. Joseph und seines Ministers Montgelas befand sich Bayern in einer Krise. Der zweite Koalitionskrieg war 1799 ausgebrochen. Österreichische Truppen befanden sich in Süddeutschland und Bayern war dazu gezwungen ein Bündnis mit Österreich einzugehen. Nach der Niedelage Österreichs bei Hohenlinden musste Bayern große Verluste verzeichnen und war dazu gezwungen sechs Millionen Gulden Kriegskontributionen an den Oberbefehlshaber der französischen Armee zu zahlen.[12]

Bereits zu dieser Zeit verbreitete sich in Bayern die „Sympathie für Frankreich“.[13] Die bayrische Politik arbeitete darauf hin ein Bündnis mit Frankreich einzugehen. Für die bereits zuvor von Frankreich besetzten linksrheinischen Gebiete wurden Bayern in einem Vertrag mit Frankreich im Jahre 1801 Entschädigungen für den Verlust zugesichert. Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 war es Bayern gelungen große Gebiete zu erwerben.[14]

Bereits bevor der dritte Koalitionskrieg ausgebrochen war schloss Frankreich mit den süddeutschen Staaten Bündnisse. Im Krieg kämpfte nun Bayern an der Seite von Frankreich und im Dezember 1805 besiegte Napoleon in der Dreikaiserschlacht von Austerlitz die Österreicher und Russen. Nach Anweisungen von Montgelas kam es zum französisch-bayrischen Vertrag von Brünn, aus dem hervorging, dass Bayern weitere Gebiete erhielt.[15] Im darauf folgenden Frieden von Preßburg musste Österreich weitere Gebietserwerbungen Bayerns anerkennen (Tirol und Vorarlberg), sowie den Königstitel für Bayern (sowie Württemberg) akzeptieren. Am 1.1.1806 wurde Bayern zum Königreich proklamiert und erhielt nun die volle Staatssouveränität.

Im Juli 1806 traten Bayern, sowie weitere 15 Staaten, dem Rheinbund bei, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zerfiel. Der Beitritt war wiederrum auf Montgelas‘ Rat erfolgt. Bayern hatte zunächst Bedenken, dass die kurz zuvor gewonnene Souveränität wieder eingeschränkt werden kann. Doch Montgelas hatte bereits verstanden, dass Napoleons Macht begrenzt war und durch den Beitritt aber politische und ebenso territoriale Vorteile in Erscheinung treten werden.

Das bayrisch-französische Verhältnis verschlechterte sich, die antifranzösische Stimmung nahm zu. Bayern war den materiellen und finanziellen Anforderungen französischer Truppen nicht gewachsen und geriet in Not. Wirtschaftliche Nachteile brachte auch die Kontinentalblockade. Napoleons Maßlosigkeit und Herrschsucht hatte den Höhepunkt erreicht.

1812 brach Napoleon zum Russlandfeldzug auf und Bayern war als Rheinbundmitglied dazu verpflichtet mit Frankreich in den Krieg zu ziehen. 30000 bayrischen Soldaten verloren hierbei ihr Leben. Bayern stand am Abgrund. Hier sah Montgelas eine Chance den Staat zu retten und bereitete einen Bündniswechsel vor.

Am 8.10.1813, eine Woche vor der Schlacht von Leipzig, unterzeichnete der dazu ermächtigte Divisionskommandeur Wrede mit dem österreichischen General Prinz von Reuß den Bündnisvertrag von Ried. Im Vertrag wurde festgelegt, dass Bayern den Rheinbund verlässt, dem österreichischen Oberkommando die Verfügungsgewalt über seine Armee gibt. Ebenso wurde aber Bayern weiterhin die Staatssouveränität garantiert, sowie die bisherigen Gebietserwerbungen.

So stamd Bayern, dadurch dass der Bündniswechsel rechtzeitig erfolgt war, bereits in der Schlacht bei Leipzig (16.-19-10.1813) auf der Seite der europäischen Alliierten. Napoleon erlitt eine Niederlage und Bayern zusammen mit Österreich und Preußen gingen als Sieger hervor.

Der Systemwechsel Bayerns zog die anderen Rheinbundmitglieder nach sich, der Rheinbund löste sich auf und bayrische Truppen, sowie zahlreiche bewaffnete Freiwillige nahmen am Feldzug im Jahre 1814 teil. Am 10.4.1814 dankte Napoleon ab.

Eberhard Weis sieht nicht allein das Erlangen der Königswürde, sowie die territoriale Vergrößerung des Staates als Verdienst des französisch-bayrischen Bündnisses in der Rheinbundära, sondern in erster Linie auch die „Abrundung und Konzentration des Staatsgebietes“, sowie Eliminierung aller Enklaven.[16] Die Abrundung des Gebietes, mit Hilfe derer natürliche Staatsgrenzen geschaffen werden konnten, sowie das Erlangen der Souveränität bildeten die Voraussetzungen für einen in sich geschlossenen, modernen, zentral geleiteten bayrischen Staat und forderten nun aber auch zur Wahrung dieser Erträge die Herstellung einer ebenso einheitlichen inneren Politik.

2.3. Innenpolitische Reformen

Wie schon erwähnt war es Montgelas‘ Ziel den bayrischen Staat zu organisieren, um diesen effektiv und zentral lenken zu können. Er verfasste bereits im Jahre 1796, zu dem Zeitpunkt, als er noch nicht einmal leitender Minister im Staate war, ein Programm, das „Ansbacher Mémoire“, das als Grundlage für die innenpolitische Reformen galt.[17]

Montgelas „Revolution von oben“, die er während seiner Tätigkeit als Minister durchgeführt hatte, betraf sowohl den Staat und die Verwaltung, als auch die Gesellschaft. Unter Montgelas veränderte sich das Verhältnis zwischen Staat und Dynastie, der Staat galt nicht mehr als ein Fideikommiss, der nur vererbt werden konnte. Montgelas, der nach dem König wichtigste Mann Bayerns, verstand es aber, dass seine Revolution nur mit Hilfe des Königs durchzuführen war, weshalb er in der Zwischenzeit die Monarchie in die Staatsverfassung eingliederte. Der Fürst wurde Teil des Staates. Weiterhin wurde die byarische Behördenstruktur neu strukturiert.

Bayern tolerierte keine Enklaven, da die dort herrschenden Rechte nicht vom bayrischen Staat veräußert wurden. Weiterhin sollte die Reichsritterschaft in den Staat eingegliedert, die Post übernommen, die Stände abgeschafft, gegen die Kirche vorgegangen und Kommunalverwaltungen verstaaltlicht werden.

[...]


[1] Vgl.: Weis, Eberhard: Die Begründung des modernen bayrischen Staates unter König Max I. (1799-1825), in: Spindler, Max (Hrsg.): Handbuch der bayrischen Geschichte, Bd 4/1, München 1974, S. 3.

[2] Vgl.: Weis, Eberhard: Maximilian I., König von Bayern, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 487 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118579428.html, Zugriff am 12.06.2012.

[3] Vgl.: Weis, Eberhard: Maximilian I., König von Bayern, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 488 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118579428.html, Zugriff am 12.06.12; sowie Vgl.: Weis, in: Spingler: 1974, S. 5f.

[4] Weis, in: Spindler: 1974, S. 3.

[5] Vgl.: Ebd.: S. 19.

[6] Ebd.: S. 20; vgl. hierzu auch: Hartmann, Peter Claus: Kultur und Bildung in Bayern von der Säkularisation bis zum Ende der Regierung Ludwigs I. (1800-1848), in: Amann, Konrad (Hrsg.): Geschichte akruell: historische Vorträge und Aufsätze zu aktuellen Fragen (Mainzer Studien zur Neueren Geschichte, Bd. 3), Frankfurt am Main 2000, S. 137.

[7] Ediert und kommentiert: Weis, Eberhard: Montgelas‘ innenpolitisches Reformprogramm: Das Ansbacher Mémoire für den Herzog vom 30.9.1796, ZBLG 33/1, München 1970, S. 219-256.

[8] Weis, in: Spindler, 1974, S. 53.

[9] Im folgenden Kapitel stütze ich mir vor allem auf diese Literatur: Bayern, Prinz Adalbert von: Max I. Joseph von Bayern: Pfalzgraf, Kurfürst und König, München 1957; Weis, 1990, S. 487-490 [Onlinefassung]; Weis, 1997, S. 55-63 [Onlinefassung]; Weis, in: Spindler, 1974, S. 3-86; Weis, Eberhard: Das neue Bayern – Max I. Joseph, Montgelas und die Entstehung und Ausgestaltung des Königreiches 1799 bis 1825, in: Glaser, Huber (Hrsg.): Wittelsbach und Bayern. Krone und Verfassung. Max I. Joseph und der neue Staat, Bd 3/1, München 1980, S. 49-64; Weis, Eberhard: Montgelas, Zwischen Revolution und Reform 1759-1799, Bd. 1, München 1988; Weis, Eberhard: Montgelas, Der Architekt des modernen bayrischen Staates 1799-1838, Bd. 2, München 2005;

[10] Vgl.: Fußnote 8.

[11] Von 1803-1817 Außenminister, von 1803-1806 und 1809-1817 Finanzminister, 1806-1817 Innenminister; Vgl.: Weis, 1974, S. 8.

[12] Hier stütze ich mich vor allem auf diesen Aufsatz: Weis, in: Glaser, 1980, S. 49-64; sowie: Weis, in: Spindler, 1974, S. 3-69; hier sind auch weitere Literaturangaben zur Außenpolitik Bayerns (1799-1817) zu finden.

[13] Weis, in: Spindler, 1974, S. 10.

[14] Vgl.: Weis, in: Spindler, 1974, S. 12f.

[15] Vgl.: Weis, in: Spindler, 1974, S. 19.

[16] Vgl.: Weis, in: Glaser, 1980, S. 57.

[17] Bei diesem Kapitel stütze ich mich vor allem auf : Weis, in: Spindler, 1974, S. 38-60; sowie Weis, Montgelas, 2005; hier sind auch weitere Literaturangaben zu finden.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656399551
ISBN (Buch)
9783656402220
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212041
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
schulwesen bayern montgelas

Autor

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Titel: Das Schulwesen in Bayern unter Montgelas