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Hat sich der Habitus von St. Paulis Prostituierten in zehn Jahren verändert?

Mitte der 90er Jahre und Mitte der Nuller Jahre - ein Vergleich

Hausarbeit 2011 10 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hat sich der Habitus von St. Paulis Prostituierten in zehn Jahren verändert?
2.1. Der Habitus von St. Paulis Prostituierten Mitte der 90er Jahre
2.2. Der Habitus von St. Paulis Prostituierten Mitte der Nuller Jahre
2.3. Ein Vergleich

3. Fazit - Relevanz und Interesse an der Frage

4. Literatur

1. Einleitung

Im Sommer 2010 war ich ein paar Tage zu Besuch in Hamburg, um mich an der HCU zu immatrikulieren. Noch war es warm, wir saßen an der Alster, doch bald kamen wir auf den herannahenden Winter in Hamburg zu sprechen, der für uns Süddeutsche wohl ziemlich hart sei. Aber ich hatte schon die passende Lösung parat, wenn auch eher im Scherz: „Ich kaufe mir Moonboots!“ Großes Gelächter, das ich erst einmal gar nicht verstand, bis ich aufgeklärt wurde: Diese Schuhe würden hier nur Prostituierte tragen, ich solle mich damit bloß nicht vor die Tür wagen.

Dieses Gespräch brachte mich zum Nachdenken und als ich einige Wochen darauf nach St. Pauli zog, sollte sich diese Aussage bestätigen. In der Davidstraße standen mehrere Dutzend Frauen, die ihre langen Beine ausnahmslos in Moonboots stecken hatten, hauptsächlich in weißen, silber­und rosafarbenen.

Als ich vor ein paar Wochen begann, meine Frage für die Hausarbeit zu suchen, war mir klar, dass ich etwas über den Habitus der Prostituierten auf St. Pauli schreiben möchte. Über Prostitution auf St. Pauli wird viel geforscht, immer wieder beschäftigen sich Ethnologinnen/Ethnologen und Soziologinnen/Soziologen mit dem Hamburger Rotlichtmilieu, einer deutschen Hochburg der Prostitution.

Schon 1845 schreibt Friedrich S. Wolffsheim das Buch „Über Bordelle, in medizinisch polizeilicher Hinsicht“[1]. Zu dieser Zeit gibt es in Hamburg eine staatlich geduldete und reglementierte Bordellprostitution, regelmäßig werden die Hygiene-Zustände geprüft und die Prostituierten auf sexuell übertragbare Krankheiten untersucht. Ende der 1880er Jahre werden die meisten Bordelle abgerissen, aufgrund städtebaulicher Sanierungen und des Drucks der Öffentlichkeit[2]. Doch der Abriss dämmt die Prostitution in Hamburg nicht ein. Ende des 19. Jahrhunderts floriert und wächst die Hafenstadt stetig, der Fremdenverkehr nimmt zu, ebenso die Landflucht. Diese Entwicklung führt dazu, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf St. Pauli viele neue Gesangs- und Vergnügungslokale entstehen[3]. Während des Nationalsozialismus entstehen abgeschlossene Gebiete, in denen der Prostitution nachgegangen wird, abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist die Herbertstraße auf St. Pauli[4]. Über die Prostitution in Hamburg im Dritten Reich hat Gabriele Zürn eine Arbeit veröffentlicht[5]. 1953 wird das Prostitutionsgesetz (ProstG) erlassen[6]. Erstmals wird den Prostituierten neben den regelmäßigen Hygienekontrollen die soziale Fürsorge des Staates garantiert. Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Prostitution ist der Erlass des neuen Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002. Die Stigmatisierung des Berufsfeldes wird zumindest rechtlich aufgehoben und die Ausübung der Prostitution als nicht sittenwidrig erklärt[7].

Eine Arbeit, die sich mit dem Habitus von Prostituierten beschäftigt, konnte ich während meiner Recherche nicht finden.

Beginnen möchte ich mit einer kurzen Einführung in die Habitus- und Kapitaltheorie Pierre Bourdieus. Danach werde ich einen Überblick zu den Habitus- und Kapitalformen der Prostituierten auf St. Pauli Mitte der 90er Jahre und Mitte der Nuller Jahre geben und diese vergleichen. Diesen Zeitraum habe ich exemplarisch gewählt. Mir war das Prostitutionsgesetz von 2002 ein Begriff und ich konnte mir vorstellen, dass sich dadurch der Habitus der Prostituierten allgemein, aber auch auf St. Pauli verändert hat. Ich werde auch auf die Probleme und Grenzen der Theorien eingehen. Abschließen möchte ich die Arbeit mit einem Fazit und auf die Relevanz der Frage eingehen.

[...]


[1] Wolffsheim, Friedrich Sigismund (1845) Über Bordelle, in medizinisch polizeilicher Hinsicht; Verlag der Hamburg-Altonaer Voksbuchh.; Hamburg

[2] vgl. von Dücker, Elisabeth (2005) (Hg.) Sexarbeit: Prostitution - Lebenswelten und Mythen; Edition Temmen; Bremen, S. 286

[3] ebenda

[4] ebenda, S. 288

[5] Zürn, Gabriele (1989) Prostitution in Hamburg im "Dritten Reich " 1933 - 1945; Hamburg

[6] vgl. von Dücker, Elisabeth (2005) (Hg.) Sexarbeit: Prostitution - Lebenswelten und Mythen; Edition Temmen; Bremen, S. 288

[7] ebenda, S. 117

Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656421658
ISBN (Buch)
9783656422617
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213659
Institution / Hochschule
HafenCity Universität Hamburg – Kultur der Metropole
Note
1,7
Schlagworte
Kulturtheorie Soziologie Ethnographie Bourdieu Habitus Prostitution St. Pauli Kiez Hamburg

Autor

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Titel: Hat sich der Habitus von St. Paulis Prostituierten in zehn Jahren verändert?