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Schizophrenie - Erkennen und Verstehen

Hausarbeit 2003 32 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Historische Entwicklung
1.2 Stigmatisierung

2. Symptome der Schizophrenien
2.1 Verschiedene Symptomgruppierungen
2.2 Ausführliche Darstellung der Symptome

3. Unterformen der Schizophrenien

4. Verlauf

5. Allgemeines zur Diagnostik

6. Ätiologie

7. Therapiemöglichkeiten
7.1 Psychopharmaka
7.2 Psychotherapie
7.3 Soziotherapie
7.4 Psychoedukation

8. Fazit

9. Literaturnachweis

Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis – Erkennen und Verstehen –

1 Einleitung

Das Wort Schizophrenie ist auch heute noch mit vielen Vorurteilen besetzt und kaum jemand weiß, was sich wirklich hinter dieser Krankheit verbirgt. Zum Praxisfeld der Sozialarbeit/Sozialpädagogik gehört auch die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen. Deshalb ist es so wichtig, mehr über diese Krankheit zu erfahren. Wie und wann lässt sich sagen, ob ein Mensch an Schizophrenie erkrankt ist und an welchen Symptomen die Krankheit zu erkennen ist? Das Hauptaugenmerk lege ich deshalb auf die Symptome, um überhaupt den Krankheitsinhalt zu verstehen.

1.1. Historische Entwicklung

In der Umgangssprache wird das Wort „schizophren“ benutzt, welches das „gespalten“ sein, zum Ausdruck bringt, wenn gleichzeitig zwei Dinge nebeneinander ablaufen, die nicht zusammen passen und sich widersprechen. Ableiten lässt sich der Begriff „Schizophrenie“ aus dem Griechischen. „Skhizo“ heißt spalten und „phren“ bedeutet „Verstand oder Gemüt“. Zusammenfassend bedeutet dies „Seelenspaltung“.1 Die Erkrankung hat eine lange historische Wandlung durchgemacht. In antiken Texten wurden keine soliden Belege gefunden, die die Schizophrenie beschreiben und auch in späteren Dokumenten etwa im 16. oder 17. Jahrhundert wurden keine deutlichen klinischen Beschreibungen gefunden. Die ersten angemessenen klinischen Beschreibungen, der uns heute bekannten Schizophrenie wurden unabhängig voneinander in Frankreich und England 1809 von John Haslam (Londoner Direktor des Bethlem Hospital) und von Philippe Pinel beschrieben. Beide irrten sich zwar noch in einigen Punkten, aber sie sprechen viele Symptome an, die später ausführlich dokumentiert wurden. Bis 1852 wurden viele Begriffe für die Erkrankung gefunden. Benedict Morel (Chefarzt einer französischen Anstalt) benannte ihn auf lateinisch „dementia praecox“.

Übersetzt heißt dies: „frühzeitiger Abbau der geistigen Fähigkeiten oder Verlust des Verstandes." Auch Emil Kraeplin (deutscher klinischer Psychiater) benutzte die Bezeichnung für die Erkrankung weiter.2 Kraeplin wollte ausdrücken, dass die Erkrankung einen ungünstigen Verlauf nimmt. Aus heutiger Sicht ist dies nicht richtig. Schizophrene Psychosen können günstig verlaufen; sie können ausheilen und bewirken keinen frühzeitigen Abbau oder Verlust des Verstandes, auch nicht den Abbau oder Verlust der Intelligenz.3

Nach Manfred Bleuler (1975) sind Schizophrenien Psychosen, die nicht in jedem Stadium zu finden sind, da im Schizophrenen immer auch das Gesunde erhalten bleibt. Das Gesunde ist zwar nicht in jedem Stadium nachweisbar, jedoch ist es nicht aufgelöst, sondern nur versteckt.4 1896 fasste Emil Kraeplin, die bis dahin unabhängig geltenden, Krankheiten als „Dementia praecox“ zusammen und klassifizierte die Krankheit später in verschiedene Unterformen (paranoid, hebephren, kataton, später kam die Dementia simplex hinzu), die auch heute noch Bestand haben in der Psychophatologie.

Der Schweizer Arzt und Forscher Eugen Bleuler führte 1911 den Begriff der Schizophrenie in die Psychiatrie ein, um den fälschlichen Eindruck der „Verblödung“, Ableitung der Dementia praecox, zu revidieren. Wegen der unterschiedlichen Verläufe und der Unterformen wählte Heinz Katsching 1989 in seiner Monographie die Überschrift „Gruppe der Schizophrenien“, allerdings konnte dadurch nicht verhindert werden, dass man bis heute zur Vereinfachung die Erkrankung „Schizophrenie“ nennt. Die Bezeichnung ist heute korrekterweise die „Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis“, verkürzt „schizophrene Psychosen“5 Als Nebenwirkung der Namenserfindung Bleulers, finden wir heute oft die fälschliche Meinung von Menschen, Schizophrene hätten eine gespaltene oder multiple Persönlichkeit. Die schizophrene Psychose macht verwirrt, schafft jedoch keine neue Person. Es wäre besser gewesen, einen völlig neuen neutralen Begriff zu erschaffen, um solchen Verwirrungen aus dem Wege zu gehen. So schlägt ein Historiker den Namen das Pinel/Haslam-Syndrom vor. Bis heute hat kein neutraler Begriff in die Psychiatrie Einzug gefunden, obwohl es sehr ratsam wäre.6

1.2. Stigmatisierung

Vielen Menschen ist das Wort Schizophrenie als psychische Störung bekannt, jedoch wissen sie wenig, gar nichts oder oberflächlich über die Krankheit Bescheid. Nicht selten kommt es vor, dass gar falsche Vorstellungen über psychische Krankheiten, in Folge dessen auch über die „Schizophrenie“ in der Bevölkerung bestehen und deshalb mit reichlich Vorurteilen besetzt sind.

Eine erste Studie wurde in Amerika 1955 durchgeführt (Star 1955). Die Öffentlichkeit wies demnach einen niedrigen Wissenstand über psychische Krankheiten auf und hatte insgesamt eine negative Einstellung gegenüber kranken Personen. Folgestudien in vielen Ländern bestätigten diese erste Studie. Auch Studien aus den neunziger Jahren z.B. von O`Grady oder von Borenstein zeigten, dass die Bevölkerung Vorurteile, falsche Vorstellungen von psychisch Kranken haben. In den meisten Umfragen wurden schizophren erkrankte Menschen als unberechenbar und gefährlich bezeichnet. In der wissenschaftlichen Literatur wird von der „Stigmatisierung“ der Krankheit Schizophrenie gesprochen, sowie im allgemeinen von der Stigmatisierung psychischer Krankheiten. Unter Stigma versteht man sozialpsychologisch, dass eine niedrige Position auf der Prestigeskala der Gesellschaft besteht. Durch eine hohe Position erfährt man Anerkennung, Zuwendung und soziale Unterstützung in der sozialen Umwelt. Wer über ein niedriges Prestige verfügt, z.b. durch die Stigmatisierung einer Krankheit, hat mit wenig Achtung, mit Ablehnung von Beziehungen und mit Verweigerung von Unterstützung zu tun. In der Medizin wird der Begriff „Stigma“ benutzt, um auszudrücken, dass bestimmte Krankheiten ein negatives soziales Stereotyp, ein Vorurteil auslösen, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wie soziale Isolierung oder Diskriminierung. Die Stigmatisierung von psychisch Kranken in unserer Gesellschaft ist immer noch vorhanden, wie Studien zeigten.(O`Grady, Borenstein). Ursachen für die Stigmatisierung kann man in den Medien sowie in der Gesetzgebung finden, die hier nur kurz angesprochen seien. So zeigten mehrere Medienanalysen in westlichen Ländern, dass schizophrene Menschen häufig als aggressiv, gefährlich und nicht selten als Mörder dargestellt werden.

Eine versteckte Diskriminierung konnte man lange Zeit in Versicherungsverträgen, in einem Leistungsausschluss oder –beschränkung finden. Eine gesetzliche Diskriminierung stellt auch immer noch in Deutschland die Unterbringung und Behandlung psychisch Kranker wider Willen wegen Selbst- oder Fremdgefährdung bei fehlender Einsichtsfähigkeit dar. Nach Heinz Häfner ist diese nur selten und kurzfristig bei vernünftiger Regelung nötig.

Die Folgen der Stigmatisierung der Krankheit Schizophrenie sind verheerend. Die Rückkehr in die Gesellschaft stellt sich als Barriere dar. Einige wenige der hier genannten Nachteile sind: „Schwierigkeiten eine Wohnung anzumieten, die Rückkehr in den Beruf, der Rückzug von Freunden oder Ehe- oder Lebenspartner.“ Durch die Stigmatisierung durch Gesetzgebung und Medien haben Verwandte, Partner, Arbeitgeber, Vermieter schlechthin unsere Gesellschaft Ängste.

Inzwischen haben mehrere Staaten, Gesetze gegen die Diskriminierung von Behinderten und Kranken erlassen, die Folgen der Stigmatisierung abbauen sollen. Folgen der Stigmatisierung sind in einigen Staaten also wenigstens gesetzlich ausgeräumt. Der Stigmatisierung in den Köpfen unserer Gesellschaft muss jedoch weiter durch Aufklärung entgegengewirkt werden.7

Die Medien spielen in unserer heutigen Zeit eine zentrale Rolle in der Wissensvermittlung. Ein Appell sei an die Medienbranche gegeben, sowie an unsere Gesellschaft, die die mediale Wissensvermittlung kritisch nach ihrer Seriösität hinterfragen sollte. So schleichen sich vor allem falsche Meinungen aus Spielfilmen in unsere Köpfe ein, sowie unseriöse Berichterstattungen, die sensationsheischend sind, um Einschaltquoten zu erreichen.

2 Symptome der Schizophrenien

„Die zusammenhängende Darstellung der Krankheitssymptome ist unumgänglich. Sie bereitet mir dennoch Unbehagen: [...]“ so schreibt Asmus Finzen8 Er ist der Meinung, eine umfassende Aufzählung könnte das Bild der Krankheit verfälschen, denn einige Symptome sind schwerwiegend, andere von weniger Bedeutung. Wichtig zu wissen ist, dass die Symptome „nie alle gemeinsam beim gleichen Kranken zur gleichen Zeit“9 vorkommen.

John K. Wing10 hat Anfang der Siebziger Jahre mit der englischen Angehörigenvereinigung „National Schizophrenia Fellowship“ einen Erklärungsversuch mit Schizophreniekranken und deren Angehörigen erstellt und beschrieben. Es wird von einem „Zentralen schizophrenen Syndrom“ gesprochen, die überall in der Welt anzutreffen sei. Das Zentrale Syndrom ist gekennzeichnet durch: „Erleben der Eingebung von Gedanken, der Gedankenübertragung und des Gedankenentzugs, durch Stimmen, die der Betreffende hört, die über ihn sprechen, die seine Handlungen und Gedanken begleiten.“ Wing beschreibt dies als eine Störung der inneren Sprache.11 Asmus Finzen beschreibt weiter, das die Erfahrungen für den Erkrankten Realität sind, die jedoch für den Mitmenschen als Wahn gesehen werden, von dem Betroffenen aber als „wirklich“ erlebt werden.12

2.1. Verschiedene Symptomgruppierungen

Positiv-und Negativsymptome:

Da Begriffe wie „positive oder negative Symptome“ in der Literatur häufig zu lesen sind, gehe ich kurz zum Verständnis und zur Begriffsklärung, jedoch nicht ins Detail, um der Verwirrung zu entgehen, darauf ein.

Geprägt wurde diese Unterscheidung von Hughes Jackson (1869) und wurde von Andreasen & Olsen 1982 in den USA wiederentdeckt. Als positive Symptome werden Verfolgungswahn und Sinnestäuschungen, akustische Halluzinationen (Stimmenhören) und Denkstörungen bezeichnet, die in einer psychotischen Episode auftreten.

Positive Symptome sog. produktive Symptome deshalb, weil dem gesunden Erleben etwas Neues hinzugefügt wird. Jedoch können diese Symptome auch bei gesunden Menschen auftreten, nicht nur in der Psychose. Die negativen Symptome werden dem gegenübergestellt, die im Vergleich zu gesunden Personen als Defizite im Verhalten und Erleben bezeichnet werden. Besonders bei chronisch Kranken tritt dies vermehrt auf, wie z.B. Verminderung von Bewegung, Mimik und Sprache, Antrieb, Initiative und Kreativität, Denken und Gefühlsintensität (affektive Verflachung). Die negativen Symptome treten häufig außerhalb der psychotischen Episode auf, also auch in der Prodromalphase. Häfner meint, dass sie auch in der psychotischen Episode verdeckt vorhanden sind.13

[...]


1 Vgl. Hell, D./ Gestefeld, M.: Schizophrenien. Berlin u.a. 1988, S.3

2 Vgl. Gottesmann, Irving. I.: Schizophrenie. 1993, S.6 ff

3 Vgl. Finzen, Asmus: Schizophrenie. Bonn 2001, S.21

4 Vgl. Ebenda, S.30

5 Vgl. Ebenda, S. 20 ff

6 Vgl. Gottesmann, Irving I.: Schizophrenie. o.O.1993, S.10

7 Vgl. Häfner, Heinz: Das Rätsel der Schizophrenie. München 2001, S.170 ff

8 Finzen, Asmus: Schizophrenie. Bonn 2001, S.40

9 Ebenda

10 J.K. Wing ist ein berühmter Londoner Sozialpsychiater

11 Vgl. Wing 1989 in Finzen, Asmus: Schizophrenie. Bonn 2001, S.25 f

12 Ebenda

13 Vgl. Häfner, Heinz: Das Rätsel der Schizophrenie. München 2001, S.28

Details

Seiten
32
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638252133
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21645
Institution / Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Wolfenbüttel – Sozialwesen
Note
1,3
Schlagworte
Schizophrenie Erkennen Verstehen

Autor

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Titel: Schizophrenie - Erkennen und Verstehen