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Muslimische Mädchen und Frauen in Deutschland

Gewalt im Namen der Ehre

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Muslimische Jugend - Die zweite Generation zwischen den Kulturen?

3. Muslimische Mädchen und Frauen Verschleiert und unterdrückt?

4. Gewalt im Namen der Ehre – Realität in Deutschland?
4.1 Der Fall Gülsüm Semin

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über das Leben von muslimischen Menschen in Deutschland werden vor allem in den letzten Jahren viele Halbwahrheiten verbreitet. Denn die Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren durch Halbwissen und Angstmacherei einiger Politiker in Deutschland, aber vor allem durch die zum Teil sehr muslimenfeindliche Politik der USA sowie durch die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland und die zunehmende Perspektivlosigkeit der Jugend, aufhetzen lassen.

Besonders vorurteilsfördernd ist das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. In diesem Buch wird unter anderem folgendes behauptet: „Unter den eingewanderten Muslimen und ihren Nachkommen nahm die Tendenz zu, sich kulturell und räumlich abzugrenzen. Das europäische Sozialsystem behinderte die Integration in den Arbeitsmarkt und erleichterte es, unter sich zu bleiben – auf Kosten der europäischen öffentlichen Kassen. Die traditionalen autoritären Familienstrukturen blieben erhalten. Der soziale Druck auf Mädchen und Frauen, ein Kopftuch zu tragen, sich zu verhüllen und traditionell zu kleiden, stieg, und die optische Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft trat immer deutlicher hervor.[1]

Eine Frage, die sich nun stellt ist, ob Sarrazins Anschuldigungen stimmen. Ist die zweite Generation der Muslime wirklich so schlecht integriert in den europäischen oder besonders den deutschen Arbeitsmarkt? Werden die muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland wirklich so unter Druck gesetzt? Dies soll in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden. Im ersten Arbeitsschritt werden wir uns mit der zweiten Generation der Muslime in Deutschland beschäftigen - hier geht es vor allem um die Frage, wie gut sind sie in die Mehrheitsgesellschaft integriert. Im nächsten Abschnitt soll dann die Situation von muslimischen Mädchen und jungen Frauen in Deutschland näher betrachtet werden. Und im Abschluss beschäftigen wir uns mit der Frage, ob es in Deutschland Gewalt und vor allem Mord im Namen der Ehre gibt, welches ja ein typisch muslimisches Instrument zur Unterdrückung der Frauen darstellt.

2. Muslimische Jugend – Die zweite Generation zwischen den Kulturen

Was hätte passieren müssen, um eine erfolgreiche Integration von den mittlerweile 2,2 Millionen Menschen mit muslimischen Glauben in Deutschland zu ermöglichen[2] ?

Zunächst hätte eine kulturelle Umorientierung schon in der direkten Zuwanderungsgeneration stattfinden müssen und seitens der Regierungen eine Ghettoisierung durch entsprechende wohnungspolitische Initiativen verhindert werden müssen. Dies hielt die Bundesregierung seinerzeit aber nicht für notwendig und so zogen die meisten Gastarbeiter in die Nähe von anderen Gastarbeitern aus ihrem Heimatland. Nicht nur auf Grund der kulturellen Nähe, sondern auch wegen der niedrigen Wohnungspreise in bestimmten Stadtteilen. Des Weiteren hätte von Beginn an den nachfolgenden Familienmitgliedern eine höhere Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden müssen. Dazu hätte auch der Zugang zu Arbeit und Bildung gehört, welcher Ihnen anfangs versperrt blieb. Somit hatten sie anfangs keine realen Chancen auf ein berufliches und soziales Leben in der Mehrheitsgesellschaft[3].

Da dieser Prozess aber in weiten Teilen ausgeblieben ist, ist die aktuelle Situation von Segmentation dominiert. Darunter versteht man unter anderem die Frustration in den Stadtteilen mit hohen nichtdeutschen Anteilen durch geringe Bildung und Arbeitslosigkeit. „Aus internationalen Studien ist bekannt, dass die Integration auf dem Arbeitsmarkt eine große Bedeutung für die Quantität und soziale Zusammensetzung von Nahbeziehungen hat[4].“

Dies zeigt, dass Integration ein multidimensionales Konzept (strukturelle, soziale, normative und identifikative Dimensionen) ist und der Erfolg oder der Misserfolg nie objektiv betrachtet werden kann, da die Indikatoren meist unterschiedlich sind.

Integration muss immer auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Für eine bessere soziale Position muss bei der zweiten Generation darauf geachtet werden, dass die Sozialisation bereits früh auch außerhalb der Familie und der entsprechenden Schicht stattfindet. Die Kinder wachsen in sozial benachteiligten Lebensverhältnissen und kulturellem Zwiespalt auf. Dies sorgt für Barrieren und dem Fehlen von ausreichenden Bildungschancen, da die Kinder meist nicht den Kindergarten besuchen und bei der Einschulung kaum bis gar kein Deutsch sprechen. Das sehr späte Lernen der deutschen Sprache sorgt dafür, dass ein höherer Bildungsweg für muslimische Kinder sehr schwer zu erreichen ist und hat zur Folge, dass die muslimischen Kinder in Sonder- und Hauptschulen überrepräsentiert und in höheren Schulen unterrepräsentiert sind.

Die muslimischen Kinder und Jugendlichen haben aufgrund der spät entwickelten Sprachkompetenz und des häufig fehlenden Kindergartenbesuches wenig Kontakt zu Personen der Mehrheitsgesellschaft. Aufgrund des kulturellen Zwiespaltes findet eine noch deutlichere kulturelle und ethnische Selbstabgrenzung statt.

Durch diese Gegebenheiten verfügt die Gruppe, der muslimischen Bevölkerung häufig über geringe Ressourcen im Bereich der vielfältigen sozialen Kontakte, eines ausreichenden Einkommens oder höherer Bildung.

Bei der Sozialisation spielen all diese Faktoren zusammen und sorgen für die Heranwachsenden bei der Identitätsfindung für massive Probleme. Dies vergrößert die kulturelle Disharmonie zwischen den muslimischen Heranwachsenden und „deutschen“ Heranwachsenden. Es sorgt außerdem für die typischen Generationskonflikte und zu den stärker werdenden Konflikten der unterschiedlichen Kulturen. Das sorgt dafür, dass sich die muslimischen Heranwachsenden weder der Kultur ihrer Eltern noch in der Aufnahmekultur zugehörig fühlen.

Eine sehr starke familiäre Solidarität entsteht durch gegenseitige materielle und emotionale Unterstützung, daraus ergibt sich aber auch ein großes Druckmittel gegen einzelne Familienmitglieder[5].

Die Widersprüchlichkeit zwischen der Erziehung in der Schule und der Familie sorgt dafür, dass viele Jugendliche eine „doppelte Identität[6] “ entwickeln, die einen Identifikationskonflikt und einen Loyalitätskonflikt hervorruft. Diese Doppelidentität wird auf der familiären Seite von engen Familien- und Verwandtschaftsstrukturen mit ebenso engen Normen, Werten und einem autoritären Familienoberhaupt geprägt. Dies äußert sich in einem Familiensystem, das von einem festen Moralkodex, strenger Kontrolle, fester Hierarchie (Männer über Frauen, Alte über Jüngere) und streng normierten Geschlechterrollen dominiert ist. Zumeist sind religiöse Vorschriften und ethnische Tradition identisch. `

[...]


[1] S.264-265; Sarrazin, T.; Deutschland schafft sich ab.

[2] Vgl. S. 68; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Muslimisches Leben in Deutschland

[3] S.53; Gestring,N.; Janßen,A.; Polat,A.; Prozesse der Integration und Ausgrenzung.

[4] S.50; Gestring,N.; Janßen,A.; Polat,A.; Prozesse der Integration und Ausgrenzung.

[5] S. 27; Frey,L.; Integration aus Sicht türkischer Jugendlicher.

[6] S.143; Weiss,H. (Hrsg); Leben in zwei Welten.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656411307
ISBN (Buch)
9783656412601
DOI
10.3239/9783656411307
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel – Soziale Arbeit
Erscheinungsdatum
2013 (April)
Note
1,0
Schlagworte
muslimische mädchen frauen deutschland gewalt namen ehre

Autor

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Titel: Muslimische Mädchen und Frauen in Deutschland