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Externe Intervention und state-building in Afghanistan

Interne und externe Faktoren für state-building am Beispiel Afghanistans zwischen 1979-1989 und 2001-2012

Magisterarbeit 2012 124 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südasien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Die aktuelle Intervention im Kontext zur sowjetischen Intervention
1.2. Das Konzept des state-building
1.3. State-building als Überprüfungsmittel
1.4. Afghanistan im Zusammenhang mit state-building: 1978-1992 und seit 2001
1.5. Forschungsfrage und Zielsetzung der Magisterarbeit
1.6. Methodologisches Vorgehen
1.7. Begriffsdefinitionen
1.8. Historische Eckdaten der afghanischen Staatlichkeit

2. Afghanistan vor den Interventionen im Jahre 1979 und 2001
2.1. Afghanistan vor der sowjetischen Intervention
2.2. Afghanistan vor der amerikanischen Intervention

3. Interessen und Ziele der Interventen
3.1. Interessen und Ziele der Sowjetunion in Afghanistan
3.2. Interessen und Ziele der ISAF/NATO-Staaten in Afghanistan

4. Der Sicherheitssektor der Interventionen
4.1. Der Sicherheitssektor während der sowjetischen Intervention
4.1.1. Das militärische Vorgehen der sowjetischen Armee
4.1.2. Die Rolle der afghanischen Armee und Polizei während der sowjetischen Intervention
4.1.3. Dritte Akteure des Sicherheitssektors während der sowjetischen Intervention
4.2. Der Sicherheitssektor während der Intervention der ISAF/NATO-Staaten
4.2.1. Das militärische Vorgehen der ISAF/NATO-Staaten
4.2.2. Die Rolle der afghanischen Armee und Polizei während der ISAF/NATO Intervention

5. Die ökonomischen Maßnahmen der Interventen
5.1. Die ökonomischen Maßnahmen der Sowjetunion und der DVPA
5.1.1. Wirtschaftshilfe und Infrastrukturaufbau durch die Sowjetunion
5.1.2. Die gescheiterte Agrarreform als Beispiel verfehlter Wirtschaftspolitik
5.2. Ökonomische Maßnahmen der ISAF/NATO-Staaten und der Regierung Karzai
5.2.1. Wirtschaft und Infrastrukturaufbau durch die ISAF/NATO-Staaten
5.2.2. Die Rollen der PRTs und NGOs beim Wiederaufbau Afghanistans
5.2.3. Der Drogensektor als Gradmesser wirtschaftlichen state-buildings

6. Politik- und Ideologietransfer durch die Interventen
6.1. Politik- und Ideologietransfer durch die Sowjetunion und die DVPA
6.1.1. Politik- und Ideologietransfer durch Berater vor Ort und Ausbildung in der Sowjetunion
6.1.2. Bildungsprogramme der Sowjetunion und der DVPA
6.2. Werte und Prinzipienvermittlung durch die ISAF/NATO-Staaten und die Regierung Karzai
6.2.1. Die Rolle der Frau als Beispiel „westlicher“ Wertevermittlung
6.2.2. Bildungsprogramme der ISAF/NATO-Staaten und der Regierung Karzai

7. Das politische und institutionelle Vorgehen der Interventen
7.1. Das politische und institutionelle Vorgehen der Sowjetunion und der DVPA
7.1.1. Institutionsbildung und Institutionsumformung durch die Sowjetunion und die DVPA
7.1.2. Die Stellung der sowjetischen Intervention und der DVPA-Regierung im nationalen und internationalen Kontext
7.1.3. Vom Kampf bis zur Miteinbeziehung – die Einstellungswandlung der Sowjetunion und der DVPA gegenüber den Widerstandsgruppen
7.2. Das politische und institutionelle Vorgehen der ISAF/NATO-Staaten
7.2.1. Institutionsbildung und Institutionsformung durch die ISAF/NATO-Staaten und die Regierung Karzai
7.2.2. Demokratische / staatliche Institutionen und Stammesstrukturen im Spannungsverhältnis
7.2.3. Die Entwicklung der Taliban vom erbitterten Feind zum legitimen Gesprächspartner

8. Afghanistan nach den Interventionen
8.1. Afghanistan nach der sowjetischen Intervention
8.2. Afghanistan nach der ISAF/NATO-Intervention

9. Schlussfolgerungen
9.1. Sowjetisches und ISAF/NATO state-building im Vergleich: Wiederholung der Geschichte?
9.2. State-building in der Praxis und die Auswirkungen auf die Theorie
9.3. Alternativen zum praktischen state-building von damals und heute?
9.4. Erkenntnisgewinn über die Analyse von state-building
9.5. Sicherheit als Bedingung für state-building?

10. Literatur und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

"Wenn wir aus Afghanistan sind, übernehmen die Taliban wieder die Macht"[1], „nur die Hälfte der Kriegsziele sei erreicht worden“[2], so die ehemaligen Generäle Kujat und McCrystal, ehemalige Befehlshaber der Deutschen Bundeswehr und der US-Armee, über das Engagement in Afghanistan seit 2001. Diese Meinungen, jene „das Scheitern des Westens“[3] prophezeien, erscheinen seit nun mehr als 11 Jahren in der Berichterstattung der Medien, genauso lange, wie die internationale Gemeinschaft in Afghanistan präsent ist. Der Afghanistan-Einsatz ist ein zentrales außenpolitisches und auch innenpolitisches Thema in Deutschland und allen anderen Staaten, die im Rahmen der ISAF seit 2002 in Afghanistan vertreten sind. Der „Afghanistan-Krieg“, der auch erst seit einiger Zeit als „Krieg“ offiziell bezeichnet wird, ist trotz der Konzentrierung der Medien auf den militärischen Aspekt, ein wesentlich umfangreicheres Unterfangen. Die sog. „westliche Welt“ wollte und will aus Afghanistan einen Staat nach ihrem Vorbild schaffen, indem Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung herrschen sollen, um eine Wiederholung des Taliban-Regimes unmöglich zu machen. Doch woran bewertete man das Scheitern in Afghanistan? Im Vergleich zu dem Land vor der Intervention im Jahr 2001, hat sich das Land weiterentwickelt, die Taliban wurden vertrieben, der radikale Islam abgeschafft, Frauen haben die gleichen Rechte erhalten wie Männer, Bildung ist wieder für jeden zugänglich und es wurden bereits zwei Präsidentschaftswahlen und Parlamentswahlen abgehalten. Ist dies nicht bereits ein Fortschritt im Vergleich zu den Zeiten der Taliban, als Bildung, Literatur, Musik, Film und Fernsehen verboten waren, wo Frauen keinerlei Rechte hatten, als Kunst und Kultur - die als unislamische galt - vernichtet wurde und Terroristen wie Osama bin Laden Unterschlupf fanden? Fortschritte sind erkennbar, gleichzeitig sind sich die Kritiker sicher, dass diese Fortschritte nur so lange Bestand haben werden, wie die ISAF in Afghanistan vertreten sein wird. Interessant zu beobachten ist, wie die Ursache der Taliban-Problematik auf die Zeit des sog. „Sowjetischen Afghanistankrieges“ zurückzuführen ist, als in den 70er und 80er Jahren bereits die Sowjetunion einmal versuchte in Afghanistan einen Staat nach ihrem Vorbild zu schaffen. Der Versuch scheiterte und das Land wurde in einem Bürgerkrieg hinterlassen, der letztendlich in der Machtergreifung der Taliban mündete und Afghanistan zu einem schwarzen Fleck auf der politischen Landkarte werden ließ. Gerne wird heute der Vergleich zu dem erfolglosen Afghanistan-Einsatz der Sowjetunion gezogen um das Scheitern der heutigen Intervention vorauszusagen. Auch in der Mitte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte Afghanistan in die Blickpunkt europäischer und amerikanischer Medien. Grund dafür waren die politischen und militärischen Umwälzungen Afghanistans in den 70er und 80er Jahren, die letztendlich in der sowjetischen Intervention und einer zehnjährigen Besetzung Afghanistans mündeten. Afghanistan bestätigte seinen durch die gescheiterten Invasionen Großbritanniens erlangten Ruf als „ Graveyard of Empires “ und zeigte nach Großbritannien - der Supermacht des 19. Jahrhunderts - nun auch der Sowjetunion - einer der Supermächte des 20. Jahrhunderts - die Grenzen ihrer militärischen und wirtschaftlichen Grenzen Kapazitäten auf. Ähnlich den britisch-afghanischen Kriegen aus dem vorherigen Jahrhundert, war es für die Rote Armee leicht Afghanistan zu „erobern“. Die Sowjets brachten zwar Kabul und die anderen großen Zentren Afghanistans unter ihre Kontrolle, jedoch endete die Macht der sowjetischen Armee meistens außerhalb der Stadtgrenzen Kabuls und allen anderen größeren Städten. Die Grenze der militärischen Macht war gleichbedeutend mit der Reichweite politischer und staatlicher Institutionen und man prophezeite der sowjetischen Militärmacht das gleiche Schicksal, wie das von Großbritannien. Man bezeichnete die Intervention auch als das „Das Vietnam der Sowjetunion“[4]. Moskaus Entscheidungsträger waren jedoch davon gelenkt, die kürzlich an die Macht gekommene sozialistische Regierungsspitze Afghanistans auszutauschen, die sich unter Staatschef Amin und seinen brutalen Methoden immer unbeliebter im eigenem Volk machte und immer mehr Afghanen zu den islamisch konservativen Widerstandsgruppen trieb. Man befürchtete in Moskau, dass Afghanistan zum Hort von radikal islamischen Kräften werden könnte, der den muslimischen Süden der Sowjetunion destabilisieren würde. Gleichzeitig war es der letzte und erfolglose Versuch den Sozialismus zu exportieren bzw. in einem Land zu etablieren, indem man versuchte aus den konservativ islamisch geprägten Afghanen ein sozialistisches Volk zu formen, das sich unter Kontrolle eines Staatsapparates mit einer sozialistischen Prägung wiederfinden sollte. Die Sowjetunion fuhr eine zweigleisige Strategie. Sie versuchte mit unerbittlicher militärischer Härte Widerstandsgruppen zu eliminieren und auf der anderen Seite durch Infrastrukturprojekte, durch den Bau von Krankenhäusern, Schulen, durch Alphabetisierungs- und Bildungskampagnen, durch die Ausbildung von Militär und Fachkräften im eigenen Land, durch Wertevermittlung wie geschlechtlicher Gleichberechtigung und Klassenlosigkeit, die Afghanen vom System des Sozialismus zu überzeugen. Anbindung durch Umerziehung war das Ziel der Sowjets, was durch die sozialistischen Partei Afghanistans und den eigenen Kräften vor Ort erfolgen sollte, die unter massiven Einfluss politischer, wirtschaftlicher und militärischer Gesandter aus der Sowjetunion standen. Letztendlich erwies sich der Versuch ein sozialistisches Afghanistan zu etablieren als erfolglos und nach knapp drei Jahren, nach dem sowjetischen Rückzug, kollabierte die sozialistische Regierung unter Najibullah unter dem Druck der afghanischen Mudschaheddin. Auch für die Sowjetunion wurde Afghanistan zum Friedhof, sowohl für über 14.000 sowjetische Soldaten, als auch zum Friedhof der letzten außenpolitischen Unternehmung der Sowjetunion und ihrem Versuch state-building in Afghanistan zu betreiben. Schaut man sich den sowjetischen Afghanistan-Einsatz an, erkennt man zahlreiche Parallelen zu dem heutigen Afghanistan-Einsatz der sog. „westlichen Welt“. Der oft gezogene Vergleich erscheint als angebracht und könnte als Überprüfungsmittel dienen, um den aktuellen Afghanistaneinsatz zu bewerten. Also wäre eine Bestandsaufnahme des aktuellen Einsatzes anhand eines Vergleichs zu dem Vorgehen der Sowjetunion in Afghanistan in den 70er und 80er Jahren zu ziehen, da das Vorgehen der Sowjetunion nachweislich als gescheitert gilt.

1.1. Die aktuelle Intervention im Kontext zur sowjetischen Intervention

Die Geschichte lehrt, dass Afghanistan schwer bis unmöglich zu kontrollieren ist. Noch schwerer ist es einen Staat nach eigenem Vorbild in Afghanistan aufzubauen, dies musste die Sowjetunion bereits feststellen. Die Sowjets sahen sich sogar einer noch größeren Herausforderung ausgesetzt, es war nicht nur das Ziel state-building zu betreiben, sondern - nennen wir es - „sozialistisches state-building“, jedenfalls in der Anfangsphase der Intervention. Dabei sind die Parallelen zu heute deutlich. Wieder ist es das Ziel zu verhindern, dass Afghanistan zum Hort radikal-islamischer Kräfte wird oder nicht wieder wird, was nach der gescheiterten sowjetischen Besetzung Afghanistans, der daraus folgenden Bürgerkriege in Afghanistan in den 90er Jahren und der Machtergreifung der Taliban, bereits erfolgte.[5] Wieder konnte Afghanistan Anfang 2002 eher leicht und ohne großen Widerstand erobert und besetzt werden. Wieder wurde eine den Besatzungsmächten freundlich gesinnte Regierung eingesetzt und wieder wird es versucht die Bevölkerung von einem spezifischen poltischen und kulturellen Wertesystem zu überzeugen. Die Nationen der ISAF bauen Schulen, Straßen, Krankenhäuser, bringen Afghanen lesen und schreiben bei, versuchen durch die Ausbildung von afghanischen Militärs und Fachkräften aus Afghanistan ein funktionierendes Staatswesen zu formen und mit Truppenpräsenz ihr state-building gegen innere Widerstände zu halten. Nun ist es nicht mehr der Sozialismus, der den Afghanen vermittelt werden soll, sondern die Demokratie und die Marktwirtschaft. In beiden Fällen, also der Intervention in den 80er Jahren und der aktuellen Intervention, war es das Ziel, ein „neues“ und dem eigenen politischen Lager zugewandtes Afghanistan zu schaffen. Moskau wollte an seinem Südrand ein politisch kontrollierbares und wenn möglich auch auf sozialistischen Fundamenten stehendes, modernes Afghanistan, als Keil zwischen den großen islamischen Ländern Iran und Pakistan und als Schutzwall vor islamischen Einflüssen in den zentralasiatischen Sowjetrepubliken. Die USA und auch Europa, wollen heute ein demokratisches Afghanistan, das radikalen und terroristischen Kräften nicht mehr als Rückzugsort dienen kann und als ein Beispiel eines toleranten, gemäßigten-islamischen Staates dienen soll, um der zunehmenden Radikalisierung in der islamischen Welt entgegenzuwirken. Das politische Projekt Afghanistan, das aller Voraussicht sein militärisches Ende 2014 finden wird, wir zum Prüfstein der Durchsetzbarkeit der westlichen Welt und ihrem poltischen System. Das Ziel in Afghanistan ist die Etablierung der Werte Demokratie, Rechtstaat, Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit in einem Land, das seit nunmehr 30 Jahren durch den Krieg geprägt und jahrelang von streng islamisch-konservativen Taliban, mit ihrer radikalen Interpretation des Islams, regiert wurde. So wie der Sowjetunion, wurde auch der westlichen Welt das Scheitern in Afghanistan prophezeit. Die Stimmen, die diese Meinung vertreten, nehmen in der öffentlichen Meinung zunehmend mehr Platz ein und werden durch jeden weiteren Anschlag auf die ISAF/NATO-Truppen gestärkt. Die Todeszahlen der ISAF/NATO-Staaten steigen seit 2002 kontinuierlich an, Afghanistan ist heute immer noch eines der unterentwickeltsten und korruptesten Länder der Erde. Die meisten Staaten der ISAF haben schon ihren militärischen Rückzug angekündigt, da man die menschlichen und finanziellen Kosten gegenüber der Bevölkerung zu Hause politisch nicht mehr vertreten zu können scheint.

1.2. Das Konzept des state-building

In Afghanistan kam es bezüglich beider Interventionen nicht ausschließlich zu militärischen Schritten seitens der Interventen, sondern es war auch Ziel state‐building zu betreiben. „State‐building“ kann definiert werden als externer Eingriff auf ein definiertes Territorium mit dem Ziel der Schaffung oder Stärkung staatlicher Strukturen eines bereits bestehenden Staates, welcher die alleinige Machtausübung und Entscheidungshoheit auf dem Territorium inne hat.[6] So ein externer Eingriff oder bzw. solch eine Intervention in einen Staat kann - in diesem Fall ist das gegeben – eine zivile und militärische Komponente haben und soll hier untersucht werden.

1.3. State-building als Überprüfungsmittel

Es ist nicht einfach „state-building“ von „state-formation“ oder „nation-building“ zu unterscheiden, in allen drei Theorien finden wir Ansätze, die auch für eine andere Theorie gelten können. Lotz[7] schreibt dazu: „There is no agreed definition of Statebuilding, but it is normally considered to at least include building and strengthening the institutions of the state. In this sense, it can be seen as an extension of the good governance agenda of development assistance, but with a more specific focus on the unique role of the state, and at the same time a broader perspective than poverty reduction as the objective of international engagement. In addition, statebuilding can also be said to involve the strengthening of the legitimacy of the state and, more broadly, the relations between state and society“. Die Literatur neigt auch dazu diese Begriffe zu vermischen. Ein Beispiel hierfür gibt Fukuyama der 2005 schreibt: „State-building is the creation of new government insitutions and strengthening of existing ones“.[8] In seinem Nachfolgewerk im Jahr 2006 verbindet er „nation-building“ und „state-building“: „What we mean by nation-building is usually state-building coupled with economic development”.[9] Nach Hippler ist „nation buidling“ ein Prozess einer sozio-politischen Entwicklung, die in einem langen historischen Prozess stattfindet[10] oder aber auch nach Watson:“[…]ending military conflicts and rebuilding economic infrastructures, along with basic services, to include the armed forces, police, government, banks, transportation networks, communications, health and medical care, schools, and the other basic infrastructure“[11], was wiederum auch für „state-building“ oder auch „state-formation“ stehen kann. In Kürze gesagt, beschreibt „state-formation“ die internen und auch externen Prozesse, die zu einer Neuerschaffung eines Staates führen. „Nation-building“ beschreibt Prozesse zur Schaffung eines nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls oder der Schaffung eines Nationalgefühls in seinem Ursprung, beinhaltet aber auch Elemente der Schaffung und Stärkung staatlicher Strukturen, ähnlich dem „state-formation“ und „state-building“. Das Problem liegt hierbei in der Definition von „nation“ und „state“, was in der Politikwissenschaft die gleiche Bedeutung haben kann.[12] Die Diskussion um und über die Begriffe „nation“ und „state“ sowie die Definition dieser durch die Literatur würde den Rahmen dieser Magisterarbeit überschreiten, sind ohnehin nicht Gegenstand der Forschungsfrage und werden daher auch nicht weiter analysiert. In dieser Arbeit soll von „state-building“ gesprochen werden. Nicht die Beantwortung der Frage, ob es sich bei Afghanistan um „nation“- oder „state-building“ handelt, ist das Forschungsziel, sondern eine Analyse der durchgeführten Methoden und ihre Erfolgsmäßigkeit, bezogen auf die politischen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten Afghanistans. Desweiteren soll es in dieser Magisterarbeit zu keiner normativen Definition von „guten“ oder „schlechten“ state-building kommen, so wie sie z.B. durch das OECD Development Assistance Committee geschieht[13], d.h. es wird keine Bewertung anhand des politischen Systems an sich (Sozialismus oder Demokratie) erfolgen. Zur Bewertung der Erfolgmäßigkeit der „state-building“-Versuche durch die Sowjetunion und die ISAF/NATO-Staaten bedarf es erst einmal der Definition der Aufgaben eines Staates. Nach Schneckener sind es die Sicherheitsfunktion, (das Gewaltmonopol nach innen und Schutzfunktion nach außen), die Wohlfahrtsfunktion (staatliche Dienst- und Transferleistungen sowie die (Um)Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen, finanziert über Staatseinnahmen), Legitimitäts- und Rechtsstaatsfunktion (politische Partizipation, Entscheidungsprozeduren, Stabilität politischer Institutionen, Qualität des Rechtsstaats, des Justizwesens und der Verwaltung) und die effektive Außenkompetenz.[14] Zu Bewertung des Erreichens dieser Ziele bedarf es der Definition eines als „erfolgreich“ geltenden Staates. Dabei gibt es die Definition des Gegenteils eines solchen Staates bzw. einer prekären Staatlichkeit nach Zürcher[15] und die Definition von Typen schwacher bzw. versagender oder verfallender Staaten nach Schneckener[16]. Nach Zürcher nehmen „prekäre Staaten“ ihre Kernaufgaben nicht mehr (ausreichend) wahr. Sie setzen ihr legitimes Gewaltmonopol nach innen nicht mehr durch und erbringen keine Schutzfunktion nach außen. Die Merkmale dieser prekären Staatlichkeit sind z.B.:

- Unfähigkeit zur Politikformulierung und –Durchsetzung (ggf. mit Zwang)
- Minimum an materiellen öffentlichen Gütern wird nicht gewährleistet
- Institutionen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung erodieren
- Anfälligkeit für organisierte Gewalt
- Standorte informeller, illegaler Wirtschaftsaktivitäten (häufig eingebunden in die internationale Schattenwirtschaft)
- Rückzugs-, Rekrutierungs- und Ausbildungsgebiet international agierender Terrornetzwerke
- eine selektive Staatlichkeit bzw. das Bewahren von Inseln staatlicher Organisationsfähigkeit
- Finanzierung durch dezentrale Selbstfinanzierung einzelner staatlicher Organisationen durch informelle Methoden und quasi offizielle, hoch zentralisierte parallelstaatliche Erhebung und Verwaltung von „Steuern“ und „Abgaben“.
- Herrschaft wird nicht mittels Institutionen ausgeübt und gesichert, sondern durch informelle Praktiken und Patronage-Netzwerke
- eine ausgelagerte Staatlichkeit durch Übertragung von Kernaufgaben (Gewaltmonopol, Bildung, Infrastruktur) und nicht staatliche Organisationen
- eine unterwanderte Staatlichkeit bzw. Auslagerung politischer Entscheidungsmacht in informelle Institutionen.

Nach Schneckener sind Merkmale schwacher Staaten allgemein formuliert: ein weitgehend oder teilweise existierendes Gewaltmonopol, Defizite bei Wohlfahrts- und/oder Legitimitäts- und Rechtstaatfunktion. Bei versagenden oder verfallenen Staaten: eine starke Beeinträchtigung des staatlichen Gewaltmonopols, nur teilweises Vorhandensein der Wohlfahrts- und/oder Legitimitätsfunktion. Strategien, die als state-building definiert werden können, umfassen ein breites Spektrum an politischen und wirtschaftlichen Bereichen mit dem Ziel, eine effektivere und nachhaltige staatliche Performanz gegenüber der Bevölkerung zu erschaffen. Nach Schneckener[17] umfassen „state-building“-Maßnahmen den Bereich Sicherheit, Wohlfahrt, Legitimität und Rechtstaatlichkeit. Maßnahmen die zum Bereich Sicherheit zählen sind: die Reform des Sicherheitssektors, Programme zur Demilitarisierung, der Aufbau bzw. die Reform von Polizei und Militär, die Bekämpfung organisierter Kriminalität und nichtstaatlicher Gewaltakteure, die Sicherung der Außengrenzen, die Kontrolle von Klein- und Leichtwaffen, die Förderung von Friedensprozessen, die Entsendung internationaler Polizeikräfte sowie ggf. Stationierung von internationalen Friedenstruppen. Zum Bereich Wohlfahrt gehören Maßnahmen wie: Finanzhilfe durch Kredite, Aufbau und Durchsetzung einer Steuer-, Haushalts- und Zollverwaltung, Steigerung öffentlicher Investitionen in Bildung und Gesundheit, Aufbau bzw. Wiederaufbau von Infrastruktur, effizientere Nutzung von Ressourcen, Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmer, Stärkung lokaler und regionaler Märkte, Verbesserung der Grundversorgung der Bevölkerung und der Ausbau sozialer Sicherungssysteme. Die Maßnahmen, die zur Legitimität und Rechtsstaatlichkeit gehören, sind: eine Verfassungsreform, eine Wahlrechtsreform, die Demokratisierungshilfe, die Förderung von Mehrparteiensystemen, die Organisation und Beobachtung von Wahlen, Korruptionsbekämpfung, der Aufbau bzw. Reform des Justizwesens, die Verwaltungsreform, die Förderung der Menschenrechte und des Minderheitenschutzes, die Stärkung der Pressefreiheit, Maßnahmen zur Dezentralisierung bzw. Föderalisierung, die Stärkung kommunaler Strukturen und die Stärkung und Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure. Desweiteren müssen sich die Akteure hinter dem state-building zwei Herausforderungen stellen, der Input- und Outputlegitimität auf Regierungsebene und lokaler Ebene. Unter Inputlegitimität der Regierungsebene fasst Schneckener die Beteiligung anderer Staaten bzw. die Unterstützung durch die nationale und internationale Öffentlichkeit, also auch dritter Akteure, zusammen. Auf lokaler Ebene erstreckt sich die Einbindung lokaler Akteure in die Umsetzung der politischen Ziele und die damit zusammenhängende lokale Öffentlichkeit. Die Output-Legitimität auf der Regierungsebene erfasst die kosteneffiziente Implementierung von Projekten und Staatsmodellen. Auf der lokalen Ebene erstreckt sich die Output-Legitimität auf die Schaffung eines sicheren Umfeldes, eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage und die Etablierung nachhaltiger Strukturen im Staat und in der Gesellschaft.[18]

1.4. Afghanistan im Zusammenhang mit state-building zwischen 1978-1992 und seit 2001

Im Falle Afghanistans waren in beiden Fällen rein afghanische Regierungen an der Macht und keine kommissarischen Regierungsbeamte der Interventionsmächte, die letztendlich die Regierungskontrolle inne hatten und die Regierungsgeschäfte offiziell leiteten. 1979 wurde zwar Amin durch die Sowjets entfernt, das politische System blieb jedoch bestehen und es kam nur innerhalb des regierenden Systems zu einem Tausch der Machthaber. Die afghanischen Sozialisten, unabhängig von ihrer Fraktionierung, blieben an der politischen Macht im Land. Bereits vorher erfuhren sie Unterstützung durch die Sowjetunion und wurden nach der Intervention nun zusätzlich militärisch vor den Widerstandsgruppen geschützt, einhergehend mit einer Intensivierung der politischen und wirtschaftlichen Hilfen. Im aktuellen Afghanistaneinsatz besteht der wesentliche Unterschied in der Ausgangslage des afghanischen Staatsystems, das hier untersucht wird. Das aktuelle System Afghanistans wurde erst durch die Beseitigung der vorangegangenen Machthaber etabliert und kam fast gleichzeitig mit den militärischen Einheiten in das Land. E s ist aber ebenfalls ein rein afghanisches System, das nicht direkt von ausländischen Kräften gelenkt wird. In beiden Fällen waren diese afghanischen Systeme aber von der Unterstützung der ausländischen Mächte abhängig und wurden durch sie maßgeblich beeinflusst. Dies geschah nicht nur militärisch im Sinne der Durchsetzung bzw. Erhaltung des Systems gegenüber den Widerstandsgruppen, sondern auch wirtschaftlich bzw. finanziell im Aufbau der Fundamente einer noch zu schaffenden Nachhaltigkeit, die in Afghanistan ein System ohne die Hilfe der ausländischen Mächte durchsetzen sollte. Den „neuen“ Staat, also den sozialistischen Staat, etablierten die afghanischen Kommunisten selbst. Die Sowjetunion griff später in diesen Staat ein um state building zu betreiben, obwohl sie auch schon vorher an der Machterlangung der Sozialisten beteiligt war, indem sie die DVPA dabei unterstützte Daoud zu stürzen. Die ISAF/NATO-Staaten haben nach der Beseitigung des Taliban-Staates ebenfalls an der Machterlangung bzw. Etablierung des neuen politischen Systems Afghanistans teilgenommen, indem sie die Rahmenbedingungen für die afghanischen Akteure schufen (Vertreibung der Taliban, Petersberger Konferenz, ISAF in Afghanistan, Finanzierung der politischen Prozesse), später durch state-building die Etablierung und Stärkung des neuen afghanischen Staates unterstützten und Einfluss auf diesen Prozess in Afghanistan genommen haben. Hierbei ergibt sich jedoch das Problem, bezogen auf die sozialistische Ideologie, die hinter der Intervention der Sowjetunion stand bzw. als ideologische Basis der DVPA diente, im Zusammenhang einiger theoretischer Vorgaben, die als state-building-Maßnahmen definiert wurden. Bezüglich der DVPA bzw. der Sowjetunion ist es schwer von der Förderung von Menschenrechten, vom Demokratieprinzip und von freien Wahlen zu sprechen. Die Prinzipien waren für die Sowjetunion und die afghanischen Sozialisten zwar offiziell vorhanden, in der Praxis jedoch, jedenfalls zu Beginn, nicht Teil der geplanten und real durchgesetzten Maßnahmen. Daher soll hier im Bezug auf das state-building zwischen 1978-1992 eine Konzentrierung auf die „Kernelemente moderner Staatlichkeit – nämlich effektive Gebietsherrschaft im Sinne eines legitimen Gewaltmonopols und die grundsätzliche Fähigkeit, politische Entscheidungen autoritativ durchzusetzen“, erfolgen. Als „Ersatz“ der demokratischen Prinzipienförderung (freie Wahlen, Meinungsfreiheit etc.) im Falle der sozialistischen Periode Afghanistans, soll hier eine Analyse der sozialistischen Prinzipienvermittlung der Sowjetunion bzw. der afghanischen Sozialisten erfolgen (Klassenlosigkeit, Atheismus, Alphabetisierung, staatliche Lenkung der Wirtschaft, Durchsetzung des Einparteiensystems etc.). Als Ergebnis sollten aber trotz der Unterschiede beide Ideologien die Stärkung des politischen Systems zur Folge haben. Somit kann der Implementierungsversuch des Sozialismus auch als Definition von state-building Maßnahmen dienen, gleich den als state-building Maßnahmen definierter Förderung demokratischer Prinzipien, der Meinungsfreiheit und Menschenrechten.

1.5. Forschungsfrage und Zielsetzung der Magisterarbeit

Durch den Vergleich des sowjetischen Afghanistaneinsatzes und des aktuellen Einsatzes sollten am Ende der Arbeit im Wesentlichen erst 2 Fragen beantwortet werden können: (1) Worin bestanden die wesentlichen Unterschiede zwischen der Intervention der Sowjetunion und deren state-building und der Intervention der ISAF/NATO-Staaten und deren state-building in Afghanistan und (2) wie waren die Ergebnisse der verschiedenen Afghanistaneinsätze? Durch den Vergleich der beiden Interventionen und der damit durchgeführten, zweifachen Konfrontation der theoretischen Vorgaben des state-buildings mit den tatsächlich durchgeführten Maßnahmen, soll es zu Möglichkeit von Rückschlüssen auf die Durchführbarkeit des state-buildings in Afghanistan, der damit zusammenhängenden Bewertung, ob der aktuelle Einsatz gescheitert ist, und zu einer Bewertung der praktischen Durchführbarkeit der theoretischen Maßnahmen kommen.

1.6. Methodologisches Vorgehen

Die sowjetische Besatzung Afghanistans dauerte von 1979 bis 1989, also ca. 10 Jahre. Die letzte Besetzung Afghanistans begann 2002 und dauert bis heute an, also ebenfalls ca. 10 Jahre, ein geeigneter Zeitpunkt, um einen Vergleich ziehen zu können. Sowohl die sowjetische Intervention als auch die der USA/NATO, waren nicht rein militärischer Natur und nur auf militärische Ziele ausgerichtet, obwohl diese ein wichtiges Element des state-buildings bzw. als Fundament des state-buildings in Afghanistan gesehen werden können, da „[…]ein Mindestmaß an Stabilität und Kontrolle […] Vorrausetzungen für ein erfolgreiches state-building sind“.[19] Mit der militärischen Komponente ging auch der gleichsam bedeutende politische und wirtschaftliche Einsatz in Afghanistan einher. Sowohl die Sowjetunion als auch die ISAF/NATO-Staaten wollten in Afghanistan einen nachhaltigen Staat schaffen, der nach der Beendigung der militärischen Komponente des Einsatzes Bestand haben sollte. Dazu zählten nach der Erlangung der militärischen Kontrolle die Etablierung des Staatsapparates und die Schaffung eines wirtschaftlichen Fundaments. Die Etablierung des Staatsapparates fußte unter anderem auf der Ideologiesierung der afghanischen Bevölkerung durch verschiedene Maßnahmen seitens der Interventen und sollte damit ein Fundament für die Institutionsbildung schaffen. Daher werden diese Maßnahmen hier gesondert untersucht. In Kürze haben wir damit 4 Untersuchungsräume: den Sicherheitssektor, den Ideologiesektor bzw. die Werte und Prinzipienvermittlung, den wirtschaftlichen Sektor und den politisch-institutionellen Sektor. Da alle Bereiche auch Merkmale anderer Bereiche besitzen, kann es im Laufe des empirischen Teils zu thematischen Überschneidungen kommen, also z.B. zur Untersuchung eines wirtschaftlichen Bereichs, der aber auch Rückschlüsse auf den politischen und ideologischen Teil bringen kann. Zuerst erfolgt aber ein Überblick über das Afghanistan kurz vor den Interventionen vor 1979 sowie 2001. Dabei soll es sich um eine politische und wirtschaftliche Bestandsaufnahme Afghanistans handeln, bevor es zur Intervention kam. Dies ermöglicht einen späteren Vergleichs Afghanistans nach der Intervention bzw. nach ca. 10 Jahren state-building. Hiernach erfolgen die Betrachtung und der Vergleich des politischen, wirtschaftlichen und militärischen Vorgehens in Afghanistan durch die Sowjetunion und dem Vorgehen der ISAF/NATO-Staaten unter folgenden Gesichtspunkten. Zuerst soll geklärt werden, welche Beweggründe und Ziele die Sowjetunion und der ISAF/NATO-Staaten hatten. Wichtig ist, ob es rein auf die afghanische Innenpolitik bezogene Interessen waren oder ob die Intervention in einem überregionalen Zusammenhang stand. Eine Konzentration auf die rein afghanische Problematik könnte einen möglichen Vorwurf entkräften, die Ziele der Sowjetunion seien nicht mit denen der ISAF/NATO-Staaten vergleichbar und damit ein Vergleich zwecks Analyse des state-buildings irrelevant. Der nächste Schritt wäre die Analyse der Strategien bei der Besetzung des Landes, des politischen und militärischen Vorgehens und die Planung der darauf folgenden Befriedung Afghanistans mit dem Ziel, eine stabile Regierung in Kabul dauerhaft halten zu können. Danach erfolgt die Betrachtung der militärischen Komponenten des Afghanistaneinsatzes im Hinblick auf die sicherheitsschaffenden Maßnahmen der sowjetischen Armee und der Truppen der ISAF/NATO-Staaten. Zu betrachten dabei ist auch die Rolle der afghanischen Regierungstruppen (Armee, Polizei, Geheimdienst) im Kampf gegen die Widerstandsgruppen und die Schaffung von Sicherheit als Fundament der zu erfolgenden state-building Maßnahmen. Zusätzlich dazu wird die Einflussnahme dritter Parteien auf die militärische Entwicklung in Afghanistan analysiert. In diesem Punkt soll die Frage beantwortet werden, inwieweit Gelder und militärische Unterstützung der Widerstandsgruppen durch ausländische Akteure den militärischen Erfolg der Interventionsmächte in Afghanistan beeinflussten und damit Einfluss auf den Ausgang des state-buildings nahmen. Als nächstes erfolgt die Betrachtung der wirtschaftlichen Maßnahmen der Interventionsmächte in Afghanistan, darunter die wirtschaftliche Unterstützung, also das Ziel, durch Infrastrukturmaßnahmen, Technologie und Wissenstransfer Afghanistan aufzubauen bzw. zu modernisieren. Auch der Ideologietransfer und die Versuche der „Modernisierung“ und Ideologisierung der afghanischen Bevölkerung anhand des politischen Wertesystems der Interventen sollen betrachtet werden. Hiernach erfolgt eine Analyse der politischen Projekte und Strategien der Interventionsmächte, darunter die Schaffung von politischen Institutionen, Versuche z.B. Stammesstrukturen durch Regierungsbehörden zu ersetzen, darunter auch die Analyse der Durchsetzungskraft der Regierung in Kabul in den Provinzen des Landes. Hierzu gehört auch die politische Entscheidungshoheit der afghanischen Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung und die Frage, welchen Status sie in sie gegenüber den Interventen besaßen. Ebenfalls sollen Analysen des Status der Interventionen im internationalen Kontext sowie des Status der afghanischen Regierung im nationalen Kontext bezogen auf die Input und Outputlegitimität aus den Vorgaben des state-buildings nach Schneckener erfolgen. Letztendlich soll Afghanistans nach 10 Jahren state-building betrachtet werden, eine Gegenüberstellung mit dem Afghanistans vor den Interventionen. Nach der Gegenüberstellung des sowjetischen Afghanistaneinsatzes und des aktuellen der ISAF wird im Fazit versucht eine Antwort auf die Fragestellung zu finden.

1.7. Begriffsdefinitionen

In dieser Magisterarbeit haben wir es mit einer Reihe von politischen, militärischen und wirtschaftlichen Akteuren zu tun, die eine vorangegangene terminologische Definition benötigen, weil sie in dieser Magisterarbeit oft als Bezeichnung einer breiten Gruppe dienen sollen. Diese setzen sich aber aus vielen und teilweise verschiedenen Elementen zusammen und sollen aus praktischen Gründen jedoch nicht immer wieder differenziert aufgezählt werden. Welche Gruppen und Akteure hinter einer Bezeichnung stehen wird wie folgt erklärt:

„Afghanische Sozialisten“: Zusammenfassung der sozialistischen Gruppierungen, der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA), Befürwortern, Mitgliedern der afghanischen Regierung und Beamten des afghanischen Staatsapparates und Militärs zur Zeiten des afghanischen Staates zwischen 1978 und 1992.

„Intervention/Invasion“: Die Bezeichnung Invasion bezeichnet einen militärischen Einfall in ein Land und trifft in beiden Untersuchungsräumen zu. Intervention beinhaltet noch eine politische Komponente, die sich als Eingriff in politische Prozesse deuten lassen kann. Da hier die politischen und wirtschafltichen Prozesse den Schwerpunkt bilden, wähle ich den Begriff „Intervention“, sowohl für die militärische als auch politische Komponente der Afghanistaneinsätze.

„ISAF/NATO-Staaten“: International Security Assistance Force (ISAF), North Atlantic Treaty Organization (NATO). Nicht jede Nation, die an der ISAF beteiligt ist, ist auch Mitglied der NATO, trotzdem befindet sich die ISAF seit 2003 unter dem Kommando der NATO, und NATO-Mitglieder machen den Hauptteil der Streitkräfte aus.[20] Die am state-building beteiligten Staaten seit 2001, werden daher in dieser Magisterarbeit als „ISAF/NATO-Staaten“ bezeichnet.

„Mudschahedin“: Die Mudschahedin bestanden aus vielen verschiedenen Gruppierungen mit unterschiedlicher ethnologischer Zusammensetzung sowie verschiedenen Interpretationen des Islams. Da die innere Struktur des Widerstandes aber in dieser Arbeit keine Bedeutung hat, sondern nur de ss en gemeinsames Ziel, also die sowjetische bzw. sozialistische Präsen z in Afghanistan zu beenden, relevant ist, wird der militärische und politische Widerstand zwischen 1979 und 1992 unter dem Begriff „Mudschahedin“ zusammengefasst. Dies gilt ebenfalls für die Gruppierungen nach dem Rückzug der Sowjets bis zur Machtergreifung der Taliban.

„Politbüro“: Die Bezeichnung „Politbüro“ dient als Bezeichnung der sowjetischen Regierung, dem politischen Machtzentrum und Inhaber der Weisungsbefugnisse der sowjetischen Politik.

„Taliban“: Die Taliban bestehen heute, ähnlich den Mudschahedin in den 70er, 80er und 90er Jahren, aus verschiedenen Gruppierungen und auch ideologischen Strömungen, deren innere Struktur aber in dieser Arbeit keine Bedeutung hat. In dieser Arbeit wird der politische und militärische Widerstand gegen die Mudschahedin in den 90er Jahren, sowie gegen die ISAF/NATO-Staaten ab 2001 als „Taliban“ bezeichnet.

Wegen der Komplexität der neueren und neu e sten Geschichte Afghanistans und zur Vermeidung von Erklärungen der geschichtliche Hintergründe in den einzelnen und thematisch angeordneten Kapiteln erfolgt hier ein schemenhafter Überblick der politischen Entwicklungen in Afghanistan, zwecks leichterer historische Einordnung und einer kompakten Veranschaulichung der historischen Gegebenheiten vor dem empirischen Teil der Arbeit.

1907: Britisch-Russische Konvention von St. Petersburg. Beide Parteien erklären den Verzicht auf eine Intervention in Afghanistan.

1919: Vertrag von Rāwalpindi sichert die Unabhängigkeit Afghanistans.

1921: Freundschaftsvertrag mit der UdSSR.

1923: Verkündung einer konstitutionellen Verfassung. Die Modernsierung nach dem Vorbild der Türkei Atatürks ruft erbitterten Widerstand unter den afghanischen Stämmen hervor.

1929: Sturz Amanullahs und damit Beendigung des Modernisierungsvorhabens nach dem Vorbild der Türkei.

1930/31: Besteigung des Königsthrones durch Nadir Schah und neue Verfassung mit religiöser Ausrichtung.

1947: Gründung Pakistans mit „Durand-Linie“ als Ostgrenze zu Afghanistan. Bis 1970 „Paschtunistan-Konflikt“ mit Grenzzwischenfällen und Handelsblockaden zwischen beiden Ländern.

1953-1963: Führung der Regierungsgeschäfte durch Mohammed Daud Khan.

1964: Konstitutionelle Verfassung in Anlehnung an den westlichen Parlamentarismus, 1965 und 1969 Parlamentswahlen.

1973: Putsch und Machtergreifung Daouds während einer Auslandsreise Königs Zahir Schahs.

1977: Neue Verfassung spiegelt die autoritäre Stellung Daouds wider und soll einen republikanischen und „demokratischen“ Einheitsstaat schaffen.

1978: Saur Revolution und Sturz Daouds durch die DVPA, Ernennung Tarakis zum Präsidenten. Unterzeichnung des Vertrages über „Freundschaft, gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit“ zwischen Afghanistan und der UdSSR.

1979: Landreform mit negativen Folgen für die afghanische Landwirtschaft, erster bewaffneter Widerstand gegen die DVPA. Taraki, später Amin, versuchen Afghanistan erfolglos nach sowjetischem Vorbild zu modernisieren.

Okt. 1979: Ermordung Tarakis durch Amin, Amin ernennt sich zum neuen Präsidenten Afghanistans.

Dez. 1979: Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan, Liquidierung Amins und Installierung Babrak Karmals als neuen Präsidenten Afghanistans.

1979 bis 1989: Erhebung verschiedener Mudschahedin-Gruppierungen gegen die sowjetische Besatzung. Beginn des Sowjetischen Afghanistankrieges.

1985 und 1987: Neue Verfassungen Afghanistans.

1986: Nadschibullah wird auf Weisung Moskaus neuer Regierungschef.

1988: Vertrag zur Beendigung des Afghanistankrieges zwischen den Regierungen Afghanistans, Pakistans, der USA und der UdSSR (Genfer Afghanistan-Abkommen).

1989: Abzug der letzten sowjetischen Truppen.

1992: Ende der militärischen und finanziellen Unterstützung Afghanistans durch die Sowjetunion/Russland.

1992: Sturz Nadschibullahs, Regierungsübernahme durch die Mudschaheddin.

1992-1996: Afghanischer Bürgerkrieg zwischen den Mudschaheddin-Parteien, u.a. schwere Zerstörungen Kabuls.

1996-1997: Einnahme Kabuls durch die Taliban, Bildung der Nord-Allianz unter Führung Massouds, Besetzung fast ganz Afghanistans durch die Taliban bis auf den Nord-Osten des Landes (Gebiet der Nord-Allianz).

Dez. 2000: UNO-Resolution 1333 wirft den Taliban Unterstützung des Terrorismus, Menschenrechtsverletzungen und Drogenhandel vor.

Sep.- Dez. 2001: Anschlag auf das WTC in New York, Auslieferungsforderungen von Bin-Laden an die Taliban durch die USA, Beginn der von der USA unterstützen Offensive der Nord-Allianz, Eroberung weiter Landesteile von den Taliban u.a. Kabuls, Afghanistankonferenz in Bonn, UN-Resolution 1386 mit Mandat und Auftrag zur Aufstellung einer internationalen Sicherheitsbeistandstruppe (ISAF).

Jun. 2002: Hamid Karzai wird als Präsident Afghanistans durch die „Emergency Loya Jirga“ (Außerordentliche Große Ratsversammlung) bestätigt.

Apr. - Okt. 2004: „Berliner Erklärung“, in der 56 Staaten ihr Engagement beim Wiederaufbau verlautbaren, Karzai wird in der ersten freien Präsidentschaftswahl bestätigt.

Jan. 2004: Neue Verfassung der Islamischen Republik Afghanistan, die Werte des Islam mit Demokratie nach westlichem Vorbild verbindet.

Dez. 2005: Erster Zusammentritt eines afghanischen Parlaments nach 32 Jahren, der Demokratisierungsprozess nach dem Petersberger Abkommen wird für beendet erklärt.

Seit 2006: Ansteigende Kämpfe zwischen Soldaten der ISAF/NATO und Widerstandsgruppen wie den Taliban in südlichen Gebieten Afghanistans.

Sep. 2008: Treffen einer Kabuler Regierungsdelegation mit Vertretern der Taliban in Mekka.[21]

2. Afghanistan vor den Interventionen im Jahre 1979 und 2001

Zur Bewertung der state-building Prozesse der Interventionsmächte in Afghanistan, bedarf es einen Blick auf die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten Afghanistans jeweils vor den Interventionen. In diesem Kapitel soll verdeutlicht werden, mit welchen Bedingungen sich sowohl die sowjetischen Kräfte als auch die Kräfte der ISAF/NATO-Staaten in Afghanistan konfrontiert sahen zum Zeitpunkt des Eintritts in das Land.

2.1. Afghanistan vor der sowjetischen Intervention

Afghanistan war bis 1973 eine Monarchie unter Mohammed Zahir Shah. In dieser Zeit schaffte es Afghanistan sich international zu etablieren und wurde unter anderem von den USA diplomatisch anerkannt und auch Mitglied des Völkerbundes, gefolgt von Verträgen mit z.B. Deutschland, Japan und Italien.[22] Nach dem Zweiten Weltkrieg setzen erste Reform- und Modernisierungsvorhaben seitens des Königs ein, dazu gehörte die Gründung der ersten modernen Universität des Landes. Unter dem neuen Premierminister Mohammed Daoud Khan, einem Cousin des Königs, begann Afghanistan sich der Sowjetunion politisch zu nähern und sich von Pakistan zu distanzieren. Dies war dem Konflikt um die afghanischen-pakistanische Grenze geschuldet, die auch als „Durand-Linie“ bezeichnet wurde, welche mitten durch das Stammland und Siedlungsgebiet der Pashtunen verlief, die in Afghanistan die Bevölkerungsmehrheit stellten. Unter Daoud wurden pashtunische Widerstandskämpfer auf pakistanischer Seite unterstützt, was letztendlich zu der bereits genannten Grenzschließung zu Pakistan führte. Somit wurde Afghanistan indirekt abhängig von der Sowjetunion und dem Güterverkehr über die sowjetische-afghanische Grenzen. In der Folge wurde aus der Sowjetunion Afghanistans größter Handelspartner, und es wurde mit Waffenlieferungen an Afghanistan begonnen. Der Konflikt mit Pakistan eskalierte, als Daoud 1962 reguläre Truppen nach Pakistan schickte um die Pashtunen zu unterstützen, die aber von dem pakistanischen Militär vernichtend geschlagen wurden. Dies führte zu einer ersten wirtschaftlichen und vor allem politischen Krise, und Daud wurde als Premierminister 1964 entlassen. Kurz darauf stabilisierten sich die Beziehungen zu Pakistan, und die Grenze wurde wieder geöffnet. Ab 1964 reformierte König Zahir Shah das politische System Afghanistans. Es wurde eine demokratische Verfassung eingeführt mit freien Wahlen, einem Zweikammerparlament, Frauen- und Bürgerrechten und einem allgemein Wahlrecht. Zahlreiche weitere Reformversuche wurden jedoch von politischen Grabenkämpfen und dem Fraktionalismus unter den afghanischen Politikern verhindert. Die Zeit unter dem König wird heute unter Afghanen als eine Zeit des Friedens betrachtet, aber ohne nennenswerte Fortschritte.[23] Zwischen 1969 und 1973 war die afghanische Politik von Instabilität geprägt und das Parlament galt als handlungsunfähig.[24] Im Jahre 1973 wurde König Zahir Shah von Daud in Afghanistan gestürzt. Im August 1973 dankte Zahir Shah ab um einen möglichen Bürgerkrieg zu verhindern, falls er versuchen sollte die Macht in Afghanistan wiederzuerlangen.[25] Daoud formte aus Afghanistan eine Republik und gründete seine eigene Partei, die „Nationale Revolutionäre Partei“, und Teile der DVPA wurden zu einem engen Verbündeten Daouds. So gehörten 7 von 13 Ministern zu den Sozialisten oder standen ihnen ideologisch nahe. Die Loja Dschirga billigte Daouds neue Verfassung, welche im Januar 1977 ein präsidentielles Einparteiensystem etablierte. Daoud vereinigte auf seine Person sowohl das Amt des Staatpräsidenten, des Ministerpräsidenten, des Verteidigungsministers und des Außenministers. Jeder Widerstand und jede Auflehnung gegen das neue Regime wurde niedergeschlagen oder durch die Regierung unterdrückt.[26] Daoud galt in der afghanischen Bevölkerung als Fortführer monarchischer Prinzipien[27] und bereits jetzt unterstützt durch 3000 sowjetische Berater.[28] Die Beziehungen zur Sowjetunion und zu den anderen kommunistischen Staaten sowie zu den Sozialisten im eigenen Land verschlechterten sich während Daouds Herrschafft jedoch zunehmend. Daoud wies alle Wirtschafts-und Militärberater sowjetischer Herkunft aus, ersetzte die Regierungsmitglieder der DVPA durch Nichtsozialisten[29], leitete 1976 einen wirtschaftlichen 7-Jahresplan ein, legte den Konflikt mit Pakistan um das Gebiet der Pashtunen bei, begann mit einer militärischen Zusammenarbeit mit Indien, leitete Gespräche über eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Persien ein und suchte finanzielle Unterstützung bei den ölreichen Staaten des arabischen Golfs.[30] Daouds eigene Zielsetzungen konnte er bis 1978 jedoch kaum erfüllen. Sowohl die afghanische Wirtschaft im Allgemeinen als auch der Wohlstand der Afghanen hatten keine großen Fortschritte gemacht. Zu Beginn des letzen Viertels des 20. Jahrhunderts gehörte Afghanistan zu den Ländern mit dem geringsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt, über 90% der Menschen konnten weder lesen noch schreiben, eine medizinische Versorgung war nur stellenweise vorhanden und schloss nur die städtische Bevölkerung geringfügig ein. Ein Arzt hatte z.B. mehr als 10.000 Menschen zu versorgen. Die afghanische Bevölkerung war geprägt durch Armut, durch harte körperliche Arbeit, Krankheiten, Analphabetismus und dem Nichtvorhandensein von politischen und wirtschaftlichen Rechten. Das Land bewegte sich im letzten Viertel aller statistischen Zahlen von 129 Ländern der UN. Afghanistan hatte keine nennenswerte Industrie und somit keine Bevölkerung, die zur Klasse der Arbeiter hätte gehören können, stattdessen lebten 2.5 Millionen Menschen in nomadischen bzw. halb-nomadischen Verhältnissen und standen unter dem Einfluss von religiösem Fundamentalismus.[31] Die Regierung Daoud stand desweiteren unter massiver Kritik bezüglich des von ihm etablierten Einparteiensystems in Afghanistan, das durch die neue Verfassung im Jahre 1977 verfestigt wurde und u.a. die DVPA aus dem politischen Geschehen verdrängte.[32] Die nun aufkommenden Proteste gegen Daoud, mehrheitlich durch afghanische Sozialisten organisiert, führten zu Repressionen und Verhaftungen seitens der Regierung unter den Mitgliedern der DVPA. Darüber hinaus sah die Sowjetunion die enge Zusammenarbeit mit dem Westen als Bedrohung an, was unter anderem mit den Militärberatern aus NATO-Staaten zu tun hatte, die vermehrt in Afghanistan eintrafen. Aufforderungen seitens der Sowjetunion, diese des Landes zu verweisen, lehnte Daoud ab. Diese Umstände nahmen die afghanischen Sozialisten zum Anlass Daoud zu stürzen, und im April 1978 kam es zur sogenannten „Saur Revolution“[33], zu den von den Mitgliedern der kommunistischen Partei Afghanistans getragenen Staats st reiches, ermöglicht durch die zahlreichen Sympathisanten der DVPA im afghanischen Offizierskorps. Das Militär stürmte den afghanischen Präsidentenpalast, und Daoud und die meisten seiner Familienmitglieder wurden getötet. Die DVPA riss nach dem Tod Daouds die Macht in Afghanistan an sich. Dieses Ereignis kann als Ausgangspunkt, des bis heute andauernden, Afghanistankonfliktes gesehen werden und markierte den Beginn der sowjetischen Intervention. Gleich zu Beginn musste das Politbüro mit der inneren Fraktionalisierung der afghanischen Kommunisten in Khalq und Parchamisten umgehen. Neuer Machthaber wurde Muhamad Taraki aus der Khalq-Fraktion, stellvertretender Premierminister wurde Karmal, ein Parcham-Anhänger, Außenminister wurde Amin, eine Khalq-Anhänger. Die zwei großen Fraktionen der DVPA waren die sogenannte Khalq-Fraktion (Khalq=Volk) und die Parcham-Fraktion (Parcham=Banner).[34] Die Zusammensetzung der Khalqisten und Parchamisten war bestimmt durch ethnische, regionale und soziale Faktoren. Die Parcham-Fraktion unterschied sich von der Khalq-Fraktion in ihrer Zusammensetzung, dem sozialen Hintergrund der Mitglieder und deren Sichtweise, bezogen auf die nationale und internationale Politik Afghanistans sowie der Interpretation von „moralischem“ Verhalten, bezogen auf religiöse und traditionelle Gegebenheiten. Die Mitglieder der Parcham-Fraktion waren größtenteils aus den Städten Afghanistans und selten vom Lande. Die Mitglieder der Khalq-Fraktion stammen größtenteils aus ländlichen Gebieten, was auch eine Unterscheidung in wohlhabend und arm zulässt. Einen großen ethnischen Unterschied macht die Nichtangehörigkeit der Parchamisten zur Volksgruppe der Pashtunen. Dadurch waren die Parchamisten weniger verankert in einer traditionellen Stammesgesellschaft und weltoffener bzw. weniger nationalistisch, was sie von den Khalqisten unterschied. Die höherrangigen Parchamisten standen alten Traditionen bzw. Dogmen gleichgültiger gegenüber, auch wenn diese seit Jahrhunderten in der afghanischen Gesellschaft verankert waren. Die Parchamisten hatten auch einen Anteil an Frauen unter ihrer Gruppe, anders als die Khalqisten.[35] Die ausgewogene Aufteilung der Ministerposten zwischen den beiden Fraktionen war aber nicht von Dauer. Taraki und Amin entließen die meisten Parchamisten aus ihren Positionen. Kurz darauf kam es zur Beschuldigung der Parchamisten durch die Khalqisten, dass sie einen Putsch planen würden. Daher wurden die meisten Parchamisten entweder exekutiert oder inhaftiert.[36] Unabhängig davon hatte die sozialistische afghanische Regierung sofort nach der Machtergreifung mit der Umformung des Staates begonnen hin zu einer sozialistische Staatsstruktur. Die Religion verlor ihren Stellenwert in der Politik, Atheismus wurde propagiert sowie der islamische Glaube unterdrückt. Desweiteren kam es zu wirtschaftlichen Reformen, wie der Agrarreform. Die Staatsymbolik wurde neu entworfen, orientierte sich an der sowjetischen und wurde unter den traditionellen und islamischen Afghanen als Provokation gesehen.[37] Die sozialistischen Machhaber begannen zudem mit der Inhaftierung und auch Folterung von Oppositionellen aus der geistlichen Elite des Landes, ebenfalls mit der Unterdrückung der Parsham-Fraktion. Die gescheiterte Landreform führte zu einer Krise in der Landwirtschaft und damit zu einem großen Rückgang der Produktion. Die allgemeine Unzufriedenheit unter der Bevölkerung führte letztendlich zum Aufstand von Herat, der als Ausgangspunkt der militärischen Interventionspläne der Sowjetunion gesehen werden kann.

2.2. Afghanistan vor der amerikanischen Intervention

Um die Lage Afghanistans am Vorabend der amerikanischen Intervention Ende 2001/Anfang 2002 zu verstehen, bedarf es eines Rückblicks auf die Zeit nach dem sowjetischen Rückzug aus Afghanistan. Am 15. Februar 1989 verließen die letzen sowjetischen Truppen das Land. Damit war die sozialistische Regierung unter Nadschibullah militärisch auf sich alleine gestellt, auch wenn sie weiterhin durch sowjetische Militärberater unterstützt wurde. Politisch und wirtschaftlich erhielt sie aber weiterhin Unterstützung aus der (noch) bestehenden Sowjetunion für weitere drei Jahre, bis zum Amtsantritt von Boris Jelzin in Moskau. In diesen drei Jahren schaffte es die Regierung unter Nadschibullah die Kontrolle in Kabul und anderen großen Städten zu behalten und verlor nicht wesentlich mehr Einflussgebiet innerhalb Afghanistans als sie noch während der sowjetischen Präsenz besaß. Als die Finanzhilfen aus der Sowjetunion bzw. dann aus Russland nicht mehr flossen, verlor die Regierung Nadschibullah rasch an Boden und wurde 1992 gestürzt. Als der Abmarsch der sowjetischen Streitkräfte absehbar war, formierte sich bereits eine neue afghanische Regierung in Pakistan. Sieben Parteien der verschiedenen Mudschahedin-Fraktionen bildeten eine provisorische Regierung und erhielten für diese auch internationale Anerkennung. Ein Problem dieser Regierung des Präsidenten Rabani war jedoch, dass auch sie de facto auf die Machtausübung in Kabul begrenzt war. Die sog. „Nationale Regierung“ hatte von Beginn ihrer Tätigkeit an mit internen Machtkämpfen der verschiedenen Mudschahedin-Gruppierungen zu kämpfen, sowohl politisch als auch militärisch. Dieser Zustand mündete letztendlich in einen offenen Bürgerkrieg zwischen den Mudschahedin in Afghanistan. Dabei waren die ehemals im Kampf gegen die Sowjetunion vereinten Widerstandsgruppen in zwei, später in drei wesentliche Parteien zerbrochen.[38] Der afghanische Bürgerkrieg hatte zum Zerfall und zur Zerstörung jeglicher staatlicher Strukturen geführt und das Land endgültig wirtschaftlich ruiniert. Gleichzeitig wuchs eine neue Partei heran, die später Afghanistan fast vollständig erobern sollte und ab 1997 als Herrscher über Afghanistan galt - die Taliban. Alle größeren Mudschahedin-Gruppierungen unterlagen den Taliban militärisch, und ihre Anführer mussten entweder in den Untergrund oder in das Exil. Nur Ahmad Schah Massoud gelang es den Nordosten Afghanistans vor den Taliban zu verteidigen. Seine Gruppierung, die letzen Überbleibsel der ehemaligen Mudschaheddin-Regierung unter Rabani, nannte sich fortan die „Vereinigte Front“, in der westlichen Öffentlichkeit bekannt unter dem Namen „Nordallianz“. Zwischen 1996 und 2011 errichteten die fundamentalistischen Taliban eine vorrübergehende Ordnung, die geprägt war durch die Einführung der Scharia als alleingültiges Gesetz. Afghanistan wurde zu einem islamisch-fundamentalistischen Staat und international isoliert. Nur Pakistan, Saudi Arabien und die Vereinigten-Arabischen-Emirate erkannten die Taliban als legitime Regierung Afghanistans an. Die UN und somit fast alle restlichen Staaten der Welt sahen weiterhin Präsident Rabani als legitimen Präsidenten Afghanistans an. Die Taliban sorgten vor allem durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen - darunter Massaker an Zivilisten - sowie durch das Verbot jeglicher Bildung und Kultur, welche als „unislamisch“ eingestuft wurde, und wirtschaftliche Stagnation in der internationalen Öffentlichkeit für Aufsehen[39]. Afghanistan machte unter den Taliban keinerlei Fortschritte in der Wirtschaft, den damit zusammenhängenden Lebensbedingungen der Menschen und blieb weiterhin eines der unterentwickelten und jetzt zusätzlich isoliertesten Länder der Welt. Es kam zu ethnischen Säuberungen gegenüber der Volksgruppe der Hazara und schiitischen Afghanen. Diese mündeten in der Ermordung von 5000-6000 Schiiten und 6000-8000 Usbeken.[40] Die Taliban waren nicht nur in der Durchsetzung ihrer Macht anders als die bisher herrschenden Mudschahedin, sondern auch in ihrer nationalen und ethnischen Zusammensetzung. So kämpften zwischen 1994 und 1999 ca. 80.000 bis 100.000 Pakistaner in Afghanistan. Unter den Pakistanern waren nicht nur Soldaten, die aus den Koranschulen im afghanischen-pakistanischen Grenzgebiet rekrutiert wurden, sondern auch reguläre pakistanische Truppen.[41] Im Jahre 2001, am Vorabend der Intervention, bestand die Taliban-Armee aus ca. 45.000 Mann, bestehend aus ca. 14.000 bis 15.000 Afghanen, 2.000 bis 3.000 Al-Qaida Kämpfern - vorwiegend arabischer Herkunft - und restlich aus Pakistanern aus dem paschtunischen Teil Pakistans.[42] International waren die Taliban bereits vor den Angriffen auf das WTC geächtet. Bereits 1998 kam es zu Angriffen der US-Luftwaffe auf militärische Ausbildungslager in Afghanistan, die im Verdacht standen eine Herberge für Bin Ladens Gruppe zu sein. Die USA forderte die Auslieferung Bin Ladens, und die UNO verhängte Sanktionen gegen die Taliban. Das Vorgehen gegen die Schiiten in Afghanistan hatte auch den Iran zum einem Gegner der Taliban werden lassen. Usbekistan brach seine Beziehungen zu den Taliban ab, da diese der islamistischen „Islamischen Bewegung Usbekistans“ Unterschlupf gewährten. Im Nord-Osten Afghanistans, das unter der Herrschaft der Nord-Allianz stand, geführt von Massoud, entwickelte sich ein afghanischer Gegenstaat zu den Taliban. Massoud installierte dort demokratische Institutionen und unterschrieb die „Womens Rights Declaration“.[43] Unter seinen Truppen wurden in der Zeit seiner Herrschaft über Nord-Ost Afghanistan keine Menschenrechtsverletzungen beobachtet. Dies führte u. a. dazu, dass ca. 1. Millionen Afghanen Zuflucht auf dem Gebiet der Nord-Allianz suchten.[44] Desweiteren leisteten schiitische Widerstandsgruppen in Zentralafghanistan weiterhin Widertand. Gleichzeitig gelang es den Taliban, trotz äußerster Brutalität, nicht überall in ihrem Herrschaftsgebiet für Stabilität zu sorgen, und ihre Institutionen litten unter Korruption. Die Herrschaft der Taliban endete nach den Ereignissen des 11. Septembers, denen auch ein erfolgreiches Attentat auf Nord-Allianz-Führer Massoud vorausgegangen war, und dem Stopp jeglicher offiziellen Hilfe seitens der Pakistanischen Regierung an die Taliban auf Druck der USA.[45] Die kombinierten Angriffe der amerikanischen Luftwaffe und der Kämpfer der Nord-Allianz führten zur Vertreibung der Taliban aus Kabul und den anderen großen Städten Afghanistans. Gleichzeitig entwarfen die Vereinten Nationen und die großen Industriestaaten Ende 2001 gemeinsam mit verschiedenen afghanischen Gruppierungen auf dem Petersberg in Bonn einen Plan zum Aufbau von Institutionen und den daran erforderlichen Verfahren für den Bau eines neuen Staates.[46]

[...]


[1] o. A.: General erklärt Afghanistan-Krieg für gescheitert, erschienen in Die Welt, 07.10.2011, unter: http://www.welt.de/politik/ausland/article13646554/General-erklaert-Afghanistan-Krieg-fuer-gescheitert.html (29.09.2012).

[2] Rüb, Mathias; Carstens, Peter: McCrystal kritisiert Kriegsführung in Afghanistan, erschien in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2011, unter: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/zehn-jahre-afghanistan-einsatz-mcchrystal-kritisiert-kriegsfuehrung-in-afghanistan-11485151.html (29.09.2010).

[3] Münkler, Herfried: Das Scheitern des Westens, erschienen in Sueddeutsche Zeitung, 06.04.2009, unter: http://www.sueddeutsche.de/politik/nato-einsatz-in-afghanistan-das-scheitern-des-westens-1.390507 (29.09.2012).

[4] Vgl. Bacia, Horst: Das Vietnam der Sowjetunion, erschienen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2009, unter: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanistan-das-vietnam-der-sowjetunion-1900972.html (28.12.2009).

[5] Kipping, Martin: State-Building – Erfolg und Scheitern in Afghanistan, Schriften zur Gouvernance-Forschung, 1. Auflage, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2011, S.13.

[6] Vgl.: Sonderforschungsbereich 700, Grundbegriffe der Gouvernanceforschung – Ein Beitrag aus dem Teilprojekt A1, SFB‐Gouvernance Working Paper Series Nr. 8, updated version, DFG‐Sonderforschungsbereich 700, Berlin Juni 2009, S.7.

[7] Vgl. Lotz, Christian (2010): International Norms in Statebuilding: Finding a Pragmatic Approach, in: Global Governance, 16:2, S. 219-236.

[8] Fukuyama, F.: State-building: Governance and World Order in the Twenty-First Century,Profile Books Ltd., London, 2005, S. 17.

[9] Fukuyama, F.: Nation-Building: Beyond Afghanistan and Iraq, John Hopkins University Press, Baltimore, 2006, S.3.

[10] Vgl. Hippler, Jochen: Nation-Building – A Key Concept for Peaceful Conflict Transformation?, London, 2005, S.6.

[11] Watson, Cynthia Ann: Nation-Building: A Reference Handbook, Library of Congress Cataloging in Publication Data, USA, 2004, S. 9.

[12] Vgl. Richmond, A. H.: Ethnic Nationalism: Social Science Paradigms, in: International Social Science Journal, Ethnic Phenomena, Ausg. 111, 1, Februar 1987, S.4.

[13] Vgl. OECD DAC, State Building in Situations of Fragility: Initial Findings, OECD, Paris, 2008.

[14] Vgl. Schneckener, Ulrich: Fragile Staaten als Sicherheits- und Entwicklungsproblem, SWP-Studie, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 43/2004, S. 12ff., unter: http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/studien/2004_S43_skr_ks.pdf (29.09.2012).

[15] Vgl. Zürcher, Christoph: Vom schwierigen analytischen Umgang mit prekärer Staatlichkeit, in: Internationale Politik, 60:9, 27.10.2010, S. 13-22, unter: https://zeitschrift-ip.dgap.org/de/ip-die-zeitschrift/archiv/jahrgang-2005/september/gewollte-schwäche (29.09.2012).

[16] Vgl. Schneckener, 2004, S.14 ff.

[17] Vgl. Schneckener, 2004, S. 20ff..

[18] Vgl. Schneckener, 2004, S.188ff..

[19] Kipping , 2011, S.12.

[20] Für eine genaue Aufzählung der beteiligten Nationen siehe: Internetpräsenz der NATO, International Security Assistance Force (ISAF): Key Facts and Figures, 15.05.2012, unter: http://www.nato.int/isaf/docu/epub/pdf/placemat.pdf (13.08.2012).

[21] Die Übersicht über die afghanische Geschichte wurde entnommen aus: Wegeweiser zur Geschichte Afghanistans, dritte, durchgesehene und erweiterte Auflage, Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich, 2009, S. 245-261.

[22] Dupree, Louis: Afghanistan, Princeton University Press, 1980, S. 477–478.

[23] Vgl. Judah, Tim : The man who would be king, in The Guardian, 23.09.2001, http://www.guardian.co.uk/world/2001/sep/23/terrorism.afghanistan1 (12.06.2012).

[24] Vgl. The King Reigns: The Last Decade of the Monarchy, 1963-73, U.S. Library of Congress, unter: http://countrystudies.us/afghanistan/27.htm (12.06.2012).

[25] Vgl. Bearak, Barry: Former King of Afghanistan Dies at 92, in The New York Times, 32.07.2007, http://www.nytimes.com/2007/07/23/world/asia/23cnd-shah.html?_r=1 (12.06.2012).

[26] Vgl. Daoud`s Republic, July 1973 – April 1978, U.S. Library of Congress, unter http://countrystudies.us/afghanistan/28.htm (12.06.2012).

[27] Vgl. Moltmann, G.: Die Verfassungsentwicklung Afghanistans 1901-1981. Von der absoluten

Monarchie zur sozialistischen Republik, Deutsches Orientinstitut, Hamburg, 1993, S.17-18.

[28] Vgl. Hyman, A.: Afghanistan under Soviet domination, 1964-81, St. Martin Press, New York, 1982, S.105.

[29] Vgl. Newell, N. S.: (1981): The struggle for Afghanistan, Cornell University Press, London, 1981, S.47.

[30] Vgl. Daoud`s Republic, unter: http://countrystudies.us/afghanistan/28.htm (12.06.2012).

[31] Vgl. Bajpai, P.; Ram, S.: Encyclopaedia of Afghanistan: Communist rule in Afghanistan, 4. Ausgabe, Anmol Publications PVT. LTD., New Delhi 2002, S. 201.

[32] Vgl. Ghaus, A. S.: The Fall of Afghanistan: An Insider’s Account, Pergamon-Brassey’s International Defence Publishers, London, 1988, S. 22.

[33] Als „Saur“ wird der zweite Monat im persischen Kalender bezeichnet, der Monat indem es zum Staatsstreich kam, vgl. Barnett, R. Rubin: The Fragmentation of Afghanistan, Yale University Press, 2002, S. 105.

[34] Vgl. Arnold, A.: Afghanistan’s Two-Party Communism, Hoover Institution, Stanford University Press, Stanford, 1983.

[35] Vgl. Khan, Riaz M.: Untying the Afghan Knot: Negotiating Soviet Withdrawal, Lahore,

Verschiedene Herausgeber, 1993, S.56.

[36] Vgl. Clements, Frank: Conflict in Afghanistan: a historical encyclopedia, ABC-Clio Inc, Santa Barbara, 2003, S. 207.

[37] Vgl. Arnold, Anthony: Afghanistan : The Soviet Invasion in Perspective, Hoover Institution Press, Stanford, 1981, S. 77.

[38] Einmal die Pashtunen unter Hekmatyar, der die Macht für sich und seine Gruppe beanspruchte und Kabul mit schweren Waffen Angriff und auf der anderen Seite der international und vorher von den meisten Mudschahedin anerkannte Präsident Rabani, mit seinem Verteidigungsminister Ahmad Shah Massoud, dem es gelang trotz großflächiger Zerstörung Kabuls, die Stadt gegen Hekmatyar zu verteidigen. Einen dritten Pol bildete Usbekenführer Dostum, der im Laufe der Zeit die Fronten mehrmals wechselte.

[39] Vgl. Gargan, Edward A.: Taliban massacres outlined for UN, in Chicago Tribune, 12.10.2001, unter http://articles.chicagotribune.com/2001-10-12/news/0110120312_1_taliban-fighters-massacres-in-recent-years-mullah-mohammed-omar (26.08.2012).

[40] Vgl. Arnold, 1981, S.74-76.

[41] Vgl. Maley, William: The Afghanistan wars, Palgrave Macmillan, 2002, S. 288.

[42] Vgl. Marcela, Grad: Massoud: An Intimate Portrait of the Legendary Afghan Leader, Webster University Press, 01.03.2009, S. 310.

[43] Vgl. Marcela, 2009, S. 310.

[44] Vgl. Human Rights Watch: Afghanistan: Crisis of Impunity, The Role of Pakistan, Russia, and Iran in Fueling the Civil War, Ausgabe 13, Nr.3, 06.2001. , unter: http://www.hrw.org/reports/2001/afghan2/Afghan0701-02.htm (02.09.2012)

[45] Vgl. Hussain, Z.: Frontline Pakistan: The struggle with militant Islam, Columbia University Press, New York, S. 36.

[46] Vgl. Schlagintweit, Reinhard: Wegweiser zur Geschichte: Afghanistan, Dritte, durchgesehene und erweiterte Auflage, Paderborn/München/Wien/Zürich, Schöningh, 2009, S.45-47.

Details

Seiten
124
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656403944
ISBN (Buch)
9783656404743
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212661
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
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Titel: Externe Intervention und state-building in Afghanistan