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Der charismatische Führer nach Max Weber

Geniales Konzept oder gefährliche Vorlage?

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die politische Situation zur Zeit Webers

3. Strukturdefekte des politischen Systems nach Weber
3.1. Die schwache Stellung des Reichstages
3.2. Die Herrschaft der Bürokratie

4. Ausleseprozess des charismatischen Führers

5. Analyse des Weber’schen Konzepts

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Soziologe Max Weber lebte von 1864 bis 1920. Seine politische Wirkung wird auf die Zeitspanne von ca. 1880 bis zu seinem Tod eingegrenzt. Diese Zeit war durch eine Phase großer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche geprägt. Die Verfassung des Deutschen Reiches offenbarte alle Schwächen einer „neugeborenen“ Demokratie.

Diese Schwächen veranlassten Max Weber zu seinem demokratietheoretischen Beitrag. Im Vordergrund der Werke Webers stand die Herrschaftssoziologie. Weber war unzufrieden mit dem „politischen Betrieb“ im Deutschen Reich. Die schwache Stellung des Parlamentes, die Herrschaft von Politikern ohne Berufung sowie das politische Erbe Otto von Bismarcks ließen ihn sein Modell der charismatischen Führerpersönlichkeit entwickeln. Diese Hausarbeit wird sich mit dieser Herrscherperson näher beschäftigen. Dabei soll folgendermaßen vorgegangen werden:

Um den politischen und soziologischen Kontext der Weber’schen Werke zu verstehen, wird zunächst die politische Situation zur Zeit Webers näher erläutert. Das Hauptaugenmerk liegt hier vor allem auf der institutionellen Ordnung der Reichsverfassung, welche ein großer Kritikpunkt Webers war. Die Strukturdefekte dieser Verfassung wie Weber sie sah werden im darauffolgenden Gliederungspunkt behandelt. Welche institutionellen Voraussetzungen blockierten Webers Ansicht nach eine Machtübernahme durch einen geeigneten Herrscher? In dieser Hausarbeit stehen dabei besonders die Stellung des Reichstages und die Herrschaft des Beamtentums im Vordergrund. Desweiteren wird auf den Ausleseprozess des charismatischen Führers eingegangen. Wie kommt er an die Macht? Wie soll er wirken?

Schließlich wird Webers Modell im Hinblick auf eine mögliche Gefahr analysiert. Ist ein Missbrauch der Macht bei einer Legitimierung aufgrund von Charisma möglich oder gar wahrscheinlich? Webers Konzept beinhaltet immerhin eine stark ausgeprägte emotionale Komponente. Gibt oder gab es Beispiele charismatischer Herrschaft?

Im Fazit werden die einzelnen Analysepunkte kurz zusammengefasst und eine Antwort auf die dieser Hausarbeit zugrundeliegende Fragestellung gegeben.

2. Die politische Situation zur Zeit Webers

Im Jahre 1871, also wenige Jahre nach der Geburt Webers, entstand das Deutsche Kaiserreich, welches offiziell als Deutsches Reich bezeichnet wurde. Seine Verfassung war maßgeblich vom Reichskanzler Otto von Bismarck geprägt worden. Bismarck regierte bis 1890. Die Person Bismarcks, seine Art der Herrschaft und der Zustand des Deutschen Reiches nach seiner Entlassung standen im Mittelpunkt der Weber’schen Systemkritik.

Die Reichsverfassung beinhaltete eine starke Stellung des Kaisers, der den Reichskanzler und die Reichsbeamten berief und entließ. Eine Abhängigkeit des Reichskanzlers vom direkt vom Volk gewählten Parlament, dem Reichstag, bestand also somit nicht, was eine fehlende parlamentarische Verantwortlichkeit des Reichskanzlers bedeutete. Auch hatte das Volk dadurch keine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Besetzung des Regierungschefs und der Minister. Der Reichskanzler war in der Regel zugleich preußischer Ministerpräsident und Außenminister. Er stand den Staatsministern, dem Bundesrat und der Reichsverwaltung vor. Nur der Reichstag wurde vom Volk unmittelbar gewählt. Dies geschah in freier, gleicher und geheimer Wahl. Der Reichstag war zwar (neben dem Bundesrat) eine der beiden Gesetzgebungskammern, jedoch war seine Macht durch die jederzeit mögliche Auflösung durch den Kaiser stark geschwächt. Die Abgeordneten besaßen außerdem ein freies Mandat und waren nicht an den Wählerwillen gebunden. Letztendlich bestimmten Kaiser und Reichskanzler die politischen Geschicke des Reichs.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs sah sich das Deutsche Reich einer großen Anzahl politischer, aber auch gesellschaftlicher Probleme gegenüber. Das Volk litt aufgrund von Reparationszahlungen nach dem verlorenen Krieg unter Hunger und Armut. Die Verantwortung für die Niederlage wurde Kaiser Wilhelm II. angelastet. Der Widerstand gegen die allgemeine Existenz eines Kaiseramtes begann zu wachsen. Diese Entwicklung führte zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Deutschen Reich und endete schließlich mit der sog. „Novemberrevolution“. Sie bedeutete die Absetzung des Kaisers und den Ausruf einer Republik. Diese Staatsform war das Ergebnis eines innenpolitischen Impulses, der zur Gründung der Weimarer Republik führte.

3. Strukturdefekte des politischen Systems nach Weber

Die Strukturdefekte des politischen Systems zu seiner Zeit veranlassten Weber zu seinen soziologischen und demokratietheoretischen Beiträgen. Sie standen aus seiner Sicht einer „gesunden“ Ausübung von Machtpolitik und Demokratie im Deutschen Reich im Wege. Weber orientierte sich daher bei seinen Studien an Staaten mit funktionierendem „politischen Betrieb“ (wie z.B. dem englischen Parlamentarismus). Er prangert vor allem die Herrschaftsausübung Otto von Bismarcks sowie die von diesem geprägte Verfassung des Deutschen Reiches an, in welcher der Reichstag als machtpolitisches „Leichtgewicht“ agieren muss und die Herrschaft der Bürokratie jede Hervorbringung von politischen Führungspersönlichkeiten verhindert. Auf diese beiden Strukturdefekte soll im Folgenden näher eingegangen werden.

Weitere Kritikpunkte Webers sind u.a. der autoritär verfasste Kapitalismus und die Arbeitsweise der Parteien, welche seiner Ansicht nach überwiegend zu „gesinnungspolitischen Gruppierungen“[1] verkommen sind.

3.1. Die schwache Stellung des Reichstages

Einen wesentlichen Strukturdefekt des politischen Systems im Deutschen Reich stellte für Weber die Machtlosigkeit des Parlaments dar. Laut ihm könne nur die Instanz eines politisch aktiven Parlaments die Bürokratie kontrollieren und in ihre Schranken weisen.[2] Dies findet in „Parlament und Regierung“ (1918) Ausdruck, in dem er sich mit den beiden Kontrollinstanzen der Bürokratie - dem Monarchen (welchem Weber jedoch aufgrund seiner fehlenden politischen Fachkenntnisse keine bedeutende Rollte zumisst) und dem Parlament - beschäftigt.

Das nach Weber ideale Parlament stellt eine Vertretung der von der Bürokratie beherrschten Bürger dar, die ihre Zustimmung oder Missbilligung an der Führung der Staatsgeschäfte auf diese Weise zum Ausdruck bringen können.[3]

Im Deutschen Reich fehlte dem Reichstag als Legislative jedoch die Kontrollberechtigung gegenüber der Exekutive, da diese nicht aus dem Parlament hervorging und lediglich dem Kaiser gegenüber rechenschaftspflichtig war. Somit fehlte es an wirkungsvollen Kontroll- oder auch Amtsenthebungsmöglichkeiten gegenüber Kanzler und Regierung. Das Parlament hatte keine Möglichkeit, die Regierung abzusetzen; auch dann nicht, wenn sich diese als überfordert zeigen sollte.[4]

[...]


[1] Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien, 3. Auflage, Opladen 2000, S. 183.

[2] Vgl. Fitzi, Gregor: Max Webers politisches Denken, Konstanz 2004, S. 263.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien, S. 182.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656418023
ISBN (Buch)
9783656419037
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213554
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
führer weber geniales konzept vorlage

Autor

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