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Behinderung und Normalität. Behinderung als Abweichung von der Norm?

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

1. Einleitung

Die Normalität ist in der Diskursgeschichte der Behindertenpädagogik eine Variable, die nicht wegzudenken ist. Behinderung und Normalität – diese zwei Begriffe werden meistens in Verbindung gesetzt. Wie übt sich die Normalität auf Behinderte aus? Ist Behinderung eine Abweichung von der Norm? Und wenn ja, welche Lösung würde es für diese Problem geben?

Diese Fragen möchte ich versuchen in meiner Hausarbeit zu bearbeiten und zu beantworten. Dabei wird ein erster Einblick, als Einstieg dieser Thematik, in die Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik ermöglicht. Der Gegenstand der Heil – und Sonderpädagogik wird im nachfolgenden Punkt genauer erläutert. Dann möchte ich mich konkreter auf den Gegenstand ‚die Behinderung’ beziehen. Da unterscheide ich zwischen Arten und Folgen der Behinderung. Darauf folgend befasse ich mich mit der Anerkennungstheorie nach Axel Honneth und die Auswirkungen der Anerkennung gegenüber behinderten Menschen. Der fünfte Punkt beinhaltet meine Thematik, in der ich die Auswirkungen der Normalität auf die Beeinträchtigten diskutieren werde. Währenddessen versuche ich die Frage: ‚Behinderung – Abweichung von der Norm?’ zu beantworten.

2. Die Begriffe ‚Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik’

Alle drei pädagogischen Handlungsfelder befassen sich mit Menschen, die im Rahmen einer allgemeinen Erziehung nicht hinreichend gefördert werden können und deshalb besonderer Hilfe bedürfen. Somit werden sie unter dem Aspekt spezieller Erziehungshilfen bei Lern- und Erziehungshindernissen gesehen. Ihr Fokus liegt auf alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit besonderen Lern- und Erziehungsbedarf. Dadurch haben sie es mit allen Alterstufen zu tun, bei denen eine ‚besondere’ Erziehung mit entsprechenden Zielen, Methoden und Maßnahmen notwendig sind. Dabei werden alle Institutionen mit speziellem Erziehungsauftrag einbezogen. Der Erziehungsstil bezieht sich auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei denen eine allgemeine und übliche Erziehung nicht hinreichend fördernd wirkt. Doch dies allein reicht nicht aus, sie sind weiterhin auf andere Wissenschaften angewiesen und benötigen deren Erkenntnisse.

Obwohl alle drei pädagogischen Handlungsfelder als Basis die Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung behandeln, existieren viele Unterschiede, die eine einzelne Erläuterung des jeweiligen Handlungsfeld bedürfen.

Zuerst möchte ich mich mit dem Begriff der Sonderpädagogik befassen. Die Sonderpädagogik wird auch als ‚Pädagogik für Behinderte’ verstanden. Ihr Ziel ist die Verbesserung von erschwerten Situationen und die Behebung besonderer Gefährdungen und Benachteiligungen in allen Lebensaltern. Sie hebt dabei eine ‚besondere’ Erziehung mit ‚besonderen’ Zielen, Methoden und Maßnahmen hervor. ‚Sonder’ soll hierbei ‚das über das übliche Hinausgehende, das Zusätzliche usw.’ bezeichnen. Aus traditioneller Sicht befasst sich die Sonderpädagogik mit allen Arten der Beeinträchtigungen. Dabei wird nach Heinz Bach zwischen Behinderung, Störung, Gefährdung und Sozialrückstand unterschieden. Dennoch besteht keine klare Grenze zwischen den Beeinträchtigungsarten, da die Übergänge als fließend gelten. Die Aufgaben der Sonderpädagogik umfassen die ‚Sondererziehung’ bei vorliegender Behinderung, die ‚Fördererziehung’ bei vorliegender Störung, die ‚Vorsorgeerziehung’ bei vorliegender Gefährdung und die ‚soziale Erziehung’. Demnach braucht jede Erziehung gewisses Werkzeug. Dieses Werkzeug wird in subsitutive, kompensierende, subventionierende und integrative Maßnahmen gegliedert. Gegenwärtig ist jedoch eine solche klassifikatorische und funktionalistische Aufteilung, wie sie Heinz Bach vorgenommen hat, nicht mehr haltbar. Solche klar abgrenzbaren Bereiche gibt es nicht. Zudem wird auch kritisiert, dass durch dieses Konzept ein ‚Schonraum’, verbunden mit einer Außerkraftsetzung von gesellschaftlichen Anforderungen, entsteht. Dadurch wird die Integration, zum Beispiel der Wechsel in eine Normalschule, erschwert. Auch soll die Sonderpädagogik die Ziele einer bestmöglichen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen nicht erfüllt haben.

Nun möchte ich übergehen zu dem Begriff der ‚Heilpädagogik’. Nach Heinrich Hanselmann ist die Heilpädagogik die „Lehre vom Unterricht, von der Erziehung und Fürsorge aller jener Kindern, deren körperlich – seelische Entwicklung dauernd durch individuale und soziale Faktoren gehemmt ist“ (Bundschuh, Konrad. Allgemeine Heilpädagogik. Eine Einführung. Stuttgart: 2010. S. 35f). Eine weitere Definition von Paul Moor besagt, dass die Heilpädagogik nichts anderes ist, als Pädagogik und zwar Pädagogik unter erschwerten Bedingungen.

Heinz Bach sieht die Heilpädagogik als Oberbegriff, unter dem „die Theorie und Praxis der Erziehung all jener zu verstehen (ist), deren seelisch – geistiges Werden und deren Eingliederung durch individuale Faktoren gestört, fehlgeleitet oder dauernd beeinträchtigt sind“ (Bundschuh, Konrad. Allgemeine Heilpädagogik. Eine Einführung. Stuttgart: 2010. S. 36). Die Heilpädagogik behandelt Kinder und Jugendliche, die durch Erziehungsfehler, institutionellen Zwang und Druck in vor-, außer- und nachschulischen Handlungsfeldern in Not geraten sind. Dabei geht es „um ein behutsames erzieherisches Beeinflussen des Kindes in seiner somatopsychischen Ganzheit mit all seinen Schwierigkeiten auf der Basis guter zwischenmenschlicher Beziehungen“ (Bundschuh, Konrad. Allgemeine Heilpädagogik. Eine Einführung. Stuttgart: 2010. S. 36). Jedoch müssen stets mehr Gesichtspunkte bedacht und miteinander in Beziehung gebracht werden. Um Störungen und Zusammenbrüche in der Erziehung wirksam begegnen zu können, muss vertiefter, genauer und sorgfältiger überlegt, geprüft, geplant und gehandelt werden. In der Definition von Urs Haeberlin akzentuiert die Heilpädagogik das pädagogische Moment und hebt damit den pädagogischen Auftrag hervor. Somit enthält er nicht explizit den Aspekt der separaten Erziehung und damit der Besonderung. Das vorherrschende Menschenbild akzeptiert jedes Kind in seiner Eigenart und Einzigartigkeit und nimmt es ernst. Dies entspricht einer pädagogischen – philosophischen Orientierung, die die individuellen Möglichkeiten und die konkreten Lebensbedingungen des Kindes, vor allem auch die Autonomie und andere ureigenen Möglichkeiten, unterstützt und fördert.

Den letzten Begriff, die ‚Behindertenpädagogik’, möchte ich nun erklären. Ulrich Bleidick stellt die Behinderung als ein rein individuelles Merkmal dar und bleibt somit in einer kausalen Behinderungsvorstellung stecken. Hingegen kritisiert Bettina Lindmeier eine Ontologisierung der Behinderung, indem der Fokus auf defizitäre Merkmale einer Person gelegt wird. Eine ganz gegensätzliche Position stellt da die ‚Materialistische Behindertenpädagogik’ dar. Ihr Konzept besteht darin, die Behinderung als Ausdruck und Ergebnis eines Verhältnisses zwischen dem Behinderten und seiner Umwelt zu betrachten. Somit wird die Behindertenpädagogik als eine allgemeine Pädagogik mit und für Menschen, die „durch unangemessene Verhaltensweisen in ihrem Lebens- und Lernumfeld behindert bzw. von diesem isoliert werden“ (Bundschuh, Konrad. Allgemeine Heilpädagogik. Eine Einführung. Stuttgart: 2010. S. 38), gesehen. Dabei wird ein Zusammenhang der biologisch/körperlich, der psychischen und der sozialen Bereiche hergestellt. Diese bio - psycho – soziale Einheit darf niemals voneinander losgelöst gesehen werden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656416609
ISBN (Buch)
9783656417767
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213497
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
2,7
Schlagworte
Behinderung Normalität Abweichung Heilpädagogik Sonderpädagogik Behindertenpädagogik Anerkennung Norm

Autor

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