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Breiteben. Suche nach den historischen Wurzeln der Heimat

Eine Hof- und Familiengeschichte

Fachbuch 2013 104 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Breiteben in den ursprünglichen Zeugnissen vom 13. bis zum 16. Jahrhundert

II. Breiteben im 17. und 18. Jahrhundert
1. Steuerkataster des Gerichts Passeier 1694
2. Maria Theresianischer Kataster 1777
3. Wasserstreit und Übereinkunft der Breitebner Bauern 1786

III. Breiteben im 19. Jahrhundert
1. Die Familie Schweigl
2. Die Familie Hofer
3. Die Familie Kofler

IV. Breiteben im 20. Jahrhundert
1. Josef Hofer, Bauer 1928 - 1960
2. Das Gasthaus von Breiteben
3. Josef Hofer, Bauer 1960 - 2005
4. Bernhard Hofer, Bauer seit 2006

V. Anhang
1. Unterplatt
2. Ein Heiratsvertrag aus dem Jahre 1817

Quellen und Literatur

Dank und Veröffentlichungen des Autors

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Franzisko-Josephinische Landvermessung 1858

Einleitung

„Leben kann man nur vorwärts, begreifen aber kann man nur rückwärts"

Alter Spruch

Das Erinnerungsvermögen unserer Eltern und Groß­Eltern reicht noch weit in die Vergangenheit zurück. Die älteren Generationen haben die Erinnerung an das Leben und Wirken der Vorfahren im ,Huengert', im Erzählen der Geschehnisse und im Sprechen über die Alltagsgeschichten früherer Zeiten bei verschiedenen Gelegenheiten und Anlässen in Haus und Hof wach gehalten und der nächsten Generation weitergegeben. Heute, im digitalen Zeitalter, wo die alte Erzählkultur durch das Fernsehen vielfach verdrängt worden ist, geht es nun darum, das Familiengedächtnis gewissermaßen zu retten. Vielen Zeitgenossen kommt immer mehr zum Bewusstsein, wie wichti g die eigene Geschichte ist und welche Lebensbereicherung sie darstellt, gerade wenn die Erinnerung an den Wissensschatz der Eltern und Großeltern heranreicht oder sich sogar auf weiter zurück liegende Zeiten erstreckt.

Mit diesem Anliegen ist der Jungbauer des Breitebnerwirtsgutes an mich herangetreten und hat mich ersucht, die Hof- und Familiengeschichte von Breiteben zu erforschen und in einem kleinen Buch zu präsentieren. Nach Sichtung der Quellen in den Archiven von Bozen, Meran und St. Martin, habe ich diese Arbeit aufgenommen und die Ergebnisse in diesem kleinen Werk festgehalten.

I. Breiteben in den ursprünglichen Zeugnissen vom 13. bis zum 16. Jahrhundert

Die Siedlung Breiteben1 gehört mit Krumpeben (heute Sprenger), Klaubein, Wega und Gögele zur Frakt on Christi und liegt am westlichen Rand der Gemeinde St. Mart n, deren Grenze der Saldernerbach ist.

Seit gut 100 Jahren führt eine Straße von St. Leonhard über den Brugger Berg hinauf nach Breiteben und stellt so auch eine wichti ge Verkehrsverbindung zu Platt und Pfelders dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Breiteben um 1990

Foto: Ignaz Gruber

Der Bauer und Wirt zu Breiteben, Alois Kofler, hatte sich Anfang des 20. Jhs. erfolgreich für diese Verkehrsroute, die ursprünglich einen anderen Verlauf nehmen sollte, eingesetzt, sodass Breiteben mit dem gleichnamigen Gasthof von da an zu einem beliebten und allgemein geschätzten Ausflugsziel wurde.

Breiteben wurde sicherlich schon im Mittelalter besiedelt, doch die erste Dokumentati on darüber scheint erst am Beginn des Spätmittelalters auf, nämlich in „Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol" vom Jahre 1288. Dort steht: „Ein hof ze Preiteben: ze pfinchsten 6 pfunt, ze sand Marteins tult 9 pfunt, 1/3 sweins, 1 fteish."

Aus der Höhe der Abgaben kann man in etwa die Größe und die Wirtschaftskraft des Hofes ermessen. Im Vergleich dazu hatte Untermagfeld (der Hienerhof gehörte damals noch dazu) dem Grundherrn nur geringfügig höhere Abgaben zu leisten.

Nicht lange blieb Breiteben ein einziger, ungeteilter Hof, denn schon im darauffolgenden Jahrhundert erfolgte die erste Teilung.

Die sog. Notariatsimbreviaturen1 des 14. Jhs, die sich im Stadtarchiv von Meran befi nden, berichten von der Hofteilung in Breiteben.

Der Notar Martn von Sterzing vermerkt (zusammen­gefasst) am 12. November 1364: „Nikolaus, Sohn des verstorbenen Jäklin von Breiteben der Pfarre St. Martin, Passeier, bekennt, von Eberhard, dem Sohn

des verstorbenen Hartwig, Bruder des vorgenannten verstorbenen Jäklin von Breiteben, 13 Mark Berner erhalten zu haben, wofür er ihm und allen seinen Erben das Erbrecht und alles Recht auf eine Hälfte des Hofs genannt Breiteben der Pfarre St. Martin, mit den dazugehörenden Äckern, Feldern, Wiesen, Weiden, Wäldern, Wasser und Wasserleitungen usw. verkauft."

Diese im Hause des genannten Notars erfolgte Dokumentation des Verkaufs der Hälfte des Hofes zu Breiteben von Nikolaus an seinen Cousin Eberhard belegt die erste Hofteilung auf Breiteben.

Am Anfang des 14. Jhs. „1317 Hartwicus de Praiteben" und gegen Ende treten in weiteren Notariatsakten „Heinrich, genannt Breitebner", Meran, 13.11.1379 und „Friedrich von Breiteben", Meran, 28.05.1396 als Zeugen bei Verkäufen auf. Wahrscheinlich handelt es sich bei den letzteren zwei um Nachkommen der vorhin genannten Hofoesitzer von Breiteben.

Aus dem 16. Jh. wurde im Meraner Stadtarchiv auch ein interessantes und wichtiges Dokument gefunden und von Raimund Senoner transkribiert. Diese Urkunde beginnt mit folgenden Worten: „Ich, Gilg Hofer zu Praiteben Gerichts Passeyr hausend bekhenn hiemit..."

Gilg Hofer3 lebt und wirtschaftet auf Breiteben im Gericht Passeier und bekennt im Namen seiner Frau Dorothea, Tochter des Adam Mayerhofer und der Lucia Schälklin, und Adam Tanners am Mayrhof in St. Leonhard in Passeier, Vormund der Schälkhischen Erben Christian,

Hans, Michael und Magdalena von Bartholomäus Hueber von und zu Maur und Gratschberg einen halben Zehent, bestehend aus Weizen und Roggen und 21 Pfund Berner von verschiedenen Höfen und Gütern in St. Leonhard in Passeier zu freiem Afterlehen verliehen bekommen zu haben, wofür er jährlich sechs Gulden und zwölf Kreuzer zinst.4

Meran, 16. Juni 1594

Wie lange Gilg Hofer, der ab 11. Jänner 1594 Lehensmann des erzherzoglichen Kellenamtsverwalters von Meran war, auf einem der Höfe in Breiteben ansässig war, lässt sich (noch) nicht eruieren. Mit Sicherheit lässt sich aber aus dieser Quelle schließen, dass die Familie Hofer um die Jahrhundertwende 16./17. Jh. auf Breiteben ansässig war. Fast zur selben Zeit hat die Familie Frick einen der Höfe auf Breiteben erworben und im Gegensatz zur Familie Hofer diesen mehr als zwei Jahrhunderte lang besessen.

II. Breiteben im 17. und 18. Jahrhundert

1. Steuerkataster des Gerichts Passeier 1694

Der Kataster von 1694, den der Richter von St. Leonhard, Heinrich Haller, zum Zwecke einer den Gegebenheiten angepassten steuerlichen Erfassung aller Höfe in Passeier anlegen ließ, gibt uns Auskunft über die in diesem Jahrhundert erfolgten Teilungen der vorher bestehenden zwei Höfe in Breiteben, nennt die Namen der Besitzer und schätzt Steuern, Zins und Abgaben an den Grundherrn und die Kirche für den ganzen Hof, welche die genannten Besitzer zusammen zu entrichten haben. Auch die Anzahl der Gebäude am Hof werden genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Weiler Breiteben aus heutiger Sicht

Foto: Heinrich Hofer

Es folgt nun die Wiedergabe des transkribierten Dokuments, das - ohne Inhaltsverlust - geringfügig geändert und dem heuti gen Sprachgebrauch angepasst wurde.

Praitöben

„Breiteben Gut besitzen vorhin genannter Jakob Platter, Joseph Frick, Thomann Gufler, Klement Krußlburger, und Stefan Pfiueg; darzue gehören 3 Behausungen, 3 Städl, 3 Stallungen, ein Kasten, ein gemauertes Staingädele, 2 Pachöfen, Mühlrecht, Krautgärten und Gemeinrecht, auch eigene Waldung...

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1 2

Oben stehende Güter befinden sich in ziemlicher Gefahr.

Zinst der Pfandschaft Passeyr zuhanden des Propstes 5 ff. 54 kr.

Auf der Jaufenburg 5 Star Fueter und 20 Eier.

Vorigen 3. Zöchent Herren Benanten Zöchent Korn 6 Weizen ain und Fueter 1 Star, Mösen Korn ¼.

Steuert auf ain Termin 3 ff. 59 kr."

Breiteben hat demnach im 17. Jh. mehrere Hofteilungen erfahren, sodass am Ende des Jhs. fünf Besitzer aufscheinen. Nur zwei von diesen Besitzerfamilien treffen wir gegen Ende des 18. Jhs. im Maria Theresianischen Kataster noch an, nämlich Frick und Platter.

Es fällt auf, dass der Umfang der sog. groben, schlechten Wiesen gleich groß ist wie der der fruchtbaren, der sog. Melchwiesen und dass relativ wenig Ackergrund aufscheint, der noch dazu wenig Ertrag abwirft.

Letztlich soll noch auf einen im Dokument stehenden Satz aufmerksam gemacht werden, nämlich, dass die Güter auf diesem Hof „sich in ziemlicher Gefahr" befinden. Der Murenabgang vor knapp 100 Jahren auf Breiteben war sicherlich nicht der einzige, der große Schäden an den Gebäuden und den Fluren angerichtet hat. Dieses Thema wird weiter hinten genauer behandelt werden.

2. Maria Theresianischer Kataster 1777

Im M. Theresianischen Kataster werden nicht nur die Besitzer der Höfe, die Anzahl der Wohn- und Wirtschaftsgebäude, sondern auch detailliert Felder, Wiesen, Wälder und Bergmähder sowie Rechte und Gerechtigkeiten samt der genauen Wertschätzung des Hofes mit Steuer- und Abgabenhöhe angeführt.

Breiteben gehört zur Katastralgemeinde Christl und wird nur mehr von vier Bauern bewirtschaftet, deren Höfe mit einer Katasternummer versehen sind und dadurch ab jetzt genau identifiziert werden können.

Da alle vier Breitebner Höfe im darauffolgenden 19. Jh. mehrmals einen Besitzerwechsel aufweisen, werden die zum jeweiligen Hof gehörenden Güter samt Grenzen und Gerechtigkeiten, die bei der Hofübergabe vom Maria Theresianischen Kataster als Grundlage dienen, je einmal dort angeführt, wodurch unnötige Wiederholungen vermieden werden.

Hier, in diesem Abschnitt, wird von allen vier Höfen die erste Seite des Dokuments mit dem Namen des Hofoesitzers, der Katastralnummer des Hofes und dessen Schätzwert abgebildet und transkribiert.

Am Ende folgt noch ein Hinweis auf Besitzübergänge, sodass die mit der Gegend vertrauten Leser schon erfahren, um welchen Hof auf Breiteben es sich dabei handelt.

Der erste Hof trägt Kat. Nr. 185

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besitzer dieses Hofes ist Johann Frick

„Johann Frick besitzt von und aus der Baurecht und Gerechtigkeit des Guthes genannt Praitheben, der Pfarr- und Probstey St. Martin einen 4 ten Theil, mit bestehend nachhin ersichtlichen Realitäten zusammen täxierten maßen 1563 fl."

Dieser größte Hof auf Breiteben war über 200 Jahre lang im Besitz der Familie Frick und zwar vom Ende des 16. bis zum Anfang des 19. Jhs. Der letzte männliche Besitzer, Joseph Frick, blieb kinderlos und übertrug am 28. Februar 1822 den Hof an seine Schwester Magdalena Frick. Doch bereits im Jahre 1826 ging der Hof durch einen gerichtlichen Kauf auf Johann Schweigl über, in dessen Familie er dann blieb.

Johann Schweigl kam vom Weierhof in Pill, dessen Hofnamen er auch „mitnahm". Ab ca. Mitte des 19. Jhs. heißt dieser Hof in Breiteben auch Weierhof.

Der zweite Hof trägt Kat. Nr. 186

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besitzer dieses Hofes ist Joseph Platter

„Joseph Platter besitzt aus den Haab und Gueth zu Praitheben genannt, ebenfalls einen 4 ten Theil mit beyhabend folgenden Effetten zusammen geschäzter Maßen 916 fl."

Dieser Hof, damals der zweitgrößte auf Breiteben, ging von Brigitte Ött l 1801 an deren Tochter Gertraud Eggensteiner über; 1819 an Johann Schweigl und 1837 an Anna Schweigl, die sich mit Josef Hofer aus Brand verehelicht hatte. 1873 erbte deren Sohn Johann Hofer diesen Hof und 1881 erwarb ihn Alois Kofler.

Heute ist dieser Hof Teil des Breitebnerwirtsgutes und wird seit den 1920er Jahren von der Familie Hofer bewirtschaftet.

Der dritte Hof trägt Kat. Nr. 187

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Melchior Ennemoser residieret Uxoris Nomine Maria Krußlburgerin, von und aus der Haab und Gueth zu Praitheben genannt, einen 4 ten Theil und beyhabend folgende Effetten, dem Werth nach östimiert 350 fl"

Dieser weitaus kleinste Hof auf Breiteben, Pirpamer Hof genannt, hat sehr oft Besitzerfamilie gewechselt, weshalb hier nur die wichtigsten genannt werden.

Nach den vier vorhergehenden Besitzerfamilien hat ihn Josef Hofer im Jahr 1854 auf gerichtlichem Wege gekauft. 1873 vererbte er ihn seinem Sohn Johann Hofer. Dieser veräußerte ihn 1879 seinem Bruder Josef Hofer. (Einantwortungsprotokoll im Jahre 1885). Nach mehreren Besitzerwechseln ging der Hof 1932 an die Familie Schweigl, Weier in Breiteben, über.

Gnadenbild Muttergottes Der Schönen Liebe von Wessobrunn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am „Frasnellihaus" in Breiteben, das ursprünglich zum Pirpamerhof gehörte

Der vierte Hof trägt Kat. Nr. 188

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besitzer dieses Hofes ist Michael Klotz

„Michael Klotz besitzt von und aus der Haab und Guth zu Preiteben durchaus einen 4 ten Theil mit beyhabend folgende Effetten täxiert 897 fl 30 kr. "

Dieser vierte Hof auf Breiteben, ca. gleich groß wie der zweite, ging von der Familie Klotz auf Simon Pircher über, der ihn 1843 an Thomas Kofler verkaufte. Er blieb in dieser Familie über drei Generationen bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Nach kurzem Intermezzo wechselte er in den Besitz der Familie Hofer über, die ihn von 1923 bzw. von 1928 an bis heute besitzt.

Im heutigen Breitebnerwirtsgut sind also die im 18. und 19. Jh. getrennten eigenständigen Höfe zu einem Hof vereinigt und konsolidiert worden.

3. Wasserstreit und Übereinkunft der Bauern auf Breiteben 1786

Am 13. Oktober 1786 reichten die nachstehend angeführten Bauern von Breiteben und der unmittelbaren Nachbarschaft beim Gericht von St. Leonhard Passeier folgende Klage ein:

„Johann Frick, Martín Zorn, Anna Platterin, Joseph Heels Ehewürthin,... und Ehewürth Heel, alle zu Praiteben, dann Johann Platter beym Sprenger, Joseph Öttl zu Auserbruck, Simon Schweiggl dortselbst und Paul Strobl zu Hinterbruck.“ Die Klage war gegen Michael Klotz zu Breiteben gerichtet, der „jene Arbeit, welche Sie (die Bauern von Breiteben) an einichen Wasserkandeln, wodurch Sie das Wasser zu ihrer Mühle führen und sodann die Güter bewässeren, mittelst einiger Flecken Schwertlingen angebracht" und Klotz die­se dann „gänzlichen demolieret eigenmächtig zerschla­gen und zertrimeret habe“

Den Schaden, den Klotz dadurch angerichtet hat, begründen sie so: „Wenn nun die Zeit anhanden, daß Sie ihr Getreid, bevor der Winter heranreitet, auf die ganze Winterszeit hindurch abzumahlen gezwungen seyen, weilen bey erster einfallender Kälte das Wasser abgefrieren und zu Eyß werden muß, so daß Sie alsdann gezwungen weren, ihr Getreid anderwertg mit großen Unkosten bey einen andern Bauern ... abmahlen zu lassen, so haben Sie gebetten, dem Klotz anzuhalten, die abgerissene Arbeit wiederum herzustellen.“

Das Gericht hat darauffiin Michael Klotz vorladen lassen, um ihn gegebenenfalls zur Verantwortung ziehen zu können. Erst nach dem dritten Vorladungsbescheid ist derselbe endlich erschienen und hat sich dahingehend geäußert, dass er das Wasser „wie es vor alters geronnen und die erste als Fachkandl fasse, niemals abzuzapfen gedenke, aber wenn mehr Wasser eingekehrt wird, an seinen Gütern großer Schaden entstehen könne". Doch die Kläger „sind darauf beharret, daß sich das Klotzische Vorgeben nicht erwahre1 und die Zertrimerung der Arbeit von dem Klotz aus burer Boßheit geschehen seye und so sind endlichen die Partheyen gegen einander in einen sehr hitzigen Wortwechsel verfallen."

Um den Streit nicht eskalieren zu lassen, hat die Obrigkeit den Parteien einen Augenschein angeraten, bei dem jede Streitpartei aus den Gerichtsgeschworenen einen auserwählen könne. „Es haben demnach die Klagere (Kläger) dem Johann Pfändler beym Lockengeyrer und der Beklagte Klotz dem Johann Haller zu Langwies ausgewählet und sich verliebet auf heut dato in loco quaestionis dem Augenschein beizuwohnen."

Die 2 Gerichtsgeschworenen haben dann das folgende Protokoll dazu aufgesetzt:

Augenschein

„Sie haben zum Grunde vorausgesetzt, daß die Partheyen allschon von selbsten verstanden sein das Wasser beyzulassen oder genußen zu wollen, wie es bishero beygelassen und genossen worden, mithin waren die alten Kandeln besonders die erste oder sogenante Fach Kandl, welche ebenfalls eine alte Kandl ist, zur Richtschnur zu nehmen. Weiters ist aber ganz klar zu ersehen gewesen, daß die alten Kandeln wegen alter und besonders wegen Einhackung des Eises obenbey an den Ranft zerschalzeret7 und verkleinert worden, mithin daß die Klagere destwegen Schwertlinge8 angenagelt, damit sie genugsames Wasser zur Mühle gehaben möchten, derweilen ansonsten zwar gemahlen, aber iedoch nur sehr langsamen gemahlen werden konnte, für das erste.

2to Können Sie fürdermalen nicht ersehen, daß dem Klotz wegen diß Wasser an seinen Gut... Schaden beschehe, dieser Schaden könne nur alsdann erfolgen, wann sich das Wasser in Eyß verwandelt. Eben aber dortnfals müsse oder könne das Wasser zur Mühle nicht mehr gebrauchet werden. Jedoch aber bei einer einfallend starken Witterung könnte es geschehen, daß dieses Wassere zu einen Schaden verhilftich seyn könnte.

3tío Hat Klotz klagend angebracht, daß Frick und Zorn zur Mühle mehrere Weege gemacht haben, wo Sie doch bei einem verbleiben konnten, wodurch ihme an seiner Wiese Schaden beschehe. Dieses hat das Augenscheinsgericht also auch für wahr befunden.

4to Hat Klotz wieder den Johann Frick geklagt, daß er von den allgemeinen Brunnen ein Hauswasser zu seiner Behausung führe, welches Er auch nicht gedulden wolle. Der Augenschein hat es auch also befunden"

Dies war das Ergebnis des vorgenommenen unparteiischen Augenscheins.

Um einem unkalkulierbaren Rechtsstreit zwischen den Parteien vorzubeugen, hat man „die Partheyen zu einer gütigen Vergleichs Mittel anermahnet ... und da hero denenselben vortragen dieses

Project.

A. Solle die erste als Einfach Kandl 12: Zoll tief und 12: Zoll breit verfertiget werden, sonach die übrigen Kandeln zu bestehen haben, weilen diese Kandeln vor alters, daher noch unverletzt wären, in der nämlichen Größe bestanden zu haben erkennet werden. Weilen aber
B. Dermalen die gröste zeit verhanden sich auf den Winter fürzumahlen, bevor die Kälte einfallet und das Wasser abgefrieret, mithin dermalen neue Kandeln beyzuschaffen derzeit zu kurz ist, so solle der Klotz verbunden sein, gleich am nächsten Montag als 16ten dies die abgebrochenen Schwertling wieder auf eigenen Unkosten aufzunageln oder aber wäre diese Arbeit auf des Klotzen Unkosten durch denen Klageren oder wem anderen ungesäumet zu vollbringen, weilen ansonsten und durch längerer Verzögerung die Klagere beunruhigt wären ihr Getreid anderwertig mit Unkosten abmahlen zu lassen, auf den nächsten Frühe Jahr aber haben sich die Klagere nach obiger Art neue Kandeln zu schaffen. Bei solcher gestaltname Werde und könne dem Klotz an seinen gütern, bis das Wasser abfrieret und sich in Eiß verwandelt, kein Schaden beschehen.
C. Wenn aber das Eyß sich einstellet, So seye richtig, daß dem Klotz an seinen Güteren Schaden erfolgen könne. Von dahero dortzumalen das Wasser alsogleich von demjenigen abgeschlagen werden solle, welcher dortmals den Genuß desselbigen gehabt hatte, jedoch aber ist dieses nur dahin zu verstehen, wann das Wasser von Eyß wegen überzuschwellen und durch des Klotzens Güter hinzurinnen beginnen sollte. Wenn aber der Hausbrunnen abgefrieren sollte, so wäre allen obigen ohngeacht von diesen Wasser ein nothdurftiger Hausbrunnen herzubringen zu gedulden. Hinentgegen aber
D. Wann ein starke Witterung oder Regengüsse einfallen, wordurch dieses Mahlwasser dem Klotz ein Schaden zu gebähren verhilft (seyn kann), hat derjenige, welcher das Wasser oder zu mahlen oder zu wasseren genüsse, dortmals die genüssers obliegenheit solches alsobald den beyden sogenanten Pinßthal abzuschlagen oder aber die Erkentnus den Schaden zu ersetzen.
E. Was es aber den Weeg zur Mühle anbetrifft, hat sich das Augenscheinsgericht informiret gemacht, dass solcher, wie er de facto besteht, auch vor alters genossen worden. Und weilen eben ansonsten der Frick und der Zorn einen Umweg machen mussten, so hat der Klotz solchen annoch weiterhin zu gedulden.
F. Solle der Frick auch befugt verbleiben den 4ten Theil von den allgemeinen Brunnenwasser, so wie es bisher beschehen, sich zu einen Hausbrunnen zu seiner Behausung hinzuführen, iedoch aber hat er die Obliegenheit den allenfalls hier wegen erfolgenden Schaden zu wenden und vorzubeigen.
G. Endlichen Weilen der Klotz zu diesen Streit unfugsamen Anlass gegeben, wäre er in samentliche Unkosten verfallen"

Am Ende wurde dem Vorschlag der Obrigkeit zugestimmt, dass beim angestrebten Vergleich jeder Teil auf eigene Kosten eine Abschrift desselben bezahlen solle. Doch die Gerichtskosten sowie die Rechnung für die mehrmaligen Vorladungsbescheide in der Höhe von 6 fl. und 16 kr. solle Klotz alleine bestreiten.

Nach der Unterzeichnung des Vergleichs ermunterte das Gericht die vormaligen Streithähne dazu, dass sie fortan „zu guten Freunden gesprochen seyn, denen allseitig erünnert wird sich hinfür Nachbarlich und friedfertig zu betragen.

Dieses also wurde denen Partheyen am 14ten 8ber eröfnet und das anbringen gewärtiget. Hierüber ist man so glücklich gewesen nach obigen Vergleichs Vorschlag die Partheyen zu behandeln, welche sowohl Klagere als beklagter Theil obiges Project in voller Maase begnehmigkeit haben, nur allein solle dieser Vergleich denen alten Rechten, wenn dero etwo über kurz oder lang aufgedeckt ire reden därtten, niemalen schädlich seyn können, sondern daß solche allzeit in ihren besten Werth gehalten und angesehen werden sollen, und zugleich haben sie sich auf folgende Punkte noch weiters verglichen, nämlichen

H. Wenn die Prugger das Wasser nicht mehr gebrauchen, so solle dieses Wasser den Preitebneren und Sprenger miteinander gebühren. Diese hatten forderst solches zu mahlen zu gebrauchen, wenn sie aber nicht zu mahlen haben, so solle die halbe Woch dieses Wasser der Michael Klotz und die andere halbe Woche die übrigen Preitebner, also allzeit zur

Helfle zum wasseren der Güter genüssen können und genüssen dürfen beisetzende, daß sich auch die übrigen Preitebner mit dem Klotz auch nachbaurlich betragen sollen. Das ist, daß sie nichten Just zu jener Zeit allzeit mahlen sollen, wann der Klotz ihm das allda zu genüßen überlassene Wasser gebührete, sonsten sie sollen den bedacht nehmen, womit auch der Klotz von diesem Wasser den beforderlichen Nutzen schöpfen könnte

Beide Parteien haben gemeinsam verlangt, auch diesen Punkt für alle Zeit immer aufrecht zu halten.

Dabei verblieb man und erstattete das Handanloben sowie die Unterschriften der Anwesenden:

„Johann Frick, Martin Zorn, der Joseph Heel und obiger Johann Frick in Fuerpfändlicher Versprechung der Anna Platterin, Johann Platter, Johann Hauser in Vertrettung des Simon Schweiggl ttl hrn. richterlichen Amtsverwalter Franz Magnus Staffer.

Zeugen vorige 3 beysitzere und Josef Johann Holzknecht Schreiber.

Die Prugghofs Innhabere Josef Öttl und Paul Strobl haben ehenächstens zur Lobung beyzukommen oder allenfalls was wiedriges innerhalb 6 Wochen und3 Tag einzu wenden, andernfalls sie nicht mehr angehört werden.

Rest Stempel von beede Theil."

III. Breiteben im 19. Jahrhundert

Das 19. Jh. war für die Hof- und Familiengeschichte Breitebens eine auffallend ereignisreiche Zeit. Neben dem oftmaligen Hofoesitzer-Wechsel, den es auch schon vorher gegeben hatte, ist besonders der Kauf der zwei Klaubeinhöfe zu erwähnen, deren Gebäude, Güter und Gerechtigkeiten großteils zu den Breitebnerhöfen geschlagen worden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: I. Gruber 1992

Breiteben im 20. Jahrhundert

Aber auch im Familienbereich gab es große Veränderungen, denn zwei sehr lange auf Breiteben ansässige Familien mussten entweder ihren Hof übergeben oder sie starben aus.9

[...]


1 Ein gleichnamiger Hof (mansus in Praiteben 1249) wird in einer Urkunde im Gebiet von Tramin genannt; und einen solchen gibt es auch heute noch am Partschinser Sonnenberg.

2 Dies sind Kurzfassungen von Streitfällen, Vergleichen, Käufen usw., die von einigen Notaren im 14. Jh. stammen und noch erhalten sind. Raimund Se- noner und Markus Gamper haben sie übersetzt und transkribiert.

3 Die Familie Hofer hat sich also schon gegen Ende des 16. Jh. auf Breiteben zur gleichen Zeit wie auf Magfeld und in Platt niedergelassen.

4 Regest Raimund Senoner, Stadtarchiv Meran, Urkundenreihe, UUR1081

1 ff (f) = Gulden; 60 Kreuzer (Kr) = 1 ff; 1 Klafter (Klf) = 7m2; 1 Jauch = 1804 m2; 1 Tagmahd (Tgm) = 2886 m2.

2 An schaWger Nordseite liegend

1 Der Wahrheit entspreche

2 beschädigt

3 kleine Bretter

1 Die Familie Platter hauste über 100 Jahre auf Breiteben und die Familie

Details

Seiten
104
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656444305
ISBN (Buch)
9783656444404
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215286
Note
Schlagworte
breiteben suche wurzeln heimat eine hof- familiengeschichte

Autor

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Titel: Breiteben. Suche nach den historischen Wurzeln der Heimat