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Populäre Musik im Zeitalter der Globalisierung

Seminararbeit 2002 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ausgangspunkt

2. Funktionen der Musik

3. Die Musikindustrie

4. Populäre Musik

5. Fallbeispiele
5.1 Indonesien
5.2 Japan

6. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema dieser Arbeit lautet "Populäre Musik im Zeitalter der Globalisierung". Es soll hier untersucht werden, welchen Platz populäre Musik in der Globalisierung einnimmt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Bevor die Betrachtung der Populärmusik beginnen kann, muss erst geklärt werden, was Musik in diesem Zusammenhang überhaupt ist und welche Funktionen sie hat, die Basis für den weiteren Verlauf muss deutlich werden. Danach komme ich zu der Annahme, dass die Musikindustrie einen enorm großen Einfluss auf die aktuelle Musik im Allgemeinen hat, jedoch keine Kontrolle über den Hörer ausüben kann. Diesen Einfluss kann die Industrie durch den gezielten Einsatz von Massenmedien, zusätzlich zu anderen Vermarktungsstrategien, stützen. Nach diesen Grundlagen kann der Fokus sich auf die Populärmusik richten. Eine Vielzahl von Definitionen zeigt, dass der Bereich Popmusik noch nicht eindeutig in all seinen Facetten eingeordnet werden kann. Hier soll es vordergründig um populäre Musik in der heutigen westlichen Welt gehen. Mit zwei Fallbeispielen möchte ich meine Behauptung stützen, dass es keine homogene Musikkultur mehr gibt, dass alle Kulturen eine internationale Musik praktizieren. Die Globalisierung hat neue Technologien und Massenmedien hervorgebracht, die große Entfernungen zwischen den Kulturen auf ein Minimum zusammenschrumpfen lassen. Davon bleibt kein Bereich innerhalb einer Kultur unberührt, auch die Musik nicht. Die Verbreitung geht rasend schnell vonstatten und beeinflusst sämtliche lokalen Traditionen. Darüber hinaus ist Musik auch Identitätsmarkierung. Besonders die Jugendlichen identifizieren sich ganz stark mit einer bestimmten Musik und definieren sich darüber. Dass das nicht nur in der westlichen Welt so ist, werden die Beispiele zeigen.

Meine Arbeit ist gestützt durch Sekundärliteratur, die meine Ausführungen bestätigen soll. In diese Literatur binde ich persönliche Erfahrungen oder aktuelle Beispiele ein. Meine allgemeine Vorgehensweise ist, dass ich zuerst einen Begriff definiere und eingrenze, ihn in den Kontext bringe und dann erst speziell einen Bezug herstelle zu konkreten Sachverhalten.

1. Ausgangspunkt

"Menschen kommunizieren mittels gestalteter Klänge mit ihresgleichen, mit Tieren, Pflanzen, Gottheiten (...). Musikalisch sich dergestalt zu verständigen, scheint universell zu sein. (...) Nicht universell sind jedoch Bedeutung und Sinn der sonischen Systeme." (Baumann 10. Mai 2000: Musik im funktionalen Kontext). Dass Menschen mit Musik eine Art Kommunikation betreiben, wird allgemein als universales Phänomen betrachtet. Jedoch ist man sich einig, dass die jeweilige Bedeutung und der Sinn der Musik immer kulturell bedingt und vermittelt ist. Wie auch Merriam feststellt, entscheidet jede Kultur selbst nach ihren Konzepten, was Musik ist und was nicht in diese Kategorie hineinfällt (Merriam 1964: 27). Diese Sicht ist die Grundlage folgender Arbeit, denn es soll ja Musik in der Globalisierung und nicht im Lokalen betrachtet werden. Voraussetzung ist, dass das westliche Konzept der Musik angenommen wird. Dabei wird Musik als ein umfassender Begriff angewendet, obwohl viele Kulturen keinen solchen pauschalen Begriff kennen und eher in Performanz und bestimmten Musiktypen Kategorien bilden (Baumann 1997: 974). Es ist aber keine Gesellschaft bekannt, die gänzlich ohne Musik - unabhängig von der Konzeptualisierung - auskommt, woraus resultiert, dass Musik "kein Luxusartikel, sondern lebensnotwendiger Gebrauchsgegenstand" ist (Rösing 1992: 329).

Als Thematik in der Musik findet sich alles, was die Menschen allgemein beschäftigt. Im Gegensatz zur Alltagssprache jedoch herrscht ein gewisser Grad an Freiheit, denn vor allem sexuelle Anspielungen, persönliche Gedanken und politische Äußerungen können normalerweise nicht so frei artikuliert werden, das Lied hingegen hat sozusagen die Lizenz dazu (Merriam 1964: 192). Weil jede Musikkultur dynamisch ist, sich je nach menschlichem Anspruch verändert und nicht statisch in der Kultur eingebettet ist (Titon 1996: 13), ändert sich die Thematik und der Gebrauch der Musik in Abhängigkeit zu den menschlichen Bedürfnissen.

Heute stellt Musik keinen Ausnahmezustand mehr dar, durch die neuen Technologien ist sie nämlich speicherbar und auf Knopfdruck abrufbar (Rösing 1992: 311). Es ist nicht mehr nötig, dass der Musiker unmittelbar anwesend sein muss, um vor dem Publikum zu musizieren. Musik beinhaltet auch mehr als nur den musikalischen Gehalt, heute findet Musik in Massenmedien wie Radio, Fernsehen oder auch den Printmedien und im Internet statt; wer sich zu einer bestimmten Musikrichtung bekennt, bezieht damit Stellung zu einem bestimmten Lebensstil und kleidet sich vielleicht auch den Stereotypen entsprechend. Musik ist eingebettet in Medien, Mode und Musik, sie ist ein multimediales, strategisch geplantes, hochtechnisiertes Ereignis geworden (Hettlage 1992: 350). Das heißt also auch, dass Musik als Identifikationsmerkmal betrachtet werden kann, denn "Du bist, was du singst", ein Sinnspruch nach Karl Stockhausen, der deutlich macht, dass Musik als Markierung einer sozialen Gruppe dienen kann (Baumann 1997: 976).

Weiterhin ist eine wichtige Voraussetzung zum Verständnis, dass heute keine Kultur mehr musikalisch homogen sein kann. Die Mobilität und die Massenmedien bewirken, dass man jeder Kultur eine "bimusicality" oder sogar eine "multimusicality" (Nettl 2000: 465) zugrundelegt.

2. Funktionen der Musik

Nachdem die Grundlage dieser Arbeit geklärt ist, soll im Folgenden deutlich gemacht werden, welche Funktionen die Musik als universales Phänomen haben kann.

Es gibt mehrere Versuche, die Funktionen in Kategorien zusammenzufassen und zu ordnen. Zuerst steht überall fest, dass Musik eine Art Kommunikation mit dem Übersinnlichen ist (Baumann 1997: 975). Die religiöse Komponente wird nirgends übersehen, weder bei Baumann, der die Funktion für Rituale betont (Baumann 1997: 974), noch bei Herskovits, der die Funktion für "Man and the Universe" wahrnimmt (Merriam 1964: 217), oder bei Weber, der unter anderem eine Kategorie der traditionellen Funktion gebildet hat (Rösing 1992: 314). Doch sind Durchgangsriten nicht die einzige Gelegenheit, zu denen musiziert wird oder wurde. Musik kann auch recht rational als Koordinator für Arbeitsprozesse eingesetzt werden (Baumann 1997: 974), für erzieherische Zwecke oder politische, z.B. bei einem Staatsakt als Statussymbol (Rösing 1992: 315). Einleuchtend ist auch die Gruppendynamik, die Musik auslösen kann. So wird man kein Fußballspiel erleben, wo keine auf den eigenen Verein bezogene Lieder gesungen werden oder wird man vergeblich einen Staat ohne Nationalhymne suchen.

Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass Musik heute einen anderen Stellenwert hat als noch vor einem Jahrhundert. Sie ist in den Bereich des alltäglichen Lebens gerückt und hat deswegen auch neue Funktionen erlangt. Aktives Musikmachen oder -hören wird immer öfter zur Selbstverwirklichung genutzt (Rösing 1992: 316), genauso sind Abreaktion der Gefühle, Stressbewältigung oder einfach Unterhaltung oft genannte Funktionsbereiche (Rösing 1992: 316). Musik ist nicht mehr so stark kontextabhängig durch die Verbreitung des Radios etc. und immer mehr werden Funktionen aus dem individuell-psychischen Bereich dominierend (Rösing 1992: 316). Außerdem muss betont werden, dass Musik zur Identifikation dienen kann, oder sich bestimmte Identitäten über eine bestimmte Musik definieren, wie etwa Klassikliebhaber oder Hard-Rocker. Musik, besonders in Verbindung mit Tanz, kann also auch die ethnische Identität markieren, man denke nur an bestimmte Bewegungsabläufe wie den orientalischen Bauchtanz. Und nicht zu vergessen ist die schon angesprochene Funktion des Widerstands, die Lizenz, musikalisch ein Tabu zu berühren und kritisch zu sein (Baumann 1997: 981).

In der heutigen Zeit rücken individuelle Funktionen stark in den Vordergrund, Musik wird oft als "Therapeutikum" genutzt (Rösing 1992: 323). Das Individuum möchte sich selbst verwirklichen und drückt durch das Hören oder sogar aktive Musizieren eines bestimmten musikalischen Genres einen Lebensstil aus, der natürlich in der Sozialisation gesellschaftlich bedingt und vermittelt ist. Genau das ist der Punkt, an dem Musiker und Musikproduzenten ansetzen, um in ihrem Beruf erfolgreich zu sein und um möglichst viel von ihrem gesamten Wissen zu profitieren.

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Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638255868
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22172
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Ethnologie
Note
1,0
Schlagworte
Populäre Musik Zeitalter Globalisierung Seminar Musikethnologie

Autor

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Titel: Populäre Musik im Zeitalter der Globalisierung