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Sachanalyse: Das Judentum

Seminararbeit 2003 22 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Rahmen des Lehrplans

2. Der Jüdische Glaube, Philosophie, Tora, Riten und Feste

3. Geschichte des Judentums
3.1. Das Judentum bis zum Mittelalter
3.2. Das Judentum im Mittelalter bis zum Holocaust mit einem Fokus auf Deutschland.
3.2.1. Das Judentum im Mittelalter
3.2.2. Das Judentum von der Aufklärung bis heute-

4. Literaturverzeichnis

1. Rahmen des Lehrplans

Das Thema „Das Judentum“ ist ein sehr umfassendes Thema. Der aktuelle Lehrplan für Evangelische Religion des Landes Hessen grenzt das Thema jedoch ein. Der Stoff „Judentum“ wird im Religionsunterricht der siebten Klasse behandelt, im Lehrplan ist das Thema mit dem Namen „Judentum – Nicht du trägst die Wurzel, die Wurzel trägt dich“ betitelt. Die Schüler sollen lernen, dass das Judentum Wurzel von Christentum und Islam ist, das Jesus ein gläubiger Jude war, und dass das Christentum in seiner Geschichte die Wurzel im jüdischen Glauben lange Zeit geleugnet hat. Trauriger Höhepunkt dieser Leugnung und der Ausgrenzung von Juden war der Holocaust. Der Lehrplan fordert folgende verbindlichen Unterrichtsinhalte:

1. Frömmigkeit und Lebenspraxis
2. Geschichte
3. Auseinandersetzung und Begegnung zwischen Juden und Christen

Als fakultativer Unterrichtsinhalt wird ein Vergleich von Judentum und Christentum gefordert, der Lehrplan regt zum Besuch einer Synagoge, eines jüdischen Museums, zum Hören jüdischer Musik und zum Treffen mit jüdischen Zeitzeugen an[1].

2. Der Jüdische Glaube, Philosophie, Tora, Riten und Feste

Das Judentum ist die älteste monotheistische Buchreligion der Welt. Bis zur Aufklärung verstanden sich die Juden als direkte Nachkommen Abrahams, Isaaks, Jakobs und dessen 12 Söhnen[2].

Die Juden glauben, dass sie das einzige von Gott (dem einen wahren Gott!) auserwählte Volk sind. Das Heil ihres Volkes und der übrigen Völker der Erde hängt vom Verhalten jedes einzelnen Juden ab. Gehorsam und ungehorsam dem Willen Gottes gegenüber bilden die Basis des jüdischen Glaubens. Wenn der Gläubige streng nach dem Willen Gottes lebt, dann wird das Reich Gottes irgendwann errichtet werden. Der Gehorsam des einzelnen Juden dient also nicht primär dem eigenen Seelenheil, sondern dem zukünftigen Ergehen des ganzen Volkes. Katastrophen und unglückliche Läufe der Geschichte wurden von den Juden also als Strafe Gottes für Fehlverhalten angesehen und gaben Anlass zu Buße[3]. Eine wichtige Philosophische Strömung im Antiken Judentum war die Stoa[4]. Zenon aus Kition auf Zypern begründete diese Lehre. Eine ihrer Grundthesen ist, dass göttliche Planung alles vorausbestimmt hat. Niemand kann diesem Plan entrinnen, deshalb ist auch keine Handlung oder kein Schicksal sinnlos[5].

Die Tora (griech. Pentateuch) ist den Juden, so glauben sie, direkt von Gott gegeben worden. In der Tora offenbart Gott seinen Willen, teilweise in verschlüsselter Form. Für die Juden gilt nichts außer der Tora. Dogmen die nachträglich verfasst wurden haben für die Juden keinerlei geistige Autorität. Einen weiteren wichtigen Stellenwert hat die mündliche Tora, die Halacha. Die Halacha ist eine mündliche Überlieferung der Tora in ausgelegter Form. Für die Auslegung der Tora ist ein Spezialist vonnöten, der Rabbi[6]. Die mündliche Tora wird von den Rabbinern unverändert weitergegeben. Jeder Rabbi sieht sich da in einer Traditionslinie mit Moses, Josua, den Richtern und Propheten, die ebenfalls die mündliche Tora beherrschten[7]. Die Funktion des Rabbis ist also, im Gegensatz zur Funktion des Pfarrers, nicht primär seelsorgerisch sondern er hat eher eine Funktion als Gelehrter der Tora inne. Die Juden hatten in der Antike auch nur für kurze Zeit ein religiöses Oberhaupt den Sanhedrin oder Hohepriester. Der Rabbi war deshalb für die Gemeinde bis zur Aufklärung die einzige religiöse Autorität. Die Auslegung fand im Gegensatz zur Religionsausübung (in Tempel oder später den Synagogen) in den rabbinischen Schulen statt. 200 n.Chr. erschienen schriftliche Sammlungen solcher Schulen unter dem Namen „Mischna“ (=Lehre). In der Mischna sind sechs Ordnungen und 63 Traktate zusammengefasst. Kurz nach der „Mischna“ entstand die „Tosefta“ (=Ergänzung). Die „Tosefta“ enthält abgegrenzte Stoffe, die auf die Mischna aufbauen oder von ihr losgelöst betrachtet werden können[8]. Bei der Auslegung wurden Einzelfälle konstruiert und es wurde ein konkreter Handlungsspielraum, der Gottes Willen entsprechen sollte, eingegrenzt[9]. Da die Juden einen großen Anspruch auf die Einheitlichkeit ihrer Lehren lagen, war (ist?) die Ausbildung zum Rabbi sehr hart. Es gelang dem Judentum jedoch, ein großes Maß an Einheitlichkeit zu bewahren.

Die Tora umfasst die fünf Bücher Mose. Im Gottesdienst, der morgens, mittags und abends in der Synagoge oder im Tempel stattfand, ergänzten Stammgebete, Psalmen und Benediktionen die Schriftlesung aus der Tora[10]

Als Jude gilt wer entweder eine jüdische Mutter hat oder aber zum Judentum konvertiert ist[11]. Zeichen des Bundes Gottes mit Abraham ist die Beschneidung der neugeborenen Männer. Um den Offenbarungsauftrag zu erfüllen, war es für das Judentum wichtig sich von anderen, polytheistischen Religionen, abzugrenzen. Im Judentum war (ist?) deshalb z.B. die Tischgemeinschaft mit Nichtjuden verboten[12].

Die Juden feiern drei große Wallfahrtsfeste: Das Passahfest, das Wochenfest und das Laubhüttenfest[13]. Alle drei Feste gehen auf kanaanäische Erntefeste zurück, die Juden feierten bei den Festen den Bund mit Gott. Das Passahfest, oder fest der ungesäuerten Brote, findet im März bzw. April statt. Das Fest wurde im Tempel begangen.

50 Tage nach dem Passahfest war Shavout – das Wochenfest. An diesem Tag sollte nicht gearbeitet werden, im Tempel wurden Brot- und Brandopfer übergeben. Das Laubhüttenfest war im Antiken Judentum das höchste Fest. Es dauerte eine Woche lang. Jeder Jude sollte versuchen nach Jerusalem zu fahren und im Tempel den Wasser- und Brandopfern beiwohnen. Während des Laubhüttenfestes, das im September bzw. Oktober begangen wurde, schlief man in einer extra für das Fest errichteten Laubhütte. Ziel des Festes war es, sich für die Ernte zu bedanken und um Wasser für die nächste Saat zu bitten[14].

[...]


[1] Hessisches Kultusministerium (Hg.): Lehrplan Evangelische Religion. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangstuffen 5 bis 13. http://www.hessisches-kultusministerium.de/downloads/lehrpl/gymnasium/Evangelische-Religion.pdf, 28.12.03

[2] Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich (Hg.): Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Band 13: J – Kn und 4. Nachtrag. Mannheim 1980. S.207.

[3] Ebd.

[4] Tilly, Michael: So lebten Jesu Zeitgenossen. Alltag und Frömmigkeit im antiken Judentum. Mainz 1997. S.18.

[5] Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt/Main 1999. S.217.

[6] Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich (Hg.): Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Band 13: J – Kn und 4. Nachtrag. Mannheim 1980. S.207.

[7] Tilly, Michael: So lebten Jesu Zeitgenossen. Alltag und Frömmigkeit im antiken Judentum. Mainz 1997. S.29.

[8] Tilly, Michael: So lebten Jesu Zeitgenossen. Alltag und Frömmigkeit im antiken Judentum. Mainz 1997. S.29.

[9] a.a.O. S.30.

[10] Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich (Hg.): Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Band 13: J – Kn und 4. Nachtrag. Mannheim 1980. S.208.

[11] a.a.O. S.207.

[12] Ebd.

[13] Tilly, Michael: So lebten Jesu Zeitgenossen. Alltag und Frömmigkeit im antiken Judentum. Mainz 1997. S.116.

[14] Tilly, Michael: So lebten Jesu Zeitgenossen. Alltag und Frömmigkeit im antiken Judentum. Mainz 1997. S.117.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638256186
ISBN (Buch)
9783638916042
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22212
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Evangelische Religion
Note
gut
Schlagworte
Sachanalyse Judentum Praktikum Fach Religion

Autor

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Titel: Sachanalyse: Das Judentum