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Printmedien im dritten Reich

Untersuchung und Vergleich

Hausarbeit 2011 9 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Printmedien im Dritten Reich
Das Schriftleitergesetz

Bedeutung der Printmedien
Niveau der Printmedien

Übersicht der damaligen Erzeugnisse
Zeitungen
Grafik-Design
Satire
Kalender
Plakate

Vergleich mit aktuellen Printmedien

Persönliches Fazit

Quellen

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Stellt man den Versuch an, das Auftreten und das Erschei- nungsbild der Nationalsozialisten mit dem Auge eines Desig- ners zu analysieren, kommt man nicht umhin, sich auch den Printmedien in dieser Zeit zu widmen. Dabei sind vor allem die Produkte wichtig, deren Schöpfer der Partei angehörten oder ihr zumindest nahestanden. Schaut man sich nun die Fülle an verschiedenen Printmedien an, mag das Erstaunen über die Vielzahl groß sein - gerade wenn man in einer Dik- tatur nicht damit rechnet. In meiner Arbeit möchte ich einen Abriss über die damalige Printmedienlandschaft liefern, die ihr zu Grunde liegenden juristischen Umstände und am Ende einige markante Parallelen mit heutigen Druckerzeugnis- sen aufzeigen. Darüber hinaus möchte ich untersuchen, ob es in der Gestaltung ein durchgängiges Erscheinungsbild gibt, anhand derer man die nationalsozialistische Herkunft erkennen kann - eben ein »Corporate Identity.«

Printmedien im Dritten Reich

Das Schriftleitergesetz

Im Zuge der Gleichschaltung der Medien entstand im Jahre 1933 das sogenannte „Schriftleitergesetz“, welche sich spe- ziell um die Presse kümmerte. Der Beruf des Schriftleiters ist heute mit dem eines Redakteurs zu vergleichen.

Durch das Schriftleiter- gesetz war es nun mehr möglich, die Pressein- halte zu kontrollieren und die Zulassung eines Schriftleiters anhand verschiedener Aspekte, wie politische Ansich- ten und auch Abstam- mung, zu regulieren. So wurde sichergestellt, dass Schriftleiter partei- treu und arisch waren; Juden war die Ausübung des Berufes kategorisch Abb. 1 untersagt.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Mit Inkrafttreten des Gesetzes am 04. Oktober 1933 verlo- ren viele Journalisten ihren Beruf; einige Zeitungen mussten sogar ihren gesamten Betrieb einstellen.

Bedeutung der Printmedien

Damals bildeten die Printmedien bis in die 60er Jahre hinein das zentrale Kommunikationsmittel. Das Radio, der soge- nannte „Volksempfänger“ und auch das Fernsehen mit seinen Wochenschauen verfügten zwar über weit stärkere Mittel zur Meinungsmache, waren aber bei Weitem noch nicht genügend verbreitet um mit den Printmedien in Kon- kurrenz treten‚ zu können und auch nachdem TV und Radio sich ihre Bereiche sicherten, blieben die Printmedien das am weitesten verbreitete Medium.

So fand Werbung für Investitions- und Konsumgüter aus- schließlich in Form von Anzeigen in Zeitungen und Plakaten statt. Gerade Werbung (vor allem Produktwerbung) hielt sich noch lange in den Printmedien, bevor der Sprung zu TV und Radio gewagt wurde.

Politische Parteien fanden in ihren Plakaten - vor allem in Wahlkämpfen - das perfekte Kommunikationsmittel und auch heute noch werden vor allem in Wahlkämpfen Plaka- tierungen eingesetzt um auf die jeweils eigenen Kandidaten und Programmpunkte aufmerksam zu machen.

In den Zeiten des NS-Regimes war allen voran die Person Adolf Hitlers an den Zeitungsständen allgegenwärtig.2

Niveau der Printmedien

Obwohl die Printmedien der damaligen Zeit durch die Gleich- schaltung aus einer Hand kamen, waren sie überraschend vielfältig, kreativ und vor allem - betrachtet man die ult- rakonservativen Ziele der Nationalsozialisten - unerwartet innovativ. Diese Tatsache erklärt sich alleine schon aus der Zielsetzung der jeweiligen Printmedien, stark zielgruppenori- entiert zu arbeiten. Dies äußert sich nicht nur in den Inhalten sondern speziell auch in der Gestaltungs- und Herstellungs- qualität der jeweiligen Angebote. (Auf diese Thematik wird im folgenden Kapitel noch näher eingegangen, wenn es um die unterschiedlichen Printmedien geht.)

Dies führte zu einer »Scheinpluralität« an Angeboten. Betrachtete man einen Zeitungsstand, konnte man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass es eine große Menge an ver- schiedenen Druckerzeugnissen und Meinungsmedien gab - allerdings stammte jedes einzelne dieser Produkte aus der Hand der Nationalsozialisten, wodurch natürlich keine echte Pluralität bestand.

Ein Kommentar Goebbels zur Situation der Druckerzeug- nisse gibt die damalige Situation äußerst präzise wieder: »monoform im Willen, polyform in der Ausgestaltung des Willens.«3

Übersicht der damaligen Erzeugnisse

Diese - teilweise kommentierte - Übersicht stellt keine Gesamtschau aller verfügbaren Druckerzeugnisse dar. Es werden nur jeweils die bedeutendsten und einflussreichsten Erzeugnisse aus den verschiedenen Kategorien aufgezeigt um eine große Gesamtübersicht über den Bereich zu schaf- fen.

Zeitungen

Völkischer Beobachter

Es gab im dritten Reich mehrere Zeitungen, von denen allerdings keine die Relevanz und Verbreitung des »völkischen Beob- achters« erreichte. Das lag unter anderem daran, dass diese Zeitung schon immer das Kommunikationsmittel der NSDAP und eigens auch »Kampfblatt der Bewegung« war. Der VB erschien täglich im gesamten Reich und entsprach damit der Funktion einer Tageszeitung. Im Aussehen dominierten große Headlines mit roten Unter- streichungen und Bilder die Titelseite. Überhaupt waren die Farben Rot und Schwarz in den Printmedien dieser Zeit sehr dominant, was aber auch noch gezeigt werden wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Bemerkenswert in der Gestaltung ist die Tatsache, dass der Titel seit jeher in einer Antiqua gesetzt, der Inhalt der Zeitung aber erst nach dem »Schrifterlass« von einer gebrochenen auf deine Antiqua-Schrift umgestellt wurde.4

Der Name der Zeitung suggerierte bereits eine Beobach- tung des Volkes durch das Volk und die allgegenwärtige Überwachung, welche mit dem weiteren Kriegsverlauf und der Zuspitzung der deutschen Lage auch tatsächlich immer weiter forciert wurde. Der trauriger Höhepunkt dieser Über- wachung bildet die systematische Verfolgung und Vernich- tung der Juden aber auch andere Arten der Überwachung waren nicht unüblich. So wurden zum Beispiel Fahnen- flüchtige, und Kollaborateure und später auch Kriegsdienst- verweigerer verfolgt und umgebracht um Druck auf das verbleibende Volk auszurichten und dieses für Deutschland in den Krieg zu drängen.

Illustrierter Beobachter

Der »Illustrierte Beobach- ter« war die - man vermu- tet es - illustrierte Version des »Völkischen Beobach- ters« und stand irgendwo zwischen Zeitung und Illus- trierten. Man kann sagen, dass der IB die Vorstufe zur »echten« Illustrierten war. Der IB erschien wöchentlich im selben Verlag wie der VB.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

Alle Illustrationen und Fotografien des »Illustrierten Beob- achters« waren zwar noch klassisch schwarz-weiß, jedoch wurden diese Medien in einer sehr hohen Anzahl eingesetzt, wodurch die Zeitschrift sehr bildlastig wurde.

Die Fotos bezogen sich größtenteils auf die Texte, teilweise gab es sogar echte und umfangreiche Fotoreportagen oder -geschichten. Da der intellektuelle Zugang des Volkes zu diesem illustrierten Blatt relativ leicht war, gab es eine ent- sprechend hohe Nachfrage, welche sich auch in den Aufla- genzahlen widerspiegelte. Dementsprechend stark war auch die Nutzung der Anzeigenfläche für verschiedenste Produkt- werbungen, welche dann natürlich auch meist als Grafik oder als Foto dargestellt wurden.5

Zeitschriften

Ein bemerkenswertes Zeichen für die zunehmende Milita- risierung des Alltags im dritten Reich findet sich deutlich in Form von Zeitschriften. Hier entstanden verschiedene Magazine für die einzelnen Waffengattungen. Diese waren durchdrungen von Kriegspropaganda und einer psycholo- gisch-wirksamen zielgerichteten Meinungsmache zu Guns- ten der jeweiligen Kriegsmaschinerie. Dabei machte ein Magazin auch Werbung für die jeweils anderen und gerade allgemeine Werbeanzeigen waren stets zielgruppenorien- tiert und - aufgrund der Vorselektion der Leserschaft durch die einzelnen Titel - auch entsprechend erfolgreich.

Der »SA-Mann« war hierbei das Magazin für die »SA«, wobei die »SS« gleichsam durch die Zeitschrift »Das schwarze Korps« bedient wurde. Auch hier fällt wieder die Dominanz von Rot und Schwarz ins Auge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4

Der Adler

Der Adler war das ent- sprechende Magazin der deutschen Luftwaffe. Das typografische Logo wurde während der Erscheinungs- zeit (1939-1944) zwar von Weiß in Rot geändert, die gebrochene Schrift wurde allerdings durchgängig - auch nach dem »Schrifter- lass«! - eingehalten. Auch Abb. 5 in diesem Magazin stan- den Kriegsverherrlichung und Soldatenpropaganda auf der Agenda.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5

Die Wehrmacht

Das Bodenheer des drit- ten Reiches wurde vom Magazin »Die Wehrmacht« umworben. Die fotografi- schen und grafischen Titel- seiten und Inhalte waren teilweise sehr effektvoll inszeniert - ein Stilmittel das damals nicht üblich war. Die Inhalte bestanden oft aus heroischen Siegeserzählungen und Berich- ten über den erfolgreichen deutschen Soldaten. Das ganze Magazin war darüber hinaus sehr anzeigenlastig bis hin zu vereinzelten Preisausschreiben.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6

Illustrierte

Signal

Die »Signal« war die erste »echte« Illustrierte in Deutschland. Sie orien- tierte sich in ihrer Gestal- tung am amerikanischen „LIFE“-Magazin und diente einem stark propagandisti- schen Zweck. Ausländische Journalisten beschrieben die »Signal« als »professi- onell gestaltet«. tungen wie Metallic-Farben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7

Inhalte des Heftes waren vor allem selbstherrliche Vorstel- lungen und Wunschbilder des NS-Regimes. Deutsche Solda- ten wurden als sympathische und starke Männer mit einem entspannten Ausdruck gezeigt und gesellten sich thema- tisch zu Doppelseiten mit leicht bekleideten, hübschen Frauen. Hier nutzte man bereits das Prinzip »sex sells«.

Das Heft erschien etwa zweimal im Monat und teilweise in 25 verschiedenen Sprachen - dies diente einem praktischen Zweck, da das Heft nicht nur in Gebieten, die von der Wehr- macht besetzt waren, gelesen wurde, sondern auch in neut- ralen Nationen (wie der Schweiz) und sogar überkontinental.

TEMPO

Die »TEMPO« zeigt sich ähnlich wie die »Signal« in professionellem Gewand. Auch hier gibt es wieder die Farbkombination Rot/ Schwarz sowie klar militaristischem Inhalt. Erwähnenswert ist die teils herausragende Qualität der grafischen und fotografischen Gestaltung. Dazu beachte man die Freistellung einzelner Elemente, welche dann über das Logo ragen – heute ein übliches Stilmittel, damals ein Alleinstellungsmerkmal - sowie die moderne Platzierung des Titels im linken Anschnitt. In Kombination mit den teilweise farbigen Innenseiten lässt sich die »TEMPO« als sehr modern gestaltete Illustrierte definieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8

Erwähnenswert ist auch hier der Aufdruck des Länderblocks auf der Titelseite in der verschiedene Länderwährungen und entsprechende Preise enthalten sind - ein perfides Zeichen der »internationalen Interessen«.

Freude und Arbeit

Die »Freude und Arbeit« ist eine recht bemerkenswerte Zeitschrift. In der Gestal- tungsqualität erfüllte sie höchste Ansprüche, so bot sie zum Beispiel eine vier- farbig gestaltete Titelseite und auch Sonderausstattungen wie Metallic-Farben.

Jede Ausgabe war einem Verbündeten gewidmet, weshalb das Magazin noch in zwei weiteren Sprachen erschienen ist. Das ganze Magazin diente der Bewerbung der deutschen Arbeiterfront und der Völkerverständigung (im deutschen Sinne, also durch die Hervorhebung der deutschen Leistun- gen). Zu diesem Zwecke wurde vor allem das Verbindende zwischen Deutschland und dem jeweiligen Land deutlich gezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9

Olympia Zeitung

Die »Olympia Zeitung« erschien 1936 zu den olympischen Spielen in Deutschland. Die Zeitschrift verfolgte einen freundlichen Auftritt gegenüber den ausländischen Besuchern. Die Zeitschrift war sehr klassisch gestaltet und kam ohne weitere Betonung des nationalen Gedanken Deutschlands aus. Auch wählte man als Schrift fast durchgehend eine Antiqua und setzte nur vereinzelte Titel in einer gebrochenen, aber dennoch gut lesbaren gebrochenen Schrift. Betrachtet man den Auftritt der Zeitung, sieht man, dass hier weder Militarisierung noch Nationalität im Fokus steht. Die Fotos zeigen lachende Menschen, es gibt internationale Schlagzeilen. Anstatt des Reichsadlers oder des Hakenkreuzes ziert in griechisch-olympischer Tradition ein stilisierter Olivenzweig den Titel.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10

[...]


1 RGBI, 1933, S. 713ff

2 Andreas Koop, NSCI, S. 91

3 Andreas Koop, NSCI, S. 92

4 Andreas Koop, NSCI, S. 93

5 Andreas Koop, NSCI, S. 93

6 Peter Koop, NSCI, S. 94

7 Peter Koop, NSCI, S. 95 ff

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656416371
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213336
Institution / Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
1,0
Schlagworte
designtheorie design gestaltung printmedien drittes reich nazi nationalsozialismus druckschrift print

Autor

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