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Integration vs. Inklusion. Ein Thema für die Menschenrechte?!

Essay 2012 7 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inklusion und Integration – was verbirgt sich hinter diesen Worten? Welche Bedeutung haben sie für unsere heutige Gesellschaft? Wer ist auf Integration und Inklusion angewiesen? Und warum sind diese Themen relevant für die Menschenrechte? Stellen sie eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse für manche Menschen dar?

Zunächst möchte ich erläutern, was die Menschenrechte sind, für wen sie gelten und warum sie entstanden sind. Dies soll als Einführung in die Thematik dienen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist das bekannteste und wichtigste Menschenrechtdokument. Dieses Dokument bildet den Grundstein für den internationalen Menschenrechtschutz.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lagen die Menschenrechte und ihr Schutz in der Verantwortung jedes einzelnen Staates. Damals galten sie nur, wenn sie als „Grundrechte“ in der Verfassung des jeweiligen Landes verankert waren. Dies wendete sich aber durch den Nationalsozialismus. Die Charta der 1945 gegründeten Vereinten Nationen enthält nun den Auftrag an die Gemeinschaft der Staaten, die Menschenrechte für alle zu fördern.

In diesem internationalen Dokument sind die zentralen Rechte definiert, die allen Menschen aufgrund ihres Mensch – Seins und ihrer Würde zukommen. Sie haben politisch und moralisch hohes Gewicht, jedoch ist es kein juristisch – verbindliches Dokument.

Auch die UN – Menschenrechtskonventionen sind inhaltlich stark von der AEMR geprägt. Zudem kommt einigen Rechten ein gewohnheitsrechtlicher Charakter zu. Dennoch einigte sich die UNO erst mit den beiden Internationalen Pakten – dem Zivilpakt von 1966 und dem Sozialpakt ebenfalls von 1966 – auf die ersten beiden völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtskonventionen.

An dieser Stelle werde ich die Gegenstände Integration und Inklusion erläutern, um im späteren Verlauf darauf zurückzukommen, welche Verbindung zwischen ihnen und den Menschenrechten besteht.

Das Konzept der Inklusion löst das bislang wirksame Konzept der Integration ab. In erster Linie zielt Integration darauf ab, Menschen, die bislang nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben konnten, in gesellschaftliche Aktivitäten, Angebote und Optionen einzubeziehen. Hingegen geht Inklusion davon aus, dass Gesellschaft grundsätzlich als heterogene, vielfältige Gemeinschaft aller zu denken ist, in die alle bedingungslos bereits einbezogen sind.

In der Rede von „Integration“ in die Gesellschaft würden allerdings ungewollt „Gesellschaft“ einerseits und „Bürger mit Behinderungen“ andererseits auseinander dividiert. Eine „Integration in die Gesellschaft“ geht von der Vorstellung aus, es handle sich um zwei verschiedene Personengruppen. Dies ist nun nicht der Fall, denn Menschen mit einer Behinderung sind per definitionem Teil der Gesellschaft, ebenso wie Personen ohne Behinderung. Mit Integration wird keine vielfältige Gesellschaft, sondern die Anpassung und Überwindung des Anderseins angestrebt. Hier geht es um die Bringschuld der „Anderen“ sich an Regeln, Kultur und Struktur der Mehrheitsgesellschaft anzupassen.

Wird Inklusion als „Miteinander des Verschiedenen“ verstanden, so können die am Integrationskonzept festgemachten Kritikpunkte der Segregation, der Assimilierung und der Diskriminierung aufgrund von Fähigkeiten überwunden werden. Die Maßnahmen auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft richten sich darauf, die Anerkennung von Vielfalt strukturell zu verankern. Somit haben sie also neben Einzelmaßnahmen die Förderung von Strukturen und Systemen im Blick. Inklusion ist als eine Frage des Umgangs mit Unterschiedlichkeiten zu verstehen. Es geht um die Einbeziehung aller mit ihren jeweiligen ganz unterschiedlichen besonderen Merkmalen. Im Mittelpunkt sollte der einzelne mit seiner je eigenen Besonderheit, die strukturell berücksichtigt werden muss, stehen.

Worin besteht nun die Verbindung zwischen diesen beiden Einbeziehungskonzepten und den Menschenrechten? Sie besteht in dem Erkämpfen der gleichen Rechte für Menschen mit Behinderungen. Denn diese Menschen werden, aus eigenen Erfahrungsberichten, nicht wie alle gleich behandelt.

Deshalb werden mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN – Behindertenrechtskonvention) die AEMR und die beiden Pakte hinsichtlich ihrer Einlösung für die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen überprüft. Die Konvention stärkt dabei die universellen Rechte der Menschen. Sie zielt darauf ab, die Grundfreiheiten und Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen zu schützen, zu gewährleisten und eine gleichberechtigte, selbstbestimmte Teilhabe zu ermöglichen. Hier geht es einerseits um die Verwirklichung der Rechte von Menschen mit Behinderungen, vor allem dahingehend, sie als Akteur/innen zu begreifen, die Rechte haben und aktiv einfordern können.

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Details

Seiten
7
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656416135
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213511
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
bestanden
Schlagworte
Integration Inklusion Menschenrechte UN Charta

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Titel: Integration vs. Inklusion. Ein Thema für die Menschenrechte?!