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Der „Gefangene“ im Don Quijote und vom „Verlorenen Sohn“ in der Bibel

Ein Vergleich

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Stellung der Bibel zu Lebzeiten von Cervantes

3. Cervantes und die Bibel

4. Vergleich der Geschichte vom „cautivo“ im Don Quijote und der Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ in der Bibel
4.1. Gemeinsamkeiten
4.2. Unterschiede

5. Mögliche Gründe für die Verwendung von biblischem Material im Don Quijote

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Miguel de Cervantes hat uns mit „El ingenioso hidalgo Don Quijote de la mancha“ in der Tat ein beeindruckendes Werk hinterlassen. Der spanische Kulturattaché in Deutschland, Pedro José Sanz Serrano, bezeichnet es als die „Quelle der Inspiration aller Geister und Kulturen des abendländischen Humanismus und [...] alle[r] Bereiche[...] der Künste.“[1] Jeder Romanistikstudent sollte sich im Laufe seines Studiums intensiver damit beschäftigen, wobei es jedoch immer nur ein kleiner Ausschnitt bleiben wird, den man sich erarbeiten kann, da es unzählige Bücher und Abhandlungen über Don Quijote gibt. Man wird sich auf einige wenige Aspekte beschränken müssen, die einem selbst interessant erscheinen.

Einer dieser bemerkenswerten Aspekte findet sich in der Geschichte des „Gefangenen“ (el cautivo), welche in den Kapiteln 39 bis 42 des ersten Teils des „fahrenden Ritters“ erzählt wird. Jeder christlich sozialisierten Person werden schnell die Parallelen dieser Geschichte zu dem von Jesus erzählten Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ in der Bibel auffallen. Vorliegende Arbeit soll Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Geschichten aufzeigen und der Frage nachgehen, inwiefern sich Cervantes beim Verfassen dieser Erzählung auf sein Wissen um das biblische Gleichnis gestützt haben mag.

Um dies beantworten zu können, wird im ersten Abschnitt kurz die Stellung der christlichen Religion und der Bibel zu Zeiten von Cervantes in Spanien dargestellt. Im zweiten Abschnitt geht es um Cervantes selbst und seine Einstellung zur Kirche und der Bibel, insofern wir diese aus anderen Quellen erfahren können. Es folgt der dritte Teil mit einem Vergleich zwischen der Geschichte des „cautivo“ im Quijote und der des „Verlorenen Sohnes in der Bibel. Am Schluss steht dann die Frage, warum Cervantes möglicherweise einen Bogen zur „Escritura Divina“[2], wie er selbst die Bibel bezeichnet, schlägt.

Weiterführende Nachforschungen zu anderen möglichen Quellen des spanischen Autors, wie zum Beispiel Sagen und Märchen, würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und werden deshalb hier nicht erwähnt.

2. Die Stellung der Bibel zu Lebzeiten von Cervantes

Die Epoche, in der Miguel de Cervantes in Spanien lebte, nennt man „Siglo de Oro“. Die Reconquista ging zu Ende, Amerika wurde entdeckt und unter Königin Isabella I. von Kastilien und Ferdinand von Aragón ergaben sich Ansätze einer nationalstaatlichen Vereinigung. Spanien stieg zur Weltmacht auf und erlebte einen sowohl wirtschaftlichen als auch kulturellen Aufschwung. Jedoch hat diese glorreiche Zeit eine dunkle Kehrseite. „Um die Araber von der Halbinsel zu verdrängen, hatten [...] Königtum und Kirche ein unlösliches Bündnis eingehen müssen.“[3] Nur durch die Stärke der religiösen Zusammengehörigkeit, unter der Fahne der katholischen Kirche, konnte der Sieg errungen werden. „Die Werte der Religion bildeten das integrative Element schlechthin, zudem besaß die Kirche lange Zeit die einzige zentralisierte Verwaltung Spaniens [...]“[4] Zwar wurde diese Einheit im „Siglo de Oro“ durch die Reformation (Luther) und verschiedene humanistische Gelehrte (Erasmus, Vives...) gefährdet, aber durch intensive Verfolgung und Ausrottung solchen Gedankenguts durch die Inquisition wieder stabilisiert. Spanien war fest in der Hand der katholischen Kirche. Susanne Pirner schreibt: „Der katholische Glaube war im Spanien des Siglo de Oro von zentraler Bedeutung und hatte Einfluss auf sämtliche Bereiche des Lebens.“[5] Henry Kamen berichtet genauer: „Parishioners were obliged to attend mass every Sunday and take communion at Easter, all of this being recorded by the priest.“[6]

Jedoch gab es damals nicht wie heutzutage die Möglichkeit, in jedem Buchladen eine Bibel kaufen zu können. Zur Zeit von Cervantes war der Buchdruck noch nicht so weit verbreitet,[7] so dass nur begrenzt überhaupt Bibeln vorhanden waren. Außerdem existierte die Bibel bis zu dem Zeitpunkt nur auf Latein, Griechisch und Hebräisch, so dass sie nur von in diesen Sprachen bewanderten Personen, wie zum Beispiel den Priestern und Mönchen, gelesen werden konnte.[8] Ein Laie hatte sein Wissen über die Heilige Schrift allein aus den Lehren, die ihm in der Kirche von der Kanzel herab vermittelt wurden. Es gab im „Siglo de Oro“ schon Ansätze einer Übersetzung der Bibel in die jeweilige Sprache verschiedener spanischer Regionen, diese standen jedoch auf der Liste der verbotenen Bücher und wurden von der Inquisition massiv unterdrückt.[9] „Wohl bemühten sich eifrige Männer, spanische Flüchtlinge in den Niederlanden [...], Übersetzungen zu machen von den heiligen Schriften, aber diese fanden den Weg nicht in die Heimat“[10] Im nächsten Abschnitt soll nun genauer betrachtet werden, wie die Rezeption der Bibel bei Miguel de Cervantes ausgesehen haben mag.

3. Cervantes und die Bibel

Es kursieren in den Büchern über Cervantes sehr viele verschiedene Aussagen darüber, wie der Autor des Quijote sein Wissen über die Bibel erlangte. Die Tatsache, dass er über solches Wissen verfügte, geht, nach Rodriguez Marín, klar aus „el considerable número de citas, alusiones y huellas de la Biblia que figura en la producción cervantina”[11] hervor. Die unter Punkt 2. beschriebenen Zustände in Spanien lassen folgende drei Möglichkeiten zu. Erstens könnte es sein, dass Cervantes sein Wissen nur mündlich über die Predigt erhalten hat, zweitens, dass er der biblischen Sprachen (mindestens Latein, wenn nicht sogar Griechisch und Hebräisch) mächtig war oder drittens, dass er trotz des Verbots der Kirche über eine der wenigen Übersetzungen der „Heiligen Schrift“ ins Spanische verfügte. Die Meinung der meisten Autoren, die über Cervantes geschrieben haben, gruppieren sich vorwiegend um die beiden letzten Möglichkeiten,[12] aber auch für die erste gibt es Befürworter.[13] Jedoch kann diese Frage aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nicht hinreichend beantwortet werden und muss spekulativ bleiben.

[...]


[1] Strosetzki, S. 9.

[2] Allen, S. 96.99.101.

[3] Feuchtwanger, Lion: Goya und der arge Weg der Erkenntnis. zitiert nach: Lannert, S. 3.

[4] Lannert, S. 27.

[5] Pirner, S. 7.

[6] Kamen, S. 193.

[7] vgl. Winter, S. 254.

[8] vgl. Ernst, S. 1296.

[9] vgl. Reuss, S. 490.

[10] Reuss, S. 490.

[11] Monroy, S. 18.

[12] vgl. Monroy, S. 36. Amezúa y Mayo, S. 48. Fine, S. 65. Castro, S. 46.

[13] vgl. Muñoz Iglesias, S. 45.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656403555
ISBN (Buch)
9783656405962
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212259
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
vergleich geschichte gefangenen quijote verlorenen sohn bibel

Autor

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Titel: Der „Gefangene“ im Don Quijote und vom „Verlorenen Sohn“ in der Bibel