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Christan Hoffmann von Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“. Analyse der Struktur, Antithetik und Stilmittel

Hausarbeit 2012 12 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur und Begrifflichkeit

3. Die Schönheiten der Frau und der Griff des Todes
3.1 Die Antithetik im Gedicht
3.2 Die auffällige Zurückhaltung für die Schlusspointe

4. Das Herz aus Diamant als Schlusspointe

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der literaturwissenschaftlichen Arbeit ist das Interpretieren der zentrale Bereich und zugleich ihr problematischster. Die Ergebnisse sind konstitutionell vorläufig und daher stets revisionsbedürftig. Da es die für immer geltende Interpretation nicht gibt,

„müssen literarische Texte, sollen sie im kulturellen Gedächtnis, d.h. für das Selbstbild eine Gesellschaft erhalten bleiben, immer neu interpretiert werden.“[1]

Ich widme mich in dieser Arbeit dem Gedicht „ Vergänglichkeit der Schönheit “ von dem schlesischen Dichter Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, einer der bedeutendsten Barocklyriker der sogenannten „galanten Lyrik“[2]. Als Vorlage diente ihm das italienische Gedicht „Verrà la morte e con la man possente“ von Giuseppe Salomonis.[3] Wann das Gedicht genau entstanden ist, konnte bis jetzt noch nicht eruiert werden, der Erstdruck (1965) ist jedoch erst zwanzig Jahre nach dem Tode des Verfassers erschienen.[4]

Das Gedicht handelt von der Vergänglichkeit der Schönheit einer hartherzigen Frau. Für die damalige Zeit der Dichtung gewiss nichts Originelles, was es jedoch so besonders macht, ist die formale Eleganz mit der Hoffmannswaldau dieses Thema behandelt und darüber hinaus liegt es

„auch an der zwanglosen Virtuosität, mit der zwei Grundthemen der Dichtung Hoffmannswaldaus und seiner Zeit, Carpe diem und Memento mori, mit schon leicht parodistisch anmutender Metaphorik dargestellt und aufeinander bezogen werden.“[5]

Gegenstand dieser Hausarbeit soll sein, als erstes die Struktur und die Begrifflichkeiten zu erläutern. Anschließend zeige ich, wie Hoffmannswaldau die Antithetik und andere Stilmittel nutzt, um die spitzfindige Pointe zu isolieren, damit im abschließenden Kapitel eben dieser Höhepunkt ins richtige Licht gestellt werden kann.

2. Struktur und Begrifflichkeit

Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen / Der liebliche corall der lippen wird verbleichen; Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /

Der augen süsser blitz / die kräffte deiner hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen / Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen / Tilget endlich tag und jahr als ein gemeines band.

Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden / Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht.

Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen / Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen / Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Das Gedicht befolgt die Vorschriften nach Martin Opitz für ein Sonett („Klanggedicht“) genau. Es besteht aus vierzehn Versen, die sich in ein Oktett mit zweimal vier Versen und ein Sextett aus zweimal drei Versen gliedern lassen. Im Oktett benutzt Hoffmannswaldau den Blockreim (abba abba) und im Sextett den Schweifreim (ccd eed), hierbei wechseln die Reimgeschlechter (männlich und weiblich) einander ab. Auch beim Metrum bedient sich Hoffmannswaldau der gängigen Form, nämlich des Alexandriners, bestehend aus sechs Jamben mit Zäsur nach dem dritten Fuß. Schon hier, beim ersten lesen, wird deutlich, mit was für einer Eleganz er diesen sechshebigen Jambus schreibt, im Gegensatz zu manch anderen Zeitgenossen. So schreib Gryphius z.B.:

So greifft der Todt nach vns / so bald wir sind gebohren.

Hier sind die Hebungen und Senkungen klar zu erkennen, während bei Hoffmannswaldau eben diese leichter sind. Auch die Zäsur wird dadurch oft überspielt:

Der liebliche corall der lippen wird verbleichen.[6]

Aber bevor ich mich auf die galante Lyrik von Hoffmannswaldau beziehe, möchte ich zunächst noch einige Begrifflichkeiten klären, denn Interpretationsarbeit beginnt mit der Sicherheit des richtigen Wortverständnisses. Das „endlich“ im Vers 2 kann auch als „am Ende“ verstanden werden und „zeitlich“ in Vers 6 meint „mit der Zeit“. In Vers 5 ist „blitz“ mit „Blick“ gleichzusetzen und im darauffolgenden Vers, „vor“ an Stelle von „für“. Ebenso gebräuchlich sind im 17. Jahrhundert „itzund“ (Vers 7) für „jetzt“, „denn“ (Vers 11) für „dann“, sowie im gleichen Vers „gottheit“ für „Göttlichkeit“ und schließlich „dieweil“ (Vers 14) für „weil“.[7]

Unter Einsatz dieser Kenntnisse lässt sich das Gedicht nun wesentlich leichter paraphrasieren. Das Verspaar 5/6:

Der Augen süsser blitz/ die kräfte deiner hand

Für welchen solches fällt/ die werden zeitlich weichen.

bleibt mit dem heutigen Sprachverständnis jedoch schwer zu paraphrasieren. Während der Vers 5, mit „Blick“ für „blitz“, noch recht einfach ist, so ist der darauffolgende umso schwieriger. Hier bezieht sich „solches“ auf die vorherige Aufzählung: Brüste, Lippen, Schultern. „Für“ ist gleichbedeutend mit „vor“ oder „gegenüber“ und „fällt“ ist zu verstehen mit „dahinfällt“, „an Wert zurücksteht“. In der zweiten Hälfte des Verses, müssen wir „mit der Zeit“ für „zeitlich“ verstehen und „weichen“ mit „dahinschwinden“ übersetzen. So ergibt sich der in unserer Sprache prosaisch übertragene Sinn[8]:

„Deine schönen Augen und deine zarte und zugleich kräftige Hand, vor welchen alles bisher als schön bezeichnete an Schönheit zurücktritt, auch die werden mit der Zeit dahinschwinden.“[9]

Nachdem eventuelle Verständnisschwierigkeiten ausgeräumt sind, kann nun im folgenden Kapitel auf die Antithetik und die verwendeten Stilmittel eingegangen werden.

[...]


[1] Laufhütte, Hartmut: Mit der Grenze spielen. Zu Christan Hofmann von Hoffmannswaldaus Sonett Vergänglichkeit der Schönheit; In: Frank, Gustav/ Lukas, Wolfgang (Hrsg.): Norm-Grenze- Abweichung. Kultursemiotische Studien zu Literatur, Medien und Wirtschaft, Passau 2004, S. 31.

[2] Vgl. Szyrocki, Marian: Die deutsche Literatur des Barock. Eine Einführung, Stuttgart 1997, S. 200.

[3] Vgl. Noack, Lothar: Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, (1616 - 1679). Leben und Werk, Tübingen 1999, S. 226.

[4] Vgl. Laufhütte S. 32.

[5] Meid, Volker: Barocklyrik, Stuttgart 2008. S. 144.

[6] Vgl. Wagenknecht, Christian: Memento mori und Carpe diem. Zu Hoffmannswaldaus Sonett Vergänglichkeit der Schönheit, In: Meid, Volker (Hrsg.): Gedichte und Interpretationen, Band 1. Renaissance und Barock, Stuttgart 1982 S. 333f.

[7] Vgl. Beil-Schickler, Gudrun: Von Gryphius bis Hofmannswaldau. Untersuchungen zur Sprache der deutschen Literatur im Zeitalter des Barock, Tübingen 1995, S. 101.

[8] Vgl. Laufhütte S. 33f.

[9] Ebenda S. 34.

Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656442950
ISBN (Buch)
9783656443339
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215762
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,3
Schlagworte
Hoffmannswaldau Barock Gedichtinterpretation Vergänglichkeit der Schönheit

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Titel: Christan Hoffmann von Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“. Analyse der Struktur, Antithetik und Stilmittel