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Saisonvorbereitung im Tischtennis für professionell arbeitende Amateurvereine

Training unter wissenschaftlichem Aspekt

Studienarbeit 2012 59 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Leistungsstandanalyse
2.2 Teilbereiche der Leistungsfähigkeit
2.2.1 Technik für Arme und Beine
2.2.2 Formen der Schnelligkeit
2.2.3 Antizipation und Reaktion
2.2.4 Allgemeine Koordination
2.2.5 Neuromuskuläre Koordination
2.2.6 Reaktivkraft
2.2.7 Kraft und Ausdauer
2.3 Übungssammlung
2.3.1 Techniktraining
2.3.2 Schnelligkeitstraining
2.3.3 Antizipations- und Reaktionstraining
2.3.4 Koordinationstraining
2.3.5 Neuromuskuläres Koordinationstraining
2.3.6 Reaktivkrafttraining
2.3.7 Kraft- und Ausdauertraining
2.4 Trainingsplanung
2.5 Weitere Einflussfaktoren und Trainingsmöglichkeiten
2.5.1 Psychologie und Mentaltraining
2.5.2 Differentielles Training
2.5.3 Life Kinetik
2.5.4 Motivation
2.5.5 Taktik
2.5.6 Aufschlagtraining

3. Fazit und Empfehlung

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Die folgende Arbeit behandelt eine mögliche Saisonvorbereitung im Tischtennis. Diese kann wie in jeder Sportart auf verschiedenste Weisen gestaltet werden, so dass diese Ausführung nur eine möglich Variante ist. Hier werden die Maßnahmen des Vereins TSG Thannhausen vorgestellt, ein Verein der zwar sicher im Amateursport anzusiedeln ist, aber auch dabei ist, seine Strukturen möglichst professionell zu gestalten.

Zum besseren Vorstellungsvermögen, wie die Situation vor Ort ist und wie professionell die Methoden angesehen werden können, folgt eine kurze Vorstellung des Vereins. Thannhausen begann vor ca. 5 Jahren intensiv mit der Jugendarbeit. Damals spielte gerade mal noch eine Jungenmannschaft in der untersten Bezirksliga, die Herren waren nicht mehr wie einige Jahre zuvor in der Landesliga, sondern starteten in der 3. Bezirksliga und Mädchen-/ Damentischtennis gab es nicht mehr. Mittlerweile sind die Herren wieder eine Liga nach oben gerückt, die Jungen wurden 2010/11 Meister in der Bayernliga, der höchsten Liga im Jugendtischtennis, und mehrere Damen- und Mädchenteams wurde etabliert. Dazu wurde die erste Herrenmannschaft stark verjüngt und die zweiten und dritten Mannschaften spielen jeweils nur eine Liga unter der jeweiligen Ersten. Auf Ranglistenturnieren erreichen immer wieder Thannhauser Mädchen und Jungen die bayerische Ebene und man gilt als Topadresse im Jugendbereich, so dass unter anderem ein 10jähriger den Weg in die Mindelstadt gefunden hat, der zur nationalen Spitze gehört und auch schon international an der Platte stand. Mit Stefan Herold hat der Verein einen B-Lizenz Trainer, der dem Lehrteam des Bayerischen Tischtennisverbands angehört und auch eine Fachwart Position auf Bayernebene inne hat. Neben den zahlreichen Eigengewächsen, die mit Trainerlizenzen ausgestattet wurden, wurde zur Saison 2011/12 der ungarische Ex-Profi Miklos Szalaba als zusätzlicher Trainer verpflichtet.

Viermal in Folge wurde der Verein als Bayerns Aktivster ausgezeichnet und auch der Wettbewerb „Sterne des Sports“ der Raifeisenbanken ging auf Kreisebene an die TSG.

Im Folgenden sollen zunächst die wichtigsten Teilaspekte des Tischtennissports näher beleuchtet werden, dann wird eine Übungssammlung für die verschiedenen Bereiche vorgestellt und abschließend ein detaillierter Trainingsplan erläutert. Auch eine Möglichkeit der Leistungsstandanalyse ist Inhalt dieser Arbeit. Der Trainingsplan wird in eigenständiges Heimtraining und die offiziellen Maßnahmen gegliedert sein. Ein Trainer soll mithilfe dieser Informationen auch einen Trainingsplan an die Bedürfnisse der eigenen Spieler anpassen können.

Tischtennis ist ein Sport, der große Leistungssprünge in kurzer Zeit ermöglicht. Ob im Sport Talent oder Fleiß der entscheidende Faktor ist, wird im Tischtennis ebenfalls diskutiert - sicher ist aber, dass mit Ehrgeiz einiges erreicht werden kann. Es gibt auch zahlreiche Beispiele an Spielern, die spät begonnen haben ernsthaft zu trainieren und trotzdem noch sehr weit gekommen sind.

Das Beispiel in der Grafik 1 zeigt zwar keinen Spieler der spät begonnen hat sich zu entwickeln, aber sie zeigt einen Spieler, der innerhalb eines Jahres einen unglaublichen Leistungssprung geschafft hat. Die Grafik bezieht sich auf die TTR-Werte, die das Wertungssystem im Tischtennis für Ranglistenerstellung und Turnierauslosung sind. Der Ausgangswert im September mit ca. 1400 ist so ca. in der 2. bis 3. Kreisliga anzusiedeln, während die fast 1800 Punkte im Juni schon gutes Landesliganiveau darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Leistungssprung eines Spielers (mytischtennis.de)

2. Hauptteil

2.1. Leistungsstandanalyse

Als Möglichkeit der Leistungsstandanalyse soll hier das „performance profiling“ verwendet werden. Der Sportler hat die Möglichkeit, selbst seinen Trainingszustand einzuschätzen und dem Trainer wichtige Rückmeldungen für die Trainingsplangestaltung geben. Zudem sollen die Trainierenden zunächst die Wichtigkeit der einzelnen Aspekte herausheben, so dass der Trainer feststellen kann, ob seinem Schützling diese Punkte klar sind.

Im Anhang der Arbeit befindet sich eine leere Vorlage, mit der das „performance profiling“ durchgeführt werden kann. Der Sportler bewertet in einem ersten Durchgang die Wichtigkeit der einzelnen Aspekte, in einem Zweiten wie er seinen Leistungsstand in diesen einschätzt. Die innerste Linie bedeutet immer 1, die äußerste 10 und die Linien dazwischen 2, 3, usw. Die Kategorien sind jeweils einem Feld zugeordnet. Der Trainierende soll bei der eigenen Analyse die Werte an dem Potential orientieren, das er sich zutraut, und nicht an irgendwelchen Topspielern.

Das in Grafik 2 dargestellte Diagramm gilt als Anhaltspunkt für die Einordnung der Teilbereiche und kann je nach Trainerphilosophie variieren.

Die Leistungsdiagnostik sieht dann in etwa genauso aus, nur dass die Werte jetzt den eigenen Leistungsstand wiederspiegeln.

Diese Methode kann auch für die einzelnen Schlagtechniken angewandt werden. Eine Einordnung in die Wichtigkeit ist hier nicht sinnvoll, da, zwar unterschiedlich nach Spielsystem, eigentlich alle Schläge wichtig sind. Jeder kann aber seine persönlichen technischen Defizite in den Schlag- und Beinarbeitstechniken bedenken.

Bei der folgenden gesamten Leistungsfähigkeit wird die Technik nur zusammengefasst dargestellt.

In der folgenden Grafik sind die rein sportlichen Merkmale aufgeführt, die auch in dieser Arbeit eine Rolle spielen. Weitere Merkmale wären die Psychologie (10) oder die variable Verfügbarkeit - z.B. durch das in 2.5.2 erwähnte differentielles Training (9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Wichtigkeit der Teilaspekte im Tischtennis anhand „performance profiling“

2.2. Teilbereiche der Leistungsfähigkeit

2.2.1 Technik für Arme und Beine

Die Technik für die Schläge und die Beinarbeit werden im Techniktraining erlernt und verbessert. Die Techniken selbst sind nicht Gegenstand dieser Arbeit, aber können beispielsweise in der Tischtennis Lehrplanreihe „Schlag- und Beinarbeitstechnik“ des Deutschen Tischtennis Bundes nachgelesen werden.

Im Techniktraining werden verschiedene wichtige Methoden berücksichtigt. Eine erste Übungsform stellt die „regelmäßige Übung“ dar, bei der Schlagkombinationen in einer Endlosschleife immer gleich gespielt werden. Es ist somit kein Wettkampfaufschlag und kein Unterschnitt – außer mit Abwehrspielern – im Spiel. Eine weitere Variante ist dann die „unregelmäßige Übung“. Sie funktioniert annähernd gleich wie die regelmäßige, nur dass einer der Schläge frei ist, z.B. zwei Platzierungsmöglichkeiten, und der Partner dementsprechend antizipieren und reagieren muss, bevor es dann wieder in der Schleife weiter geht. Die letzte hier erwähnte Form ist die „taktische Übung“, deren Bestandteil ein Wettkampfaufschlag ist. Hier wird eine bestimmte taktische Situation, bzw. eine Reihenfolge von Schlagtechniken durchgespielt, bevor der Ballwechsel entweder beendet, oder frei zu Ende gespielt werden kann. Ein Trainer sollte die Übungen immer ansagen und die Fehler sowohl technisch, als auch taktisch korrigieren. Auch Videoanalysen als Feedbackmethode sind hier sehr sinnvoll (oder Plakate zur Erklärung). Am Balleimer kann ein Spieler auch vor einem Spiegel trainieren um eigene Fehler zu sehen.

Ergänzend sollten die Spieler regelmäßig ein Balleimertraining absolvieren. Hier spielt ein Trainer aus einer Ballschüssel die Bälle entsprechend einer Übung zu. Diese Methode wird im weiteren Verlauf noch mehrmals zum Einsatz kommen. Alternativ kann hier auch eine Ballmaschine verwendet werden, die aber die entsprechende Qualität haben muss.

Eine wichtige Trainingsform ist das Schattentraining, z.B. im Aufwärmprogramm. Hier führt der Trainierende eine Tischtennisübung ohne Ball aus und achtet dabei besonders auf technische Elemente, wie z.B. Gewichtsverlagerung, Technik, usw.

Im Anhang befinden sich Hilfsmittel für den Technikerwerb und die Fehlerkorrektur diverser Schläge im Tischtennis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 3: Ballroboter der TSG Thannhausen (Foto: privat)

2.2.2 Formen der Schnelligkeit

Schnelligkeit ist eine sehr komplexe Fähigkeit. Jeder Autor hat gewisse Unterschiede in seinen Methoden. Hier wird auf eine sehr gute Möglichkeit eingegangen, schnell Fortschritte in diesem Bereich zu erzielen. Im Hochleistungssport sollte dann auch die unter 2.2.5 beschriebene Form mit einem Krafttraining-Schnellkraft-Training berücksichtigt werden.

Zeitprogramme

Die Ausbildung von azyklischen Zeitprogrammen ist eine der Grundfähigkeiten der Schnelligkeit, die vor allem im frühen Kindesalter sehr gut trainierbar ist. Mit azyklisch sind Bewegungen gemeint, die sich nicht immer rhythmisch wiederholen, wie z.B. der Laufschritt im Sprint. Arm- und Beinaktionen sind ständig leicht verändert.

Zeitprogramme werden sportartunspezifisch trainiert – das sind quasi Übungen, die generell den Tischtennisschlag, bzw. –schritt betreffen, z.B. Armbeugebewegung.

Intensität: maximal bis supramaximal[1]

Umfang: 2-3 Serien mit je 6-8 Wiederholungen

Pausen: 5-10 Minuten zwischen den Serien

Einheiten: 2-3 mal pro Woche (oder 1-2 mal parallel zum Sequenzschnelligkeitstraining); 6 Wochen in der Vorbereitung

(vgl. Grosser, M. & Renner, T. 2007, S.102-103)

Sequenzschnelligkeit

Die Sequenzschnelligkeit ist eine Schnelligkeitsform, die Zeitprogramme und technikspezifische Bewegungen beinhalten. Sie wird oft auch als maximale azyklische Schnelligkeit bezeichnet. Für zyklische Bewegungen, also sich wiederholende (alternierende) Bewegungen – z.B. Sprint – wird diese als Frequenzschnelligkeit bezeichnet.

Trainiert wird diesmal schon mit sportartspezifischen Bewegungen, aber nur einfache Technikübungen und noch keine oben beschriebenen taktischen Übungen. Verwendet wird hierfür die Wiederholungsmethode. Durch die supramaximalen Geschwindigkeiten passt sich das Nervensystem an. Man kann hier noch trennen zwischen der Sequenzschnelligkeit der Arme (z.B. Topspin, Aufschlag) und der Beine (z.B. Sidesteps). Allerdings ist die Beinarbeit mehr im Schnellkraftbereich anzusiedeln. Für die Armbewegung ist die azyklische Aktionsschnelligkeit, bzw. die Sequenzschnelligkeit relevant (vgl. Dr. Friedrich, W. & Fürste F. 2012, S.34).

Intensität: maximal bis supramaximal

Umfang: 3-5 Serien mit je 6-12 Wiederholungen (maximal 6 Sekunden)

Pausen: 2-10 Minuten zwischen den Serien

Einheiten: 1-3 mal pro Woche; 4-6 Wochen, dann 1-3 Monate Pause, dann wieder 3-5 Wochen

Variationen: Intensitäten, Übungsauswahl

(vgl. Grosser, M. & Renner, T. 2007, S.104-105)

Komplexe Schnelligkeit

Als komplexe Schnelligkeit bezeichnet man das Zusammenspiel von Zeitprogrammen, disziplinspezifischen Techniken und weiteren Komponenten, wie Beweglichkeit, usw.

Man kann hier als Beispiel eine maximale Beinarbeit und dazu Tischtennisschläge mit maximalem Armeinsatz[2] trainieren lassen.

Intensität: maximal bis supramaximal

Umfang: 3-5 Serien mit je 4-12 Wiederholungen (6-10 Sekunden)

Pausen: 2-5 Minuten zwischen den Serien

Einheiten: 1-2 mal pro Woche; mehrwöchig/mehrmonatig mit Unterbrechungen von 1-6 Wochen

(vgl. Grosser, M. & Renner, T. 2007, S.107-108)

Wichtig ist bei dieser Trainingsform, dass sich nur bei guter Technik der gewünschte Erfolg einstellt.

2.2.3 Antizipation und Reaktion

Tischtennis gilt als schnellste Rückschlagsportart der Welt, denn vor allem die kurzen Reaktionszeiten machen den Sport so schwierig. Deswegen sind die Antizipation, sprich die Wahrnehmung, und die Reaktionsschnelligkeit extrem wichtig und sollten regelmäßig trainiert werden.

Die Antizipation bedeutet, dass ein Spieler möglichst frühzeitig die Absicht des Gegners, die Rotation des Balls, usw. erkennt und die Reaktion einleitet. Die Reaktionsschnelligkeit ist der Zeitraum vom Erkennen der Situation bis zum Bewegungsbeginn. Diese Fähigkeiten gehören auch zur Koordination und können mit sportartunspezifischen Übungen verbessert werden. Dazu kommt das tischtennisspezifische Training, das neben einigen Übungen, die unter 2.3 behandelt werden, auch die offizielle Variante, die Reaktionsschnelligkeitsmethode, enthält.

Durch Vorabentscheidung kann die Reaktionszeit verringert werden, denn je weniger Auswahlmöglichkeiten bestehen, desto schneller erfolgt die Aktion. Z.B. kann sich der Sportler vornehmen, auf kurze Bälle jetzt immer einen „Flip“ zu spielen. Auch durch das Studieren des Gegners können vorab Prognosen getroffen werden.

Durch ein kurzes Hochspringen während der Gegner aufschlägt und bevor die Entscheidung über die Bewegung fällt, kann ebenfalls Zeit gewonnen werden, da 1) dann nicht noch das ganze Gewicht beschleunigt werden muss und 2) sogar die Bremskraft des Landens (vgl. Niederhochsprung) genutzt werden kann um dynamischer zu starten.

Übungen: unregelmäßige Übungen (entweder Entscheidung zwischen 2 Möglichkeiten, oder zwischen jeweils mehreren)

Intensität: maximale Bewegungsgeschwindigkeit

Umfang: 3-5 Serien mit je 8-15 Wiederholungen (maximal 8 Sekunden)

Pausen: 2-3 Minuten zwischen den Serien

Einheiten: in jedem Techniktraining

(vgl. Grosser, M. & Renner, T. 2007, S.102)

2.2.4 Allgemeine Koordination

Die koordinativen Fähigkeiten sind Grundlagen der Leistungsfähigkeit. Dazu gehören die Differenzierungs-, Kopplungs-, Orientierungs-, Gleichgewichts-, Umstellungs-, bzw. Anpassungs-, Rhythmisierungs- und die bereits im vorherigen Punkt erläuterte Reaktionsfähigkeit. Die Fähigkeiten können allgemein trainiert werden und sollen dann die spezifische Tischtennisleistung verbessern. Ein Beispiel ist die Kopplungsfähigkeit. Hier wird allgemein trainiert, wie Arme und Beine individuelle Bewegungen gleichzeitig ausführen können. Auf Tischtennis bezogen sollen dann Schlag- und Beinarbeitstechnik gleichzeitig, handlungsschnell und richtig ausgeführt, quasi Einzelbewegungen zu einer Gesamtbewegung koordiniert werden (vgl. Deutscher Tischtennis Bund 2008, S.59). Auch die Auge - Hand - Koordination gehört dazu. Neben der Reaktionsschnelligkeit und der Kopplungsfähigkeit, sind im Tischtennis auch die anderen Fähigkeiten leistungsfördernd – mit etwas Abstrichen die Rhythmisierungsfähigkeit, da Tischtennis in höchstem Maße arhythmisch (vgl. Deutscher Tischtennis Bund 2008, S.105). Auch die Orientierung kommt nur bedingt zum Einsatz – vor allem bei Anfängern, die lernen müssen, sich zum Ball zu stellen (variable Übungen). Die Differenzierungsfähigkeit bezieht sich hauptsächlich auf den Krafteinsatz beim Spielen des Balls (vgl. Deutscher Tischtennis Bund 2008, S.45). Gleichgewichtstraining ist vor allem wichtig, um nach Bewegungen dieses zu behalten, bzw. wiederherzustellen (vgl. Deutscher Tischtennis Bund 2008, S.79). Die Anpassungsfähigkeit bedeutet sich an wechselnde Spielsituationen anzupassen und die Umstellungsfähigkeit bezieht sich auf die Umstellung von Bewegungsprogrammen bei Fehlern (vgl. Deutscher Tischtennis Bund 2008, S.103).

Die koordinativen Fähigkeiten können nicht nur allgemein trainiert werden, sondern auch mit tischtennisspezifischen Übungen gefördert werden.

Entfernt kann noch die Körperspannung zur Koordination gezählt werden, die oft zusammen mit Gleichgewichtsübungen trainiert wird, denn ohne ausreichende Körperspannung kann sich kein Sportler z.B. auf einer Slackline halten. Körperspannung ist eine gewisse Anspannung im Körper – der Sportler ist bereit für den Ballwechsel und letztendlich auch schneller.

2.2.5 Neuromuskuläre Koordination (IK-Training)

Bei der neuromuskulären Koordination geht es um das Zusammenspiel von zentralem Nervensystem und der Skelettmuskulatur. Das Training dieser bewirkt funktionale, bzw. neuronale Anpassungen.

Es muss mit hohen Beanspruchungsintensitäten trainiert werden, so dass eine maximale Rekrutierung und Frequenzierung erreicht wird. Diese beiden Begriffe betreffen die Schnelligkeit von der Auslösung des Reizes im Zentralennervensystem bis zur Muskelaktion, quasi die Ansteuerung der Muskelfasern. Das Training gehört aber zum Maximalkrafttraining, da diese durch die bessere Ansteuerung verbessert wird. Im Anschluss ist dann ein Schnellkrafttraining erforderlich, um die verbesserte Maximalkraft in schnellkräftige Bewegungen übertragen zu können.

Intensität: 90-100% maximal stoßbarer Kraft

Umfang: 3-6 Serien mit je 1-3 Wiederholungen

Pausen: 3-5 min zwischen den Serien

Kraftentwicklung: (willentlich) explosiv

Bewegungsgeschwindigkeit: langsam

Ein Trainingsblock der neuromuskulären Koordination sollte immer maximal 6-8 Wochen dauern (vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.122).

Im Amateurbereich ist dieses Training nicht sinnvoll, da nicht gewährleistet ist, dass die Übungen sauber ausgeführt werden (z.B. mit Rubber-Band) und das Verletzungsrisiko zu groß ist. Effekte sind erst ab größerem Umfang an Kraft-, Koordinations- und Schnellkrafttraining bemerkbar. Zudem gibt es schon neuromuskuläre Anpassungseffekte durch andere Trainingsformen, wie z.B. das Reaktivkrafttraining.

2.2.6 Reaktivkraft

Die Beinarbeit im Tischtennis ist in erster Linie eine reaktive Bewegung. Es ist also ein Training nach der Reaktivkraft-Methode sinnvoll. Tischtennisbewegungen beinhalten einen Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ), das heißt, dass auf eine exzentrische (nachgebende) Muskelaktion, eine Konzentrische (überwindende) folgt. Ein Beispiel für einen DVZ ist im Sprint die Stützbewegung, bevor der Fuß wieder vom Boden abgestoßen wird. Im Tischtennis gilt das auch für die Sidesteps, bzw. Sidejumps[3]. Ein DVZ wird unterschieden nach der Bodenkontaktzeit in einen kurzen und einen langen. Im Tischtennis sind die kurzen DVZs relevant. Trainiert wird diese Form der Leistungsfähigkeit mit Sprüngen, sowohl vorwärts, als auch seitlich (gleiche Muskulatur verantwortlich). Ziel ist es die Bodenkontaktzeiten zu reduzieren (vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.112-113).

Intensität: Körpergewicht, bzw. keine Zusatzlasten

Umfang: 3-5 Serien mit je 10-12 Wiederholungen

Pausen: 10 min zwischen den Serien

Kraftentwicklung: explosiv

Bewegungsgeschwindigkeit: maximal (supramaximal)

(vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.126)

Beinarbeit ist in erster Linie ist es eine reaktive Bewegung. Ein Reaktivkrafttraining ist aber auch dem der Sequenzschnelligkeit sehr ähnlich.

Es muss nur auf die maximalen bis supramaximalen Geschwindigkeiten geachtet werden. Das Erlernen von Zeitprogrammen ist trotzdem für die Beinarbeit sinnvoll und auch im komplexen Schnelligkeitstraining finden die Beine ihre Berücksichtigung.

2.2.7 Kraft und Ausdauer

Die Ausdauer spielt im Tischtennis keine so entscheidende Komponente wie beispielsweise in der Leichtathletik, aber ist dennoch extrem wichtig. Einerseits muss die Ausdauer ausreichen um ein Spiel mit intensiver Beinarbeit zu überstehen, andererseits spielt sie bei lang dauernden Turnieren eine immer größer werdende Rolle. Mit Ausdauertraining sollte also in der Vorbereitung eine gute Basis geschaffen werden, um dieses dann auch in der Folgezeit zu halten.

Keine extrem wichtige Komponente ist die Kraft im Amateurbereich, da im Tischtennis keine hohe Maximalkraft erforderlich ist und auch Schnellkraft nur die Beine betrifft, wenn die tischtennisspezifischen Bewegungen aufgrund ihrer niedrigen Widerstände als Sequenzschnelligkeit bezeichnet werden (geringer Kraftanteil) – trotzdem kann auch herkömmliches Schnellkrafttraining die Schnelligkeit positiv beeinflussen - und das gerade im Amateurbereich!. Die Schnellkraft bezieht sich schließlich auch auf das Nerv-Muskel System, das den Körper, Teile des Körpers, oder Gegenstände mit maximaler Geschwindigkeit beschleunigt – neuromuskuläre Koordination. Im Amateurbereich ist hier aber eine deutliche Verbesserung dieser Vorgänge schon durch Reaktivkrafttraining, usw. gegeben. Doch gerade im Amateurbereich lassen sich durch ein Schnellkrafttraining große Fortschritte im Schnelligkeitsbereich erzielen, da das Leistungsmaximum noch weit entfernt liegt. Grundlage dafür ist aber ein vorheriges Maximalkrafttraining. Die Kraftausdauer spielt insofern eine Rolle, dass die Schläge und die Beinarbeit konstant über einen Turnierverlauf abgerufen werden können. Aber auch diese haben keinen hohen Kraftanteil. Die Reaktivkraft kann als Kraftkomponente gezählt werden – diese ist enorm wichtig. Ein wirkungsvolles Krafttraining ist das für den Rumpfbereich, da ein stabiler Rumpf ein entscheidender Faktor für die Kraftübertragung von den unteren Extremitäten (Beine) auf die Oberen (Arme) ist, z.B. beim Topspin auf Unterschnitt. Trainiert sollten hier besonders die Bauch- und Rückenmuskulatur werden. Im Hochleistungssport gewinnt die Kraftkomponente dann deutlich mehr an Bedeutung. Gerade Übungen für die Rumpfstabilisierung und für den Schulter-/Arm-Bereich sind auch zur Verletzungsvorbeugung sinnvoll. Dazu kommt im Profibereich, dass die Seite des Schlagarms zu stark hypertrophiert ist, also übertrainiert. Es muss also die Gegenseite trainiert werden (vgl. Friedrich, W. 2005, S. 52). Es gibt immer mehrere Übungsformen für eine Kategorie (Maximalkraft, Schnellkraft, usw.), die im Leistungssport variiert werden sollten. Im Folgenden ist jeweils eine ausgewählte Übungsform aufgeführt.

Maximalkrafttraining:

Intensität: 60-85% maximal stoßbarer Kraft

Umfang: 3-6 Serien mit je 6-12 Wiederholungen

Pausen: 2-3 min zwischen den Serien

Kraftentwicklung: (willentlich) zügig

Bewegungsgeschwindigkeit: langsam

(vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.123)

Schnellkrafttraining:

Intensität: 30-60% maximal stoßbarer Kraft

Umfang: 3-6 Serien mit je 8-12 Wiederholungen

Pausen: 2-3 min zwischen den Serien

Kraftentwicklung: explosiv

Bewegungsgeschwindigkeit: maximal

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.125)

Grafik 4: Herzfrequenz eines Tischtennisspielers (Friedrich, W. 2005, S.30)

Anhand Grafik 4 zeigt sich, dass die Ausdauer eine wichtige Rolle spielt. Im Tischtennis steht hauptsächlich die extensive Dauermethode auf dem Trainingsplan.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 5: Wirkung der Dauermethode (Friedrich, W. 2005, S.93)

Belastungsdauer: 30-60 Minuten

Belastungsintensität: HF 130-160 (60-80%)

Diese Trainingsform der Grundlagenausdauer liegt an der sogenannten aeroben Schwelle, also nicht am Limit. Die intensive Dauermethode im Vergleich hat eine Herzfrequenz (HF) von 140-180 als Vorgabe (vgl. Friedrich, W. 2005, S.92-94).

2.3 Übungssammlung

Die Markierung „*“ bedeutet immer, dass diese Übungen eher für den Anfänger-, bzw. den Kinderbereich gedacht sind.

2.3.1 Techniktraining

Technik wird wie bereits oben genannt trainiert. Mithilfe der Tipps im Anhang zum Technikerwerb erlernen Spieler die richtigen Schläge und Beinarbeitstechniken. Der Trainer sollte dabei ausreichend instruieren und anschließend korrigieren. Fehler sollten sofort korrigiert werden - im Anhang befindet sich auch dazu eine Handlungsanleitung.

Ansonsten werden Übungen nach den in 2.2.1 beschriebenen Methoden trainiert. Es gibt hierfür zahlreiche taktische Varianten. Für den Trainingsplan in 2.4 werden im Anhang mehrere wichtige Übungen zusammengestellt. Der Trainer sollte dabei neben dem taktischen immer auch das technische korrigieren.

Auch für das Schattentraining werden wichtige Übungen angehängt sein. Hier sollten vor allem besondere Schwierigkeiten im Tischtennis eingeübt werden, da man hierbei besonders auf technische Details achten kann.

Am bereits beschriebenen Balleimer kann sowohl die Technik isoliert, als auch eine komplexe Übung trainiert werden, mit Augenmerk auf die Reaktion, die Schnelligkeit, usw.

Spieler können ihre Technik nicht von heute auf morgen entwickeln. Deswegen müssen taktische Übungen mit dem aktuellen Techniklevel ausgeführt werden, insofern zumindest eine gewisse Grundtechnik vorhanden ist. Regelmäßig muss aber ein Techniktraining eingebaut sein um eine optimierte Technik zu erlangen.

Für die Technik ist eine variable Verfügbarkeit wichtig, das heißt, dass die Schläge in allen Wettkampfsituationen konstant abgerufen werden können - Variabilität und Stabilität (vgl. Oliver, N., Marschall F. & Büsch D. 2008, S.172-174)

Eine Methode dafür ist das differenzielle Training. Das heißt, dass die Spieler unter wechselnden Bedingungen ihre Technik ausführen. Ein Beispiel ist ein Topspintraining mit verschiedenen Schlägern (schnell und langsam), mit verschiedenen Bällen (größer und kleiner als 40mm) und unter wechselnden Bedingungen (wechselnde Lichtverhältnisse).

2.3.2 Schnelligkeitstraining

Zeitprogramme

- Arme

Aus dem Stand vorlings an die Wand fallen und explosiv abstoßen.

- Beine: Niederhochsprünge (auch eine Reaktivkraftübung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 6: Niederhochsprünge (Schnabel G., Iarre H.-D. & Krug J. 2011, S.331)

Sequenzschnelligkeit

Vorhand- und Rückhandtopspin werden mit maximalen bis supramaximalen Geschwindigkeiten ausgeführt. Hier wird die Schnelligkeit in den Armen trainiert. Die Beine werden im Reaktivkraftteil behandelt.

- Leichter Schläger

Topspins mit einem Schläger spielen, der deutlich leichter als ein Standardschläger ist.

- Zugunterstützung

An der Hallendecke sind oftmals Ringe angebracht, die man rauf und runterlassen kann. An diesen kann eine elastische Schnur (z.B. Zauberschnur) befestigt werden. Unter leichter Spannung wird das andere Ende am Handgelenk festgemacht. Bei der Ausholbewegung ist nun ein leichter Widerstand zu überwinden und beim Schlag liegt eine Zugunterstützung vor. Natürlich können auch andere Befestigungsmöglichkeiten gewählt werden.

Beide Möglichkeiten sind auch für das Aufschlagtraining nützlich. Hier muss aber bei der Variante der Zugunterstützung die Schnur nicht an der Decke, sondern 90 Grad dazu seitlich befestigt werden, damit die Ausholbewegung des Aufschlags gegen den Widerstand erfolgt.

Nicht nur die Möglichkeit den Arm schnell zu bewegen ist wichtig, sondern auch die Fähigkeit, dieses Können einzusetzen. Dafür wird der Unterarmeinsatz trainiert.

- Tennisball unter dem Arm

Der Spieler klemmt sich während des Balleimertrainings einen Tennisball unter den Arm, um auf einen effektiven Unterarmeinsatz zu achten. Anschließend sollte mit der richtigen Technik trainiert werden um die richtige Hebellänge wieder zu fixieren.

- Unterarmtopspins

Eine Ballschüssel wird nahe am Netz aufgestellt. Aus dieser werden Bälle genommen und von ca. Netzhöhe auf den Tisch fallen gelassen. Der Spieler soll nun auf seinen Unterarm achten und nur mit diesem und dem Handgelenk den Ball tangential treffen und über das Netz spielen.

- Bälle transportieren *

Eine Schüssel steht auf einem Kasten, die andere auf dem Tisch. Von der unteren Schüssel werden Bälle mit maximaler Geschwindigkeit in die obere transportiert (Topspinteilbewegung).

Komplexe Schnelligkeit

Nach den oben genannten Belastungsparametern kann am Balleimer und Roboter trainiert werden. Dafür werden generelle Übungen hergenommen – nicht zu schwierig – und mit entsprechender Frequenz trainiert. Dieses Training sollte regelmäßig durchgeführt werden, um die tischtennisspezifische Anwendung zu trainieren. Es kann auch über zwei Tische in der Breite trainiert werden.

- Schattentraining

Gleiche Übungsform wie oben bereits beschrieben. Diesmal werden die Übungen mit maximaler Frequenz ausgeführt.

- Sprintformen

Im normalen Sprint oder per Sidestep/Sidejump an Hütchen entlang oder durch diese durch. Der Trainer ruft zwei Zahlen durch. Der Spieler bewegt sich mit maximaler Geschwindigkeit zur ersten genannten Zahl (das sovielte Hütchen) und dann zum Zweiten.

Variante 1: Staffelläufe

Variante 2: Rechenaufgaben

Variante 3: Biathlon: mit maximaler Geschwindigkeit vor, ein Hütchen abstellen und

zurück, dann nächstes Hütchen – anschließend abwerfen

- Endloskette

Jeweils zwei Spieler stehen sich auf einer bestimmten Markierung gegenüber. Auf ein Startsignal hin wird ein Frisbee oder ein Ball zum Gegenübergeworfen, gestartet und zur nächsten Markierung gerannt, an der wieder auf den Gegenstand gewartet wird (vgl. Lange, H. 2006, S.30f). Als Wettkampf zwischen mehreren Teams werden Sprints trainiert.

2.3.3 Antizipations- und Reaktionstraining

Reaktion

- unregelmäßige Übungen

Tischtennisspezifisch werden unregelmäßige Übungen gespielt. Entweder ist nur ein bestimmter Ball durch zwei verschiedene Formen, z.B. Platzierung, gekennzeichnet, oder die Bälle kommen generell unregelmäßig (Platzierung, Rotation, Schlagart, usw.).

- Schattentraining (Reaktionsvariante)

Es gibt auch noch eine Variante des Schattentrainings um die Reaktion zu verbessern. Die Zahlen 2, 4, 6 und 8 werden mit Tischtennisschlägen verbunden und der Trainer ruft die zahlen den Spielern zu. Diese müssen dann möglichst schnell die Bewegungen ausführen.

[...]


[1] supramaximal bedeutet eine maximale Geschwindigkeit, die über der maximal persönlich erreichbaren Geschwindigkeit (= submaximal) liegt – wird nur durch Zugunterstützung oder Gewichtsverringerung am Sportgerät erreicht

[2] maximaler Armeinsatz: spielt im Tischtennis eine große Rolle; dadurch kann dem Ball bei entsprechendem tangentialen Treffpunkt mehr Rotation verliehen werden (z.B. Topspin)

[3] heutzutage hat sich die Anzahl an Sidesteps sehr zu Gunsten von schnelleren Sidejumps (Sprünge) reduziert

Details

Seiten
59
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656420606
ISBN (Buch)
9783656421184
Dateigröße
7.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212762
Note
1,0
Schlagworte
Life Kinetik Differentielles Training Koordination Tischtennis Training Mentaltraining Mentales Training Performance Profiling Reaktivkraft

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Titel: Saisonvorbereitung im Tischtennis für professionell arbeitende Amateurvereine