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Basismodell Homo Oeconomicus

Inwieweit lässt es sich auf den Studierenden von heute anwenden?

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Basismodell Homo Oeconomicus – Inwieweit lässt es sich auf den Studierenden von heute anwenden?
2.1 Attribute des Homo Oeconomicus
2.1.1 Nutzenmaximierer
2.1.2 Rationalität
2.1.3 Eigennützigkeit
2.1.4 Ökonomischer Mensch
2.1.5 Informierter Akteur
2.1.6 Knappheit der Güter
2.1.7 Universalität
2.2 Problem der Depersonalisierung
2.3 Der Studierende im 21. Jahrhundert als Homo Oeconomicus?
2.3.1 Bereiche des Studentenlebens, in denen sich das Modell anwenden lässt
2.3.2 Wann sich das Modell nicht auf Studierende anwenden lässt

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Und was nützt mir das?“ Diese einfache Frage stellen wir uns häufig im Leben, sie begleitet uns ab dem Zeitpunkt in der Kindheit, ab dem wir selbst entscheiden dürfen. Anfangs noch schwach ausgeprägt, drängt sie sich im Laufe des Erwachsenwerdens immer mehr auf. Schließlich verlassen wir die Schule und stellen uns die Frage auf dem Weg ins und durch das Berufsleben, im Privaten genauso wie in der Gesellschaft. Es gibt keinen Lebensbereich, in dem man nicht fragen kann: „Was nützt mir das? Und nützt mir etwas anderes vielleicht mehr?“

In der Politikwissenschaft beschäftigt man sich vor allem seit Ende der 80er Jahre mit dem Rational-Choice-Ansatz, wonach „die individuelle Wahl von Handlungsalternativen aus der Kalkulation von Kosten- und Nutzenerwartungen auf der Basis gegebener Präferenzordnungen“[1] erfolgt. Der ökonomische Ansatz, Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen, bringt ein bestimmtes Basismodell des Menschen mit sich, um das es in meiner Arbeit gehen soll: Der Homo Oeconomicus. Dabei bezieht sich dieses Modell nicht nur auf den Wähler und die Politik, sondern auf sämtliche Lebensbereiche, in denen man Entscheidungen treffen muss.

Im Folgenden soll nun das Basismodell des Homo Oeconomicus erklärt und seine Attribute dargestellt werden. Schließlich will ich die Frage klären, inwieweit sich das Basismodell des Homo Oeconomicus auf den Studierenden von heute anwenden lässt. Die Zahl der Studierenden steigt im 21. Jahrhundert weiter an und so ist es durchaus interessant zu sehen, in welchen Bereichen denn diese jungen Menschen nach dem Basismodell handeln. Die Studienzeit dient zur Orientierung und heutzutage stehen den Studierenden immer mehr Möglichkeiten offen. Eine größere Zahl an Studienfächern an unterschiedlichen Universitäten, Wegen in den Beruf, Praktika, Auslandsaufenthalten und Wohnsituationen bringt auch immer mehr Entscheidungssituationen mit sich. Vor allem, wer ein Ziel vor Augen hat, fragt sich häufig: „Was nützt mir das?“

Ich werde also exemplarisch einige Bereiche des Studentenlebens aufzeigen, in denen sich das Basismodell des Homo Oeconomicus deutlich zeigen lässt. Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen allein das Basismodell zur Erklärung des Entscheidungsverhaltens der Studierenden nicht ausreicht. Die Gründe dafür sollen schließlich zur Beantwortung der Frage zusätzlich aufgegriffen werden und in einem abschließenden Fazit dem Basismodell des Homo Oeconomicus gegenüber gestellt werden.

2. Basismodell Homo Oeconomicus – Inwieweit lässt es sich auf den Studierenden von heute anwenden?

Der Erklärung des Basismodells des Homo Oeconomicus muss vorausgehen, dass es seinen Ursprung in den Wirtschaftswissenschaften hat und auch demnach bewertet werden soll. Dieser ökonomische Ansatz ist unmoralisch. „Die Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich nämlich nicht mit dem, [...] wie sich Menschen verhalten sollen, sondern es geht darum, zu verstehen, warum sich Menschen so verhalten.“[2] Es gibt also keine moralisch guten oder schlechten Entscheidungen. Im Mittelpunkt der Analyse steht stets das Individuum. Es wird davon ausgegangen, „daß nur Individuen handeln können“.[3] Folglich sind auch Gruppenentscheidungen eigentlich Entscheidungen von Individuen, da sie sich aus ganz vielen Einzelentscheidungen zusammensetzen. Somit werde ich auch bei der Beurteilung der Studierenden am einzelnen Individuum und nicht an der Masse ansetzten. Zunächst jedoch eine genaue Beschreibung der Attribute des Basismodells des Homo Oeconomicus.

2.1 Attribute des Homo Oeconomicus

„Der ausschließlich von wirtschaftlichen Zweckmäßigkeitserwägungen geleitete Mensch; gelegentlich Bezeichnung des heutigen Menschen schlechthin.“[4] So kann der Homo Oeconomicus ganz allgemein definiert werden. Eine genauere Definition bietet der Soziologe Ralf Dahrendorf. Für ihn ist der Homo Oeconomicus „der Verbraucher, der vor jedem Einkauf Nutzen und Kosten sorgsam abwägt und Hunderte von Preisen vergleicht, bevor er seine Entscheidung trifft; der Unternehmer, der alle Märkte und Börsen in seinem Kopf vereinigt und sämtliche Entschlüsse an diesem Wissen orientiert; der vollständig informierte, durch und durch „rationale“ Mensch.“[5] Diesen Mensch charakterisieren einschlägige Attribute, von denen die wichtigsten nun aufgeführt werden.

2.1.1 Nutzenmaximierer

Ganz generell ist zu sagen, dass der Homo Oeconomicus stets seinen eigenen Nutzen maximieren will. Er wählt die Handlung aus, „die die intensivste und kostengünstigste Bedürfnisbefriedigung im Vergleich mit anderen Handlungsalternativen verspricht“.[6] Seine Absicht ist es, sein Schicksal zu verbessern und deshalb wird er ständig von Neuem dazu angetrieben, Entscheidungen zu fällen, die seinen eigenen Nutzen immer weiter maximieren. Der Anreiz dazu wirkt „in gewissem Maße unbewußt“.[7] Denn es liegt in der Natur des Menschen zu handeln und so wird er es immer tun. Nur jemand, der absolut zufrieden und glücklich ist, würde nicht mehr handeln. Dieser Zustand kann aber nie ganz erreicht werden, denn es wird immer eine Möglichkeit geben, den eigenen Nutzen nochmals zu maximieren.[8]

2.1.2 Rationalität

Dabei handelt der Homo Oeconomicus rational. Das bedeutet, er besitzt „die Fähigkeit, Handlungsalternativen konsistent zu ordnen und den Nutzen zu maximieren“.[9] Man nimmt an, „dass Individuen rational sind in dem Sinne, dass sie in gewissen Grenzen feststellen können, was sie wollen, und dass sie versuchen werden, so viele dieser Wünsche wie möglich zu erfüllen“.[10] Die Wünsche sind allerdings nicht nur materiell zu verstehen, sondern es kann zum Beispiel auch der Wunsch nach Anerkennung sein, ästhetische, intellektuelle oder religiöse Wünsche und so weiter. Nun ist es so, dass jede Entscheidungssituation des Individuums von zwei Elementen gekennzeichnet ist: „durch seine Präferenzen und Restriktionen.“[11] Die Präferenzen sind die Wertvorstellungen des Individuums, die sich im Laufe der Sozialisierung ergeben haben. Sie sind zunächst einmal unabhängig von äußeren Faktoren – rein die Präferenzen zur Erfüllung eines Wunsches können auch unerfüllbar sein. Allerdings ist das Individuum immer Restriktionen ausgesetzt. Das heißt, es muss innerhalb von bestimmten Umwelteinflüssen, gesellschaftlichen Tendenzen, biologischen Kräften oder Ähnlichem handeln. Diese Restriktionen begrenzen also den Handlungsspielraum des Individuums und nur innerhalb dieses Spielraums liegen die Handlungsmöglichkeiten des Individuums.[12] Nicht alle Handlungsmöglichkeiten und deren Konsequenzen sind bekannt. Der Homo Oeconomicus wählt aus verschiedenen Möglichkeiten diejenige aus, für die „der Erwartungswert am höchsten ist“.[13] Dabei können auf Grund von unzureichender Information natürlich auch Fehler entstehen. Das heißt, dieses rationale Handeln, die Entscheidung nach dem Abwiegen von Präferenzen und Restriktionen zur Erfüllung eines bestimmten Wunsches, muss nicht immer gelingen. Es gibt daher in diesem Modell nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer.

[...]


[1] Braun, Dietmar. Theorien rationalen Handelns in der Politikwissenschaft. Eine kritische Einführung. Opladen, Leske + Budrich, 1999. S.7

[2] McKenzie, Richard B.; Tullock, Gordon. Homo oeconomicus. Ökonomische Dimensionen des Alltags. Frankfurt, Campus-Verl., 1984. S. 27

[3] McKenzie, Tullock 1984 – Homo oeconomicus. S. 28

[4] Holler, Manfred J. Homo oeconomicus. München, Verlag N. Leudemann, 1983. S. 8

[5] Dahrendorf, Ralf. Homo sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. Köln, Westdt. Verlag, 1964. S. 12

[6] Braun 1999 – Theorien rationalen Handelns. S. 39

[7] McKenzie, Tullock 1984 – Homo oeconomicus. S. 28

[8] Vgl. ebd.

[9] Braun 1999 – Theorien rationalen Handelns. S. 39

[10] McKenzie, Tullock 1984 – Homo oeconomicus. S. 29

[11] Kirchgässner, Gebhard. Das ökonomische Verhaltensmodell: Der Homo oeconomicus. In: von Nell, Verena; Kufeld, Klaus. Homo oeconomicus. Ein neues Leitbild in der globalisierten Welt? Berlin, Lit Verlag, 2006, S. 82

[12] Vgl. ebd.

[13] McKenzie, Tullock 1984 – Homo oeconomicus. S. 29

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656426097
ISBN (Buch)
9783656435990
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214254
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Schlagworte
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Titel: Basismodell Homo Oeconomicus