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Saids Orientalismus in der historiographischen Tradition der Moderne

Examensarbeit 2012 95 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

(1) Einleitung
1.1 Einordnung des Themas
1.2 Von Orientalismus und Orientalisten - Begriffsklärungen und Probleme
1.3 Aufbau der Arbeit

(2) Saids Orientalism, und das Konzept des OrientalismusЦ
2.1 Grundlagen von Saids Werk Orientalism
2.1.1 Das Orientkonstrukt in Orientalism
2.1.2 Antonio Gramscis System der kulturellen Hegemonie
2.1.3 Michel Foucaults Diskursanalyse
2.2 Die Verknüpfung von Wissen und Macht
2.3 Latenter und manifester Orientalismus
2.4 Die Ursprünge des modernen Orientalismus
2.4.1 Silvestre de Sacy
2.4.2 Ernest Renan
2.4.3 Vier Voraussetzungen des modernen Orientalismus
2.5 Zusammenfassung - zentrale Thesen Saids

(3) Das Vokabular des orientalistischen Diskurses in der modernen Historiographie in Anlehnung an Marion Müller
3.1 Die «Erfindung» von Ethnien
3.2 Die Säkularisierung des Weltbilds: Einflüsse auf die Historiographie und andere Humanwissenschaften

(4) Der Nexus aus Wissen und Macht in der modernen Historiographie in Anlehnung an Aleida Assmann
4.1 Exkurs: Warum Geschichte (auf)schreiben?
4.2 Ursprünge der modernen Historiographie
4.3 Politisierung der Historiographie in derNeuzeit
4.4 Politik und Wissenschaft im 20. Jahrhundert - Saids Forderung nach unpolitischem Wissen

(5) Topoi des Orients in der Historiographie_
5.1 Ewiger Orient und dynamischer Westen
5.2 Die ,,our land - barbarian land“-Distinktion
5.3 Der Orient als Bühne

(6) Orientalismus in der modernen Gesellschaft
6.1 Der Orient als Konsum- und Unterhaltungsobjekt der westlichen Bourgeoisie im langen 19. Jahrhundert
6.2 Orientalismus und Orient in der Geschichtskultur des 20. Jahrhunderts

(7) Kritik an Said
7.1 Sadiq Jalal al-Azm: Orientalism and Orientalism in Reverse
7.1.1 Kritik an Saids Orientalism
7.1.2 Umgekehrter Orientalismus
7.2 Alternativen zu Saids Orientalismustheorie: Suzanne Marchands German Orientalism
7.2.1 Orientalismus:(k)einProduktvon Weltreichen?
7.2.2 Zentrale Orientierungsfragen der orientalistischen Kulturpolitik
7.2.3 Marchands Kritik am Said'schen Machtwissen
7.2.4 Wirkungsbereich der deutschen Orientalistik
7.3 Alternative Betrachtungsweisen von Globalgeschichte - Cannadines Ornamentalism als Gegenkonstrukt zu Saids Orientalism

(8) Fazit

(9) Verzeichnisse
9.1 Quellenverzeichnis
9.2 Literaturverzeichnis
9.3 Sonstiges

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: «Unheimliche Gäste» (Fokus, Nr. 43, 22. 11. 2004)

Abb. 2: «Saudi-Arabien: Alptraum aus 2001 Nacht» (Der Spiegel, Nr. 10/2002, 4. 3. 2002) 59

(1) Einleitung

1.1 Einordnung des Themas

Das Konzept des Orientalismus geht auf Edward Wadie Said zurück. Dieser zählt zu den bedeutendsten Kulturwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Er war Literaturwissenschaftler und -kritiker, Pianist, Musikkritiker, politischer Publizist und Aktivist. Geboren wurde Said am 1. November 1935 als Sohn palästinensischer Christen in Jerusalem (damals als Völkerbundsmandat für Palästina unter britischer Herrschaft). Seine Jugend verbrachte er jedoch größtenteils in Kairo, wo er sich auch die Grundlagen europäischer Bildung durch Schule und Elternhaus aneignete. Später wanderte er in die USA aus. Dort erwarb er mehrere akademische Grade und war als Professor für Englisch und Komparatistik an der Columbia University sowie in Harvard und Yale tätig.[1] Said galt bis zu seinem Tod im September 2003 als bedeutendster, politisch aktiver Palästinenser in den USA. Robert Fisk, der berühmte Journalist und Auslandskorrespondent der britischen Zeitung The Independent, bezeichnete ihn gar als „most powerful political voice“[2] [3] der Palästinenser.

Saids Bekanntheit und sein akademischer Ruhm sind vor allem in seinem erstmals 1978 erschienenen Werk Orientalism3 begründet, in dem er sein Konzept des Orientalismus[4] entwickelte und der Öffentlichkeit präsentierte. Orientalism ist der erste Teil einer Trilogie deren andere beiden Teile, The Question of Palestine[5] und Covering Islam. How the Media and the Experts Determine How We See the Rest of the World[6], aber nie in dem Umfang von der breiten Öffentlichkeit rezipiert und diskutiert wurden, wie dies bei Orientalism der Fall ist.[7]

Was Orientalism eine solch immense Resonanz bescherte, sind zum einen die zahlreichen Berührungspunkte die Saids Konzept des Orientalismus mit vielen akademischen Fachbereichen aufweist, zum anderen aber auch die bis heute große Aktualität der Thematik in den Medien. So konnte, wie bereits durch Birgit Schäbler dargelegt wurde, Orientalism im Laufe der Jahrzehnte immer wieder an aktuelle Diskussionen anknüpfen oder gar als deren Ursprung dienen.[8] Die Bandbreite, die Said mit Orientalism abzudecken vermochte, hat auch dazu geführt, dass man bis heute in einer Arbeit über die Repräsentation des Orients oder über «das Andere» nicht daran vorbeikommt, Saids Thesen miteinzubeziehen.

Auch in dieser Arbeit geht es um die Verbundenheit des Orientalismus mit einer akademischen Disziplin: der Historiographie. Sie fungiert laut Said als Teil des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Komplexes, der dazu dient, den Orient zu konstruieren, weiterzuentwickeln und zu kontrollieren. Die Überschneidung von Historiographie und Orientalismus ist deshalb so interessant, weil es bei der Entwicklung und Etablierung beider Bereiche innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft im langen 19. Jahrhundert viele Überschneidungen gab. Sowohl die Historiographie als auch der Orientalismus hatten neue Aufgaben und Rollen zu erfüllen, die laut Said vornehmlich politisch motiviert waren. Die Historiographie wurde zum Konstruktionswerkzeug nationaler Identität stilisiert, durch die das nationale Gefühl bestärkt werden sollte. Der Orientalismus hatte das seit Napoleons Expedition nach Ägypten verstärkt aufkommende Interesse am Orient durch Informationen zu befriedigen. Hinzu kam, dass Orientalisten ab dem 19. Jahrhundert zunehmend als Berater für Regierungen fungierten, die politisches und wirtschaftliches Interesse am Orient hatten. Dies traf im Zeitalter des Imperialismus auf alle großen europäischen Mächte zu.

„Saids Orientalismus in der historiographischen Tradition der Moderne“ ist das Thema dieser Arbeit. Mein Ziel wird es daher sein aufzuzeigen, inwiefern Saids Konzept des Orientalismus und die moderne Historiographie miteinander verbunden sind, wie sie sich gegenseitig beeinflussten, und welche Folgen dies hatte. Bevor ich näher auf den Aufbau dieser Arbeit eingehe, möchte ich jedoch zunächst einmal dem Begriff 'Orientalismus' etwas mehr Schärfe verleihen, indem etwaige Unklarheiten gleich im Vorfeld durch eine Begriffsklärung ausgeräumt werden sollen.

1.2 Von Orientalismus und Orientalisten - Begriffsklärungen und Probleme

Said selbst hatte für genaue Klärungen von verwendeten Definitionen und Begriffen wenig übrig. Er hielt dies schlichtweg für „kleinlichen Streit“[9]. Anders als er möchte ich jedoch gleich zu Beginn dieser Arbeit erst einmal den Terminus 'Orientalismus' und die Rolle der Orientalisten genauer betrachten. Dass Saids sehr komplexes Konzept, welches er unter dem Begriff 'Orientalismus' entwickelte, einer sehr sorgfältigen und umsichtigen Herangehensweise bedarf, zeigt sich auch an der mit vielen Mängeln behafteten deutschen Übersetzung von Orientalism aus dem Jahr 1981.[10]

Nicht zuletzt wegen Saids sehr komplexem Stil ist es für den Leser von Orientalism oft schwer nachzuvollziehen, was genau mit dem Begriff 'Orientalism' an der jeweiligen Stelle des Buches gemeint ist. Im Deutschen ursprünglich als Bezeichnung für eine Kunstform verwandt, subsumiert Said bereits in der Einleitung von Orientalism[11] weitere Bedeutungen unter der Bezeichnung Orientalismus, die er im Verlauf des Buches immer wieder erweitert und ergänzt. So ist Orientalismus nach Said außerdem: (a) eine Art und Weise mit dem Orient umzugehen,[12] (b) eine Bezeichnung für eine akademische Tradition[13] und (c) die Art des Westens den Orient zu dominieren, ihn zu restrukturieren und Macht über ihn auszuüben.[14] Saids Meinung nach sind diese einzelnen Aspekte jedoch interdependent und das erklärte Ziel von Orientalism ist es, diese Abhängigkeit dem Leser zu offenbaren.[15] Saids Aufbau von Orientalism macht daher eine genaue Trennung der einzelnen Bestandteile des Konzepts Orientalismus unmöglich, zumindest wenn man nicht wichtige Aspekte und Interdependenzen vernachlässigen möchte.

Im Verlauf dieser Arbeit werde ich den Begriff 'Orientalismus' daher verwenden, um Bezug auf das von Said entwickelte Konzept zu nehmen. Ist von der im Deutschen gleichnamigen Kunstrichtung die Rede, so ist dies explizit vermerkt. Darüber hinaus wird Orientalismus im Kontext akademischer Traditionen zwar mit dem Begriff 'Orientalismus' bezeichnet, auf die Fachrichtung selbst hingegen (siehe b) wird mit dem Begriff'Orientalistik'[16] verwiesen. Dies dient vor allem zur eindeutigen Abgrenzung von der bereits benannten Kunstrichtung. Das Thema dieser Arbeit, „Saids Orientalismus in der historiographischen Tradition der Moderne“, bezieht sich daher auf das Konzept des Orientalismus aus der Perspektive Saids und dessen Einflüsse bezüglich der Entwicklung der modernen Historiographie.

Bevor ich mich dem genauen Aufbau dieser Arbeit widme, gilt es noch abschließend zu klären, was Orientalisten sind.[17] Auch dabei möchte ich mich an Said orientieren, wenn auch nicht ausschließlich an seiner Darstellung aus Orientalism. Dort verwendet er die Bezeichnung 'Orientalist' für Menschen, deren gesellschaftliche Aufgabe seines Erachtens nach darin liegt, den Orient für ihre Landsleute zu interpretieren, um somit deren Interesse am Mysterium Orient zu befriedigen. Ob dieses Interesse religiös, wirtschaftlich, politisch oder intrinsisch motiviert ist, spielt für Said in diesem Zusammenhang keine Rolle. Er schreibt: „Anyone who teaches, writes about, or researches the Orient [.. ,]isan Orientalist, and what he or she does is Orientalism.“[18]

Zwar stehen diese Äußerungen Saids im Zusammenhang mit Orientalismus als eine akademische Institution, dennoch zeigt sich an anderen Stellen von Orientalism, dass sich „anyone“ nicht nur auf die Orientalistik bezieht. Dies liegt vor allem auch an dem Wandel des Personenkreises, der die Rolle des Orientalisten in Orientalism ausfüllt. Waren laut Said die Orientalisten der Renaissance noch vornehmlich „specialists in the languages of the Biblical provinces“[19] (Bibelwissenschaftler, Islamspezialisten, etc.), so erweiterte sich dieser Personenkreis ab der Mitte des 18. Jahrhunderts immens. Hatten Orientalisten früherer Zeiten noch ein Wissensmonopol auf den Orient, so waren Saids Ansicht nach Orientalismus und Orientalistik bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer „Schatzkammer des Wissens“ („treasure-house of learning“[20] ) geworden, an deren Füllung sich mehr und mehr Menschen beteiligten.

Dies führt Said schließlich zu der Unterscheidung, dass ein Orientalist im 19.

Jahrhundert entweder ein Wissenschaftler („scholar“[21] ), ein begabter Enthusiast („gifted enthusiast“[22] ) oder beides zusammen war.[23] Eine genauere Unterteilung nimmt Said in seinem Werk Culture and Imperialism[24] vor. Dort unterscheidet er zwischen zwei Typen von Orientalisten, die seit dem 19. Jahrhundert existierten:

[...] den Apologeten des Imperialismus, die in ihren trivialen Machwerken die koloniale Situation nur reproduzierten und darüber hinaus nichts zu sagen hatten, und „außergewöhnlichen Schriftstellern und Denkern“ wie Jane Austen, Joseph Conrad, Verdi, Kipling und Camus. Zwar waren auch sie Teil des Imperialismus [...] Zugleich hatten sie aber ein gegenläufiges Emanzipationspotential bereitgestellt, das auf ungeahnte Weise [...] „aufgrund späterer Entwicklungen ganz andere Werke und Lesarten hervorbrachte“.[25]

Wie hier aufgezeigt wurde, handelt es sich bei Orientalismus um ein sehr komplexes Konzept, das schwer mit einer simplen, nur wenige Zeilen füllenden Definition zu erfassen ist. Dieser Umstand macht es ebenso schwierig, den Personenkreis einzugrenzen, welcher sich an der Verbreitung und Weiterentwicklung des Orientalismus beteiligte. Es bleibt festzuhalten: Wichtig für diese Arbeit ist die Orientierung an Said, dessen Werk Orientalism die Grundlage für den Bezug zur historiographischen Tradition der Moderne, für Kritik und für die Vorstellung weiterer Konzepte von Orientalismus und der Orientalistik bildet. Die dabei angewandte Vorgehensweise wird im nächsten Kapitel genauer dargelegt.

1.3 Aufbau der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es den Einfluss zu verdeutlichen, den Orientalismus im Said'schen Verständnis auf die westliche Wissenschaftstradition im Allgemeinen, und dadurch auch auf die historiographische Tradition im Speziellen hatte. Daher werde ich zuallererst das von Said in Orientalism entwickelte Konzept des Orientalismus vorstellen (2), anhand dessen auch in den weiteren Kapiteln dieser Arbeit argumentiert wird. Dabei werde ich sowohl auf die Grundlagen eingehen, auf denen sein Konzept aufbaut, als auch auf dessen historische Entwicklung. Darüber hinaus werden die beiden Formen des Orientalismus angesprochen, die durch ihr Zusammenspiel mit der Politik den von Said so stark kritisierten Nexus aus Wissen und Macht schufen.

Um das Vokabular des orientalistischen Diskurses in der modernen Historiographie (3) präsentieren zu können, werde ich mich außerdem in Anlehnung an Marion Müller näher mit den Ursprüngen ethnischer Begriffe befassen und darlegen, welche gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Anforderungen diese Begriffe im säkularisierten Weltbild der Moderne zu erfüllen hatten. In diesem Kontext wird auch die enge Verbindung von moderner Historiographie und neuzeitlichem Staat in Anlehnung an Aleida Assmann aufgezeigt (4). Der aus dieser engen Verbindung resultierende Nexus aus Wissen und Macht, der Said zufolge seine Wirkung, zumal in abgewandelter Form, auch im 20. Jahrhundert entfaltete, wird anhand seiner geschichtlichen Entwicklung präsentiert. Dies bildet zudem die Folie, auf der Saids Forderung nach unpolitischem Wissen veranschaulicht werden kann.

Um zu verdeutlichen, wie Orientalismus die Vorstellungen und Geschichtsbilder des Westens prägte, die sich letztlich in den Geschichtsbüchern manifestierten, werden im darauffolgenden Kapitel drei weitverbreitete Topoi des Orients und ihre Herkunft näher betrachtet (5). Ein weiteres Kapitel wird sich darüber hinaus mit der Manifestation des Orientalismus in den Alltags- und Geschichtskulturen des 19. und 20. Jahrhunderts befassen (6). In diesem Zusammenhang wird auch auf die mediale Wandelbarkeit des Orientalismus eingegangen. Abschließend werden drei Kritiker Saids zu Wort kommen (7), die exemplarisch die Schwachstellen seines Orientalismuskonzepts verdeutlichen. Darunter Sadiq Jalal al-Azm als Vertreter der direkten Kritik an Orientalism, Suzanne Marchand mit einer alternativen Orientalismustheorie und, um eine zu Said divergente Perspektive imperialer Weltgeschichte zu eröffnen, David Cannadine.

Mit dieser Vorgehensweise soll verdeutlicht werden, dass sich die gesellschaftlichen und kulturellen Vorgänge, die Said in Orientalism als die treibenden Kräfte hinter der Unterdrückung des Orients identifiziert, ebenso auf die historiographische Tradition der Moderne auswirkten, und dass Saids Kritik an der Orientalistik in Teilen auch auf die moderne Historiographie zutrifft.

(2) Saids Orientalism und das Konzept des Orientalismus

2.1 Grundlagen von Saids Werk Orientalism

Ausgangspunkte von Saids Argumentation sind das im Westen verbreitete, verzerrte Bild des Orients und die Beziehung zwischen Okzident und Orient. Durch seinen persönlichen Hintergrund, unter anderem seine Kindheit in Kairo und sein Leben in den USA, erkannte Said die Diskrepanz zwischen westlicher Imagination und tatsächlicher Realität in Bezug auf den Orient.[26] Davon ausgehend baute er in Orientalism seine Argumentation auf, die darauf abzielt diese Konstruktion zu entlarven und das System aufzudecken, durch welches der Westen Macht über den Orient ausübt. Wie Said in seinem nachträglich verfassten Nachwort (1995) vermerkt, war die vorrangige Intention hinter Orientalism neue Forschungen und Studien anzuregen, für die Orientalism als Ansatzpunkt und Diskussionsbasis dienen sollte.[27] Als Grundlage für dieses Ziel hatte Said im Wesentlichen drei Bezugspunkte: ein Orientkonstrukt, welches sich wie ein roter Faden durch ganz Orientalism zieht, die Orientierung an Foucaults Diskursanalyse[28] und Gramscis Theorie der kulturellen Hegemonie.[29] Auf diese drei Aspekte gilt es, im Folgenden näher einzugehen.

2.1.1 DasOrientkonstruktin Orientalism

[...] the Orient is not an inert fact of nature. It is not merely there, just as the Occident itself is not just there either. [...] “Orient” and “Occident” are man­made.[30]

Mit dieser Aussage bezieht sich Said auf Vicos Feststellung, dass alles Wahre etwas Menschengemachtes ist (verum esse ipsum factum). Somit sind auch alle historischen Fakten und geographischen Entitäten konstruiert.[31] Das Streben nach territorialer Kontrolle und historischer und sozialer Bedeutung ist nach Said ebenso Teil dieser konstruierten Geschichte wie die Konstruktion von Identität.[32]

Zur Konstitution dieser Identität gehört laut Said aber auch immer die Abgrenzung von «dem Anderen» und die Feststellung der Unterschiede dieses «Anderen» im Gegensatz zum eigenen Selbst:

The construction of identity [...] involves establishing opposites and “others” whose actuality is always subject to the continuous interpretation and re­interpretation of their differences from “us”.[33]

Die Rolle dieses Anderen gegenüber der westlichen Welt übernimmt in Orientalism der Orient als Konstrukt okzidentaler Identitätsfindung:

[...] the Orient has helped to define Europe (or the West) as its contrasting image, idea, personality, experience. [...] The Orient is an integral part of European material civilization and culture.[34]

Said betont jedoch auch: „Yet none of this Orient is merely imaginative.“[35] Damit verweist er auf die tatsächliche Existenz der Menschen, Kulturen und geographischen Gegebenheiten, die dieser konstruierte Orient repräsentiert.

Welche Topoi dieses westliche Orientkonstrukt schuf, wie der Orient zu der typischen Attribuierung kam (ewig, sinnlich, despotisch, etc.), auf die sich Said in Orientalism oft bezieht,[36] und welche Bedeutung dies für das Konzept westlicher Dominanz im Zusammenhang mit der Historiographie hat, darauf wird in den Kapiteln 5 und 6 dieser Arbeit noch genauer eingegangen. Thema des nächsten Kapitels soll zunächst einmal sein, auf welcher Grundlage Said das Verhältnis des Orients zum Westen betrachtete, und wie er mithilfe der Foucault'schen Diskursanalyse die Entstehung dieses Verhältnisses zu analysieren versuchte.

2.1.2 Antonio Gramscis System der kulturellen Hegemonie

The relationship between Occident and Orient is a relationship of power, of domination, of varying degrees of a complex hegemony, [...] The Orient was Orientalized not only because it was discovered to be “Oriental” [...], but also because it could be [...] made Oriental.[37]

Wie aus diesem Zitat bereits ersichtlich, ist für Said die Beziehung zwischen Orient und Okzident die zweier ungleicher Akteure, die in einem Machtverhältnis zueinander stehen. Der Westen ist in diesem Machtverhältnis der dominante Akteur, der Orient lediglich beherrschtes Objekt. Bei der Betrachtung dieses Verhältnisses orientiert sich Said an Antonio Gramscis Konzept der kulturellen Hegemonie:[38]

In any society not totalitarian [...] certain cultural forms predominate over others, just as certain ideas are more influential than others; the form of this cultural leadership is what Gramsci has identified as hegemony [.. .].[39]

Diese kulturelle Hegemonie ist es auch, die Said als Quelle der Beständigkeit des Orientalismus ansieht: ,,It is hegemony, or rather the result of cultural hegemony at work, that gives Orientalism the durability and the strength I have been speaking about so far.“[40] Said adaptiert das auf Klassen und Schichten beruhende Gesellschaftskonzept Gramscis und erweitert es für sein Konzept des Orientalismus über nationale Grenzen hinaus. Er platziert den Westen in der Rolle der dominanten Schicht. Der Orient hingegen repräsentiert die Masse der Beherrschten.[41]

Ein entscheidender Punkt in Gramscis Konzept, den auch Said übernimmt, ist die Akzeptanz der Herrschaft vonseiten des untergeordneten Parts. Die Herrschaftslegitimation stützt sich also weniger auf Gewalt oder Zwang (zumindest nicht ausschließlich), sondern weitgehend auf die Zustimmung der Beherrschten.[42] Im Falle des Orientalismus basiert diese Zustimmung vor allem auf der Vorstellung, dass die europäische Kultur gegenüber allen anderen nicht-europäischen Kulturen überlegen sei. Eine Vorstellung, die laut Said nicht nur im Westen für wahr erachtet wurde, sondern auch außerhalb Europas.[43]

Diese hegemoniale Vormachtstellung des Westens bestimmte vom 18. Jahrhundert bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nahezu das gesamte europäische Gedankengut über den Orient. Dieses Gedankengut fungierte wiederum als Träger für die Verbreitung der europäischen Überlegenheit gegenüber der orientalischen Rückständigkeit. Durch nimmermüde Wiederholung und Betonung des ungleichen Machtverhältnisses verankerte sich die Vorstellung im kollektiven Gedächtnis des Westens, dass diese Ordnung etwas Natürliches sei.[44] Als Medium dieses Prozesses diente auch die Historiographie, welche als Konstruktionswerkzeug der modernen Nationen half, die eigene nationale Identität gegenüber dem Anderen zu definieren.[45]

2.1.3 Michel Foucaults Diskursanalyse

Der zweite wichtige Orientierungspunkt von Orientalism ist die Diskursanalyse Michel Foucaults. Bevor darauf eingegangen wird, dass Said für den Foucault'schen Diskurs­Begriff seine ganz eigene Interpretation hatte,[46] gilt es zunächst zu definieren, was Foucault selbst unter einem Diskurs versteht:

Ein Diskurs ist all das, was gesagt werden kann, und es ist das Regelwerk, das darüber bestimmt, was und wie etwas gesagt werden kann. [...] Der Diskurs bestimmt, was an einem Ort, in einem Feld und zu einer Zeit sinnvoll gesagt werden kann. [.] Der Diskurs [.] ist eine Instanz, die Wissen produziert.[47]

Daher besteht nach Foucault die Arbeit des Historikers „darin, das «Spiel der Regeln» zu untersuchen, die «während einer gegebenen Periode das Erscheinen von Objekten möglich machen.»“[48]

Im Falle des Orientalismus heißt das konkret: Welche Umstände machen die Entstehung eines derart verzerrten Orientbildes im Westen möglich? Wie, über welchen Zeitraum und durch welche Instanzen manifestierte sich diese Orientrepräsentation? Und bei Said von besonderer Bedeutung: Wie sieht die sprachliche Darstellung aus, durch die die Orientrepräsentation im Diskurs realisiert wird? Diesen Fragen versucht Said anhand seiner Textauswahl in Orientalism nachzugehen.[49]

Der eingangs erwähnte Unterschied zwischen dem Verständnis des Diskurses bei Foucault und Said liegt in der unterschiedlichen Rolle des Subjekts. Foucault propagiert, wenn auch zu Unrecht,[50] den «Tod des Subjekts» und damit auch den Tod von dessen Autonomie. „Wer etwas sagt, fügt sich in Redeweisen, in Diskurse ein, hinter denen sich nichts verbirgt.“[51] Der einzelne Autor ist somit nicht verantwortlich für seine Texte, er ist lediglich „Medium des Diskurses“[52].

Said hingegen sieht den Autor nicht nur als Teil des Erkenntnisprozesses, „sondern auch als selbstverantwortlich und politisch“[53] handelnden Akteur:

Yet unlike Michel Foucault [...] I do believe in the determining imprint of individual writers upon the otherwise anonymous collective body of texts constituting a discursive formation like Orientalism.[54]

Said argumentiert an dieser Stelle zu Recht, dass der einzelne Autor sehr wohl aktiven Einfluss hat. Sowohl die Beteiligung am Diskurs als auch die Art wie und was er schreibt, und wen er zitiert, ist durch bewusste Entscheidungen gesteuert, in denen der Autor nicht lediglich als Medium fungiert.[55]

2.2 Die Verknüpfung von Wissen und Macht

The Orient that appears in Orientalism [...] is a system of representations framed by a whole set of forces that brought the Orient into Western learning, Western consciousness, and later, Western empire.[56]

An dieser Stelle klingt bereits deutlich die politische Intention an, die Said den Orientalisten unterstellt. Über die akademische Lehre, Forschung und Wissenschaft gelangten vor allem im 18. und 19. Jahrhundert gängige Vorstellungen über den Orient in das kollektive Bewusstsein des Westens. Der im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmende territoriale, wirtschaftliche und politische Einfluss der Europäer auf den Orient wirkte zudem verstärkend auf den Orientalismus. Auch das öffentliche Ansehen der Orientalisten steigerte sich dadurch beträchtlich.[57] Der finale Punkt den Said nennt istjedoch der entscheidende: „Western empire“. Seiner Ansicht nach dient das gesamte Orientkonzept der Orientalisten dem Westen dazu, den Orient zu dominieren, ihn zu unterdrücken und ihn schließlich in sein „empire“ einzugliedern. Das von den Orientalisten zur Verfügung gestellte Wissen wird praktisch genutzt, um über den Orient zu herrschen und ihn zu kontrollieren.[58]

Said fährt die Anwendung des orientalistischen Wissens auf die Wissenschaftsphilosophie Francis Bacons zurück. Bacon vertrat die Ansicht, dass, im Sinne des Fortschritts, Wissen praktisch angewandt werden müsse. Der Mensch solle über die Natur herrschen. Doch sei ihm dies nur dann möglich, wenn er die Natur kenne. Wissen und Macht werden bei Bacon somit zu synonymen Begriffen.[59] Dieses Konzept überträgt Said auf den Orientalismus und die Beherrschung des Orients durch den Westen:

To have such knowledge of such a thing [as the Orient] is to dominate it, to have authority over it. And authority here means for “us” [Europeans] to deny autonomy to “it” [the Orient] [...][60]

Für Said wird Orientalismus dadurch zum Synonym europäischer Macht über den Orient:

Orientalism, which is the system of European or Western knowledge about the Orient, thus becomes synonymous with European domination of the Orient [.. .][61]

In der Foucault'schen Terminologie ausgedrückt heißt das: Bei Orientalismus handelt es sich um einen Diskurs, welcher das Machtwissen kreiert, das es dem Westen ermöglicht, den Orient in jeglicher Hinsicht zu dominieren.[62] Durch die von Bacon proklamierte praktische Anwendung dieses Machtwissens erlangt der Westen seine hegemoniale Vormachtstellung, sowohl in kultureller als auch in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht.[63]

2.3 Latenter und manifester Orientalismus

Die Macht der Repräsentation des Orients liegt nach Said auch darin, dass sie seinen Platz einnimmt. Der orientalische Schein im europäischen Bewusstsein wandelt sich so in orientalisches Sein [...][64]

Doch wie kommt es zu dieser Übertragung? Laut Said lag dies an zwei Arten, durch welche der Orientalismus, vornehmlich im 19. Jahrhundert, den Orient vermittelte.[65] Zum einen existierte ein tradiertes Bild über den Orient, welches laut Said seit der Antike, besonders aber seit dem Mittelalter, durch Religion, Kunst, Wissenschaft und persönliche Erfahrungen entstanden war.[66] Mit diesem war auch ein Vokabular geschaffen worden, das jedermann nutzen konnte, um Aussagen zu formulieren, die innerhalb eines Diskurses über den Orient verstanden wurden.[67] Begründet war dieses Bild in der allgemeinen, unbewussten Unbefangenheit („unconscious positivity“) gegenüber allen Ideen und Hypothesen, die in die Kategorien «Orient» und «orientalisch» fielen. Said bezeichnet diese Unbefangenheit als latenten Orientalismus.[68]

Der latente Orientalismus führte mit der Zeit dazu, dass die zahlreichen Aussagen und Ansichten, die durch die Orientalisten verbreitet wurden, unhinterfragt als Wahrheiten, oft sogar als natürliche Tatsachen galten. Meist genügte schon die Verwendung des Kopulaverbs «ist», um einer Aussage über den Orient den Status eines Fakts zu verleihen.[69] Aussagen wie „der Orient ist despotisch“ oder „der arabische Muslim ist ein Terrorist“ entsprechen den klassischen Stereotypen, die auf diesem Weg entstanden sind. Zwar sind solche Heterostereotype etwas völlig natürliches beim Umgang mit anderen Kulturkreisen, besondere Verstärkung erfuhren sie jedoch durch die Kombination mit Thesen über Rasse, Charakter, etc., welche gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt aufkamen.[70]

Zum anderen wurden weiterhin Aussagen über den tatsächlich existierenden geographischen Bereich getätigt, der mit dem Begriff 'Orient' umschrieben wurde. Um diesen modernen Orient zu beschreiben, zu beurteilen und zu beherrschen, wurde laut Said das aus der Philologie bekannte Wissen (insbesondere das aus dem Teilbereich der Orientalistik) über den wahren, klassischen Orient nach dem Prinzip Bacons angewandt.[71] [72] Diese Produktion von Machtwissen, die Ausführungen über orientalische Sprache, orientalische Gesellschaft, orientalische Geschichte und vieles mehr beinhaltete, bezeichnet Said als manifesten Orientalismus.12

Da sich aber im Laufe des 19. Jahrhunderts sowohl die gefühlte als auch die tatsächliche Distanz zwischen Okzident und Orient immer mehr verringerte,[73] kam es zu einer verstärkten Präsenz des Orients in der westlichen Gesellschaft. Die Aufgabe der Orientalisten änderte sich. Anstelle einer rein akademischen Beschäftigung mit dem Orient interpretierten sie diesen nun für ihre Landsleute und erweiterten so das Vokabular für orientalistische Diskurse jeglicher Art. Auch das gesteigerte politische und wirtschaftliche Interesse am Orient trug dazu bei, dass sich latenter und manifester Orientalismus nach und nach vermischten. Dies war laut Said die zweite Art wie der Orient im 19. Jahrhundert vermittelt wurde und wodurch es zur mentalen Transformation von orientalischem Schein zu orientalischem Sein kam.[74]

2.4 Die Ursprünge des modernen Orientalismus

2.4.1 Silvestre de Sacy

Wie bereits im vorigen Kapitel dargelegt, kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer Vermischung von latentem und manifestem Orientalismus. Zu den Anfängen dieser Entwicklung stellt Said eine Spekulation an: Probably - and this is only a speculation - the convergence occurred when Orientalists, beginning with Sacy, undertook to advise governments on what the modern Orient was all about.[75]

Doch warum assoziiert Said gerade Silvestre de Sacy mit den Anfängen des modernen Orientalismus? Sacy war bereits als Kind in Arabisch, Syrisch, Chaldäisch und Hebräisch unterwiesen worden. Über das Arabische kam er zu seiner Begeisterung für den Orient.

Ab 1795[76] war Sacy als Dozent für Arabisch am neugegründeten Ecole spéciale des Langues orientales tätig. Ab 1805 fungierte er als ständiger Orientalist im französischen Außenministerium und wurde in allen auf den Orient bezogenen Angelegenheiten vom Außenminister, gelegentlich auch vom Kriegsminister, konsultiert. Sacy übersetzte darüber hinaus zahlreiche amtliche Bekanntmachungen der Grande Armée, darunter auch Napoleons berühmtes Manifesto von 1806.[77]

Die besondere Leistung, die Said Sacy zuschreibt, ist jedoch die Begründung und Schaffung eines ganzen Fachgebiets: dem Orientalismus als akademische Tradition.[78] Dies geschah laut Said dadurch, dass Sacy durch seine Arbeit nicht nur einen ganzen Textkorpus und ein orientalistisches Vokabular für spätere Generationen bereitstellte, sondern auch eine pädagogische Praxis und eine akademische Tradition schuf, an denen sich Orientalisten nach ihm orientieren konnten. Darüber hinaus begründete er die Zusammenarbeit zwischen orientalistischer Wissenschaft und Public Policy.[79]

Doch warum beeinflusste gerade Sacys Arbeit die Entwicklung der Orientalistik so stark? Der Grund dafür sind der besondere Schreibstil Sacys und die spezielle Art der didaktischen Aufbereitung und Komposition seines Materials. Sacy glaubte: „everything could be made clear and reasonable, no matter how difficult the task and how obscure the subject.“[80] Einzige Voraussetzung dafür sei, dass der Lehrende sein Material richtig auswählt und darbietet. Die Aufgabe des Orientalisten ist es daher, dem Interessierten den geheimnisvollen Orient auf verständliche Weise zu präsentieren, um sein Wissensbedürfnis zu befriedigen. Diese Präsentation ist wegen der Natur des Orients („old and distant“) eine Restauration und ein Wiedersichtbarmachen („re­vision“) von Vergessenem. Aufgrund der Fülle an Raum, Zeit und Kultur („vastly rich (in space, time, and cultures)“[81] ), und der daraus resultierenden Komplexität des Orients, geschieht die Präsentation anhand von (durch den Orientalisten) ausgewählten und aufbereiteten Textpassagen. Die Aufgabe des am Orient interessierten Schülers ist in diesem Lernschema die Aufnahme des vermittelten Wissens.

Das heißt, der Orient wird anhand von relativ wenigen, in der Ansicht des Orientalisten besonders aussagekräftigen Beispielen dargestellt. Aus der Präsentation des Orients wird somit eine Repräsentation des Orients. Der Orientalist fungiert in diesem Diskurs als Mittler zwischen Orient und westlicher Welt. Jedoch vermittelt er nicht auf neutrale Weise, sondern gestaltet das Bild des Orients aktiv mit, indem er die Auswahl der repräsentativen Textstellen vornimmt. Der Orientalist konstruiert den Orient.[82] Said folgert aus diesem Sachverhalt seine - ihn von Foucault unterscheidende - Ansicht von der Rolle des Autors innerhalb eines Diskurses. Durch die didaktische Aufbereitung des Materials und die Auswahl der Textpassagen vermittelt der Autor im orientalistischen Diskurs eine ganz bestimmte Sichtweise, wodurch er weit entfernt von Passivität anzusiedeln ist.[83]

Neben der besonderen didaktischen Herangehensweise hinterließ laut Said auch der besondere Schreibstil Sacys in der Orientalistik bleibende Spuren. Da Sacys literarische Werke vornehmlich an Studenten adressiert waren, schrieb er auch in einem speziellen Stil, der dies widerspiegelte. Beim Lesen von Sacys Werken hat der Leser das Gefühl, sich in einem Klassenzimmer wiederzufinden. Nachfolgende Generationen von Orientalisten übernahmen diesen besonderen Stil teilweise, wodurch sich die Rolle des Orientalisten zumeist als die des Lehrenden präsentiert. Dieser Stil war eine weitere Quelle der Autorität, welche der Orientalismus iml9. Jahrhundert entwickeln konnte.[84]

2.4.2 Ernest Renan

Ernest Renan war ein Orientalist der zweiten Generation. Dieser Generation oblag vor allem die Konsolidierung des orientalistischen Diskurses in der Gesellschaft. Laut Said trug Renan nicht nur zu dieser Konsolidierung bei, sondern er war auch entscheidend an der Systematisierung orientalistischer Erkenntnisse und der Etablierung intellektueller und weltlicher Institutionen des Orientalismus beteiligt. Der Grund, warum Renan bei Said zur zweiten Gründungsfigur des Orientalismus stilisiert wird, ist allerdings ein anderer. Laut Said lag Renans hauptsächlicher Verdienst in der Adaption des Orientalismus auf die Philologie und der Anpassung orientalistischer Denkmuster an die intellektuelle Kultur der Zeit.[85]

Konkret bedeutet dies, dass Renan die sich zeitgleich in der Linguistik entwickelnde Klassifizierung von Sprachen auf die Orientalistik und das weite Feld des Orientalismus übertrug.[86] Renan beschäftigte sich vor allem mit semitischen Sprachen.[87] Der Ansatz, den er dabei verfolgte, war komparatistischer Art, denn Renan war laut Said davon überzeugt, dass eine Untersuchung orientalischer Sprachen aufgrund der vielen Lakunen nur unter Ausschluss der zeitlichen Dimension erfolgen konnte. Renan klassifizierte deshalb die indoeuropäischen Sprachen als organisch, die semitischen Sprachen hingegen als anorganisch. Dadurch wurde auch ohne die zeitliche Komponente eine eindeutige Einordnung und, noch wichtiger, eine Wertung möglich, durch die die Überlegenheit des Westens hervorgehoben werden konnte. Renan betont darüber hinaus ausdrücklich, dass diese Einordnung nur durch den geschulten Experten möglich sei. Und dieser Experte ist kein anderer als der philologische Orientalist.[88]

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es zwar Sacy war, der „die Araber im Orient“ („Sacy placed the Arabs in the Orient,“) und den Orient selbst „im Kontext moderner Wissenschaft platzierte“ („which was itself placed in the general tableau of modern learning“[89] ). Die Möglichkeit der Klassifizierung hingegen, die schließlich die für den Orientalismus typischen binären Oppositionen („binary oppositions“[90] ) hervorbrachte, führte erst Renan ein. Darüber hinaus begründete Renan laut Said auch die Auffassung, dass die Kultur des Orients nicht durch die sie lebenden Menschen erzeugt werde, sondern einzig und allein im philologischen Labor entstehe: „For all of Renan's effort was to deny Oriental culture the right to be generated, except artificially in the philological laboratory.“[91]

2.4.3 Vier voraussetzungen des modernen Orientalismus

Trotz des entscheidenden Einflusses, den Sacy und Renan auf die Entwicklung des Orientalismus hatten, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch sie von gesellschaftlichen Strukturen profitierten, welche seit der Aufklärung geschaffen worden waren. Said geht daher auch auf die gesellschaftliche Entwicklung im 18. Jahrhundert ein und identifiziert vier Voraussetzungen, ohne deren Existenz seiner Meinung nach Orientalismus nicht in Erscheinung getreten wäre („Without them

Orientalism [...] could not have occurred.“[92] ). Diese vier Voraussetzungen[93] sind: (a) die verstärkte geistige und territoriale Expansion nach Osten und ihre Folgen, (b) die veränderte Auffassung von Geschichte, insbesondere von Weltgeschichte, (c) eine sachkundigere Einstellung gegenüber dem Fremden und Exotischen und (d) die immer zahlreicher werdenden Möglichkeiten der Klassifizierung von Menschen.[94]

In Bezug auf die verstärkte Expansion nach Osten (a) identifiziert Said mehrere Träger und Medien, die für die Vermittlung dieser Expansion verantwortlich waren. Einen großen Stellenwelt schreibt er der Reiseliteratur zu, die vor allem in Form von Reiseberichten und Romanen verschiedenster Art (z. B. Abenteuerroman) Beobachtungen vermittelte und so zum Bestandteil europäischer Orientvorstellungen wurde. Die Reiseliteratur verdankte ihre zunehmende Beliebtheit dem gesteigerten allgemeinen Interesse an der Belletristik. Geschrieben für die breite Masse, ist es den populären Werken dieses Literatursegments zu verdanken, dass die Orientvorstellungen und Repräsentationen auch Einzug in die Köpfe der breiten (bürgerlichen) Bevölkerung hielt. Neben diesem kulturellen Medium gab es allerdings auch wirtschaftliche und politische Institutionen, die Mittler und Interessenvertreter dieser Expansion nach Osten waren. Die staatliche Propaganda im Zuge des Strebens nach immer mehr Kolonien und die indischen Handelskompanien sind nur zwei Beispiele, die man in diesem Zusammenhang nennen kann.[95]

Die Veränderungen in der Auffassung von Geschichte (b) sind vor allem Resultate von Säkularisierungsprozessen, die seit der Aufklärung wirkten. Man begann an der christlichen Weltgeschichte der Bibel zu zweifeln und brauchte daher ein neues Erklärungsmodell für die Herkunft der Menschheit. Zur Verankerung dieses Modells diente die Wissenschaft, vor allem die in der Entstehung begriffenen Naturwissenschaften, da man sich durch sie größtmögliche Neutralität erhoffte. Diese Säkularisierungsprozesse führten letztlich dazu, dass auch in der Geschichte, insbesondere in der Historiographie, neue Ideen und ein neues Vokabular jenseits christlicher Denkmuster entstanden, welches auch für den orientalistischen Diskurs genutzt werden konnte. Said nennt hier als Beispiel den Historismus und den darauf zurückgehenden Gedanken der nationalen Idee.[96]

Im 18. Jahrhundert entstand auch eine (im Vergleich zu früheren Zeiten) sachkundigere Einstellung gegenüber dem Fremden und Exotischen (c). Einhergehend mit einem großen Interesse für fremde Regionen, führten die säkularisierten Denkmuster zu größerer Offenheit gegenüber fremden Kulturen. Vor der Etablierung ethnischer und rassischer Differenzierungsmuster durch den Nationalismus des 19. Jahrhunderts war die Herangehensweise an das Fremde sehr viel neutraler. Denn statt der Suche nach einem wissenschaftlichen Beweis für die gerechtfertigte gesellschaftliche Exklusion von Nicht-Europäern stand vor allem das Interesse am unbekannten Neuen im Vordergrund.[97] Hatten noch Orientalisten der Renaissance lediglich zwischen christlichen Europäern und dem gesamten Rest der Menschheit[98] unterschieden und den Orient als diabolischen Feind des Christentums eingestuft, war der Umgang mit diesem im 18. Jahrhundert schon sehr viel differenzierter. Auch die Konsultation von originalem Quellenmaterial in der jeweiligen orientalischen Sprache wurde nun als wichtig erachtet.[99]

Auch die im Laufe des 18. Jahrhunderts und darüber hinaus immer zahlreicher werdenden Möglichkeiten der Klassifizierung und Einordnung von Menschen (d) waren eine Folge der bereits erwähnten Säkularisierungsprozesse. Durch die Abkehr von christlichen Deutungsmustern musste ein Ersatz geschaffen werden, der die Einteilung der Menschheit in Christen und Heiden ablöste.[100] Auch hier erwartete man sich eine möglichst wertfreie Lösung von den Naturwissenschaften. Das Endergebnis waren allerdings ethnische Kategorien und Attributszuschreibungen, die fern jeglicher Neutralität waren. Sie dienten allein der Rechtfertigung und Sicherung der Stellung des europäischen weißen Mannes.[101]

2.5 Zusammenfassung - zentrale Thesen Saids

Bevor ich mich der Historiographie und ihren Bezugspunkten zum vorgestellten Orientalismuskonzept Saids widme, möchte ich noch einmal zur Orientierung kurz zusammenfassen was auf den vorangegangen Seiten ausführlich präsentiert wurde.

Bei Orientalismus handelt es sich um einen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs (Foucault), der ein Machtwissen kreiert (Bacon), welches die kulturelle Hegemonie (Gramsci) des Westens gegenüber dem Orient begründet und stützt. Diese kulturelle Hegemonie diente im 19. und 20. Jahrhundert dazu, den Orient kulturell, wirtschaftlich und politisch zu dominieren und diese Dominanz zu rechtfertigen.

Die Produktion von Machtwissen und dessen diskursive Verbreitung nennt Said manifesten Orientalismus. Diese Art des Orientalismus diente als Grundlage für Thesen über den Orient, die auch weit außerhalb der Orientalistik Verbreitung fanden. Die Verbreitung von Vorurteilen und Stereotypen ging deshalb ohne großen Widerstand vonstatten, da in der Gesellschaft eine allgemeine Unbefangenheit gegenüber Aussagen bezüglich des Orients vorherrschte, wodurch die durch den manifesten Orientalismus erzeugten Ideen auf fruchtbaren Boden fielen. Diese Unbefangenheit nennt Said latenten Orientalismus.

Die Grundlagen für die Entwicklung des Orientalismus wurden im 18. Jahrhundert geschaffen. Diese gesellschaftlichen Veränderungen waren die Folge von Säkularisierungsprozessen, die seit der Aufklärung wirkten und das in der Bibel begründete Weltbild Europas allmählich zu einem in der Natur begründeten naturwissenschaftlichen Weltbild wandelten. Durch diesen Prozess wurden sowohl ein Vokabular für den orientalistischen Diskurs als auch neue (ethnische) Kategorien zur Einteilung der Menschheit geschaffen (wie z. B. die Kategorie «Rasse»), welche über die Zeit auch Einzug in der Orientalistik hielten.

[...]


[1] Vgl. Fritz W. Kramer: Der Kulturbegriff Edward Saids, in: Schnepel, Burkhard / Brands, Gunnar / Schönig, Hanne (Hg.): Orient - Orientalistik - Orientalismus. Geschichte und Aktualität einer Debatte (Postcolonial studies; 5), Bielefeld 2011, S. 29.

[2] Robert Fisk: Why bombing Ashkelon is the most tragic irony [30. 12. 2008], in: The Independent, http://www.mdependent.co.uk/opmion/commentators/fisk/robert-fisk-why-bombmg-ashkelon-is-the- most-tragic-irony- 1216228.html (7.2.2012)

[3] Edward W. Said: Orientalism, New York 1979.

[4] Um Verwechslungen zwischen Titel und Konzept auszuschließen, schließe ich mich der allgemein gängigen Vorgehensweise an und bezeichne das Buch als Orientalism, das Konzept Saids hingegen als Orientalismus. Wird das Konzept mit dem englischen Originalbegriff bezeichnet, so wird dies mit Orientalism geschehen.

[5] Edward W. Said: The Question ofPalestine, New York 1980.

[6] Edward W. Said: Covering Islam. How the Media and the Experts Determine How We See the Rest of the World, London etal. 1981.

[7] Vgl. Birgit Schäbler: Riding the Turns: Edward Saids Buch Orientalism als Erfolgsgeschichte, in: Schnepel, Burkhard / Brands, Gunnar / Schönig, Hanne (Hg.): Orient - Orientalistik - Orientalismus.

Geschichte und Aktualität einer Debatte (Postcolonial studies; 5), Bielefeld 2011, S. 279 f.

[8] Vgl. Schäbler: Riding the Turns, S. 279-302.

[9] Kramer: Der Kulturbegriff Edward Saids, S. 30.

[10] Vgl. Schäbler: Riding the Turns, S. 279.

[11] Edward W. Said: Orientalism, London 2003. Zitate werden im Folgenden immer dieser Edition entnommen.

[12] Vgl. Said: Orientalism, S. 1.

[13] Vgl. Said: Orientalism, S. 2.

[14] Vgl. Said: Orientalism, S. 3.

[15] Vgl. Said: Orientalism, S. 2.

[16] Das englische Äquivalent hierzu wären die „oriental studies“, zu denen Said auch die „area studies“ des 20. Jahrhunderts zählt. S. dazu auch Said: Orientalism, S. 300 f.

[17] Nach dem Oxford Advanced Learner's Dictionary (2000) versteht man unter einem „orientalist“: „a person who studies the languages, arts, etc. of oriental countries“.

[18] Said: Orientalism, S. 2.

[19] Said: Orientalism, S. 50 f.

[20] Said: Orientalism, S.51.

[21] Said: Orientalism, S.51. Beispiele dafür wären laut Said unter anderem der Sinologe oder der Islamwissenschaftler.

[22] Said: Orientalism, S.51. Said nennt in diesem Zusammenhang Goethe mit seinem Werk Westöstlicher Diwan und Hugo mit seinem Werk Les Orientales.

[23] Said: Orientalism, S.51. Saids Beispiele hierfür sind Richard Burton, Edward Lane und Friedrich Schlegel.

[24] Edward W. Said: Culture and Imperialism, New York 1993.

[25] Kramer: Der Kulturbegriff Edward Saids, S. 33. Die Zitate von Kramer stammen aus Said: Culture and Imperialism, S. 299.

[26] Ich nehme hier und im Folgenden nicht an, dass etwas wie «der eine Orient» existiert, sondern beziehe mich, in Anlehnung an Said, auf den Orient als Konstrukt, welches eine Repräsentation mehrerer, realer geographischer Entitäten östlich von Europa ist. S. Said: Orientalism, S. 1 f. Vgl. außerdem ebd., S. 322.

[27] Vgl. Said: Orientalism, S. 340.

[28] Vgl. Said: Orientalism, S. 23 f. S. dazu auch Schäbler: Riding the Turns, S. 282 f.

[29] Vgl. Said: Orientalism, S. 25 f. S. dazu auch Schäbler: Riding the Turns, S. 282 f.

[30] Said: Orientalism, S. 4 f. Hervorhebungen im Original.

[31] Vgl. Said: Orientalism, S. 4f. Außerdem ebd., S. 331 f. S. dazu auch die Forschungen der Geschichtsdidaktik seit den späten 1960er Jahren, in denen zunehmend auf die subjektive Konstruktion von Wirklichkeit eingegangen wird.

[32] Vgl. Said: Orientalism, S. 331 f.

[33] Said: Orientalism, S. 332.

[34] Said: Orientalism, S. 1 f. Hervorhebungen im Original.

[35] Said: Orientalism, S. 2.

[36] Vgl. Kramer: Der Kulturbegriff Edward Saids, S. 31.

[37] Said: Orientalism, S. 5 f. Hervorhebungen im Original.

[38] Vgl. Schäbler: Riding the Turns, S. 282 f.

[39] Said: Orientalism, S. 7.

[40] Said: Orientalism, S. 7.

[41] Vgl. Wolfgang F. Haug / Alastair Davidson: Hegemonie, in: Haug, Wolfgang F. (Hg.): Historisch­Kritisches Wörterbuch des Marxismus (HKWM; Bd. 6.1), Hamburg 2004, S. 1-25. Vgl. auch Rainer-Olaf Schultze: Hegemonie, in: Nohlen, Dieter / Schultze, Rainer-Olaf: Lexikon der Politikwissenschaft (Bd. I: A-M), München 2002, S. 310-311. Vgl. auch Otto Kallscheuer / Wichard Woyke: Hegemonie, in: Nohlen, Dieter (Hg.): Pipers Wörterbuch zur Politik (Bd. 1), München,

Zürich 1985, S. 324-327.

[42] Vgl. Haug: Hegemonie, S. 3.

[43] Vgl. Said: Orientalism, S. 7.

[44] Vgl. Said: Orientalism, S. 7.

[45] Vgl. dazu Kapitel 4 dieser Arbeit. Zur Rolle des Orients s. auch Kapitel 2.1.1.

[46] Vgl. Schäbler: Riding the Turns, S. 282 f.

[47] Jörg Baberowski: Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault, München 2005, S. 196 f.

[48] Baberowski: Der Sinn der Geschichte, S. 198.

[49] Was das Ergebnis dieser Fragestellung ist, dazu mehr im nächsten Kapitel (2.2).

[50] Vgl. Kramer: Der Kulturbegriff Edward Saids, S. 31.

[51] Baberowski: Der Sinnder Geschichte, S. 192.

[52] Schäbler: Riding the Turns, S. 283.

[53] Schäbler: Riding the Turns, S. 283.

[54] Said: Orientalism, S. 23.

[55] Vgl. Said: Orientalism, S. 23 f.

[56] Said: Orientalism, S. 202 f.

[57] Vgl. Said: Orientalism, S. 122.

[58] Vgl. Said: Orientalism, S. 3, 31-49, 60.

[59] Vgl. Francis Bacon: Neues Organon. Teilbd. 1, lateinisch-deutsch. (Novum organon; Philosophische Bibliothek; Bd. 400a), hg. u. mit e. Einl. von Wolfgang Krohn, 2. Aufl., Hamburg 1999.

[60] Said: Orientalism, S. 32

[61] Said: Orientalism, S. 197.

[62] Vgl. Markus Schmitz: Kulturkritik ohne Zentrum. Edward W. Said und die Kontrapunkte kritischer Dekolonisation, Bielefeld2008, S. 169.

[63] Vgl.Kapitel 2.1.2.

[64] Schäbler: Riding the Turns, S. 286

[65] Vgl. Said: Orientalism, S. 221-223.

[66] Vgl. Said: Orientalism, S. 55-63.

[67] Vgl. Said: Orientalism, S. 221 f.

[68] Vgl. Said: Orientalism, S. 206.

[69] Vgl. Said: Orientalism, S. 72.

[70] Vgl. Said: Orientalism, S. 119, 206-208. S. auchKapitel 3 dieser Arbeit.

[71] Vgl. Said: Orientalism, S. 92.

[72] Vgl. Said: Orientalism, S. 206, 222 f.

[73] Der Grund dafür lag einerseits in den verbesserten technischen Möglichkeiten, die das Überbrücken großer Entfernungen erleichterten (Telegraphie, Eisenbahn, etc.). Anderseits hatten die modernen Wissenschaften, insbesondere die Geschichts- und Kulturwissenschaften, zu der Erkenntnis geführt, dass europäische und orientalische Kultur nicht so verschieden waren wie lange angenommen. Vgl. dazu Susan Rößner: Europa und sein östliches Anderes bei deutschen und englischen Historikern in den 1920er und 1950er Jahren: Religion als Ausgrenzungsstrategie, in: Baberowski, Jörg / Feest, David / Lehmann, Maike (Hg.): Dem Anderen begegnen. Eigene und fremde Repräsentation in sozialen Gemeinschaften (Eigene und fremde Welten; Bd. 10), Frankfurt, M. / New York, NY 2008, S.269-285. Insbesondere ebd, S. 283. Vgl. dazu auch Said: Orientalism, S. 222.

[74] Vgl. Said: Orientalism, S. 222 f.

[75] Said: Orientalism, S. 223.

[76] Said gibt hier als Jahreszahl 1769 an. S. Said: Orientalism, S.124. Dies ist aber aus zwei Gründen falsch: Erstens, Sacy war 1769 gerade einmal 11 Jahre alt, und zweitens wurde das Ecole spéciale des Langues orientales erst 1795 geründet. Vgl. dazu die Homepage des Instituts unter seinem heutigen Namen Institut national des langues et civilisations orientales (INALCO): www.inalco.fr (14.2.2012). Vgl. auch Sabine Mangold: Eine „weltbürgerliche Wissenschaft“ - Die deutsche Orientalistik im 19. Jahrhundert (Pallas Athene; Bd. 11), Stuttgart 2004, S.39.

[77] Vgl. Said: Orientalism, S. 123 f.

[78] Vgl. Said: Orientalism, S. 127.

[79] Vgl. Said: Orientalism, S. 124.

[80] Said: Orientalism, S. 125.

[81] Said: Orientalism, S. 125.

[82] Vgl. Said: Orientalism, S. 125 f.

[83] Vgl. dazu Kapitel 2.1.3.

[84] Vgl. Said: Orientalism, S. 125.

[85] Vgl. Said: Orientalism, S. 130.

[86] Vgl. Said: Orientalism, S. 143.

[87] Vgl. Said: Orientalism, S. 140.

[88] Vgl. Said: Orientalism, S. 143, 145 f.

[89] Said: Orientalism, S. 130. Hervorhebungen im Original.

[90] Said: Orientalism, S. 143.

[91] Said: Orientalism, S. 148.

[92] Said: Orientalism, S. 120.

[93] Auf die vier Voraussetzungen wird in diesem Kapitel nur kurz eingegangen, da sich besonders (b) und (d) stark mit den Kapiteln 4 bzw. 3 überschneiden.

[94] Vgl. Said: Orientalism, S. 116-121.

[95] Vgl. Said: Orientalism, S. 116 f, 120.

[96] Said: Orientalism, S. 118, 120 f.

[97] Vgl. dazu Marion Müller: Geschlecht und Ethnie. Historischer Bedeutungswandel, interaktive Konstruktion und Interferenzen (Studien zur Sozialwissenschaft), Wiesbaden 2003, S. 44-97.

[98] Said nennt dieses Phänomen, dass seiner Meinung nach auch schon im antiken Griechenland und dem römischen Reich existierte, die ,,'our land - barbarian land' distinction“. Vgl. Said: Orientalism, S. 54. Vgl. dazu auch Kapitel 5.2.

[99] Vgl. Said: Orientalism, S. 117, 120.

[100] Vgl. Said: Orientalism, S.119-121.

[101] Vgl. Müller: Geschlecht und Ethnie, S. 50-74. Mehr zu dieser Thematik in Kapitel 3.

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Titel: Saids Orientalismus in der historiographischen Tradition der Moderne