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Bitte lächeln! Schülerinnen und Schüler einer Hauptstufe der Schule für Geistigbehinderte erweitern ihr Wissen über Zahnhygiene

Ein Unterrichtsvorhaben an einer Schule für Geistigbehinderte

Examensarbeit 2013 84 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begründung des Themas
1.1. Eigene Aspekte
1.2. Lebensbedeutsamkeit für die Schülerinnen und Schüler

2. Bezug zum Bildungsplan

3. Sachanalyse
3.1. Definitionen der Begrifflichkeiten
3.2. Elementarisierung
3.3. Möglicher Bildungsinhalt
3.4. Aneignungsmöglichkeiten

4. Schülervoraussetzungen
4.1. Schule
4.2. Klassensituation
4.3. Schülerbeschreibungen
4.3.1. M
4.3.2. D
4.3.3. Da
4.3.4. Ch
4.3.5. B
4.3.6. De
4.3.7. L.

5. Methodisch- didaktische Überlegungen zur Gesamteinheit
5.1. Ziele
5.2. Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler
5.3. Methodisch- didaktische Überlegungen
5.4. Methoden- und Medienwahl

6. Durchführung des Unterrichtsvorhabens
6.1. Einbindung in den Stundenplan
6.2. Elternarbeit
6.3. Stoffverteilungsplan
6.4. Unterrichtseinheit Nr. 1 –Kurzbeschreibung
6.5. Unterrichtseinheit Nr. 2 –Ausführlicher Unterrichtsentwurf
6.6. Unterrichtseinheit Nr. 3 –Ausführlicher Unterrichtsentwurf
6.7. Unterrichtseinheit Nr. 4 –Kurzbeschreibung
6.8. Unterrichtseinheit Nr. 5 –Kurzbeschreibung
6.9. Unterrichtseinheit Nr. 6 –Kurzbeschreibung
6.10. Unterrichtseinheit Nr. 7 –Kurzbeschreibung

7. Reflexion der Gesamteinheit
7.1. Gesamtreflexion
7.2. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1. Elternbrief
9.2. Drehbuch

Vorwort

Meine Ausbildung zur Fachlehrerin am Pädagogischen Fachseminar in Karlsruhe begann im Februar 2012. Die Praxis absolviere ich an der ALS Schule in W. – H. in einer Hauptstufenklasse mit 7 Schülerinnen und Schülern.

In meiner schriftlichen Arbeit habe ich mich ausgegebenen Anlässen für das Thema Bitte lächeln! Schülerinnen und Schüler einer Hauptstufe der Schule für Geistigbehinderte erweitern ihr Wissen über Zahnhygiene. In einem Kurzfilm präsentieren sie ihre Ergebnisse entschieden.

1.Begründung des Themas

1.1. Eigene Aspekte

Sowohl eigene Beweggründe als auch Beobachtungen aus dem Schulalltag haben mich zu diesem Thema geführt.

Meine eigene Zahnhygiene ist mir sehr wichtig, wird regelmäßig und gewissenhaft ausgeführt und Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind für mich selbstverständlich. Dies war nicht immer so. Als Kind und auch später als Jugendliche achtete ich kaum auf eine angemessene Zahnpflege und mied es sogar zum Zahnarzt zu gehen. Glücklicherweise begriff ich noch rechtzeitig, dass Vorsorge die beste Möglichkeit ist, um Zahnerkrankungen, Schmerzen und hohe Behandlungskosten zu vermeiden.

Im Schulalltag sehe ich vermehrt, dass der Hygiene nicht immer ausreichend Beachtung geschenkt wird. Gerade für Schülerinnen und Schüler einer Hauptstufe halte ich es für unumgänglich, sie für die Notwendigkeit der Zahnpflege zu sensibilisieren, ihnen das nötige „Handwerkszeug“ mitzugeben und Vorgehensweisen beizubringen. Denn auf dem Weg zum Erwachsenwerden und in Richtung Selbstversorgung wirkt ein sauberes, lückenloses Lächeln gleich sehr viel freundlicher und ansprechender.

1.2. Lebensbedeutsamkeit für die Schülerinnen und Schüler

Die Pflege der Zähne gehört zur Körperhygiene wie das regelmäßige Duschen und Hände waschen. Gerade für Jugendliche ist das äußere Erscheinungsbild wichtig. Sie möchten ordentlich gekleidet sein und hübsch aussehen. Sicher trifft dies nicht - oder zumindest noch nicht - auf jeden Schüler dieser Klasse zu.

Allerdings zeigt sich das Bedürfnis der Schüler, auch außerhalb der Schule Freundschaften zu schließen und einer Gruppe von Gleichaltrigen („Peergroups“) anzugehören, zum Beispiel bei der Jugendfeuerwehr, beim Fußball oder in einem Hip- Hop- Tanzverein. Spätestens hier merken die Schüler, dass sie leichter in eine Gruppe von Gleichaltrigen aufgenommen werden, wenn sie sich pflegen, keine schmutzige Kleidung tragen und keinen Mundgeruch haben. Nicht ausgeschlossen zu werden und in einer Gruppe angenommen zu werden, wirkt sich besonders auf unsere Schülerinnen und Schüler positiv aus und stärkt ihr Selbstwertgefühl.

Die jugendlichen Schülerinnen und Schüler befinden sich auf dem Weg zum Erwachsenwerden und sie müssen auch jetzt schon ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zeigen. Mutter oder Vater geben ihnen in Bezug auf Hygiene nicht mehr alles vor und erwarten zunehmende Selbstständigkeit. In erster Linie sollte hier auf das tägliche Zähneputzen aufmerksam gemacht werden und den Schülerinnen und Schülern zunehmende Sicherheit im Umgang mit Zahnbürste und Zahnpasta vermittelt werden.

Durch Vorsorgemaßnahmen lassen sich Zahnerkrankungen wie zum Beispiel Karies, Zahnstein, Zahnverlust, Parodontitis verringern. Dies wiederum erspart den Schülerinnen und Schülern Schmerzen, Zahnverlust und auf spätere Sicht betrachtet auch hohe Zahnarztkosten. Gerade der Besuch beim Zahnarzt kann für geistig behinderte Menschen zu einem unüberwindbaren Hindernis werden, wenn Unsicherheiten und Ängste vorhanden sind.

Um sich jedoch wohl im eigenen Körper zu fühlen, muss dieser gesund sein und diesbezüglich nimmt auch die Zahngesundheit einen großen Stellenwert ein.

Hier sollte außerdem die Ernährung nicht ganz außer Acht gelassen werden. Der Konsum von übermäßig zuckerhaltigen Speisen und Getränken schadet den Zähnen und begünstigt die Entstehung von Karies. Den Schülerinnen und Schülern sollte bewusst gemacht werden, was diese Lebensmittel bewirken und dass man sie in Maßen konsumieren sollte.

2.Bezug zum Bildungsplan

Stand 2009

Der Schwerpunkt meines Unterrichtsvorhabens findet sich in folgendem Bildungsbereich:

Bildungsbereich: Selbstständige Lebensführung

Dimension: Selbstversorgung

Themenfeld: Körperpflege und Hygiene

„In der Schule werden die Schülerinnen und Schüler angeleitet, durch Körperpflege und Hygiene für ihr körperliches Wohlbefinden und ihre Gesunderhaltung zu sorgen. Die Schule berücksichtigt dabei kulturelle, familiäre und persönliche Wertvorstellungen. Dies gilt auch für Fragen der Kosmetik und des persönlichen Erscheinungsbildes, die insbesondere für Jugendliche im Sinne von Aktivität und Teilhabe an Peergroups als wichtig erlebt werden. Hilfeleistungen in der Pflege, die für Schülerinnen und Schüler mit schweren Beeinträchtigungen zur Lebensführung erforderlich sind, werden in der Schule unter Wahrung der Intimsphäre, der Geschlechtsspezifität und unter Berücksichtigung des Lebensalters gewährt.“

Inhalt: Mund und Zahnpflege

Kompetenzspektrum: Eigene körperliche und psychische Bedürfnisse wahrnehmen und mitteilen; Alltagsroutinen der Zahnpflege und Hygiene durchführen; eigene Wünsche und Vorstellungen zum äußeren Erscheinungsbild zeigen; Mittel und Techniken der Zahnhygiene kennen und anwenden.

Aneignungsmöglichkeiten: Selbstständiges Putzen der Zähne mit Zahnbürste und Zahnpasta; Aufstellen eines Zahnputzplans; Kennenlernen von Pflegeprodukten.

(Bildungsplan für die Schule für Geistigbehinderte, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden- Württemberg, Neckar- Verlag, 2009, S. 141)

Außerdem findet sich mein Unterrichtsvorhaben auch in folgenden Bereichen:

Bildungsbereich: Natur, Umwelt, Technik

Dimension: Natur

Themenfeld: Mensch

„Schülerinnen und Schüler erhalten Unterstützung bei der Einschätzung der eigenen Lebensweise (Gesunderhaltung) und erweitern ihre Kenntnisse über den eigenen Körper, um Einflüsse, denen ihr Körper ausgesetzt ist, besser zu verstehen.“

Inhalt: Gesunderhaltung

Kompetenzspektrum: Für die eigenen Zähne und deren Gesunderhaltung Sorge tragen.

Aneignungsmöglichkeiten: Pflegemaßnahmen durchführen; zuckerarme Speisen und Getränke zu sich nehmen.

(Bildungsplan für die Schule für Geistigbehinderte, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden- Württemberg, Neckar- Verlag, 2009, S. 199)

Bildungsbereich: Mensch in der Gesellschaft

Dimension: Identität und Selbstbild

Themenfeld: Ich entdecke meinen Körper

„Die Schule bietet Möglichkeiten, den eigenen Körper als Erfahrungs- und Lernfeld kennen zu lernen und daraus ein positives Körpergefühl und Körperbewusstsein zu entwickeln. Ein positives Körperkonzept bildet die Grundlage für die körperliche, soziale, emotionale, psychische und kognitive Entwicklung.“

Inhalt: Aussehen und Gestaltung des Körpers, körperbezogenes Selbstwertgefühl

Kompetenzspektrum: Körperliche Bedürfnisse wahrnehmen und für deren Befriedigung sorgen; Sinneswahrnehmungen und –eindrücke entwickeln, sammeln und einordnen, Lebenszutrauen über körperliches Handeln aufbauen.

Aneignungsmöglichkeiten: Pflege; verantwortungsbewusster Umgang mit eigenem Körper.

(Bildungsplan für die Schule für Geistigbehinderte, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden- Württemberg, Neckar- Verlag, 2009, S. 175)

3.Sachanalyse

3.1. Definitionen der Begrifflichkeiten

Zahnhygiene:

Die tägliche Zahnhygiene beginnt mit dem morgendlichen (und abendlichen) Putzen der Zähne. Neben der Handzahnbürste kann man auch elektrische Zahnbürsten nutzen. Doch die Vibration der Elektrobürste ersetzt nicht die richtige Putztechnik! Man sollte sich mindestens fünf Minuten Zeit für das Putzen nehmen und jeden Zahn einzeln von jeder Seite behandeln. Jeder Zahnarzt erklärt seinen Patienten gerne die besten Putztechniken, bei denen nicht zu viel Druck ausgeübt und der Zahnbelag optimal entfernt wird. Die richtige Bürste sollte mittelharte, abgerundete Borsten und einen kleinen Kopf haben. Man sollte die Zahnbürste alle zwei Monate austauschen.

Zahnärzte empfehlen das Putzen nach jeder Mahlzeit, aber sollte keine Zahnbürste zur Hand sein, kann man auch einen zuckerfreien Kaugummi kauen, der den Speichelfluss anregt. (….)

Die verwendete Zahncreme sollte Stoffe beinhalten, die den Zahn schützen und mineralisieren. In den meisten Zahncremes ist Fluorid enthalten, was die Zähne wirksam vor Karies schützt. Bleichende Zahncreme enthält häufig zu aggressive Substanzen, die besonders empfindliche Zähne angreifen können. (…)

Zweimal im Jahr sollte man seinen Zahnarzt aufsuchen, der auch eine zusätzliche professionelle Zahnreinigung durchführen kann, falls dies gewünscht wird.

http://www.zahnbehandlung-ratgeber.de/zahnlexikon/zahnhygiene.php

Zahnerkrankungen:

Zahnerkrankungen sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können zu erheblichen Schmerzen und Schäden führen.

http://www.onmeda.de/krankheiten/zahnerkrankungen.html

Ich möchte hier nur auf die am häufigsten auftretende Zahnerkrankung eingehen:

Karies: Karies, oftmals auch als "Zahnfäule" bezeichnet, ist eine der häufigsten infektiösen Zahnerkrankungen der industrialisierten Welt. Hauptursachen der Karies sind Bakterien in der Mundhöhle, die den Zucker aus der Nahrung zu Säure zersetzen. Diese Säure greift die Zahnsubstanz an – im fortgeschrittenen Stadium entstehen dann Löcher im Zahn. Fast jeder Mensch ist in seinem Leben einmal von Karies betroffen. (…)

Karies kommt zwar häufig vor, eine korrekt durchgeführte Zahnprophylaxe kann diese Erkrankung der Zähne aber effektiv verhindern. Dazu gehören eine sorgfältige Zahnpflege (regelmäßiges Zähneputzen und Mundspülungen), Fluoridierung der Zähne, regelmäßige Zahnarztbesuche und eine zahngesunde Ernährung.

http://www.onmeda.de/krankheiten/karies.html

Zahngesunde Ernährung:

Die Ernährung spielt für die Zahngesundheit eine entscheidende Rolle. Die Nahrungsauswahl beeinflusst sowohl Aufbau und Härte des Zahnschmelzes als auch die Entstehung beziehungsweise Vorbeugung von Karies. Nicht allein der Verzicht auf Süßigkeiten macht eine zahngesunde Ernährung aus. (…)

Die Konsistenz unserer Nahrung ist zunehmend weicher geworden, sodass eine mechanische Reinigung der Zähne durch feste Nahrungsbestandteile häufig eingeschränkt ist. Wer seinen Zähnen etwas Gutes tun möchte, greift auch mal zu Lebensmitteln, die ordentlich gekaut werden müssen – z.B. Brot oder rohes Gemüse. Das reinigt nicht nur die Zähne, sondern regt auch die Speichelproduktion an.

Zucker- und stärkehaltige Speisen bieten den Bakterien unserer Mundhöhle die Grundlage für die Säureproduktion, die wiederum Karies nach sich zieht.

http://www.onmeda.de/zahnmedizin/zahnpflege/zahngesunde_ernaehrung.html

Zahnarztbesuch:

Je früher Erkrankungen an Zähnen, Zahnfleisch und im Mundraum erkannt werden, desto schonender und schmerzarmer ist die Behandlung.

Voraussetzung dafür sind die halbjährlichen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Noch besser: Die Erkrankungen entstehen erst gar nicht. Auch dazu trägt der Zahnarzt bei.

http://www.gesundheit.de/wellness/gesunde-zaehne/zahnpflege/regelmaessiger-zahnarztbesuch-die-basis-fuer-lebenslange-zahn-und-mundgesundheit

Fluoridzufuhr:

Eine Kariesprophylaxe ist lebenslang, d. h. so lange eigene Zähne vorhanden sind, notwendig. Eine kontinuierliche Fluoridzufuhr spielt dabei die entscheidende Rolle. Mit der bei uns üblichen Ernährung nehmen Erwachsene durchschnittlich 0,4 - 0,6 mg Fluorid pro Tag zu sich. Für die Stoffwechselfunktionen im Körper ist diese vergleichsweise niedrige Zufuhrmenge ausreichend, nicht jedoch für einen optimalen Kariesschutz. Deshalb wird eine zusätzliche Fluoridzufuhr empfohlen, die z. B. über Speisesalz erfolgen kann. (…)

Ab Schulbeginn sollten Kinder ihre Zähne mit Erwachsenenzahnpaste putzen - sie enthält 0,10 bis 0,15 Prozent Fluorid.

http://www.kariesvorbeugung.de/html/karies_empfehlungen.htm

Kurzfilm:

Ein Kurzfilm (engl. short (film) oder short subject) definiert sich als Gegenstück zum Langfilm ausschließlich über seine Länge. Ein Kurzfilm kann also ebenso wie der programmfüllende Spielfilm sämtliche Filmgenres bedienen. (…)

Die Länge eines Kurzfilms beträgt in der Regel weniger als 30 Minuten. Allerdings sind die Grenzen hier nicht klar definiert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kurzfilm

3.2. Elementarisierung

Da das Themenfeld der Zahnhygiene sehr umfangreich ist und auch Inhalte umfasst, welche für die Schülerinnen und Schüler der Schule für Geistigbehinderte nur schwer fassbar und umsetzbar sind, möchte ich mich auf einige wesentliche Schwerpunkte beschränken. Hierbei nehme ich das Prinzip der Elementarisierung auf, das unsere Arbeit begleitet.

Elementarisierung „beschreibt einen Prozess der Annäherung zwischen dem Lernenden und dem Bildungsgegenstand.“ (…)

„Bei der Elementarisierung handelt es sich nicht um eine Vereinfachungsstrategie, sondern um praktische Überlegungen, basierend auf einer wechselseitigen Betrachtung von Inhalt und Person,…“

(Schüler mit geistiger Behinderung unterrichten, Terfloth/ Bauersfeld, Ernst Reinhardt Verlag München Basel, S. 86, Elementarisierung)

In erster Linie möchte ich die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, die Zähne zu pflegen und welche Auswirkungen eine mangelnde Zahnhygiene auf die Zähne haben kann. Dies umfasst folgende Schwerpunkte:

- Zahnpflege: Sinn und Ziele einer angemessenen Zahnpflege; Zahnputztechnik; Zahnpflegeprodukte
- Was schadet den Zähnen? Auswirkungen mangelnder Zahnpflege: Karies, Zahnverlust, Schmerzen
- Was schützt die Zähne? Was brauchen die Zähne, um gesund zu bleiben? Fluorid, zahngesunde Ernährung

3.3. Möglicher Bildungsinhalt

Das Unterrichtsvorhaben bietet eine Vielzahl an Lernmöglichkeiten:

- Verschiedene Zahnpflegeprodukte kennenlernen, unterscheiden und erwerben: Handzahnbürste, elektrische Zahnbürste, Zahnpasta, Zahnseide, Mundspülung,…
- Zahnputztechniken: KAI- Formel, von „rot nach weiß“ putzen
- Motorischen Ablauf des Zähneputzens üben
- Zahnputzablauf: Wann? Wie lang? Wie oft putzen? Eigenen Zahnputzplan erstellen
- Zahnarztbesuch: Beratung durch externen Zahnarzt
- Zahnerkrankungen: Karies, Zahnstein, Parodontitis,…
- Auf sein äußeres Erscheinungsbild achten: Zahnbelag, Mundgeruch
- Mitschülern bei der Zahnpflege helfen

3.4. Aneignungsmöglichkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.Schülervoraussetzungen

4.1. Schule

Die ALS- Schule ist eine öffentliche Schule für Geistigbehinderte. Schulträger ist der O. Gegründet wurde die Schule 1969 von der Lebenshilfe K. und ist nun seit 1973 in W.- H.

Drei Besonderheiten der ALS – Schule sind der Bogensport, an welchem auch die Jungen der Klasse begeistert teilnehmen, die Schulpferde, auf denen unsere Schülerinnen und Schüler reiten können (begleitet wird das Reiten von einer Reittherapeutin) und die Teilnahme an den Special Olympics.

Zweimal im Jahr kommt eine Zahnärztin in die Schule und kontrolliert die Zahngesundheit der Schülerinnen und Schüler.

4.2. Klassensituation

Die Hauptstufenklasse 1 besteht aus 7 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 10 und 13 Jahren. Davon sind 5 Jungen und 2 Mädchen. Die Klassensituation besteht nun seit 2 Schuljahren in dieser Form und die Schülerinnen und Schüler haben sich gut in der Klasse eingefunden. Die Klassendynamik ist weitestgehend als harmonisch zu bezeichnen. Die Schülerinnen und Schüler kennen die Klassenregeln und halten sie ein. Nur gelegentlich kommt es zu kleineren Reibereien unter den Jungen der Klasse. Dann handelt es sich manchmal um De., der die anderen Jungen durch kindliche Sticheleien oder dem Verstecken von Gegenständen zu ärgern versucht. Vor allem Ch. fühlt sich sehr schnell von ihm angegriffen, sucht dann jedoch meist Hilfe bei einem Erwachsenen, was die Situation wieder entschärft. L. und Da. dagegen „rächen“ sich an De., indem sie ihm zum Beispiel etwas wegnehmen.

In letzter Zeit kam es zudem hin und wieder zu Beleidigungen der Jungen gegenüber B., der häufig von der Gruppe ausgeschlossen wird. Die Lehrkräfte achten darauf derzeit verstärkt.

Gelegentlich kommt es zu aggressivem Verhalten von M. gegenüber den Lehrkräften. In einer Supervision wurden die weiteren pädagogischen Schritte auf Grund ihres Verhaltens besprochen. Vor allem in den Pausen und während des zweiten Unterrichtsblockes geht M. sehr ungestüm auf die erwachsenen Bezugspersonen zu, zieht an deren Kleidung, drückt sie mit ihrem Körper fort, spuckt oder drückt empfindliche Stellen wie zum Beispiel den Hals.

Als derzeitige Lösung werden M. Bewegungsmöglichkeiten oder – je nach Situation- Ruhephasen angeboten, so geht sie zum Beispiel mit der Praktikantin im zweiten Unterrichtsblock vorwiegend Spazieren oder Fahrrad fahren. Die körperliche Betätigung tut M. sehr gut und beruhigt sie meist wieder. Da mein Unterrichtsvorhaben im zweiten Block stattfinden wird, werde ich nach eigenem Ermessen entscheiden, ob M. an dem jeweiligen Tag teilnehmen kann oder ob sie nur an den praktischen Teilen des Unterrichtes teilnimmt.

Kreatives Spiel zeigen in erster Linie die Jungen in den Pausensituationen. Besonders gern spielen sie Fußball, Tischkicker, Basketball oder fahren Kettcar. Hier lassen sich hauptsächlich Ch. und De. beim Fußball spielen miteinander beobachten, aber auch L. und Da. spielen gemeinsam. Die Konstellationen variieren meist. Gerne bilden sie auch Teams und spielen gegeneinander. B. ist in der Pause auf das Fahren eines bestimmten Kettcars fixiert und teilt dieses mit unterschiedlichen Schülern.

D. liebt es, Roller zu fahren, hält sich jedoch auch bevorzugt bei einem Erwachsenen auf. In letzter Zeit hat ihre Fürsorge gegenüber M. zugenommen und sie möchte diese oftmals nicht allein lassen. M. versucht dann, für sie unangenehme Aufgaben, wie zum Beispiel ihr schmutziges Geschirr in die Küche bringen, auf D. zu übertragen.

Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich von der Klassenlehrerin Frau G. (Fachlehrerin). Im ersten Unterrichtsblock finden Lerngruppen statt, in welchen die Schülerinnen und Schüler der Hauptstufenklassen gemischt in homogenen Gruppen unterrichtet werden.

4.3. Schülerbeschreibungen

Hier möchte ich nun einen Gesamteindruck über die einzelnen Schülerinnen und Schüler in Bezug auf ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln.

4.3.1. M.

M. ist ein aufgewecktes, freundliches und kontaktfreudiges 12- jähriges Mädchen mit einer mentalen Retardierung (geistige Behinderung), einer Sprachentwicklungsstörung, einer motorischen Koordinationsstörung, sowie stereotyper Selbststimulation. Ihre Körpergröße entspricht ihrem Alter und sie ist übergewichtig.

Sie befindet sich nun im 7. Schulbesuchsjahr an der ALS- Schule.

Sozial- emotionaler Bereich:

M. ist eine aufgeweckte und sehr kontaktfreudige Schülerin. Sie wirkt meist fröhlich und freundlich. Auffallend ist ihre Distanzlosigkeit. Sie geht auf fremde Menschen ohne Scheu zu und umarmt Erwachsene überschwänglich. Dabei kann sie auch recht ungestüm sein.

Ihre emotionalen Schwankungen sind Tagesform abhängig. Sie zeigt sich fast immer anlehnungsbedürftig und freundlich. Es kann jedoch auch zu Momenten kommen, in denen sie aggressiv wird (spucken, kratzen, treten, beschimpfen). Leider kommt dieses Verhalten derzeit häufig vor.

Oft zeigt sie stereotypes Verhalten, indem sie zum Beispiel mit einem Schal oder einem Tuch vor ihrem Gesicht wedelt. M. ist sehr auf erwachsene Bezugspersonen fixiert.

Sprache/ Kommunikation:

M. ist sehr kommunikationsfreudig und verfügt über ein gutes Sprachverständnis. Sie spricht meist in 3- Wort- Sätzen. Ihre Ausdrucksfähigkeit ist im Alltag deutlich umfangreicher als bei gezielten Fragen.

Lern- und Leistungsverhalten:

M. folgt dem Unterricht aufgeschlossen und aufmerksam.

Sie beteiligt sich aktiv am Unterrichtsgeschehen.

Bekommt M. klar strukturierte Arbeitsanweisungen, kann sie diese allein durchführen. In Einzelfördersituationen außerhalb der Klasse kann sie sich besser konzentrieren und bei einer Sache bleiben. Ihre Vorlieben liegen bei praktischen Aufgaben wie zum Beispiel prickeln mit der Nadel, puzzeln, Bilderbücher betrachten oder Mandalas malen.

Möchte M. eine Aufgabe nicht erledigen oder fühlt sie sich von dieser überfordert, bleibt sie einfach sitzen oder behauptet, auf Toilette gehen zu müssen.

Kognition:

Mit einem klar strukturierten Ablauf der Stunde kann sich M. in der Kleingruppe bis zu 20 Minuten gut konzentrieren. Auf ihr unbekannte Lernangebote reagiert sie schnell mit Ablehnung und versucht, die Aufmerksamkeit der Lehrkraft für sich allein zu gewinnen.

M. liest fast alle Großbuchstaben sicher, unsicher wird sie nur bei den weniger gängigen Konsonanten. Sie erkennt sehr schnell und genau bereits gelernte und gelesen Ganzwörter und vor allem Namen.

M. ist fähig die Zahlen 1 bis 4 zu erkennen und zu benennen.

Nach mehrmaliger Wiederholung kann M. die entsprechenden Uhrzeiten der Tageszeit im Stundenplan zuordnen.

Motorik:

M. bewegt sich gern, muss aber dazu motiviert werden. Außer jedoch wenn sie unruhig und nervös ist, dann hat sie wenig Kontrolle über sich selbst und geht auf und ab.

M. ist Rechtshänder. Ihre Stifthaltung ist gut, sie schreibt nicht, kann aber Zahlen und Buchstaben großspurig nachfahren. Sie kann angemessen essen und trinken und schenkt sich zum Beispiel auch Getränke selbst ein. Reißverschlüsse und Knöpfe bekommt sie allein nicht zu.

Sie bastelt nur, wenn man sie dazu auffordert und schneidet, klebt und reißt Papier dabei gut.

Lebenspraktischer Bereich/ Selbstständigkeit/äußeres Erscheinungsbild:

M. wäscht sich selbstständig. Manchmal muss sie jedoch daran erinnert werden, zum Beispiel an das Händewaschen vor dem Mittagessen.

Zudem muss man bei M. auf Gründlichkeit achten und sie zusätzlich anleiten, da sie das Waschen schnell erledigen möchte. Ihre Zähne putzt sie auf Anweisungen, jedoch sehr schnell und zu kurz. Die Zahnpasta schluckt sie vorwiegend herunter. Möglicherweise bekommt sie zu Hause ihre Zähne von der Mutter geputzt. Auf ihr Äußeres achtet M. selbst nicht, allerdings bekommt sie hier viel Unterstützung von ihrer Mutter. Im Schulalltag kann es vorkommen, dass man M. daran erinnern muss, dass sie zum Beispiel die Hose oder den Pullover zurecht rücken soll, da sie selbst nicht darauf achtet.

M. ist sehr stark auf Gerüche in ihrer Umgebung und bei ihren Mitmenschen fixiert. Es fällt ihr sofort auf, ob Jemand frischen Atem hat, geraucht hat, ein neues Parfüm trägt oder die Haare frisch gewaschen hat.

Sie benutzt gern Hygieneprodukte, die sie von der Verpackung her ansprechen (zum Beispiel Haarspray von „Prinzessin Lillifee“) und gut riechen. Hier ist sie besonders leicht zu motivieren.

Außerdem isst M. sehr gern und viel. In der Schule isst sie angemessene Portionen, gern auch Obst und Gemüse.

4.3.2. D.

D. ist ein fröhliches und hilfsbereites 12- jähriges Mädchen. Es ist ihr 7. Schulbesuchsjahr. Bei ihr wurde eine geistige Retardierung vorgewiesen, sowie eine Gaumenspaltung, was ihre undeutliche Aussprache erklärt und sie ist motorisch eher ungeschickt.

Sozial- emotionaler Bereich:

D. ist eine sehr fröhliche und begeisterungsfähige Schülerin. Gegenüber ihren Mitschülern ist sie mitfühlend und hilfsbereit. Sie geht offen auf ihre Mitmenschen zu und sucht häufig Körperkontakt. Gegenüber Erwachsenen ist sie sehr anhänglich und sucht deren Kontakt. Nach wie vor spielt D. leidenschaftlich gern Rollenspiele. Bevorzugt imitiert sie Situationen aus dem Alltag, wie zum Beispiel Lehrer spielen, Tisch decken, kochen, Baby versorgen, einkaufen oder Arztspiele.

Sprache/Kommunikation:

D. ist ein sehr kommunikationsfreudiges Kind. Sie teilt sich gerne über die Sprache mit. Sie spricht spontan in kurzen und einfachen Sätzen und scheut sich auch nicht, vor der Gruppe zu sprechen. Leider versteht man sie nicht immer, da ihre Aussprache undeutlich ist und man muss genau hinhören, um zu verstehen, was sie sagen möchte. Begleitend und unterstützend werden Gebärden eingesetzt. D. versteht einfache, verbale Anweisungen.

Lern- und Leistungsverhalten:

Der Stundenplan ist für D. eine wichtige Orientierung im Schulalltag.

Sie braucht während des Schulalltags immer wieder ihre Auszeit in offenen Spielphasen, die sie gerne in Form von Rollenspielen nutzt oder indem sie puzzelt, malt oder Papier für Bastelarbeiten schneidet und klebt.

D. arbeitet noch recht langsam und lässt sich leicht ablenken.

Bei Problemen meldet sie sich und bittet um Hilfe. Regelmäßige Wiederholungen, sowie kleine überschaubare Lerneinheiten sind für sie sehr wichtig. Ihre Stärken liegen eindeutig im Praktischen und Konkreten.

Im Unterricht arbeitet D. motiviert mit. In Einzelfördersituationen kann sich D. besser konzentrieren.

Kognition:

D. Konzentrationsspanne ist recht kurz (bis zu 30 Minuten). Bei praktischen Tätigkeiten kann sie jedoch länger bei einer Aufgabe bleiben.

D. liest fast alle Großbuchstaben und wird nur bei weniger gängigen Konsonanten unsicher.

Sie erkennt sehr schnell und genau bereits gelernte und gelesene Worte und vor allem Namen.

Mit Hilfe von Stundenplanbildern, Wochentagen und Uhrzeitensymbolen erhält D. Orientierung. Die Zuordnung von vollen Uhrzeiten gelingt ihr mit leichter Unterstützung.

D. kennt alle Ziffern in der richtigen Reihenfolge, wie auch aufgelöst im Zahlenraum bis 12.

Motorik:

D. ist sehr bewegungsfreudig und ausdauernd bei Bewegungsangeboten, vor allem bei Kreisspielen.

D. malt und bastelt sehr gern. Beim Schneiden und Kleben braucht sie Unterstützung, da ihre Bewegungen ungeschickt sind. Sie ist Linkshänderin, ihre Handschrift ist krakelig und sie schreibt von rechts nach links.

Lebenspraktischer Bereich/ Selbstständigkeit/ äußeres Erscheinungsbild:

Beim An- und Ausziehen und Duschen im Schwimmunterricht benötigt D. noch Hilfe von einem Erwachsenen. Häufig muss auch zusätzlich auf ihre Körperhygiene geachtet werden.

D. putzt als Einzige morgens in der Schule ihre Zähne. Aus Zeitmangel ist ihr dies vor der Schule zu Hause nicht möglich. Hierfür benutzt sie eine elektrische Zahnbürste, da ihr die Bewegungen mit einer Handzahnbürste noch schwer fallen. Sie braucht Anweisungen beim Zähneputzen, ansonsten würde sie nur eine einzelne Stelle putzen. Dabei ist sie sehr ausdauernd beim Putzen und lässt sich Zeit.

Manchmal ist sie wund an den Lippen und muss eingecremt werden.

D. achtet selbst nicht auf ihr äußeres Erscheinungsbild und braucht diesbezüglich Unterstützung. Hin und wieder kommt es vor, dass sie mit schmutziger Kleidung in die Schule kommt.

D. isst sehr gern und viel. Oftmals verspürt sie kein Sättigungsgefühl und muss daran erinnert werden, dass sie genug gegessen hat.

4.3.3 Da.

Da. ist ein freundlicher und in der Schule sehr beliebter 12- jähriger Junge. Bei ihm wurde eine geistige Retardierung diagnostiziert. Seine körperliche Entwicklung ist seinem Alter entsprechend.

Seine Aufgabe als Klassensprecher nahm er im letzten Schuljahr sehr ernst. Es ist nun sein 6. Schulbesuchsjahr.

Sozial- emotionaler Bereich:

Da. geht auf alle Menschen offen, charmant und freundlich zu. Er beteiligt sich selten an Streitereien. Falls er einer Auseinandersetzung nicht ausweichen kann, sucht er sich Hilfe bei einem Erwachsenen. Er kennt die Klassenregeln und hält sie ein. Gewissenhaft und zuverlässig erledigt er kleinere Aufgaben, wie zum Beispiel Briefe zum Briefkasten bringen oder einkaufen gehen. Manchmal kann Da. jedoch auch vorlaut werden und versucht dabei, Grenzen auszutesten – diese sollte man ihm dann ganz klar aufzeigen.

Sprache/Kommunikation:

Da. hat einen guten, aktiven und differenzierten Wortschatz. Er kann in Mehrwortsätzen Erlebtes sinngemäß wiedergeben, dabei ist sein Redefluss fließend und seine Aussprache deutlich. Er kann seine Bedürfnisse adäquat mitteilen und gegebenenfalls auch verbal einfordern. Da. kann sich allein über die sprachliche Ebene Teile des Unterrichtsinhaltes aneignen und kann einen komplexen Handlungsauftrag nachvollziehen.

Lern- und Leistungsverhalten:

Da. beteiligt sich interessiert am Unterricht und bereichert diesen mit seinem Wissen und seinen Ideen. Durch seine Lernfreude kann er Andere motivieren und zur Mitarbeit ermuntern. Da. zeigt sich aufgeschlossen am Unterrichtsgeschehen und stellt von sich aus Fragen, die den Lernprozess der Klasse fördern. Er ist arbeitsfreudig und ausdauernd, außerdem arbeitet er sehr ordentlich und erledigt seine Aufgaben meist bis zum Ende.

Da. arbeitet bevorzugt in Partner- sowie in Einzelarbeit. Trotz seines selbstständigen Arbeitens besteht Da. gern auf die Anwesenheit eines Erwachsenen.

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Details

Seiten
84
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656427537
ISBN (Buch)
9783656437482
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214517
Note
1,5
Schlagworte
bitte schülerinnen schüler hauptstufe schule geistigbehinderte wissen zahnhygiene unterrichtsvorhaben

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Titel: Bitte lächeln! Schülerinnen und Schüler einer Hauptstufe der Schule für Geistigbehinderte erweitern ihr Wissen über Zahnhygiene