Lade Inhalt...

Qualität und Ethik im Reality-TV

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienethik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale des Reality-TV
2.1 Formen
2.2 Attribute
2.2.1 Nicht-Prominente
2.2.2 Personalisierung, Emotionalisierung, Intimisierung
2.2.3 Stereotypisierung
2.2.4 Dramatisierung
2.2.5 Live-Charakter
2.2.6 Mischung von Fiktion und Realität, Bedeutung von Authentizität und Inszenierung
2.2.7 Information und Unterhaltung

3. Qualität und Ethik im Reality-TV
3.1 Gefahren und Probleme
3.2 Positive Effekte

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Ekel-TV“ hat im Januar 2011 wieder einmal Zuschauerrekorde gebrochen. Die fünfte Staffel von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ bei RTL sahen im Schnitt insgesamt 7,62 Millionen Zuschauer – noch mehr als in den vergangenen Jahren.[1] Und die Sendung ist nicht die einzige aus dem Gebiet des Reality-TV, die eine hohe Einschaltquote verspricht. Inzwischen läuft die achte Staffel der Talentshow „Deutschland sucht den Superstar“, jeden Mittag werden in der Talkshow „Britt“ neue persönliche Skandale aufgedeckt und die „Supernanny“ hilft der ungefähr 500. Familie bei Erziehungsproblemen. Gleichzeitig entstehen immer neue Formen des Reality-TV, der Markt scheint noch nicht gesättigt.

Obwohl sich Reality-TV bei den Zuschauern großer Beliebtheit erfreut, so gibt es gerade bei diesem Genre auch besonders viele Kritiker. Um beim Beispiel Dschungelcamp 2011 zu bleiben: Sogar Politiker tun hier gerne ihre Meinung Kund. „Muss das Niveau denn wirklich sein in unserem Lande? Es geht doch auch anders“, sagte jüngst Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.[2]

Ob und wie nun Realitätsfernsehen sein muss, das ist Thema auf den folgenden Seiten. Qualität und Ethik im Bereich des Reality-TV, auf diesen strittigen Bereich soll hier näher eingegangen werden. Zunächst werde ich dazu die Merkmale des Reality-TV, dessen Formen und Attribute, erklären. Denn aus diesen Merkmalen lässt sich bereits erkennen, worauf dieses Genre abzielt, warum es so viele Zuschauer anzieht und woraus die Kritikpunkte entstehen. Im Folgenden sollen dann Gefahren und Probleme, aber auch Möglichkeiten und Vorzüge des Realitätsfernsehens genannt werden. Es ist dabei stets schwierig, allgemeine Aussagen für das gesamte Reality-TV zu treffen. Da die Formen unterschiedlich sind, entstehen auch an unterschiedlichen Punkten Diskussionen. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, will ich aber doch zeigen, an welchen Stellen Kritik gerechtfertigt ist und warum sowohl Medienschaffende als auch Mediennutzer immer wieder überdenken sollten, wie viel und welche Art von Reality-TV tatsächlich sein muss.

2. Merkmale des Reality-TV

„Reality-TV, in der deutschen Übersetzung „Wirklichkeitsfernsehen“, beansprucht für sich, „die Realität“ darzustellen.“[3] Diese kurze, aber treffende Definition von Claudia Wegener fasst zusammen, was allen Formen des Reality-TV gemeinsam ist. Es werden Ereignisse auf erregende, spannende und dramatische Weise dargestellt, und zwar „in einer möglichst realitätsnahen, emotionalisierenden Form“[4]. Die Ereignisse können dabei von Unfällen über Naturkatastrophen bis hin zur Hochzeit beinahe alles sein. Auf welche Weise „die Realität“ jedoch dargestellt wird, darin unterscheiden sich die einzelnen Formen des Reality-TV.

2.1 Formen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Formen des Reality-TV[5]

Wie Abbildung 1 verdeutlicht, gibt es verschiedene Formen, die alle unter dem Dachbegriff des Reality-TV zusammengefasst werden können. Dabei kann man grundsätzlich zwei Richtungen, das narrative und das performative Reality-TV, unterscheiden. Beim narrativen Realitätsfernsehen handelt es sich um Sendungen, in denen tatsächliche Katastrophen authentisch oder nachgestellt wiedergegeben werden.[6] So sieht der Zu-schauer bei „Aktenzeichen XY“ zum Beispiel echte Kriminalverbrechen, die für die Kamera mit Schauspielern nachgestellt wurden. Performatives Reality-TV hingegen sind „Unterhaltungssendungen, die sich zur Bühne herausgehobener Aktionen machen, mit denen gleichwohl direkt oder konkret in die Alltagswirklichkeit der Menschen eingegriffen wird.“[7] Das heißt, ohne das Fernsehen wäre es nicht zu den gezeigten Handlungen gekommen. Sei es durch eine Show wie „Bauer sucht Frau“, bei der der Bauer nur durch die Sendung die Frauen kennenlernt oder, wie im Format „Big Brother“, dass durch die Show ein Haus, ein bestimmter Rahmen, eine Bühne gesetzt wird, die es in der Realität zuvor nicht gab.

Jede Form des Realitätsfernsehens arbeitet nun bestimmte Themen auf. Es gibt auch Themen, die sich durch mehrere Sendungen ziehen, allerdings unterschiedlich darge-stellt werden. Eine Hochzeit zum Bespiel kann es auf unterschiedliche Weise geben. In einer Sendung der Real Life Comedy handelt es sich um ein Amateurvideo, das nun ausgestrahlt wird, weil dem Hochzeitspaar eine besonders lustige Panne passiert ist. In einer Talkshow würde es vielleicht eine Sendung mit dem Thema: „Ich habe vor dem Traualtar ‚nein‘ gesagt, will ihn nun aber doch heiraten“ geben. Und in einer Doku-Soap begleitet ein Filmteam das Paar bei ihrer Zusammenarbeit mit dem Weddingplaner.

Die Realität wird also auf unterschiedliche Weise im Reality-TV abgebildet, allerdings gibt es bestimmte Attribute, die den meisten der Sendungen gemeinsam sind. Diese sollen nun dargestellt werden.

2.2 Attribute

Reality-TV ist primär Bestandteil privater Fernsehsender. Ziel dieser Sender ist es, möglichst hohe Zuschauerquoten zu bekommen, um für die Werbekunden attraktiver zu werden. Die Quote entscheidet über das Programm, und das lässt sich auch im Realitätsfernsehen beobachten.[8] Ganz gezielt setzt das Privatfernsehen hier auf Tabubrüche, um die Quote zu erhöhen. Denn „Aufmerksamkeit lässt sich immer noch durch einen kalkulierten Tabubruch erzielen“.[9] Abgesehen von diesem zentralen Merkmal sind es vor allem die Charakteristika der Darstellung, die den Sendungen des Realitätsfernsehens ähnlich sind. Folgende zehn Attribute werden nun näher erklärt: Nicht-Prominente, Personalisierung, Emotionalisierung, Intimisierung, Stereotypisierung, Dramatisierung, Live-Charakter, Mischung von Fiktion und Realität, Bedeutung von Authentizität und Inszenierung, sowie Information und Unterhaltung.

[...]


[1] Vgl. Bartl, Marc. Bislang erfolgreichste Staffel: 7,62 Mio Zuschauer sahen Dschungelcamp im Schnitt. http://kress.de/alle/detail/beitrag/108526-bislang-erfolgreichste-staffel-762-mio-zuschauer-sahen-dschungelcamp-im-schnitt.html, zuletzt geprüft am 14.02.2011

[2] Spiegel TV vom 18.01.2011. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740033,00.html, zuletzt geprüft am 14.02.2011

[3] Wegener, Claudia. Reality-TV. Fernsehen zwischen Emotion und Information? Opladen, Leske + Budrich, 1994. S. 31

[4] Winterhoff-Spurk, Peter; Heidinger, Veronika; Schwab, Frank. Reality-TV. Formate und Inhalte eines neuen Programmgenres. Saarbrücken, Logos-Verl., 1994. S. 13

[5] Modifizierte Abbildung nach: Lücke, Stephanie. Real life soaps. Ein neues Genre des Reality-TV. Münster, Lit, 2002. S. 51

[6] Vgl. Lücke 2002 – Real life soaps. S. 37

[7] Ebd.

[8] Vgl. Wegener 1994 – Reality-TV. S. 28

[9] Mikos, Lothar. Real Life Formate. In: Schicha, Christian. Handbuch Medienethik. Wiesbaden, VS Verl. für Sozialwiss., 2010. S. 431

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656426080
ISBN (Buch)
9783656436409
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214255
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Schlagworte
Medienethik Reality-TV Qualität Ekel-TV Dschungelcamp Nicht-Prominente Dramatisierung Stereotypen Inszenierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Qualität und Ethik im Reality-TV