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Auswirkungen einer Borderline-Störung eines Elternteils auf die emotinale Entwicklung des Kindes

Eine Entwicklungsstörung?

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Emotionale Entwicklung
2.1.1 Entwicklung von Emotionen
2.1.2 Bindungsentwicklung
2.1.3 Entwicklung des ICH-Bewusstsein
2.2 Borderline-Persönlichkeitsstörung

3. Besonderheiten von Borderline Beziehungen
3.1 Paarbeziehungen
3.2 Eltern-Kind-Beziehungen

4. Auswirkungen einer Borderline-Störung eines Elternteils auf die kindliche Entwicklung
4.1 Auswirkungen der emotionalen Misshandlung
4.2 Resilienz als Chance für betroffene Kinder

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Idee, sich mit den Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeits-störung der Mutter auf die kindliche Entwicklung zu beschäftigen, kam mir während der Vorlesung zu den Entwicklungsanforderungen über die Lebensspanne. Während der Einführung in die emotionale Entwicklung erhielten wir einen Text über die Auswirkungen einer depressiven Erkrankung der Mutter auf die emotionale Entwicklung ihres Säuglings. Dieser Text regte mich zum Nachdenken an. Wenn eine solch alltägliche und schon seit vielen Jahren bekannte und gut behandelbare Erkrankung schon so massive Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hat, wie ist es dann mit viel tiefergehenden psychischen Erkrankungen?

Diese Gedanken beschäftigten mich so hartnäckig, dass ich über andere psychische Erkrankungen nachdachte, welche einen Einfluss auf die emotionale Entwicklung von Kindern haben können. Schließlich manifestierte sich mein Interesse an den Borderline-Persönlichkeitsstörungen, weil eine Freundin von mir diese Diagnose erhielt und der Umgang für mich und ihren Lebenspartner schon immer schwierig war, obwohl wir beide auf Grund unserer Ausbildung gut informiert waren. So war es für mich schon immer eine Herausforderung mit ihren wechselnden Ansprüchen an unsere Beziehung und ihre stetig wieder aufkommenden selbstverletzenden Tendenzen umzugehen. Wie schwierig mag das, wohl für ein Kind sein, welches ja nicht nur diese sehr auffälligen Auswirkung der Borderline-Persönlichkeit erlebt, sondern auch die kleinen Höhen und Tiefen, welche dem Freundeskreis verborgen bleiben.

So wollte ich mich in dieser Hausarbeit mit den Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bei einem Elternteil auf die emotionale Entwicklung eines Kindes auseinander setzen, wobei sich hinter der emotionalen Entwicklung nicht nur die Entwicklung von Gefühlen, sondern auch die Entwicklung von Bindungen und eines ICH-Bewusstseins verbergen. Des Weiteren wird es einen Einblick in die Borderline-Persönlichkeit geben und die Verknüpfung von Erkrankung der Mutter und Entwicklung des Kindes.

2. Grundlagenwissen

Um sich mit dem Thema Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeit bei einem Elternteil zu beschäftigen, muss man sich vorab mit einigen Grundlagen auseinandersetzen. Dazu gehört der Bereich der emotionalen Entwicklung von Kleinkindern, ebenso wie die Borderline-Persönlichkeits-störung.

2.1 Emotionale Entwicklung

Für die emotionale Entwicklung eines Säuglings zählt weniger die Quantität als vielmehr die Qualität der Zuneigung. So entwickelt sich das Urvertrauen sowie die Autonomie Schritt für Schritt, wenn sich die Bezugsperson qualitativ gut um die Bedürfnisse des Säuglings kümmert; ihm allerdings auch Freiraum für eigene Entscheidungen und Entwicklungen gibt. So wird der Säugling sich relativ früh in seiner Entwicklung angenehmen Stimulationen und Situationen zuwenden und sich unangenehmen Stimulationen, durch zum Beispiel weg drehen, entziehen oder die Arme heben um hoch genommen zu werden. Ab Mitte des ersten Lebensjahres zeigt der emotionale Ausdruck des Kindes sein inneres Befinden. Wenn die Bezugsperson sensibel die Zeichen des Kindes deutet und ihm durch Körperhaltung, Stimme und Mimik eindeutige emotionale Signale sendet, wird diese bei der Bewältigung seiner Entwicklungsaufgaben ein kompetenter Partner sein und die sich entwickelnden Kompetenzen fördern.

2.1.1 Entwicklung von Emotionen

Die Entwicklung der Emotionen ist ein langwieriger Entwicklungsprozess, in welcher zu Beginn die Grundemotionen, welche in den ersten Lebenswochen schon vorhanden sind, weiter verfeinert und ausprägt.

„Grundemotionen – Freude, Furcht (Angst), Ärger (Wut) und

Traurigkeit – sind universal bei Menschen und anderen Primaten zu

beobachten. Sie haben eine lange evolutionäre Geschichte, in deren

Verlauf sie dem Überleben dienen.“ (Berk 2011:244)

In anderen Quellen werden auch Interesse, Überraschung und Ekel zu den Grundemotionen gezählt.

Gefühlsäußerungen sind zunächst Zeichen von emotionaler Ansteckung. So spiegelt das Kind die Gefühle, welche es bei seiner Bezugsperson spürt. Des Weiteren werden Gefühlsregungen beim Säugling durch angenehme und unangenehme Stimulationen ausgelöst. Irgendwann gelangt er zu der Erkenntnis, dass man mit gezeigten Emotionen, zum Beispiel weinen, unangenehme Situationen beenden und angenehme herbeiführen kann oder mit einem Lächeln die angenehme Situation aufrecht erhalten kann. Etwa ab dem zweiten Lebensjahr erkennt das Kind, dass die eigenen Gefühle und die von anderen Menschen sich unterscheiden können und die eigenen emotionalen Reaktionen sich von denen anderer unterscheiden können.

Zu der Entstehung von selbstbezogenen Emotionen, wie zum Beispiel Schuld, Scham, Verlegenheit, Neid und Stolz kommt es gegen Ende des zweiten Lebensjahres, wenn das Kind ein Selbstgefühl für sich als einzigartig fühlendes und erlebendes Individuum entwickelt hat. Selbstbezogene Emotionen benötigen außerdem die Anleitung von Erwachsenen, denn ohne ein Vorbild bzw. das Erklären, wann man Schuld oder Scham empfinden soll, wird ein Kind dies sehr langsam oder gar nicht erlernen. Aus den selbstbezogenen Emotionen entwickelt sich auch die Motivation für moralisches und leistungsbezogenes Handeln.

Eine weitere emotionale Entwicklung ist die emotionale Selbstregulation, welches einen freiwilligen mit Energieaufwand verbundenen aktiven Prozess der Selbstkontrolle benennt. Dazu werden eine fortgeschrittene Entwicklung der Hirnrinde, sowie die Hilfe einer Bezugsperson, welche bei der Steuerung bzw. Bewältigung bestimmter intensiver Gefühle unterstützend tätig wird, benötigt. Zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat sind erste Versuche einer aktiven Selbstregulation zu beobachten.

2.1.2 Bindungsentwicklung

Der Aufbau einer Bindung zu Bezugspersonen beeinflusst nachweislich alle weiteren Bindungen im späteren Leben, das heißt Freundschaften und Liebesbeziehungen.

Der erste Bindungsaufbau findet gleich nach der Geburt statt, diese Phase heißt Vorbindungsphase. Denn Bindung entsteht nicht nur durch die bloße Befriedigung von Bedürfnissen, sondern vor allem durch Streicheln und warmes Lächeln. Dies zeigten Experimente mit Affen und einer fütternden Mutter aus Metall - die Äffchen kuschelten lieber mit einer Mutter aus Handtüchern, welche nie fütterte. Während der Vorbindungsphase unterstützt der Säugling den Bindungsaufbau durch Lächeln, Weinen und Blickkontakt, dadurch baut er einen engen Kontakt zu Menschen auf. Die Mutter erkennt er sehr schnell an ihrer Stimme und ihrem Geruch, jedoch besteht Anfangs eine lose Bindung, denn auch fremde Menschen können den Säugling beruhigen.

In der Phase der beginnenden Bindung, diese dauert ca. von der 6. Lebenswoche bis zum 8. Lebensmonat, reagiert der Säugling anders auf Fremde als auf ihm bekannte Menschen. Er interagiert ungehindert mit der Mutter, es entsteht ein Gefühl der Vertrautheit und Nähe.

Zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 24. Lebensmonat liegt die Phase der eindeutigen Bindung, es kann zu Ängsten kommen. Zum Beispiel kann das Kind „Fremdeln“ oder es „ zeigt Trennungsangst und wird unruhig, wenn die vertraute Bezugsperson den Raum verlässt.“ (Berk 2011:260f) Die Mutter wird in dieser Phase eindeutig anderen Personen vorgezogen. Sie ist als Bezugsperson der Ausgangspunkt für die Erkundung der Umwelt.

In der Phase der reziproken Beziehung wird dem Kind durch das Sprechen die Möglichkeit zu Verhandlung mit der Bezugsperson gegeben.[1] So kann über mehr gemeinsame Zeit verhandelt werden oder auch über die Dauer des Fortbleibens. Eine reziproke Beziehung erfordert eine kognitive Entwicklung, um das Verstehen von Sprache zu ermöglichen.

[...]


[1] Vgl. Berk, Laura E. (2011). Entwicklungspsychologie. München: Pearson Studium: Seite 261

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656411277
ISBN (Buch)
9783656412113
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213067
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel – Soziale Arbeit
Note
2,3
Schlagworte
auswirkungen borderline-störung elternteils entwicklung kindes eine entwicklungsstörung

Autor

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