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Philosophie der Erziehung. Metatheorie nach Wolfgang Brezinka

Eine Herausarbeitung anhand seiner Werke "Von der Pädagogik zur Erziehungswissenschaft" (1971) und "Aufklärung über Erziehungstheorien" (1989)

von Stefanie Möncke (Autor) Kristin Schrader (Autor)

Seminararbeit 2013 13 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist Philosophie?
2.1. Verschiedene Vorstellungen von Philosophie
2.2. Gegenstandsbereiche der Philosophie
2.2.1. Theorie
2.2.2. Ethik
2.2.3. Ästhetik
2.3. Begriff der Philosophie nach W. Brezinka
2.4. Philosophie und die empirische Erziehungswissenschaft

3. Philosophie der Erziehung
3.1. Moralphilosophie der Erziehung
3.2. Erkenntnistheorie pädagogischer Aussagen

4. Ausblick

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit wurde als Abschluss des Seminars „Von der Pädagogik zur Erziehungswissenschaft“ verfasst. Im Seminar behandelten wir die Hintergründe wann man von Pädagogik und Erziehungswissenschaft sprechen kann, indem wir sie voneinander abgrenzten. Wir lernten wissenschaftliche Begriffe kennen, klärten den Begriff des pädagogischen Handelns und gingen in zwei Sitzungen auf die theoretische Erziehungswissenschaft ein. In Referaten lernten wir wissenschaftliche Hypothesen kennen und behandelten die technologische Verwendung erziehungswissenschaftlicher Theorien.

Diese Arbeit leitet einen neuen Abschnitt innerhalb des Seminars ein, da man die Praktische Philosophie und Erziehungswissenschaft hinter sich lässt, um sich dem dritten und letzten Bestandteil der Metatheorie zu widmen – der Philosophie der Erziehung.

Der deutsch-österreichische Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka unterscheidet in seiner im Jahr 1971 erschienenen „Metatheorie der Erziehung“ drei Kategorien von Erziehungstheorien. Zum Einen benennt er die Praktische Pädagogik, ein Gebiet das sich hauptsächlich mit handlungsorientierten Erziehungstheorien und Anleitungen befasst und erziehungswissenschaftliches sowie philosophisches Wissen berücksichtigt. Zum Anderen bezeichnet er die Erziehungswissenschaft als eine realwissenschaftliche Disziplin, das heißt das Sachverhalte aus der erfahrungsmäßig erlangbaren Realität abzuleiten sind. Des weiteren charakterisiert der Autor die Philosophie der Erziehung. Diese soll in dieser Seminararbeit betrachtet werden. Die zwei Hauptbestandteile der Philosophie der Erziehung sind die Moralphilosophie und die Erkenntnistheorie, beide werden in dieser Arbeit nur einführend behandelt, da diese in weiteren Seminarsitzungen ausführlicher thematisiert worden sind und als eigene Seminararbeiten verfasst wurden.

2. Was ist Philosophie?

„Seit die Menschen anfingen, über ihre eigene Existenz, Leben und Tod, über die Entstehung und den Aufbau der Welt, über ihr Denken und Verhalten, über ihren Körper und Geist, über Sinn und Zweck des Daseins nachzudenken, haben sie begonnen zu philosophieren.“[1]

Dieser Satz beschreibt sehr treffend und zeitlos worum es sich handelt, wenn man von der Philosophie spricht. Der Begriff hat eine sehr lange Geschichte, die im Folgenden kurz erwähnt sei. Im antiken Griechenland verstand man unter der Bezeichnung das gesamte existente Wissen was derzeit bestand (vgl. Brezinka, 1971, S. 113). Cicero versuchte sich sehr früh an einer Definition und äußerte: „Die beste Philosophie ist alles zu bestreiten und nichts für das Richtige zu halten.“[2] Erst im 17. Jahrhundert wurde das weltliche Gesamtwissen, das Wissen was nicht-theologisch war, in sogenannte Spezialwissenschaften und in die Philosophie aufgeteilt. Bis zum 19. Jahrhundert handelte man psychologische und soziologische Probleme gleichermaßen unter dem Begriff der Philosophie. Erst ab dem Jahr 1850 wurde die Psychologie eine eigenständige Wissenschaft, die dann den Prozess zur Eigenständigkeit der Soziologie im Jahr 1895 auslöste.

Der Ausdruck selbst stammt aus der altgriechischen Sprache und setzt sich aus den beiden Wörtern philis (Zuneigung, Liebe, Streben) und sophia (Weisheit, Klugheit) zusammen. Er wird seit jeher vielerlei verstanden und lässt sich nicht allgemeingültig für jedermann erklären. Auch diese Seminararbeit hat nicht das Ziel eine gültige Definition hervorzubringen, sondern das Wesen und den Wortsinn in Bezug zu Wolfgang Brezinkas „Metatheorie der Erziehung“ zu setzen.

Brezinka selbst versteht unter Philosophie ein „mehr oder weniger umfassendes Gedankengebilde, das in sich folgerichtig aufgebaut ist und in dem Probleme zu lösen versucht werden, die in den Einzelwissenschaften nicht behandelt werden können.“ (vgl. Brezinka, 1971, S. 112). Im Kapitel 2.3. dieser Arbeit wird tiefgreifender darauf eingegangen.

2.1. Verschiedene Vorstellungen von Philosophie

Zum Einen bezeichnet Philosophie im alltäglichen Gebrauch eine gewisse Weltanschauung, die von einzelnen Personen, Gruppen oder Kulturen vertreten und geteilt wird. Darunter sind beispielsweise persönliche Ansichten, Auffassungen und Bewertungen zu verstehen, die wiederum auf individuelle Erkenntnisse und Erlebnisse zurückzuführen sind (vgl. Kolmer, S. 12). Das Wechselspiel dieser Gewissheiten ergibt die verschiedensten Wahrnehmungen der Gesellschaft durch Einzelpersonen. Weltanschauungen sind daher soziokulturell bestimmt und unter anderem geprägt durch religiöse Vorstellungen. Man bezeichnet sie auch als Ideologien. Eine Abgrenzung der beiden Begriffe geschieht durch ihre verschiedenen Anwendungen unter anderem in der Soziologie, Literatur und Philosophie (ebd., S. 13ff.)

Zum Anderen wird Philosophie als Wissenschaft verstanden, die versucht „[…] die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen.“[3] Sie behandelt demnach Themen, die in den Einzelwissenschaften nicht erklärt werden. Als Beispiel sei hier die klassische Fragestellung „Was ist gut und was ist böse?“ genannt. Einzelwissenschaften sind definiert als Wissenschaften, die sich ausschließlich einem bestimmten Themengebiet widmen, exemplarisch seien hier die Biologie, Physik und Mathematik genannt. Erstere beschäftigt sich laut Begriffsbestimmung mit allem was lebt, da es sich aus den Wörtern bios (Leben) und logos (Lehre) zusammensetzt, die ebenfalls der altgriechischen Sprache entstammen. Die Biologie gibt aber nicht an, was der Kern des Lebendigen ist oder wann lebende Organismen getötet werden dürfen. Diese moralischen Fragen der Wertorientierung werden versucht innerhalb der Philosophie zu klären und immer im zeitgemäßen Kontext betrachtet.

„Im Unterschied zu den jeweiligen Einzelwissenschaften beschäftigt sich die Philosophie nicht so sehr mit einzelnen Gegenstandsbereichen der Welt und ihren Beziehungen untereinander, sondern sie geht von allgemeineren Fragestellungen aus.“

[...]


[1] http://www.re-wi.de/PhilEinleitung.htm [28.02.2013]

[2] http://www.philosophyinquotes.com/philosophy2.html#Cicero:%20Zitate%20Philosophie [09.01.2013]

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie [10.02.2013]

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656440635
ISBN (Buch)
9783656442615
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215634
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
Philosophie Erziehung Wolfgang Brezinka Metatheorie

Autoren

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Titel: Philosophie der Erziehung. Metatheorie nach Wolfgang Brezinka