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Konzept zur individuellen Gesundheitsförderung

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegende Angaben zum Schwerpunktthema
1.1 Daten zum bestehenden Gesundheitsproblem
1.2 Forschungsergebnisse als Wirksamkeitsbeleg
1.3 Zielgruppe
1.4 Festlegung der übergeordneten Ziele

2 Inhaltlich-organisatorische Grobplanung

3 Inhaltlich-methodische Detailplanung
3.1 Methodische Gestaltung
3.2 Begründung des didaktisch-methodischen Kursaufbaus

4 Dokumentation und Evaluation des Kurskonzeptes

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.2 Tabellenverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland (Stand 31.12.2010)
Anhang 2: Leistungsfähigkeit und Sterblichkeit
Anhang 3: Krankheitskosten nach Krankheitsklassen
Anhang 4: Schmerzskala

1 Grundlegende Angaben zum Schwerpunktthema

In Zeitschriften und anderen Medien lesen wir von „Silver Ager“, „Best Ager“ oder auch „Golden Oldies“. (vgl. HEINING, 2012, S. 50 ff.)

Viele Namen für eine bestimmte Personengruppe, doch was steckt hinter all diesen Benennungen? Unvermeidbar werden Generationen in eine Schublade gesteckt und auf das Alter reduziert betrachtet. Schade eigentlich, denn viele voreingenommene Assoziationen verhindern hier einen erweiterten Blickwinkel. Prognosen zufolge soll es bald weitaus mehr Menschen über 50 Jahre als Menschen unter 20 Jahre geben. Durch §§ 20 und 20a SGB V wird bereits deutlich, dass eingeschränkte Beweglichkeit, chronisch-degenerative Erkrankungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates, der demographische Alterungsprozess und die sich wandelnden Anforderungen in der Arbeitswelt die Belastbarkeit der Älteren unausweichlich verändern (vgl. GKV-SPITZENVERBAND, 2010, S. 5). So werden diese Generationen auch in Deutschland zunehmend Thema im Gesundheitssektor. Viele Senioren im Alter von 60 Jahren und älter leben heutzutage noch stark erlebnisorientiert oder zeigen Interesse an einer aktiven Lebensgestaltung. Dieser Aspekt führt aufgrund eines erhöhten Bedarfs der Zielgruppe an Bewegung zur Notwendigkeit gesundheitsorientierter und betreuter Konzepte. Geht man davon aus, dass neben der passiven Lebensgestaltung jeweils ein Drittel der Generation „60 Plus“ interessiert bzw. bereits aktiv ist, so steht dem Gesundheits- und Fitnessmarkt ein nicht zu vernachlässigendes Klientel zur Verfügung. Der Bedarf an Unterstützung und Korrektur im Training ist besonders bei älteren und / oder untrainierten Personen groß. Nachfolgende Konzeption befasst sich mit genau diesem Themenfeld, wobei die Spezialisierung auf Frauen („Girls“) im hohen Alter („Golden“) bereits mit der Benennung deutlich wird.

Tab. 1: Grundlegende Angaben zur geplanten Präventionsmaßnahme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Rahmen des konzeptionellen Aufbaus, wird in Kapitel 1 durch epidemiologische Daten nochmals die Notwendigkeit des Bewegungsprogrammes für eine definierte Zielgruppe unterstrichen und bereits Kernziele der Konzeption hervorgehoben. Kapitel 2 geht auf die inhaltliche Grobplanung ein, welche im Kapitel 3 durch die methodisch-didaktische Detailplanung ausführlich dargestellt wird. Zuletzt befasst sich Kapitel 4 mit der Datenerhebung und Kursevaluation, sodass eine nachträgliche Konrolle bzw. Verbesserung des Kurses gewährleistet wird.

1.1 Daten zum bestehenden Gesundheitsproblem

Laut WHO seien „(…) im Jahr 2020 70 % aller Krankheiten, die zum Tode führen, Lifestyle-bedingt (…)“. (KÜNSTLINGER, 2003, S. 335)

Dieses Statement lässt die künftige Situation des menschlichen Lebensstils vorausahnen und somit auch die des Bewegungsverhaltens. Körperliche Inaktivität trägt hier entscheidend zur Problematik bei, was sich im Laufe des Lebens jedes Einzelnen festigt und teilweise irreversibel bleibt. Verbindet man diese lebensstilbedingten Veränderungen mit denen des demografischen Wandels, so wird deutlich, dass neue Handlungsschritte notwendig werden, um negativen Folgen entgegen zu wirken.

In verschiedensten Abbildungen von Alterspyramiden zum demografischen Wandel in Deutschland wird ersichtlich, dass sich diese - geprägt von geschichtlichen Ereignissen - hin zu einer Glockenform wandelt (vgl. Anhang 1). Zwei hauptsächliche Gründe verändern die ursprüngliche Pyramidenform: Einerseits verschmälern Geburtenrückgänge die Basis. Andererseits steigt die Lebenserwartung und die Spitze der Alterspyramide wird breiter (vgl. BETZ et al., 2007, S. 33 f.). Diese Form wird wohl nicht aufrecht erhalten bleiben. „(…) [G]eburtenschwache Jahrgänge, die ihre Elterngeneration nur zu zwei Drittel ersetzen (…)“ (BETZ et al., 2007, S. 34), werden dieses Defizit an Geburten möglicherweise fortsetzen, was langfristig zu einem Geburtenrückgang und demnach zur Schrumpfung der Bevölkerung führt. Eine gleichzeitig höhere Lebenserwartung lässt den Entschluss fassen, die älteren Generationen dementsprechend länger gesund im Arbeitsmarkt zu halten. Bleibt es bei einem niedrigen Geburtenniveau, so steht eine immer kleiner werdende Gruppe der in Renten- und Krankenversicherung einzuzahlenden Erwerbstätigen der wachsenden Zahl älterer Menschen gegenüber. Beiträge der Krankenkassen werden erhöht und Renten gekürzt (vgl. BIRG, 2004, S. 4). Das bedeutet für den Gesundheitsmarkt eine neue Spezifizierung und Ausrichtung bezüglich der Zielgruppen. Hier rückt vor allem Eigenverantwortung jedes Einzelnen in den Vordergrund, was durch kompetentes und geschultes Personal vermittelt werden muss.

Als weiterer Punkt soll der gegenwärtige Altersaufbau in hohen Altersjahren aufgeführt werden (s. Anhang 1). Mit zwei Weltkriegen und den dabei unzählig gefallenen Soldaten, rechtfertigt sich ein generationsbezogener Frauenüberschuss, der sich über Jahre fortsetzt. Hier wird eine Überleitung zu frauenspezifischen Alterungsprozessen geschaffen und mit verschiedenen Beweislagen kritisch belegt, womit die Notwendigkeit des Kurskonzeptes verdeutlicht werden soll. In Abhängigkeit vom individuellen Leistungsniveau fanden BLAIR et al. (1989) heraus, dass die Gesamtsterblichkeitsrate bei Frauen mit schlechtem Fitnesszustand bei 5,3 liegt. Das sind im Vergleich zu Frauen mit einem guten Fitnesszustand vier mehr. Die Abbildung in Anhang 2 verschafft einen groben Überblick zu den Auswirkungen, die ein körperliches Training auf verschiedene Krankheitsbilder in Abhängigkeit vom Fitnesszustand hat.


Eines dem passiven Bewegungsapparat betreffendes Krankheitsbild ist die Osteoporose. Besonders Frauen sind im Alter durch den sinkenden Östrogenspiegel von dieser Knochenerkrankung betroffen. Im Jahre 2008 entstanden laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland Behandlungskosten für Prävention sowie Rehabilitation in Höhe von ca. 254,3 Milliarden Euro. (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2008). Neben Herz-Kreislauf-Leiden, Krankheiten des Verdauungssystems sowie der Psyche, fielen hier Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 28,5 Milliarden Euro unter den vier kostenintensivsten Krankheitsbildern.

Abb. 1: Vier der kostenintensivsten Krankheitsbilder (eigene Darstellung)

Deutlich wird auch, dass die Kosten mit zunehmenden Alter und speziell bei Frauen höher ausfallen (s. Anhang 3). Allen aufgeführten Daten zufolge wird die Umsetzung eines altersadäquaten Bewegungsangebotes, welches sich vorbeugend und zielgruppengerecht mit den Muskel-Skelett-Erkrankungen beschäftigt, umso wichtiger. Hier soll Wert auf eine Kombination von dosiertem Ausdauer-, Kraft- sowie Beweglichkeitstraining gelegt werden, um die Stoffwechselaktivität zu sichern und um die passiven Strukturen im Körper zu stützen.

1.2 Forschungsergebnisse als Wirksamkeitsbeleg

Damit der Einsatz kraftorientierter Methoden im Bereich degenerativer Prozesse belegt wird, befasst sich folgender Abschnitt mit dem aktuellen Forschungsstand. Dabei ist mit dem Vibrationstraining eine Trainingsmethode entwickelt worden, die im Zusammenhang mit mehreren Risikofaktoren - unter anderem Knochenschwund - diskutiert werden kann. In den aufgeführten Studienuntersuchungen sollen Effekte und Möglichkeiten von Krafttraining durch die weiteren Vorteile eines zeitsparenden Vibrationstrainings evidenzbasiert untermauert werden.

Das Institut für Medizinische Physik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg untersuchte die Wirkung von Muskeltraining auf Knochendichte sowie Sturzhäufigkeit von Frauen nach der Menopause. Insgesamt 151 Frauen im Durchschnittsalter von 68,5 ± 3,1 Jahren wurden in drei Gruppen unterteilt.

Gruppe 1: klassische (Multifunktions-)Training-Gruppe (TG)

Gruppe 2: Multifunktionstrainingsgruppe mit Ganzkörpervibration (VTG)

Gruppe 3: Wellness-Kontrollgruppe (KG)

Zweimal pro Woche wurde in Gruppe 1 + 2 ein Multifunktionstraining (Aerobic, Gleichgewichtstraining, funktionelle Kräftigung) durchgeführt. Das 60-minütige Programm wurde bei Gruppe 1 + 2 in den letzten 15 Minuten mit Beinkräftigungsübungen beendet, wobei in der VTG Vibrationsplatten eingesetzt wurden. Die Wellnessgruppe führte ein Gymnastik- und Entspannungsprogramm durch. Als Pre- und Posttestung im Zeitraster von 12 Monaten wurde die Knochendichte an Hüfte und Lendenwirbelsäule (LWS) gemessen, wobei Sturzereignisse täglich erfasst wurden. Ein relevantes Ergebniss nach einem Jahr war, dass bei den Trianingsgruppen 1 + 2 eine Steigerung der Knochendichte an der LWS (VTG: + 1,17 ± 2,4% vs. TG: + 1,73 ± 2,4%) zu verzeichnen war, während in der KG zum Teil sogar ein Verlust festzustellen war(- 0,9 ± 2,5). Durch das Vibrationstraining wies die VTG mit einer Sturzrate von 0,43 Stürzen pro Teilnehmerin pro Jahr eine signifikant niedrigere Sturzhäufigkeit auf. Vergleichsweie kam es innerhalb der KG zu rund 1,14 Stürzen pro Teilnehmerin.

In der zweiten Studie befasste sich die Medizinische Universitätsklinik Tübingen, (Abteilung Sportmedizin) mit der Wirkung des Vibrationstrainings bezüglich therapeutischer Maßnahmen zur Behandlung von Gonarthrosepatienten (= Verschleiß am Kniegelenk) und verglich diese mit klassischem Krafttraining. Eine Gonarthrosesportgruppe von 39 Teilnehmern wurde auch hier randomisiert in drei Gruppen aufgeteilt. Analog zur ersten Studie, erfolgte die Aufteilung in eine Gruppe mit Vibrationstraining (1), eine Gruppe mit konventionellem Krafttraining (2) und eine Kontrollgruppe (3).

Mit den Gruppen 1 + 2 wurde ein achtwöchiges Krafttraining für die Oberschenkelmuskulatur durchgeführt. Hierfür trainierte Gruppe 1 zweimal pro Woche jeweils 16 Minuten. Gruppe 2 bei gleicher Häufigkeit 45 Minuten lang. Zur Ermittlung der Ergebnisse fand vor und nach dem Training eine Messung der isometrischen Maximalkraft von Extensoren (60° Knieflexion) und der isokinetischen Flexions- und Extensionskraft (60°/s) in der Konzentrik statt. Unterschieden wurden beide Beine nach dem Grad der Gonarthrose. Zusätzlich diente ein Schmerztagebuch zur subjektiven Erfassung der Trainingswirksamkeiten. Heraus kam, dass in beiden Trainingsgruppen eine Zunahme sowohl für die isometrische Extensionskraft, als auch für die isokinetische Flexions- und Extensionskraft zu verzeichnen war. Beide Messungen waren jedoch in der Vibrationsgruppe noch signifikanter. Positiv war außerdem, dass bei Gruppe 1 + 2 die Schmerzen durch das Training zurückgegangen sind.

Beide Studienuntersuchungen, sowohl geschlechts- als auch altersspezifisch, konnten nochmals die positiven Auswirkungen eines Krafttrainings unterstreichen und zudem vielversprechende Effekte eines Vibrationstrainings hervorbringen. Im Hinblick auf die geplante Präventionsmaßnahme nach den Vorgaben des GKV-Spitzenverbandes, bleibt der Fokus auf Kleingeräte und funktionsgymnastische Übungen. Hierfür gilt es weitere Kriterien festzulegen und zu definieren.

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Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656407881
ISBN (Buch)
9783656408406
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212519
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,6
Schlagworte
konzept strategische konzeotion gesundheitsförderung individuelle gesundheitsförderung

Autor

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Titel: Konzept zur individuellen Gesundheitsförderung