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Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Polen

Eine Quelleninterpretation

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Quellenkritik
1.1. Quellenbeschreibung
1.2. Innere Kritik3
1.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung
1.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

2.Quelleninterpretation
2.1. Inhaltsangabe
2.2 Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1. Voraussetzungen
2.2.2. Verlauf
2.2.2.1. Flucht vor der sowjetischen Armee
2.2.2.2. „Wilde Vertreibungen“
2.2.2.3. Vertreibungen nach dem Potsdamer Abkommen

3.Ergebnis und Ausblick

4.Auswahlbibliographie
4.1. Quellen
4.2. Literatur

5.Anhang: Die Quelle

1. Quellenkritik

1.1 Quellenbeschreibung

Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um einen Aufruf der polnischen Regierung an die deutsche Bevölkerung die Stadt Bad Salzbrunn zu verlassen und in das Gebiet westlich des Flusses Neiße umzusiedeln. Der Befehl ist auf den 14. Juli 1945 6 Uhr datiert und vom Abschnittskommandanten Oberstleutnant Zinkowski unterzeichnet. Die Quelle lässt sich anhand des Datums den „Wilden Vertreibungen“ der deutschen Bevölkerung durch polnischen Behörden vor dem Potsdamer Abkommen zuordnen. Die Quelle liegt in gedruckter Form vor.[1]

1.2 Innere Kritik

1.2.1 Sprachliche Aufschlüsselung

Sämtliche in der Quelle auftauchenden Wörter sind heute verständlich.

1.2.2 Sachliche Aufschlüsselung

- „polnische Regierung“ (Z. 5)

Mit der Entdeckung der Massengräber von rund 4500 polnischen Offizieren in Katyn, die im Sommer 1940 vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Sowjetunion von der Roten Armee ermordet worden waren, hatte sich das Verhältnis zwischen der polnischen Exilregierung in London und Stalin stark verschlechtert. Auf die Forderung seitens der Exilregierung eine umfassende Untersuchung einzuleiten, reagierte die Sowjetunion mit Entrüstung und brach mit der Begründung die polnische Regierung würde Hitlers Propaganda unterstützen die diplomatischen Beziehungen ab. Infolgedessen begann Stalin damit, eine neue moskau-hörige polnische Regierung zu bilden.[2] Nach der Übernahme Ostpolens durch die Rote Armee im Sommer 1944 übernahm so das am 22. Juli 1944 in Lublin neu gegründete „Polnische Komitee der Nationalen Befreiung“ die zivilen Verwaltungsangelegenheiten in den besetzten Gebieten. Am 1. Januar 1945 ernannte sich das Lubliner Komitee, bestehend aus Angehörigen der kommunistischen „Union der polnischen Patrioten“, mit der Unterstützung der Sowjetunion und ungeachtet der Existenz der Exilregierung zur neuen vorläufigen Regierung Polens.[3]

- „Nichtevakuierungsbescheinigung“ (Z. 21 f.)

Obwohl häufig ganze Dörfer von den Vertreibungen betroffen waren, sind meist doch vor allem nicht arbeitsfähige Personen wie Kranke, Kinder oder Alte bevorzugt ausgesiedelt worden. Wichtige Fachkräfte wurden nicht selten von den Vertreibungen zurückgestellt und, zum Teil auch gegen den eigenen Willen, in den ehemaligen ostdeutschen Gebieten festgehalten. Zusätzlich dazu wurden diejenigen Personen von der Ausweisung verschont, die zwar die deutsche Staatsbürgerschaft besaßen, aber sich durch ihre Sprache und Familiengeschichte weitgehend als Polen fühlten. Diesen wurde die Möglichkeit gegeben die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen, wofür sich manche, teilweise unter enormen Druck der Behörden, teilweise auch aus freien Stücken, entschieden.[4]

2. Quelleninterpretation

2.1. Inhaltsangabe

Angelehnt an die Anordnungen der deutschen Besatzer an die polnische Bevölkerung[5] geben 11 Unterpunkte genaueste Anweisungen zum Ablauf der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Stadt Bad Salzbrunn. Innerhalb von 3 Stunden müssen die Menschen laut dem Sonderbefehl ihre Häuser verlassen, das Gepäck ist auf 20 kg pro Person begrenzt und zurückgelassenes Eigentum geht in den Besitz der polnischen Regierung über. Bei Widerstand oder Plünderungen wird mit Strafen und Waffengebrauch gedroht.

2.2 Einordnung in den historischen Kontext

2.2.1. Voraussetzungen der Vertreibungen

Über 16 Millionen Deutsche lebten 1939 in den östlichen Provinzen Deutschlands - Ost- und Westpreußen, Schlesien, Pommern und Ostbrandenburg-, im Sudetenland und im übrigen Osteuropa verstreut.[6] Viele waren vor langer Zeit, teilweise vor über 700 Jahren, als Siedler und meist auf den Ruf der jeweiligen Fürsten hin in die Gebiete östlich des Deutschen Reiches gezogen und hatten dort begonnen das Land zu bewirtschaften.[7] Schwierigkeiten mit der ansässigen Bevölkerung blieben nicht aus, doch das friedliche Zusammenleben stand meist im Vordergrund.

Mit dem Erstarken des Nationalismus im 19. Jahrhundert und dem damit verbundenen Streben nach „ethnisch homogenen Nationalstaaten“ war dieses Miteinander dann nicht mehr zu erhalten.[8] Die Idee der stabilen Friedensordnung durch die ethnische „Entmischung“ einzelner Staaten fand ihre Umsetzung spätestens in der Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg, die erste Bevölkerungsverschiebungen zur Folge hatte.[9] Die Festlegung der neuen Staatsgrenzen in Versailles nahm keine Rücksicht auf die Siedlungsgemeinschaften. Die deutsche Bevölkerung wurde zu einer Minderheit, die um den Erhalt ihrer Eigenständigkeit in den jeweiligen Staaten kämpfen und häufig auch Diskriminierungen erdulden musste.

Auch Unzufriedenheit mit diesen politischen Verhältnissen sorgte für Zulauf bei den nationalsozialistischen Bewegungen außerhalb der Reichsgrenzen.[10]

Hitler selbst nutzt Argumente der Minderheitenpolitik („der ganze Osten und Südosten Europas ist zum Teil mit nicht haltbaren Splittern des deutschen Volkstums gefüllt. Gerade in ihnen liegt ein Grund und eine Ursache fortgesetzter zwischenstaatlicher Störungen.“[11] ), um (nach Mathias Beer) die nationalsozialistischen Eroberungspläne, ausgeweitet auf ganz Europa, zu verschleiern.[12] Auch Wolfgang Benz sieht hier eher „ökonomisches Kalkül und machtpolitische Interessen“ als „volkstumspolitische Ideale“.[13] Denn es blieb nicht nur bei den Bemühungen um die Rückkehr der verstreut lebenden Deutschen aus Südosteuropa „heim ins Reich“: Mit unter anderem dem „Generalplan Ost“ sollte durch Umsiedlung und Ausrottung anderer Nationalitäten, zunächst vor allem die der polnischen Bevölkerung, im Osten neuer Lebensraum für die Deutschen geschaffen werden.[14]

[...]


[1] De Zayas, Alfred-Maurice: Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1986, S. 124.

[2] Ders.: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen. 2. Auflage, München 1978, S. 65 f.

[3] Bundesministerium für Vertriebene (Hrsg.): Dokumentation der Vertreibung der Deutsche aus Ost-Mitteleuropa I. Band I/1: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße Band 1. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1954, München 1984, S. 123 E.

[4] Ebenda, S. 147 E f.

[5] Atlas zur Geschichte Ostmitteleuropas. Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959. Bonn 2010 (Lizenzausgabe für die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 1015), S. 186.

[6] De Zayas, Anglo-Amerikaner, S. 23.

[7] Ders., Anmerkungen, S. 17 ff.

[8] Kossert, Andreas: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. Bonn 2008 (Lizenzausgabe für die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 712), S. 24 ff.

[9] Beer, Mathias: Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. München 2011 (Beck'sche Reihe), S. 33 ff.

[10] Kossert, S. 26.

[11] Beer, S. 40.

[12] Ebenda, S. 40.

[13] Benz, Wolfgang: Der Generalplan Ost. Zur Germanisierungspolitik des NS-Regimes in den besetzten Ostgebieten 1939-1945. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Ursachen, Ereignisse, Folgen. Frankfurt am Main 1985, S. 39.

[14] Atlas, S. 160.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656404439
ISBN (Buch)
9783656406341
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212313
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
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Autor

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Titel: Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Polen