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Wie Glaube von Sören Kierkegaard definiert wird

Auf der Grundlage seines Werkes „Die Krankheit zum Tode“

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Haupttext: „Wie Glaube von Sören Kierkegaard definiert wird.“
1. Klärung grundlegender Begriffe
2. Grundlagen zum Glauben
3. Ausführung Kierkegaards Verständnis des Glaubens

III. Schlussbemerkung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Rahmen des Seminars Konturen theologischer Anthropologie soll in dieser Arbeit das Thema „Wie „Glaube“ von Sören Kierkegaard definiert wird“ behandelt werden. Ziel ist es dabei, eine verständliche Begriffserklärung herauszuarbeiten und auf der Grundlage seines Werkes „Die Krankheit zum Tode“ zu beleuchten. Besonders wichtig erscheint in diesem Rahmen, den Bezug zum Menschen herzustellen und sein Verhältnis zu Gott zu klären. Deshalb soll folgendermaßen vorgegangen werden: Zunächst muss geklärt werden, wie der Mensch von Sören Kierkegaard beschrieben wird, wobei der Begriff des Selbst zentral ist. Davon ausgehend kann erläutert werden, in welchem geistigen Zustand sich ein Mensch befinden kann, da hier mit der Verzweiflung ein weiteres fundamentales Thema Kierkegaards auftritt. Bevor nun ausführlich geschildert werden kann, was Glaube ist, muss darauf eingegangen werden, was uns überhaupt dazu befähigt zu glauben. Schließlich soll dann im Schlussteil ein Ausblick geboten werden, welche Bedeutung der herausgearbeitete Glaubensbegriff für den Menschen und das menschliche Selbstverständnis hat. Um den Rahmen einer Proseminararbeit nicht zu sprengen, kann hier kein Vergleich zu anderen Glaubensdefinitionen geboten werden, genauso wenig wie die ausführliche Erklärung und Verdeutlichung der Begriffe Sünde und Verzweiflung. An verschiedenen Stellen im vorliegenden Text wird synonym von Mensch und Selbst gesprochen. Dabei stellt der Mensch jenes Wesen dar, welches ein Selbst besitzt, also wie weiter unten ausgeführt wird, die Synthese der beiden Extreme reflektiert.

II. Wie Glaube von Sören Kierkegaard definiert wird

1. Klärung grundlegender Begriffe

Grundlegend für Kierkegaards Darstellung des Menschen und des Glaubensbegriffs ist die Frage, was den Mensch zum Menschen macht. Dafür ist es wichtig zu erläutern, was das Selbst ist. Der Mensch, laut Kierkegaard, ist zu allererst eine Synthese zweier Extreme, nämlich „aus Unendlichkeit und Endlichkeit, aus dem Zeitlichen und dem Ewigen, aus Freiheit und Notwendigkeit“[1]. Diese Synthese, also das Verhältnis zwischen zweien, macht den Menschen noch nicht zum Selbst. Erst dadurch, dass er sich dieser Synthese bewusst wird und es reflektiert, wird der Mensch zum Selbst. Es ergibt sich somit ein weiteres Verhältnis. Kierkegaard führt weiter an, dass das Selbst, also dieses zu sich selbst verhaltende Verhältnis, gesetzt sein muss. Dabei kann es sich selbst setzen oder von einem Anderen gesetzt sein.[2] Es bleibt noch zu klären, wer oder was diese das Selbst setzende Macht ist. Für den Christen stellt schließlich Gott diese Macht dar. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass laut Kierkegaard der Mensch durch ein dreifaches Verhältnis ein Selbst erhält und gesetzt wird. Erstens das Verhältnis zwischen den beiden Polen, also die Synthese, zweitens die Reflexion über diese Extreme und drittens das Verhältnis zu der Macht, die das Selbst setzt. Bevor allerdings das Verhältnis zu der setzenden Macht, also Gott, beleuchtet werden kann, muss der Begriff der Verzweiflung geklärt werden. Ein Zentrales Thema in Kierkegaards Werk „Die Krankheit zum Tode“ ist die genaue Darlegung der verschiedenen Formen von Verzweiflung und deren Überwindung. Diese Betrachtung ist so wichtig, da eine Verzweiflung eine „Krankheit im Geist“[3] darstellt. Es wird also deutlich, dass keine physische Krankheit gemeint ist, unter der man körperlich leidet. Dies wäre für den Christen keine Bedrohung, da selbst eine „tödliche Krankheit gleichbedeutend […] einer Krankheit zum Tode“[4] nicht zu fürchten ist, stellt doch christlich gesehen, der Tod nur den Übergang zum ewigen Leben dar. Die Verzweiflung meint aber gerade ein geistiges Leiden, welches jede Hoffnung auf Erlösung im Tod aufzehrt, sodass sie im schlimmsten Fall die Hoffnungslosigkeit darstellt nicht sterben zu können.[5] Von diesem Standpunkt aus müssen nun die verschiedenen Formen der Verzweiflung beleuchtet werden, um schließlich erläutern zu können, wie der Glaube dem Menschen hilft, eine solche Krankheit im Geist zu überwinden. Grundlegend wird dabei zwischen zwei Typen unterschieden, der uneigentlichen und der eigentlichen Verzweiflung. Die erste Art wird nicht weiter dargestellt, da sie, wie auch der Name schon andeutet, nicht weiß ein Selbst zu haben.[6] Die andere Art, die eigentliche, stellt hingegen einen großen Komplex mit mehreren Untergruppen dar. Hier steht zuerst das Fehlen von bewusster Reflexion über die beiden Pole der Synthese, also zum einen über die Extreme „Endlichkeit – Unendlichkeit“[7] und zum anderen über „Möglichkeit – Notwendigkeit“[8]. Es wird also nur einer der beiden wahrgenommen, während der andere fehlt und so zu einer Verzweiflung führt. Die nächste Stufe dieser Krankheit im Geist stellt eine Verzweiflung im Bewusstsein dar, denn durch das Modell des Selbst gilt: „je mehr Bewusstsein, um so intensiver die Verzweiflung“[9]. An erster Stelle befindet sich das Unbewusstsein, im Geist erkrankt zu sein und die Unwissenheit darüber, ein ewiges Selbst zu besitzen.[10] An zweiter Stellen findet man eine große Schwäche im Selbst, nämlich verzweifelt nicht man selbst sein wollen.[11] Doch die höchste Stufe der Verzweiflung stellt schließlich der Trotz dar, verzweifelt man selbst sein zu wollen.[12] Damit die verschieden Formen der Verzweiflung nicht unkommentiert stehen bleiben, soll im Folgenden ihre Bedeutung noch einmal hervorgehoben werden. Wie deutlich wurde, handelt es sich bei einer Verzweiflung genauso wie im allgemeinen Sprachgebrauch auch um eine Art Ausweglosigkeit, jedoch wird hier nicht eine triviale Alltagshandlung als Auslöser gemeint, sondern die Krankheit ist viel komplizierter, da abstrakte Aspekte, wie eben Unendlichkeit oder Notwendigkeit als Ursprung gelten. Gemeint ist also eine Verzweiflung über die Pole der Synthese und sogar, im Fall des verzweifelt man selbst sein wollen, eine Verzweiflung über das Ergebnis der Reflexion, also das, was den Menschen ausmacht. Diese Betrachtung ließe sich noch lange fortsetzen. Allerdings soll nun der Blick auf die Bedeutung der Verzweiflung für den Menschen gerichtet werden. Und zwar muss an dieser Stelle der Begriff der Sünde eingeführt und erklärt werden. Es ließen sich viele Definitionen anführen, so zum Beispiel die sokratische: „Sünde ist Unwissenheit.“[13] Allerdings fehlt dabei stets die Dimension der Verzweiflung des Selbst und so bringt Kierkegaard eine kurze Definition, die auch die bisherige Darlegung einschließt: „Sünde ist: vor Gott oder mit der Vorstellung von Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen oder verzweifelt man selbst sein wollen.“[14] Sünde ist also im Allgemeinen das bewusste Fehlverhalten und im Besonderen trotz der Vorstellung von der setzenden Macht, in eine Verzweiflung zu geraten. Es scheint nun sehr leicht zu sein, ein Sünder zu werden. Doch Kierkegaard verbleibt nicht an dieser Position, sondern liefert den Ausweg aus der Verzweiflung und somit aus der Sünde. Er bringt eine knappe Definition und stellt ganz klar, dass damit der Gegensatz zu Sünde gemeint ist: „Glaube ist: dass das Selbst, indem es es selbst ist und es selbst sein will, durchsichtig sich gründet in Gott.“[15] Wir sind also bei der Gesamtfragestellung angelangt und so soll im Folgenden geklärt werden, welche enorme Bedeutung der Glaube für uns Christen hat. Schließlich feiern wir als Christen das Leben und Sterben Jesu Christi, wodurch unser Dasein eine enorme Realität erhält, ist doch Gott in Christus Mensch geworden.[16]

[...]


[1] Kierkegaard, Søren: Die Krankheit zum Tode. Stuttgart: Reclam 1997, S. 13.

[2] Vgl. ebd. S. 13f.

[3] Ebd. S. 13.

[4] Ebd. S. 18.

[5] Vgl. ebd. S. 18f.

[6] Vgl. ebd. S. 13.

[7] Ebd. S. 13.

[8] Ebd. S. 13.

[9] Ebd. S. 47.

[10] Vgl. ebd. S. 47.

[11] Vgl. ebd. S. 56.

[12] Vgl. ebd. S. 77.

[13] Ebd. S. 99.

[14] Ebd. S. 92.

[15] Ebd. S. 93.

[16] Vgl. ebd. S. 130.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656429609
ISBN (Buch)
9783656432395
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214658
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Institut für systematische Theologie
Note
1,3
Schlagworte
glaube sören kierkegaard grundlage werkes krankheit tode

Autor

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