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Sportmotive. Eine Reflektion von Ansätzen aus der Sportpädagogik und Sportpsychologie

Bachelorarbeit 2011 53 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motive und Motivation
2.1 Definition Motiv
2.1.1 Ausrichtung von Motiven
2.2 Definition Motivation

3. Die pädagogischen Sinndimensionen von Sport (nach Dietrich Kurz)
3.1 Kurz' Definitionen der einzelnen Dimensionen
3.1.1 Leistung
3.1.2 Ausdruck
3.1.3 Eindruck
3.1.4 Gesundheit
3.1.5 Anschluss
3.1.6 Spannung
3.2 Zuordnung typischer Sportarten zu den Sinndimensionen
3.3 Kurz’ Sinndimensionen in den Schulsportlehrplänen
3.3.1 Die Unterrichtsprinzipien der Perspektivenvielfalt und der Handlungsfähigkeit

4. Motive von Sport nach Sigurd Baumann

5. Motive von Sport nach Hartmut Gabler

6. Reflektion aller drei Motivkomplexe
6.1 Kurz
6.2 Baumann
6.3 Gabler

7. Eigenes Konzept
7.1 Gesundheit
7.2 Leistung
7.3 Bewegungsfreude
7.4 Anschluss
7.5 Attraktivität
7.6 Anerkennung
7.7 Macht
7.8 Hilfeleistung
7.9 Lebensunterhalt

8. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Warum treiben sie Sport?

Auf diese Frage gibt es vermutlich so viele Antworten wie Antwortende. Trotzdem wird immer wieder versucht, die Motive aktiver Sportlerinnen/ Sportler in Gruppen zu kategorisieren. Je nachdem aus welcher Forschungsrichtung dieser Versuch erfolgt, werden andere Kriterien aufgestellt, an Hand derer die Motive kategorisiert werden sollen. Einen der bekanntesten Standpunkte in diesem Bereich vertritt Dietrich Kurz, der 1977 in Elemente des Schulsports seine sechs Sinnrichtungen Leistung, Ausdruck, Eindruck, Gesundheit, Anschluss und Spannung vorstellt.

Diese Sichtweise etabliert sich in der deutschen Didaktik (vgl. Bräutigam 2009, S. 99) und beeinflusst dort maßgeblich das Prinzip der Mehrperspektivität (vgl. Duncker 2005 b, S. 16) und das der Handlungsfähigkeit (vgl. Bräutigam 2009, S. 96). Es ist noch heute aktuell, da es in den Schulsportlehrplänen für weiterführende Schulen in 13 von 16 Bundesländern Anwendung findet (vgl. Stibbe 2004, S. 72 (f)). Trotz dieses weiten und langandauernden Wirkungsradius wurden Kurz' Sinndimensionen jedoch weitgehend unhinterfragt verwendet.

Deshalb sind sie aus Sicht der Sportsoziologie neu zu reflektieren, wobei die These dieser Arbeit lautet, dass sie keine ausreichend differenzierte Betrachtung von Sportmotiven bieten und pädagogisch gefiltert wurden, was durch den Vergleich mit den Motiven des Sport Treibens nach Sigurd Baumann und Hartmut Gabler und den Vorschlag eines eigenen Motivkomplexes gezeigt wird, bei deren Erstellung empirische Ergebnisse weiterer Autorinnen und Autoren zur Hilfe genommen werden.

Baumanns und Gablers Positionen wurden für den Vergleich mit Kurz’ Dimensionen gewählt, da der Frage nach den Sportmotiven dadurch von den drei sportwissenschaftlichen Teilfächern Sportdidaktik (Kurz), Sportpsychologie (Baumann) und Sportsoziologie (Gabler) aus begegnet wird.

Relevanter denn je ist die Fragestellung nach sportlichen Motiven, da sich in den letzten Jahren ein rasanter Anstieg der Differenzierung sportlichen Engagements vollzog und das körperliche Erscheinungsbild als Sportmotiv einen immer größeren Stellenwert einnimmt, obwohl unser Körper in unserer Lebensrealität immer funktionsloser wird (vgl. Dietrich 1990, S. 17). Dieses Paradoxon wird teilweise auch mit den Schlagwörtern Entsportlichung des Sports bei paralleler Versportlichung der Gesellschaft beschrieben .

Diese Versportlichung der Gesellschaft scheint sich jedoch nicht auf die gesamte Gesellschaft zu beziehen, sondern Teile von ihr unberührt zu lassen, da immer mehr Menschen unter sogenannten Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Adipositas leiden (vgl. Stoll 2010. S. 211), die durch unsere veränderten Lebensumstände, die weniger Bewegung nötig machen, begünstigt werden. Diesem Problem kann unter Anderem durch Sport als Ausgleich für den Bewegungsmangel begegnet werden, was jedoch nur funktioniert, wenn die betroffenen Personen dauerhaft zu einem Trainingsprogramm motiviert werden können. Um diese Motivation erfolgreich zu gestalten, ist es wiederum sinnvoll, zunächst die Motive aktiver Sportlerinnen/ Sportler zu verstehen. Da diese Arbeit sich mit ebendiesen Motiven befasst, ist dieser Umstand ein weiterer Hinweis für ihre Relevanz.

Die zunehmende Ausdifferenzierung des Sportangebots hat zur Folge, dass die Bedeutung von klassischen Sportvereinen stetig sinkt. So sind die Mitgliedszahlen rückläufig (vgl. ebd. S. 13 (f)) und kommerzielle Sportanbieter und informelle Sporträume gewinnen an Bedeutung (vgl. Hübner 2001, S. 87). Dabei erleben Kraftsport, Entspannungsformen, extremer Ausdauersport und Bewegungsformen aus anderen Kulturen den stärksten Zulauf (vgl. Dietrich 1990, S. 22).

Kurt Weis und Robert Gugutzer treffen ebenfalls die Aussage, dass Sport immer differenzierter wird und seine Bedeutung als Bestandteil der Alltagskultur stetig wächst. So schreibt Weis dem Sport zusätzlich Bedeutung in Politik, Medien und Ökonomie zu (vgl. Weis 2008, S. 7).

Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung von Sport lässt sich nicht vornehmen (vgl. Röthig 2003, S. 493) und der Versuch einer Definition erstreckt sich oft über mehrere Seiten (vgl. Heinemann 2007, S. 34- 39). Außerdem steht bei allen vorzustellenden Standpunkten dieser Arbeit die Athletin/ der Athlet mit ihrem/ seinem sportlichen Handeln im Mittelpunkt. Deshalb wird im Folgenden eine akteurabhängigen Definition des Sportbegriffs angewandt. Das heißt, eine Tätigkeit wird als Sport verstanden, wenn die ausübende Athletin/ der ausübende Athlet sie als solche wahrnimmt und bezeichnet.

2. Motive und Motivation

Zwei zentrale Begriffe dieser Arbeit, wenn nicht sogar ihre zentralsten, sind Motiv und Motivation. Um im späteren Verlauf mit ihnen agieren zu können, werden sie in diesem Kapitel definiert.

In sportpädagogischen Publikationen wird Kurz folgend an Stelle von Motiven häufig von Sinndimensionen oder Sinnrichtungen gesprochen, diese Bezeichnungen sind jedoch als deckungsgleich zu betrachten.

2.1 Definition Motiv

„Motive sind stabile Wertungsdispositionen gegenüber thematisch ähnlichen Situationen.“ Diese Dispositionen sind genetisch determiniert oder werden erlernt und sind überdauernde Merkmale einer Person. Sie bewirken, dass bestimmte Situationen als attraktiv oder unattraktiv angesehen werden (vgl. Alfermann 2004, S. 101- 103).

Da diese Wertungsdispositionen nicht direkt betrachtbar sind, sondern nur indirekt durch Beobachtung des von ihnen beeinflussten Verhaltens, das wiederum Rückschlüsse auf die dafür zu Grunde liegende Disposition erlaubt, handelt es sich bei Motiven um hypothetische Konstrukte.

Beispiele für Motive sind Leistung oder Anschluss. Von angeborenen Trieben wie Hunger oder Müdigkeit sind Motive abzugrenzen, weil sie unter Anderem auch Lernprozessen unterliegen (vgl. Gabler 2002, S. 14). Diese Lernprozesse basieren auf getätigten Erfahrungen, die ab einer gewissen Anzahl von Wiederholungen zu der Erkenntnis führen, welches Verhalten womit belohnt wird. Triebe unterliegen diesen Lernprozessen nicht, da sie für unser Überleben notwendig sind und es somit im Extremfall lebensgefährlich sein könnte, sich ihren Signalen zu widersetzen.

2.1.1 Ausrichtung von Motiven

Motive unterliegen einer Ausrichtung, die sich zwischen aufsuchend und meidend bewegt. So wirkt z.B. das Leistungsmotiv entweder als Streben nach Erfolg oder als Meiden von Misserfolg. Dieser Umstand mag zunächst als vernachlässigbar erscheinen, da am Ende das gleiche Ergebnis steht (hier das Leistungsmotiv), jedoch beeinflusst die Ausrichtung des Motivs die Wahl des Schweregrades von Aufgaben. So suchen sich misserfolgsorientierte Menschen eher Aufgaben mit einer zu niedrigen oder zu hohen Schwierigkeit in Bezug auf ihren Leistungsstand, weil diese sie in ihrer Haltung bestärken („Das kann ja jeder.“ oder „War ja klar, dass ich das nicht schaffe.“), wohingegen erfolgsorientierte Personen Aufgaben mit einer Schwierigkeit wählen, die innerhalb des oberen Bereichs ihres Könnens liegt. Die Auswirkung der Motivausrichtung ist in ihren Folgen also so ausschlaggebend, dass sich zeigt, dass sie doch nicht vernachlässigt werden sollte.

In Bezug auf das Anschlussmotiv verursacht die Ausrichtung eine Leistungsdivergenz in Abhängigkeit von der sozialen Beschaffenheit einer sportlichen Situation. So wird eine Athletin/ ein Athlet mit Angst vor Zurückweisung im Einzelwettkampf besser abschneiden, da sie/ er hier nicht mit negativen sozialen Folgen eines Misserfolgs innerhalb der Mannschaft rechnen muss, und eine Sportlerin/ ein Sportler auf der Suche nach Anerkennung im Mannschaftswettkampf, da sie/ er hier durch die Möglichkeit der Bewunderung der Mannschaft motiviert wird (vgl. Alfermann 2004, S. 104- 107).

Den Zusammenhang zwischen Motivausrichtung und Aufgabenwahl formulierte als Erster John Atkinson im Zusammenhang mit dem, von ihm entwickelten, Risikowahlmodell (s. Atkinson, John (1957). Motivational determinants of risk-taking behaviour. Psychological Review., Jg. 64, H. 6, 359–372).

2.2 Definition Motivation

Mit Motivation bzw. Motivierung ist ein aktueller Zustand oder Prozess gemeint, der in einer gegebenen Situation ein Motiv anregt, wodurch die Handlung der entsprechenden Person aktiviert oder intensiviert wird und ein Ziel erhält.

Motivation liegt dann vor, wenn jemand ausdauernd ein Ziel verfolgt, sich nicht von Widerständen aufhalten lässt und emotional beteiligt ist. Sie ist also eine Wechselwirkung von Motiven und situativen Anreizen.

Zudem wird sie in intrinsische und extrinsische unterschieden. Bei einer intrinsischen Motivation ist es die Ausübung einer Tätigkeit selbst, die befriedigt und Freude bereitet. Darum ist diese Art der der Motivation wirkungsvoller als die extrinsische. Liegt diese vor, „tragen [lediglich] die Folgen und Begleiterscheinungen einer Aktivität zur Zufriedenheit bei“ (Seitz 2010, S. 29).

Meist reicht diese motivationale Steuerung jedoch nicht aus und es eine zusätzliche volitionale nötig. Das ist dann der Fall, wenn in einer Situation mehrere Motive angeregt werden, die sich in ihrer Umsetzung gegenseitig widersprechen (vgl. Alfermann 2004, S. 104- 107), was, wie man sich leicht vorstellen kann, sehr häufig der Fall ist, da ja kaum jemand seinen Alltag komplett selbstbestimmt gestalten kann. Was dann abläuft, veranschaulicht das folgende Rubikonmodell der Handlungsphasen von Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer.

Mod. 1 Rubikonmodell[1] der Handlungsphasen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vereinfacht und mit einem beispielhaften Verlauf versehen nach Heckhausen 1987, S. 101- 120)

Da ab der zweiten Phase drei der angeregten Motive unterdrückt werden, bewegt diese sowie die dritte Phase sich innerhalb der volitionalen Steuerung, wohingegen die erste und vierte Phase den Bereich der motivationalen Steuerung widerspiegeln.

3. Die pädagogischen Sinndimensionen von Sport (nach Dietrich Kurz)

In Anlehnung an den englischen Sportpsychologen Kenyon definiert Kurz die sechs Sinndimensionen des Sporttreibens als Motive des Sporttreibens oder Erwartungen der Athletinnen/ Athleten an den Sport (vgl. Bräutigam 2009, S. 99; Kurz 1990, S. 101; Kurz 2004, S. 62).

Bei Kenyon lauten die Kategorien, die individuelle Sinnzuschreibungen für das Sporttreiben zusammenfassen:

- Gesundheit und Fitness fördern
- Kontakte zu anderen Menschen aufbauen und fördern
- Herausforderungen, um sich in Leistungssituationen zu erproben
- Medium ästhetischer Botschaften und Erfahrungen
- neue Bewegungserfahrungen erschließen
- Spannung und Reiz des ungewissen Ausgangs bieten (vgl. Horn 2009, S. 81 (f)).

Daraus entwickelte Kurz die Motive

- Gesundheit
- Anschluss
- Leistung
- Ausdruck
- Eindruck
- Spannung.

Dabei sei zu beachten, dass die Sinnrichtungen nicht trennscharf voneinander abgrenzbar seien, sondern sich teilweise überlappten und individuell für verschiedene Sportarten gelten könnten. Das heißt, dass es zwar sportliche Disziplinen gibt, die öfter einem bestimmten Motiv zugeordnet werden können, aber diese Zuordnung nicht zwangsläufig für jede Athletin/ jeden Athleten der gleichen Sportart gilt. So ist z.B. Fußball eine Sportart in der auf Grund des sportlichen Handelns innerhalb einer Mannschaft häufig das Anschlussmotiv bedeutend ist. Dies gilt jedoch nicht für alle, diesen Sport ausübenden Akteurinnen/ Akteure, sondern es sind ebenso solche anzutreffen, deren dominantestes Motiv beim Fußball z. B. die Leistung ist.

Außerdem sind meistens mindestens zwei Sinnrichtungen bestimmend für das sportliche Engagement, die sich entweder überlagern oder „im zeitlichen Verlauf in ihrer Dominanz abwechseln“ (Kurz 1990, S. 101). Eine Sportlerin/ ein Sportler, die/ der während ihrer/ seiner gesamten sportlichen Laufbahn nur auf Grund einer Sinnrichtung handelt, würde also eine Ausnahme darstellen.

Da sich Definitionen von Sport sonst häufig an äußeren Merkmalen wie Kleidung oder Ausrüstung orientierten, böten die sechs Dimensionen, die nach dem Sinn des sportlichen Handelns fragen, eine sinnvollere Annäherung an eine Definition (vgl. ebd., S. 63).

3.1 Kurz' Definitionen der einzelnen Dimensionen

Hier erfolgen Beschreibungen und Abgrenzungen der sechs Motive.

3.1.1 Leistung

Wenn diese Sinnrichtung die hauptsächliche Motivation einer Sportlerin/ eines Sportlers ist, so betreibt diese/ r ihre/ seine Sportart, um in Hinblick auf objektive Kriterien wie Zeit, Distanz oder Punkte etwas zu leisten und/ oder um sich noch zu verbessern.

So lässt sie sich mit folgenden Stichwörtern umreißen:

- Zeitminimierung
- Treffermaximierung
- Gestaltoptimierung
- Distanzmaximierung
- Lastmaximierung
- Positionserzwingung (vgl. Kurz 1990, S. 89).

Daher ist diese Sinndimension besonders häufig im Profisport anzutreffen.

Dominant ist sie auch bei sportlichen Aktivitäten, deren Bewertung mit Hilfe von unmittelbar messbaren Daten erfolgt, wie der Zeit beim 100m-Sprint oder der Weite beim Weitsprung.

Trotzdem darf sie bei der Betrachtung von Sportarten, in denen Leistung mittelbar erfolgt, wie der Kampfrichterbewertung in der rhythmischen Sportgymnastik nicht vernachlässigt werden.

3.1.2 Ausdruck

Die Sinnrichtung Ausdruck meint sportliche Handlungen, die darauf angelegt sind, als schön, sensationell, außergewöhnlich, beeindruckend oder ästhetisch zu erscheinen (vgl. Kurz 1990, S. 94).

In einigen Sportarten wie z. B. Eiskunstlauf fließen diese Kriterien in die Bewertung mit ein. Generell ist dieses Motiv relevant für jede Form von tänzerischer oder kreativer Bewegungsgestaltung wie beispielsweise beim Ballett oder Parcours .

3.1.3 Eindruck

Diese Sinnrichtung kann als Antithese zur Sinnrichtung der Leistung verstanden werden, da ihre geläufige Beschreibung herausstellt, dass der Vollzug einer Bewegung Eindrücke vermittelt (z. B. haptische oder optische) und Spaß macht und sich nicht an der Bewertung durch andere orientiert (vgl. Kurz 1990, S. 96).

Es handelt sich also um ein nach innen gerichtetes Motiv, das Bewegungen unter der Prämisse beurteilt, ob sie dem Ausübenden Freude bereiten, was diejenige/ derjenige nur für sich selbst beantworte kann, weshalb ausschließlich ihr/ sein individuelles Normensystem ausschlaggebend ist.

3.1.4 Gesundheit

Die Sinnrichtung Gesundheit kann auch durch Ausgleich, Kompensation, Fitness oder Wohlbefinden beschrieben werden. Eine Sportlerin/ ein Sportler betreibt eine Disziplin also, weil sie/ er sie für gesund hält.

Diese Wirkung kann die Athletin/ der Athlet in den meisten Fällen jedoch nicht kontrollieren (vgl. Kurz 1990, S. 97).

3.1.5 Anschluss

Wenn das Anschlussmotiv vorliegt, wird ein Sport primär betrieben, um dabei das Zusammensein mit den anderen Sportlerinnen/ Sportlern zu genießen (vgl. Kurz 1990, S. 99). Diese zu treffen wird also höher bewertet als die reine Ausübung der sportlichen Tätigkeit. Darum ist dieses Motiv besonders wichtig bei Untersuchungen zu Sportvereinen.

Sportarten bieten ihre kommunikativen Anlässe entweder während der sportlichen Handlungssituation (Bsp. Mannschaftsballsportarten) oder/ und in den Pausen zwischen diesen (Bsp. Individualsportarten).

Außerdem sind manche Sportdisziplinen besser für die gemeinsame Ausübung von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen (Alter, Geschlecht, Leistungsfähigkeit) geeignet als andere, bieten heterogenen Gruppen also eher Interaktionsmöglichkeiten (vgl. ebd., S. 100.

3.1.6 Spannung

Bei dieser Sinnrichtung ist die Suche nach Spannung, Abenteuer und Risiko das Motiv, eine bestimmte Disziplin auszuüben.

So wird innerhalb eines individuell kalkulierbaren Rahmens eine Adrenalin ausschüttende Tätigkeit betrieben (vgl. Kurz 1990., S. 100). Kalkulierbar werden die Rahmenbedingungen dadurch, dass die Athletin/ der Athlet selbst das Risiko wählt, das sie/ er bereit ist, einzugehen.

Einigen Sportarten wohnt Spannung inne, weil ihre Bewegungen derartige sensitive Eindrücke bieten (Gefühl des freien Falles/ der Geschwindigkeit o. Ä. in verschiedenen Disziplinen), andere weil der Situationsausgang ungewiss ist (alle Sportarten, bei denen zwei Athletinnen/ Athleten oder zwei Mannschaften gegeneinander antreten). Dieser ungewisse Situationsausgang rührt entweder von nicht gänzlich kalkulierbaren Bedingungen her oder von einer ähnlichen Leistungsfähigkeit der Beteiligten.

3.2 Zuordnung typischer Sportarten zu den Sinndimensionen

Die folgende Tabelle zeigt Sportarten die tendenziell typisch für eine bestimmte Sinnrichtung sind. Wie bereits in Kapitel 3. erwähnt, ist die Zuordnung einer Sportart zu einer Sinnrichtung nicht festgelegt, aber dennoch werden einige Sportarten häufiger auf Grund einer bestimmten Sinnrichtung ausgeführt als andere (vgl. Kurz 1990., S. 101). Dies soll die Tabelle veranschaulichen.

So gibt es selbstverständlich Sportler, die z.B. leistungsmotiviert und -orientiert Kegeln, häufiger jedoch wird diese Disziplin in erster Linie ausgeübt, um dabei Freunde zu treffen, mit denen man in den Spielunterbrechungen das gesellige Zusammensein zelebriert.

Tab. 1 Den Sinnrichtungen zugeordnete typische Sportarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Rubikon ist der Name eines Flusses, der 49 v. Chr. die natürliche Grenze zwischen Italien und einer römischen Provinz bildete. Er gab dem Modell seinen Namen, da Caesar sich mit der Durchquerung desselben endgültig für einen Bürgerkrieg entschied, so wie jede Entscheidung für eine Handlungsalternative in diesem Modell zwischen der 1. und der 2. Phase getroffen wird, womit sinnbildlich der Rubikon überquert wird.

Details

Seiten
53
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656451198
ISBN (Buch)
9783656451686
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215345
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Sportpädagogik Sportpsychologie Motivation Sportmotivation Sportmotive Sinndimensionen Dietrich Kurz Schulsportlehrpläne Sportunterricht Unterrichtsprinzipien Sigurd Baumann Hartmut Gabler Motiv Motive

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