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Essstörungen: Klassifikation, Diagnostik, Epidemiologie, Ursachen, Therapie

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Definitionen und Klassifikation der einzelnen Essstörungen
1.1 Anorexia nervosa ICD 10 - F 50.0
1.2 Bulimia nervosa ICD 10 F 50.2
1.3 Binge-Eating-Disorder
1.4 Atypische Essstörungen

2. Diagnostik
2.1 körperlich
2.2 Ernährungsanamnese
2.3 psychisch
2.4 Familienanamnese

3. Epidemiologie
3.1 Mädchen
3.2 Jungen

4. Ursachen
4.1 Soziokulturelle (Medien und Gesellschaft)
4.2 Biologische/körperliche
4.3 Persönlichkeitsspezifische/psychologische
4.4 Familiäre
4.5 Sexueller Missbrauch

5. Therapiemöglichkeiten

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Du musst dünn sein.“

Es ist eine klare und direkte Botschaft, die Medien und Gesellschaft gegenwärtig verbreiten. Nicht nur Schlanksein ist das Ziel, sondern so dünn wie möglich soll der moderne Mensch sein. Jedes Gramm Fett ist hässlich, und Stars, die es wagen mit herausblitzendem „Speck“ an Bauch, Po und Hüften in die Öffentlichkeit zu treten, lösen Protestwellen in Zeitschriften und Magazinen aus.

Der Schönheitsideal lautet „Size Zero“.

Schlanke Menschen gelten als kontrolliert und diszipliniert, fit und schön (vgl. Hauner/Reichart 2004: 73 ff.).

Besonders Kinder und Jugendliche lassen sich von den Botschaften aus den Medien beeinflussen. Mehr als die Hälfte aller 13 – 14jährigen beantworten die Frage, ob sie gerne dünner wären, mit Ja (vgl. Cremer 2009: 3).

Zur selben Zeit zeigen statistische Erhebungen, dass die Zahl der Personen, die an Essstörungen erkrankt sind, während den letzten Jahrzehnten gestiegen ist (vgl. Gaebel/Falkai 2000: 13).

Eine Essstörung ist eine Sucht, Nahrung ist ihre Droge.

Sie ist „ein Teufelskreis, der bei der Kontrolle des Essverhaltens beginnt und bis hin zur völligen Selbstzerstörung führen kann“ (Hauner/Reichart 2004: 87).

1. Definitionen und Klassifikation der einzelnen Essstörungen

Oft beginnt eine Essstörung mit weniger essen um die eigene Unzufriedenheit auszugleichen oder persönliche Lücken zu füllen, aber im Laufe der Zeit wird das eigene Körpergewicht dann zum einzigen Thema im Leben der Erkrankten (vgl. Hauner/Reichart 2004: 77f ). Somit kann schon eine Diät der Auslöser für die Entwicklung einer Essstörung sein (vgl. Baeck 1994: 9). Besonders auffällig ist dies bei den Personen, die an einer Binge-Eating-Störung leiden: Unter Ihnen haben 75% vor ihrer Krankheit eine oder mehrere Diäten ausprobiert (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 27). Andere Auslöser sind zudem Neckereien oder Bemerkungen bezüglich der Figur von Familienmitgliedern, Lehrern, Freunden oder Trainern sowie konfliktreiche Trennungen und Veränderungen (vgl. Baeck 1994: 11).

Das ICD-10 („International Classification of Diseases“) unterscheidet zwischen den Hauptkrankheitsbildern Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, sowie den kleineren Gruppen (da nicht so häufig) der atypischen Essstörungen und der Binge-Eating-Störungen.

Bei allen diesen Formen weisen die Betroffenen jedoch eine starke Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper (vgl. Munsch 2007: 24) verbunden mit einer Störung der Körperwahrnehmung auf (vgl. DIMDI 2010: 294).

1.1 Anorexia nervosa ICD 10 - F 50.0

„Das gängige Schönheitsideal macht es schwer, zu sehen, ob jemand eigentlich noch schlank bzw. doch schon stark untergewichtig ist.“ (Baeck 1994: 18)

Allgemein gilt eine Person als magersüchtig, sobald sie den BMI-Wert von 17,5 unterschreitet. Allerdings ist der BMI nicht das einzige Kriterium, das für die Erstellung der Diagnose gelten darf, vielmehr entscheidet die körperliche und seelische Verfassung, ob jemand an Anorexie erkrankt ist oder nicht (vgl. Hauner/Reichart 2004: 86 f.).

Für die Bestimmung des Normalgewichts bzw. Untergewichts bei Kindern gelten die Werte der Referenz-Körpergewichtstabelle. Magersucht kennzeichnet sich durch eine starke, selbst verursachte Gewichtsabnahme bis zu 20% des Ursprungsgewichts in sehr kurzer Zeit (Vgl. Baeck 1994: 13 – 18). Die Folge davon ist ein äußerst niedriges Körpergewicht, das mindestens 15 % unter dem „Normalgewicht“ liegt (vgl. Hauner/Reichart 2004: 78). Der Gewichtsverlust wird entweder nur durch andauerndes Hungern und strenge Diät oder durch zusätzliche aktive Maßnahmen wie exzessive körperliche Aktivität, dem Gebrauch von Abführmitteln und Diuretika oder Erbrechen erzielt (vgl. Baeck 1994: 19). Manchmal erleiden Betroffene auch zeitweise Essanfälle, die sie anschließend allerdings sofort wieder mit starken Einschränkungen der Nahrungsmittelzufuhr beantworten (vgl. Munsch 2007: 24). Erkrankte Personen zeigen im Allgemeinen großes Interesse an Essen, Kochen und Ernährung ohne jedoch selbst Nahrung zu sich zu nehmen.

Sie haben meist einen sehr hohen Tee- und Kaffeekonsum und verzehren übermäßig viel Kaugummi um ihrem Körper einen Essensersatz zu geben (vgl. Jacob 2003: 54).

Auffallend ist zudem, dass Magersüchtige meist perfektionistisch veranlagt sind und gleichzeitig eine gewisse Hyperaktivität aufweisen. Auch wenn Betroffene in der ständigen Angst vor dem Dickwerden leben, sich andauernd wiegen und kontinuierlich über Essen und ihre Figur nachdenken, fehlt ihnen, vor allem in frühem Krankheitsstadium, jedoch jegliche Krankheitseinsicht (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 17).

1.2 Bulimia nervosa ICD 10 F 50.2

Bulimie ist auf den ersten Blick nicht so leicht erkennbar wie Anorexie, denn Betroffene befinden sich im Regelfall eher im Bereich des Normalgewichts.

Bulimieerkrankte leiden an Heißhungeranfällen, die mindestens zweimal pro Woche über eine Dauer von mindestens 3 Monaten auftreten, während welchen sie unkontrolliert riesige Mengen an Nahrung in kürzester Zeit verschlingen (vgl. Baeck 1994: 20 f.).

Während den 15minütigen bis 4stündigen Heißhungerattacken werden größtenteils leicht verzehrbare und hoch kalorienreiche Lebensmittel im Ausmaß des Inhalts von zum Beispiel zwei Einkaufstüten aufgenommen (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 22 – 28).

Um durch die übermäßige Nahrungsaufnahme kein Gewicht zuzunehmen, versuchen Bulimieerkrankte ihre Essanfälle anschließend entweder durch selbst induziertes Erbrechen, die Einnahme von Diuretika, Abführmitteln oder Appetitzüglern, Hungern oder exzessive Bewegung zu kompensieren (vgl. Baeck 1994: 21).

Betroffene zeigen, wie bei der Magersucht, ebenfalls großes Interesse an Essen, Kochen und Kalorien. Während Mahlzeiten trinken sie auffallend viel um sich das Erbrechen zu erleichtern (vgl. Jacob 2004: 58).

Bulimiker als auch Magersüchtige haben eine „Schwarz-Weiß-Haltung“, das bedeutet in ihren Ansichten und Entscheidungen existieren nur zwei Extreme ohne Spielräume in der Mitte (vgl. Baeck 1994.: 22). Ihre eigene Selbstbewertung hängt nahezu ausschließlich von ihrem Gewicht und ihrer Figur ab (vgl. Jacob 2003: 56). Betroffene versuchen nach außen hin immer, den „schönen Schein“ zu wahren, sind sehr gepflegt und essen in der Öffentlichkeit sehr kontrolliert, im Spätstadium kann es dann allerdings zum Teil auch zu äußerer Verwahrlosung kommen.

Häufig entwickelt sich aus einer Magersucht später eine Bulimie, meistens wechseln sich die beiden Krankheitsbilder jedoch ab oder gehen ineinander über (vgl. Baeck 1994: 20 f.).

1.3 Binge-Eating-Disorder

„Binge“ bedeutet „schlingen“ auf Englisch und beschreibt den regelmäßigen Verzehr von enormen Essensmengen ohne Kontrolle oder Hungergefühl. Ein solcher Essanfall kann bis zu einem Tag andauern. Im Gegensatz zur Bulimie wird allerdings nach einem Essanfall nicht mit entgegenwirkenden Maßnahmen reagiert (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 26 ff.).

Nach außen hin scheinen Betroffene zufrieden und ausgeglichen. Aus Scham nehmen sie in der Öffentlichkeit keine Nahrung zu sich (vgl. Jacob 2003: 60), zuhause essen sie dann alleine bis zum absoluten Völlegefühl (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 26) und vergessen, wie viel sie tatsächlich verschlungen haben (vgl. Jacob 2003: 60).

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Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656413127
ISBN (Buch)
9783656412502
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212810
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,3
Schlagworte
essstörungen klassifikation diagnostik epidemiologie ursachen therapie

Autor

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Titel: Essstörungen: Klassifikation, Diagnostik, Epidemiologie, Ursachen, Therapie