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Alberto Giacometti - Auf der Suche

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografisches

3. Surrealismus

4. Giacomettis Werke 1925-1932
4.1 Torso 1925
4.2 Löffelfrau 1926
4.3 Blickender Kopf 1927-29
4.4 Schwebende Kugel 1930-31
4.5 Frau mit durchschnittener Kehle 1932

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Alberto Giacometti gilt als einer der faszinierendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Nicht nur seine zahlreichen Werke, sondern auch sein sagenumwobenes Atelier und die kauzige Persönlichkeit, die ihm nachgesagt wird, haben ihn zu dem Künstler gemacht, an dessen Ausstellungen man heute nicht mehr vorbei kommt.

Er ist Maler, Zeichner und Bildhauer in einer Person. Immer wieder hat er mit den unterschiedlichsten Materialien gearbeitet, hat versucht das darzustellen, was er sieht, was er empfindet, was er wahrnimmt. Erfolglos. Bis zu seinem Lebensende war Giacometti unzufrieden mit den Werken, die er schuf. Oftmals verlor er sich in zahlreichen Einzelheiten und die exakten Vorstellungen, die er im Kopf hatte, ließen sich nie realisieren. Oder wollte er sie nicht realisieren? Eine Vollendung hätte für ihn bedeutet, nichts Besseres mehr erreichen zu können1. Hans Arp, mit dem Giacometti 1930 in der Galerie Pierre gemeinsam ausstellte, sagte einmal über ihn „Er will die

Blüte und den Stängel zugleich machen - und das Unmögliche obendrein.“2 Betrachtet man die verschiedenen Werkphasen, Interviews und Aufzeichnungen seiner Arbeitsweise, merkt man schnell, was Arp damit meint. Alles wird bestimmt durch die schon fast zwanghafte Suche nach unmöglicher Perfektion.

In meiner Hausarbeit möchte ich auf Giacomettis surrealistische Phase genauer eingehen. Die ersten Jahre in Paris haben ihn in seinem Denken und Schaffen nachhaltig geprägt. Sei es die zwiespältige Beziehung zu seinem Lehrer Bourdelle, das eher distanzierte Verhältnis zu seinen Kommilitonen3 oder die neuen Freundschaften die geschlossen wurden und mit denen ungewohnte Denkanstöße einhergingen. Die Frage, die ich mir bei dieser Arbeit stelle, soll daher sein, in wie weit der Kontakt zum Surrealismus für Giacomettis späteren Weg von Bedeutung war. Anfangen will ich hierbei mit ein paar Sätzen zu seiner Biografie bis 1934 und dem Surrealismus allgemein, bevor ich einige Werke genauer beschreibe und Vergleiche zu anderen ziehe. Abschließend soll in meinem Fazit deutlich werden, wodurch er beeinflusst wurde und in welcher Hinsicht ihn das zu dem Künstler gemacht hat, den man heute kennt.

2. Biografisches

Geboren wurde Alberto Giacometti 1901 als Sohn des neoimpressionistischen Malers Giovanni Giacometti. Er wuchs zusammen mit drei Geschwistern4 in Borgonovo, einem italienisch sprechenden Dorf, in der Schweiz auf und verbrachte schon frühste Kinderjahre im Atelier des Vaters. Die Familie pflegte engen Kontakt zu befreundeten Künstlern und so übernahmen die Maler Cuno Amiet und Ferdinand Hodler die Taufpatenschaften Albertos und seines Bruders Bruno.

Bereits mit zwölf Jahren malte Giacometti sein erstes Ölbild und begann ein Jahr später die ersten Köpfe zu modellieren. Thema seiner Arbeiten war hauptsächlich die Familie. Oftmals bediente er sich aber auch an Abbildungen von Kunstwerken, beispielsweise Dürer, und kopiert sie größtenteils strichgenau.

Nach seinem Internatsabschluss fing Giacometti im Herbst 1919 ein Studium in Genf an. An der Ecole des Beaux-Arts und der Ecole des Arts Industriels wurde er im Malen, Bildhauen und Aktzeichnen gelehrt. Einige Male kam es dort zu Diskussionen, da Giacometti sich weigerte ganze Figuren zu zeichnen und sich nur auf die Füße konzentrierte.

Mit 20 Jahren zog es Giacometti nach Paris. Er schrieb sich in der Académie de la Grande-Chaumière ein und belegte Kurse im Aktzeichen und Bildhauen bei Antoine Bourdelle. Oft blieb er monatelang fern, bevor er 1927 die Académie wieder verließ.

Im November 1925 stellte Giacometti das erste Mal zwei seiner Arbeiten aus. Der Salon des Tuileries zeigte eine erste Fassung des Torso (s. Abb.1) und einen Kopf, wohlmöglich der seines Bruders Diego. Diego war im Februar gleichen Jahres nach Paris gekommen und teilte seither Atelier und Leben mit seinem älteren Bruder. Die „Exposition des Artistes Suisse“ war eine weitere Ausstellung an der Alberto Giacometti noch im selben Monat beteiligt war.

Ein Jahr später bezog er das bekannte Atelier an der Rue Hippolyte-Maindron 46 und stellte weitere Werke im Salon des Tuileries aus.

1927 nahm er an der Ausstellung des Vaters in Zürich teil, zeigte drei Büsten und stellte in Paris, abermals im Salon des Tuileries, die Figur Löffelfrau (s. Abb. 2) aus.

In den nächsten zwei Jahren folgten weitere Ausstellungen, unter anderem zusammen mit de Chirico, Campigli oder Savinio. Giacometti gab sich von nun an eher als Italiener, denn als Schweizer aus und mit seinen Plattenskulpturen (s. Abb 3 und 4) aus dem Winter 1928-1929 gelang ihm der Durchbruch.

Vicomte Charles de Noailles’ Kauf der Arbeit Blickender Kopf (s. Abb. 3) und die Ausstellung in der Galerie Jeanne Buchers waren entscheidende Ereignisse, die Giacometti näher an den Zirkel der Surrealisten brachten. Künstler wie André Masson, Hans Arp, Joan Miró, Pablo Picasso, Man Ray oder Max Ernst wurden auf den 28- jährigen aufmerksam. Und auch an den Schriftstellern Louis Aragon, Michel Leiris, Georges Bataille und einigen anderen ging sein Erfolg nicht spurlos vorüber. Der Kunsthändler Pierre Loeb nahm Giacometti unter seine Fittiche und schloss einen Jahresvertrag mit ihm ab.

1930 organisierte Loeb in seiner Galerie eine gemeinsame Ausstellung unter dem Titel „Miró-Arp-Giacometti“, durch die der Kontakt zu André Breton entstand. Breton kaufte Giacomettis schwebende Kugel (s. Abb. 5) und bat ihn sich seiner Surrealisten-Gruppe anzuschließen. Wenn er sich auch Bretons Gesetzen nicht unterwarf, so nahm Giacometti doch bis 1933 an den Treffen teil.

Von nun an begannen „die heißen Nächte von Montparnasse“5. Giacometti verbrachte sie mit Künstlern, Dichtern und Dirnen und es wurde geredet, geraucht und getrunken. Vielleicht sind es die Erfahrungen, die er im berühmten Bordell Le Sphinx machte oder generell der Kontakt zu Frauen, die dazu führten, dass seine Skulpturen im Jahr 1931 noch sinnlicher und noch aggressiver wurden (s. Abb. 6). Einige dieser Skulpturen nahm Giacometti auch zeichnerisch in seinen Artikel „Objets mobiles et muets“ in der dritten Ausgabe Bretons Zeitschrift „Le Surréalisme au service de la révolution“ auf.

1932 präsentierte Pierre Colle Giacomettis erste Einzelausstellung. Er zeigte neben anderen Frau mit durchschnittener Kehle (s. Abb. 7), Das Spiel ist aus, Der Palast um vier Uhr frü h oder Entwurf für einen Platz. Werke, die immer noch von Aggressivität und Brutalität bestimmt sind.

Ein Jahr später veröffentlichte Giacometti erneut in Bretons Zeitschrift. In Heft fünf und sechs finden sich einige Texte und eine Zeichnung von ihm, unter anderem der bekannte Bericht „Hier, sables mouvants“. Er erlernte nun auch das Radieren und Kupferstechen, verkaufte nach einer weiteren Ausstellung der Tisch an seinen Förderer de Noailles und arbeitete zusammen mit Hans Arp, Max Ernst, René Magritte, Miró, Man Ray und weiteren an einer Exposition, an der er mit einer vergrößerten Fassung des Objektes Käfig (s. Abb. 8) beteiligt war.

Im selben Jahr starb sein Vater Giovanni und es scheint, als sei damit seine surrealistische Schaffensphase beendet. Zwar wurden seine Werke noch in internationalen Ausstellungen gezeigt, jedoch nahm Giacometti nicht mehr persönlich teil. 1+1=3 von 1934 war seine letzte surrealistische Arbeit, bevor er sich wieder dem Modellieren nach der Natur zuwandte.6

3. Surrealismus

frz. sur = über ; frz. realité = Realität/Wirklichkeit

„Es müsse, forderte allen voran Breton, das Leben endlich in seiner Ganzheit begriffen werden, und dazu gehörten in seinen Augen eben nicht nur das Sichtbare, die Ordnung, die Vernunft, die Moral und die Abstraktion, sondern vielmehr das Unterbewusste, das Verdrängte, die Tabus, die Amoral, die Träume und die psychischen Exaltationen, gar die Revolte.“7

Der Surrealismus, als eine Strömung in bildender Kunst, Literatur, Film und Fotografie, entstanden um André Breton 1920 in Paris, hatte zum Ziel „das gesamte psychische Vermögen zurückzugewinnen“8.

Anhänger des Surrealismus versuchten, nicht zuletzt durch das Miterleben des Ersten Weltkrieges und seinen Folgen, eine übergeordnete Wirklichkeit zu schaffen. Man glaubte nicht mehr an den Sieg der reinen Vernunft, hatte sie einem in den letzten Jahren doch nur Unheil beschert. Logik und Verstand schienen nicht der Schlüssel zu einer besseren Welt zu sein, weshalb man begann auf das Irrationale zu setzen. Gefühle, Träume, Visionen, Unbewusstes, Verdrängtes, Kindliches, all das sollte zum Vorschein kommen. Großen Einfluss auf diese Bewegung hatten auch die psychoanalytischen Schriften Sigmund Freuds, nach denen das Handeln eines jeden Menschen durch das Unterbewusstsein bestimmt wird. Freud beschäftigte sich ausgiebig mit der Hypnose, als Zugang zu diesem Unterbewussten, und mit der Erforschung von Neurosen und Fetischen. Auch die Surrealisten versuchten, sich durch Hypnose, Meditation, Rauschmittel, Träume oder ähnlichem ihrem Unterbewusstsein zu nähern und dieses wiederzugeben. Das automatische Schreiben (Écriture automatique) war eine Methode, um den Verstand auszuschalteten und das somit erweiterte Bewusstsein direkt aufs Papier zu bringen. Hierbei schrieb man im Halbschlaf oder tranceähnlichen Zuständen tabulos und spontan auf, was einem in den Sinn kam, ohne Rücksicht auf Grammatik, Syntax oder Orthografie. Dieses Verfahren

[...]


1 Vgl. Lord, James: Alberto Giacometti. Der Mensch und sein Lebenswerk, Bern [u.a.] 1987, S. 72.

2 Dittmar, Peter: Künstler beschimpfen Künstler, o.O. 2008.

3 Vgl. Lord 1987, S.72.

4 Diego, Ottilia und Bruno

5 Hohl, Reinhold: Lebenschronik, in: Alberto Giacometti. Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, hrsg. v. A. Schneider, München 1994, S. 16.

6 Vgl. Hohl 1994, S. 7-22 und Lord 1987.

7 Schneede, Uwe. M.: Die Kunst des Surrealismus. Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film, München 2006, S. 13.

8 Schneede 2006, S. 13.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656413387
ISBN (Buch)
9783656415770
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212819
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Kunsthistorisches Institut
Note
3,0
Schlagworte
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