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Die Erläuterung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy und dessen Anwendung auf den israelisch-palästinensischen Konflikt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Raumkonzept von Alexander B. Murphy

3. Die Anwendung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy auf den israelisch- palästinensischen Konflikt

4. Kritik

5. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

In der von Alexander B. Murphy im Jahre 2004 verfassten Veröffentlichung „Territorial Ideology and Interstate Conflict“ aus dem Sammelband „Geography of War and Peace“ von Flint, Colin (Hrsg.) erklärt der Autor, dass gestützt auf ethnokulturelle, physisch-räumliche, politisch-territoriale oder strategische Argumente Regime territorialer Legitimation im modernen Staatensystem zwischen- und überstaatliche Konflikte framen. Einzugliedern ist Murphys Raumtheorie dabei in die geografische Konfliktforschung.

Die territoriale Logik des modernen Staatensystems dient als Wurzel aller territorialen Konflikte. Ein modernes Staatensystem geht einher mit der Konstruktion von Grenzen und deren Zusammenspiel mit der Idee der Legitimierung von Territorialansprüchen. Diese Territorialansprüche werden durch die Existenz der bestehenden staatlichen Legitimierung immer wieder geltend gemacht. Die Entwicklung bzw. Evolution des modernen Staatensystems ist mit zwei essentiellen Konzepten territorialer Bedeutung verbunden: Mit der Souveränität und dem Nationalstaat. Diese zwei Grundaspekte gelten als eine Gemeinsamkeit von allen (legitimierten) Staaten, trotz der vielen kulturellen, geschichtlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede. Werden diese von anderen Staaten (oder auch von Völkergruppen innerhalb eines Staates) nicht akzeptiert, kann es durchaus zum territorialen Konflikt kommen. Es werden verschiedene Typen historisch-geographischer Überlegungen bzw. Verständnisse von den Regimen als ideologische Argumente angeführt, um ihre territoriale Logik und damit auch ihre Nationalstaatenbildung bzw. dessen weitere Existenz argumentativ zu belegen: Das ethnokulturelle Heimatland als Einheit, die physisch-räumliche bzw. naturräumliche Einheit, die politisch-territoriale Einheit und das „strategische Ersatzargument“.

Durch Murphys Raumkonzept ist es möglich, zurückliegende aber auch aktuelle inner- und zwischenstaatliche Konflikte zu interpretieren und ihr Entstehen nachvollziehen zu können.

Am Beispiel des israelisch- palästinensischen Konfliktes wird deutlich, dass sich die betroffenen Länder und ihre Machthaber bzw. ethnokulturellen Gruppen auf die drei erstgenannten Argumente stützen.

Das ausgewählte Beispiel des arabisch-jüdischen Konfliktes zeigt auch offensichtlich das Fehlen eines Argumentes in Murphys geopolitischer Raumtheorie: Das Argument der sicheren Grenzen.

1. Einleitung

In dieser Seminararbeit wird die von Alexander B. Murphy im Jahre 2004 verfasste Veröffentlichung „Territorial Ideology and Interstate Conflict“ aus dem Sammelband „Geography of War and Peace“ von Flint, Colin (Hrsg.) und das darin vom Autor dargestellte Raumkonzept behandelt.

Murphys Raumtheorie dient der Friedens- und Konfliktforschung. Eingegliedert sind seine Untersuchungen in die politische Geographie bzw. in die geografische Konfliktforschung. Er definiert in der behandelten Veröffentlichung somit nicht explizit raumrelevante Begriffe. Bei Murphy sucht der Leser vergebens nach einer genauen Definition von „Raum“ oder „Territorium“. Dadurch erscheinen in Murphys Publikation auch keine Verweise, Vergleiche etc. auf andere, auch im von der Autorin besuchten Seminar bekanntgewordenen, Raumtheoretiker und lassen sich damit auch nur schlecht vergleichen.

Murphy ermöglicht seinen Lesern, das Konzept von Raum bzw. den Raumaspekt auch einmal von einer geopolitischen Betrachtungsweise her zu erkennen: Hier wird der Raum als Begründung für die in der Welt existierenden Konflikte zwischen und innerhalb von Staaten genutzt. Der Autor besitzt die Motivation, „Raum“ bzw. „Territorium“ im Zuge der Analyse von territorialen Konflikten als Erklärung zu nutzen. Somit ist Murphys Erklärungsansatz in die Gesellschaftstheorien, genauer in die Nationalismus-Theorie einzuordnen.

Nach einer ausführlichen Erläuterung der Raumtheorie von Murphy, wird diese an dem Beispiel des israelisch-palästinensischen Konfliktes verdeutlicht. Anschließend werden die möglichen Schwachstellen der besagten Theorie, auch teilweiße anhand des angeführten Beispiels, aufgezeigt. Die Bearbeitung des israelisch-palästinensischen Konfliktes möchte folgende Frage beantworten: Ist die Theorie von Murphy auf den besagten Konflikt anwendbar? In welchen Aspekten des Konfliktes sieht sich Murphys Raumkonzept als bestätigt? Lassen sich am ausgewählten Beispiel Schwachstellen von Murphys Theorie ausfindig machen?

Bei dieser Seminararbeit ist zu beachten, dass die aufgeführten Beispiele als bekannt vorausgesetzt werden und nicht explizit erklärt werden, da dies sicherlich den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

2. Das Raumkonzept von Alexander B. Murphy

Die zentrale Aussage von Alexander B. Murphy in seiner Veröffentlichung „Territorial Ideology and Interstate Conflict“ aus dem Jahre 2004 lässt sich wie folgt formulieren:

Gestützt auf ethnokulturelle, physisch-räumliche, politisch-territoriale oder strategische Argumente framen Regime territorialer Legitimation im modernen Staatensystem zwischen- und innerstaatliche Konflikte.

Murphy möchte seinem Leser zu verstehen geben, dass die weltweite politisch-geographische Ordnung des modernen Staatensystems, und wie die Menschen dieses verstehen, viele zwischen- aber auch innerstaatliche Konflikte auslöst bzw. fördert.

Zwischenstaatliche und innerstaatliche Konflikte prägen das Leben aller Menschen. Diese Prägung vollzieht sich täglich. Auch wenn all diese Konflikte (sie aufzuzählen erscheint wohl als unmöglich) unterschiedliche Charakteristika aufweisen, besitzen sie doch immer mindestens die eine Gemeinsamkeit: Die territoriale Logik des modernen Staatensystems dient als Wurzel all dieser Konflikte. Ein modernes Staatensystem geht einher mit der Konstruktion von Grenzen und deren Zusammenspiel mit der Idee der Legitimierung von Territorialansprüchen. Diese Territorialansprüche werden durch die Existenz der bestehenden staatlichen Legitimierung immer wieder geltend gemacht.

Murphy kritisiert, dass in bisherigen Untersuchungen zu oft auf den Staat als autonomer Akteur geschaut wird, und dabei über- oder auch „unterliegende“ Aspekte wie z.B. Zustände, Akteure oder auch Prozesse, die zu einem territorialen Konflikt führen können, übersehen werden. Räumliche Auseinandersetzungen innerhalb und besonders zwischen Staaten werden dadurch oftmals nur mit der Einteilung in Mikro- und Makroebene betrachtet. Als ein Beispiel für einen Konflikt auf der Mirkoebene, also rein zwischenstaatlich, kann der Mexikanisch-Amerikanische Krieg (1846-1848) aufgeführt werden. Die Kuba-Krise 1962, oder auch der deutsche Angriff auf Polen im Jahr 1939 gelten als Beispiele auf der Makroebene. Murphys Grundannahme ist aber, dass es Zustände, Akteure und auch Prozesse gibt, die zwar mehrere Staaten betreffen, aber trotzdem nicht gleich von globaler Natur sind: Daher sieht er die Einführung einer Mesoebene in der politischen Geographie als sinnvoll und erstrebenswert. Als Beispiel für einen Konflikt auf der Mesoebene gilt die staatenlose Nation Kurdistan.

Nachdem Murphy die Einführung einer Mesoebene empfiehlt, erklärt er, dass die Entwicklung bzw. Evolution des modernen Staatensystems mit zwei essentiellen Konzepten territorialer Bedeutung verbunden ist: Mit der Souveränität und dem Nationalstaat.

Souveränität wird durch juristisch klar abgegrenzte Gebiete, die voneinander autonom bzw. unabhängig (unbeeinträchtigt) sind, verkörpert. Es handelt sich um autonome, rechtlich abgrenzte Staaten. Ein Nationalsaat ist die räumliche Verknüpfung von juristisch abgegrenzten Gebieten (Staaten) und der Verteilung der Völker, welche jeweils in ihrem (Staats-)Gebiet eine homogene/gemeinsame kulturelle Vergangenheit bzw. Geschichte und zudem den Wunsch teilen, ihre eigenen Angelegenheiten selbst regeln zu wollen.

Diese zwei Grundaspekte, besonders der Nationalstaat, gelten als eine Gemeinsamkeit von allen (legitimierten) Staaten, trotz der vielen kulturellen, geschichtlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede. Unbesehen von Differenzen ist die Legitimation aller Staaten mit den normativen territorialen Ideen der beiden Konzepte verknüpft und wird von den (meisten) anderen Staaten anerkannt. Werden diese Grundaspekte von anderen Staaten (oder auch von Völkergruppen innerhalb eines Staates) nicht akzeptiert, kann es durchaus zum territorialen Konflikt kommen.

Generell ist aber zu beachten, dass ein moderner Staat immer als eine Einheit gedacht wird- unabhängig seiner inneren Vielfalt.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656431930
ISBN (Buch)
9783656437130
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215184
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Humangeographie
Note
2,7
Schlagworte
erläuterung raumtheorie alexander murphy anwendung konflikt
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Titel: Die Erläuterung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy und dessen Anwendung auf den israelisch-palästinensischen Konflikt