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Die Bildungstheorie Humboldts und ihr aktueller Bezug

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wilhelm von Humboldt
2.1 Biografie
2.2 Lebenszeitlicher Hintergrund

3. Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt

4. Die Wissensgesellschaft

5. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft

6. Humboldts Bildungstheorie im Vergleich zu der „Bildung“ in der „Wissensgesellschaft“ nach Liessmann

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ausgangspunkt dieser Betrachtung stellt Wilhelm von Humboldt dar. Er gilt als der Vertreter der klassischen Bildungsidee und hat durch seine „Theorie der Bildung des Menschen“ den Bildungsbegriff der Aufklärung wesentlich geprägt. Für Humboldt stellt die freie und individuelle Selbstentfaltung und ein Ausreifen der inneren Kräfte das wesentliche Moment bei der Bildung dar (vgl. Spranger 2009, S. 55). Bildung ist auch in der heutigen Zeit ein brisantes Thema, da es die Ressource der Zukunft darstellt. Gleichzeitig gibt es allerdings auch große Probleme im Bildungssystem in Deutschland. Ausgelöst durch Pisa wurde schon eine Bildungskatastrophe ausgerufen und schnell versuchte man durch Reformen die Bildung wieder in die richtige Bahn zu lenken, was allerdings wiederum andere Schwierigkeiten hervorrief. So spiegelt beispielsweise der Bologna Prozess und mit ihm die umstrukturierten Studiengänge die große Verzweiflung wider. Durch diese Entwicklungen in der modernen Zeit bleibt auch Humboldt im Gespräch und manche sehen Humboldt als großes Vorbild, dem man folgen sollte und wieder andere sehen in seiner Theorie eine große Gefahr, der es entgegen zu wirken gilt. Der Bildungsbegriff zu diesen zwei unterschiedlichen Zeiten und die Differenz zwischen ihnen stellt das zentrale Thema dieses Beitrages dar. Die klassische Bildungsidee Humboldts wird mit einer aktuellen Theorie der Unbildung von Konrad Paul Liessmann verglichen. Dabei steht im Zentrum dieses Vergleichs der Mensch selbst, seine Individualität und seine Bildung und nicht zum Beispiel die Universitätsidee, die jedoch auch einen interessanten Ansatzpunkt bietet.

In einem ersten Schritt wird dem Leser Wilhelm von Humboldt näher gebracht. Dazu werden sein Leben und sein Schaffen in chronologischer Reihenfolge dargestellt und es wird auf die Hintergründe zu seiner Lebenszeit eingegangen. Anschließend wird die Bildungstheorie Humboldts erläutert, die hauptsächlich auf seiner Schrift „Theorie der Bildung des Menschen“ beruht und es wird näher auf die Bedeutung der Individualität eingegangen.

In einem weiteren Schritt wird dann der aktuelle Bezug zu Humboldt hergestellt und zuerst erläutert, was unter einer Wissensgesellschaft zu verstehen ist und wodurch sie sich auszeichnet. Danach wird diese sehr kritisch beleuchtet anhand der Theorie der Unbildung von Konrad Paul Liessmann. Er deckt Irrtümer der Wissensgesellschaft auf und äußert sich über aktuelle Entwicklungen im Bildungswesen. In einem anschließenden Vergleich der Bildungstheorie von Humboldt und der Theorie der Unbildung in der Zeit der Wissensgesellschaft werden Differenzen zwischen beiden aufgezeigt, die vermuten lassen, dass sich die Bildung in ihren Merkmalen stark verändert hat und dadurch auch die Individualität gefährdet wird. In einem Fazit werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und ein kurzer Ausblick gegeben.

2. Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt war einer der bedeutendsten Schul- und Bildungsreformer, obwohl sein Amt als preußischer Ministerialbeamter nicht sehr lange andauert. Er ist Mitbegründer der Universität Berlin und verfasste einige bedeutende Schriften über seine Bildungstheorie, seine Staatstheorie und seine Analyse über die Sprache (vgl. Konrad 2010, S. 7). In diesem Kapitel wird Humboldts Lebensverlauf und der lebenszeitliche Hintergrund vorgestellt.

2.1 Biografie

Wilhelm von Humboldt lebte von 1767 bis 1835. Er stammt aus einer adeligen Familie und verbringt seine Kindheit und Jugend auf dem brandenburgisch-preußischen Schloss Tegel, zusammen mit seinem Bruder Alexander, dem späteren berühmten Naturforscher und Geografen (vgl. Eirmter-Stolbrink 2005, S. 33). Auf diesem Familiensitz werden beide von Hauslehrern unterrichtet, die sie sehr stark prägen. Bereits mit zwei Jahren wird Humboldt von Joachim Heinrich Campe unterrichtet und erzogen. Im Jahr 1777 tritt Gottlob Johann Christian Kunth in sein Leben und unterrichtet ihn, unter Anderem in den Sprachen Deutsch, Latein und Französisch. Er ist es, der den größten Einfluss auf Humboldt in seiner Jugend hat und den Unterricht nach dem Tode des Vaters von Humboldt weitestgehend organisiert. Dadurch erhält Humboldt nicht nur Unterricht bei Kunth selbst, sondern auch bei anderen Lehrern. Dazu zählen beispielsweise der Theologe Löffler, der Humboldt Griechischunterricht erteilt, was Humboldt auch in seinem späteren Leben stark begeistert. Bei Engel erhält er Unterricht in Philosophie und deren Geschichte, bei Dohm in Nationalökonomie, was jedoch keine große Wirkung erzielt und Klein lehrt ihn in Naturrecht (vgl. Spranger 1960, S. 19ff). Durch Engel wird Humboldt in das Bildungsbürgertum eingeführt und erhält Kontakt zu den Berliner Salons, wie dem romantisierend-geselligen Kreis der Henriette Herz, welcher eine große Wirkung auf ihn hat (vgl. Eirmter-Stolbrink 2005, S. 33). Ein Salon ist ein Kreis einer intellektuellen Elite, in welchem sich höhere Beamte, Professoren, Literaten, Ärzte, Theologen, Kaufleute, Unternehmer usw. befinden können. Dort macht man sich auf wichtige Bücher aufmerksam, liest diese gemeinsam und diskutiert darüber. Besonders ist, dass sich oftmals Frauen in einer führenden Rolle innerhalb dieser Kreise befinden, wie bei dem der Henriette Herz (vgl. Konrad 2010, S. 12).

1787 schreibt sich Humboldt für ein Studium der Klassischen Philologie, Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaft an der Universität in Frankfurt/Oder ein und wird von seinem Bruder und Kunth begleitet. Er merkt jedoch sehr schnell, dass dieses Studium ihm nicht zusagt und wechselt an die Universität Göttingen, der Hochburg des modernen Geistes. Dort schätzt er das Studium sehr und lernt viele interessante Persönlichkeiten kennen. Durch seinen Dozent Heyne kommt er dort in Berührung mit dem Neuhumanismus und liest dort Kants Kritik der reinen Vernunft, welche er jedoch sehr kritisch betrachtet (vgl. Spranger 1960, S. 24). Dort lernt er auch den Umgang mit der klassischen Literatur und der Antike. Der Naturforscher Foster, zu dem Humboldt eine freundschaftliche Beziehung hat, beschäftigt sich mit der Anthropologie und sucht nach dem Allgemeinmenschlichen. Daraufhin beginnt Humboldt seine eigenen Gedanken über den Menschen zu entwickeln. Durch eine Reise nach Paris mit seinem früheren Hauslehrer Campe entdeckt Humboldt sein Interesse für Staatsrecht und Politik. Er beendet sein Studium mit den juristischen Examen und ist kurzzeitig als Referendar am Kammergericht in Berlin tätig. Aufgrund der Eheschließung mit der wohlhabenden Caroline von Dacheröden im Jahr 1791 ist Humboldt finanziell abgesichert und kann sich in Zurückgezogenheit auf seine Gedankenentwicklung bezüglich der Bildung des Menschen konzentrieren und verfasst bedeutende Schriften (vgl. Eirmter-Stolbrink S. 34f).

Im Jahre 1794 erfolgt der Umzug nach Jena, wo eine geistige Gemeinschaft zwischen Humboldt, Goethe, Körner, Fichte und Schlegel entstand. Diese befasst sich mit Themen der Dichtung, der ästhetischen Verständigung, des anatomischen Studiums und der Psychologie der Individualität, wobei Humboldt immer viel daran gelegen ist das Recht der Individualität zu begründen (vgl. Spranger 1960, S. 28). Durch seine anschließenden Aufenthalte in Spanien und Frankreich entwickelt er seine Gedanken zur Sprache, zum Nationalcharakter und zur Kultur, die wesentlichen Inhalte seiner Studien darstellen (vgl. Eirmter-Stolbrink 2005, S. 36).

Von 1802 bis 1808 ist er preußischer Ministerpräsident am päpstlichen Stuhl in Rom und reist anschließend ohne seine Frau zurück nach Berlin. Im Jahr 1809 wird er zum Geheimen Staatsrat und Direktor in der Abteilung für Kultus und Unterricht in Königsberg und Berlin ernannt und leitet dort eine Schulreform ein. Er veranlasst die Neugestaltung der Berliner Universität zusammen mit Fichte, Schleiermacher, Schelling und Steffens. Ein wichtiger Grundsatz bei dieser Umgestaltung stellt die Forschung in Einsamkeit und Freiheit dar (vgl. Eirmter-Stolbrink 2005, S. 37f). Nach 14 Monaten endet bereits seine Amtszeit und seine Schulreform scheitert. Dennoch vertritt er weiterhin seinen Standpunkt, dass Bildung sich nicht der Politik und dem Staat unterwerfen lassen darf. Humboldt versucht seine Staatsauffassung durchzusetzen und gerät aufgrund seiner Kritik bezüglich der Allmachtstellung des Staatskanzlers mit den Staatsmännern in Konflikt. Deshalb soll Humboldts Einfluss eingeschränkt werden (vgl. Spranger 1960, S. 36). Im Jahr 1819 wurde er zum Sonderminister für ständische Angelegenheiten und Verfassungsfragen ernannt. Doch er verliert auch dieses Amt, da er immer noch eine politische Neugestaltung anstrebt und immer wieder in Konflikt gerät. Daraufhin zieht er sich aus dem Staatsdienst zurück und konzentriert sich in seinen letzten Lebensjahren auf sein Inneres und betreibt intensive Sprachwissenschaft. Am 8. April stirbt er kurz nach dem Tode seiner Frau (vgl. Eirmter-Stolbrink 2005, S. 38ff).

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Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656432210
ISBN (Buch)
9783656435303
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215478
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
bildungstheorie humboldts bezug

Autor

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