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Private Equity - Eine Alternative für die Mittelstandsfinanzierung?

Studienarbeit 2002 42 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Gliederung

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 BEGRIFFSBESTIMMUNG UND GESCHICHTE
2.1 PRIVATE EQUITY
2.2 EIN KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS

3 MÖGLICHKEITEN ZUR FINANZIERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN UND EINORDNUNG VON PRIVATE EQUITY IN DIE UNTERNEHMENSFINANZIERUNG
3.1 INNENFINANZIERUNG
3.2 AUßENFINANZIERUNG
3.2.1 Die Funktionen des Eigenkapitals
3.2.2 Fremdfinanzierung
3.2.3 Beteiligungsfinanzierung
3.3 FAZIT

4 DIE PRIVATE EQUITY FINANZIERUNG
4.1 EIN ÜBERBLICK
4.2 ANLÄSSE FÜR PRIVATE EQUITY FINANZIERUNGEN IM LEBENSZYKLUS EINES UNTERNEHMENS
4.3 DER EXIT
4.4 PRIVATE EQUITY UNTER DEM ASPEKT AKTUELLER HERAUSFORDERUNGEN FÜR MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN
4.4.1 Das„Problem“Basel II
4.4.2 Das„Problem“Unternehmenspleiten
4.4.3 Das„Problem“Generationenwechsel
4.4.4 Fazit

5 BEDEUTUNG VON PRIVATE EQUITY FÜR DIE GESAMTWIRTSCHAFT
5.1 ZAHLEN UND FAKTEN ZUM PRIVATE EQUITY MARKT
5.2 BEDEUTUNG IM HINBLICK AUF DEN DEUTSCHEN MITTELSTAND
5.3 BEDEUTUNG UNTER DEN GESICHTSPUNKTEN VENTURE CAPITAL, INNOVATIONEN, WACHSTUMSBÖRSEN

6 ABSCHLIEßENDES FAZIT
6.1 ERGEBNISSE DER ARBEIT
6.2 DIE AUFGABE DES STAATES
6.3 AUSBLICK

ANHANG

QUELLENVERZEICHNIS

EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Führende Wirtschaftsverbände warnen bereits vor einer neuen großen Pleitewelle bei Klein- und Mittelbetrieben in Deutschland“.1

Schlagworte wie „Kreditklemme“, „Basel II“ oder „Mittelstandskrise“ sind z. Zt. oft in den Headlines von Tageszeitungen und Wirtschaftszeitschriften zu lesen. In diesem Zusam-menhang werden auch immer wieder die fatalen Folgen für die deutsche Wirtschaft pragmatisiert, die ein Niedergang des Mittelstandes zur Folge hätte. Es werden von ver-schiedenen Seiten Umstrukturierungen in der Wirtschaft gefordert und nach Alternativen für die Finanzierung des Mittelstandes gesucht, dabei fällt häufig der Begriff „Private E-quity“.

Vor dem gegebenen Hintergrund ist es Ziel dieser Arbeit, Antworten auf die folgenden Fragen zu geben:

1. Kann Private Equity eine Lösung für die Finanzierungsprobleme des Mittelstandes darstellen?
2. Welche Bedeutung hat Private Equity resultierend aus der Bedeutung des Mittelstandes für die Volkswirtschaft?

Dazu wird in Kapitel 3 Private Equity unter Bezugnahem auf allgemeine Schwierigkeiten bei der Finanzierung von KMU2 in das Spektrum der Unternehmensfinanzierung eingeordnet. In Kapitel 4 soll ein Einblick in diese Finanzierungsart gegeben und aktuelle Herausforderungen des Mittelstandes unter dem Aspekt PE betrachtet werden. Schließlich wird in Kapitel 5 die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von PE unter den Gesichtspunkten PE als „Rettung“ für den Mittelstand sowie Venture Capital3 finanzierte KMU als Motor für Wirtschaftswachstum analysiert. Zuerst soll jedoch der Begriff PE erläutert und ein kurzer geschichtlicher Abriss der PE - Finanzierung gegeben werden.

2 Begriffsbestimmung und Geschichte

2.1 Private Equity

„Das ist wie mit Shareholder Value oder Corporate Governance. Das sind so Schlagworte, und wir alle wissen, was das ist und sprechen darüber. Aber wenn man mal nachfragt, hat jeder eine eigene Definition. [...]“4.

Tatsächlich gibt es essentiell unterschiedliche Definitionen, dazu sei ein Exempel aufge-zeigt, nach dem PE als Oberbegriff für die Instrumente Börse, Beteiligungen und Business Angels5 definiert wird, wobei die Beteiligungen nochmals in Beteiligungskapital und VC aufgegliedert sind (siehe Abb. 1).6 Diese Begriffsbildung unterscheidet sich grundlegend von gängigeren Definitionen, so unterschiedlich diese in sich auch sein mögen, denn eines haben die meisten Definitionen gemeinsam: PE ist ein Instrument zur Finanzierung nicht börsennotierter Unternehmen, die im vor- und außerbörslichen Bereich stattfinden kann und in ihrer Laufzeit begrenzt sind7. Auf dieser zweiten Definition soll bei der weiteren Begriffsbestimmung aufgebaut werden. Vor dieser Bestimmung lässt sich PE frei ins Deut-sche übersetzt als die private Bereitstellung von Eigenkapital zur Finanzierung von Unter-nehmen bezeichnen.

Ein Begriff, der oft in einem Zuge mit PE genannt und im europäischen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet wird ist VC.8 Eine Abgrenzung dieser beiden Begriffe voneinander ist jedoch möglich.

In der Fachliteratur und in Fachaufsätzen sind die folgenden zwei unterschiedliche Arten der Abgrenzung von PE und VC zu finden: 1. VC stellt ein Segment der PE - Finanzierung dar. VC ist in diesem Kontext der Bereich des PE, der sich mit der Finanzierung von Un-ternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung beschäftigt9 und 2. PE und VC sind jeweils „selbstständige“ Finanzierungsformen, wobei PE die spätere Phase der Unternehmensfi-nanzierung bis unmittelbar vor Börseneinführung betrifft und VC als Unternehmensfinan-zierung in der Gründungs- und Frühphase der Unternehmensentwicklung definiert wird.10

Deutlich geworden ist: es gibt keine eindeutige Definition von PE und schon gar nicht eine eindeutige Abgrenzung zu VC. Was aber abzuleiten ist: VC ist die Finanzierung von Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung. Das kann unabhängig davon gesagt wer-den, ob VC nun als „eigenständige“ Finanzierungsform zu sehen ist oder als Unterform von PE.

Abschließend ist für den Fortgang dieser Arbeit festzuhalten: Wenn von PE gesprochen wird, dann ist der gesamte Bereich der außerbörslichen Beteiligungsfinanzierung gemeint, ist von VC die Rede, geht es ausdrücklich um die Finanzierung innovativer Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung.

2.2 Ein kurzer geschichtlicher Abriss

PE fand in den 80er Jahren in den USA durch ein öffentliches Interesse an Leveraged Buy-Outs11 weite Verbreitung. Tatsächlich entstand der PE - Markt jedoch in Europa schon in den 30er Jahren durch Gruppierungen wie Charterhouse Development Capital (1934) und 3i (1945) und in den USA mit der American Research and Development Corporation (1946). Die Entwicklung der PE - Industrie beschleunigte sich in Europa und den USA in den 70er Jahren. Veränderungen im Wettbewerb und der Finanzüberwachungspolitik (1971) in England gab den Banken dort größere Investitionsflexibilität und 1978 wurde es amerikanischen Pensionsfonds erlaubt, in PE zu investieren. In den frühen 90ern begann eine Periode des schnellen Wachstums auf dem PE - Markt, der durch den Trend der Kapi-talanlage weg von festen Einkommenswerten hin zu Eigenkapitalanlageformen in den spä-ten 90ern verstärkt wurde. So wurden im Jahr 2000 weltweit über 200 Mrd. Euro in PE investiert.12

3 Möglichkeiten zur Finanzierung Mittelständischer Unternehmen und Ein- ordnung von Private Equity in die Unternehmensfinanzierung

In diesem Kapitel soll die Problematik der Mittelstandsfinanzierung aufgezeigt und PE als eventueller Lösungsansatz für Probleme bei der Finanzierung von KMU in das Spektrum der Unternehmensfinanzierung eingeordnet werden. Es besteht jedoch im gesamten Kapitel kein Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird nur soweit in die Tiefe gegangen wie nötig, um die Problematik der Mittelstandsfinanzierung zu veranschaulichen und die Notwendigkeit alternativer Lösungen aufzuzeigen. Dazu ist es zunächst sinnvoll die Finanzierungsarten nach der Herkunft des Kapitals zu untergliedern. Unterscheiden lassen sich in diesem Zusammenhang Innen- und Außenfinanzierung.13 Vorweg soll Abb. 2 (Anhang) einen Überblick geben.

3.1 Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung werden Investitionen aus Mitteln durchgeführt, die aus dem Unternehmen selbst, das heißt, aus dem erwirtschafteten Cash Flow14 oder aus sonstigen Kapitalfreisetzungen entstehen. Sonstige Kapitalfreisetzungen können unter anderem durch Rationalisierung oder Vermögensumschichtung entstehen.15 Es liegt nahe, dass kleine Un-ternehmen dabei recht schnell an ihre Grenzen stoßen16 und kaum in der Lage sein werden durch Rationalisierung oder Vermögensumschichtung genügend Mittel für Innovationen aufzubringen. Ohnehin kommt es häufig vor, dass für die Durchführung von Rationalisie-rungen vorab Investitionen getätigt werden müssen. Auch ist bei KMU oft kein (bzw. nur wenig) Vermögen vorhanden, aus dem durch Vermögensumschichtung Liquidität geschaf-fen werden kann. Somit bleibt diese Möglichkeit für viele der KMU außen vor. Zwar be-vorzugt der Mittelstand die Innenfinanzierung, doch durch Innenfinanzierung größere In-vestitionen zu tätigen bleibt von Natur aus Großunternehmen überlassen und seltener KMU. Dies lässt sich schon alleine durch absolut gesehen mehr EK der Großunternehmen und größerer Vermögensteile begründen, aus denen durch Umstrukturierung liquide Mittel freigesetzt werden können.

3.2 Außenfinanzierung

Die Außenfinanzierung lässt sich segmentieren in die Bereiche Fremdfinanzierung und Beteiligungsfinanzierung.17 Dabei geht es im Unterschied zur Innenfinanzierung um die Zuführung von Kapital von außen. Dies kann durch Einlagen der Eigentümer, neuer Eigentümer oder durch Gläubiger geschehen.18

Bevor jedoch auf die einzelnen Möglichkeiten der Außenfinanzierung eingegangen werden kann, ist es notwendig, die Funktion und Bedeutung des EK in einem Unternehmen zu erläutern, denn der Ansatzpunkt der PE - Finanzierung liegt in der Stärkung der EK-Basis.

3.2.1 Die Funktionen des Eigenkapitals

Zuerst hat das EK eine Gründungs- und Finanzierungsfunktion. Es ist zum einen notwen-dig zur Finanzierung einer Unternehmensgründung - bei bestimmten Rechtsformen ist eine Mindesteigenkapitalsumme vorgeschrieben19, zum anderen können Investitionen über Ei-genkapital finanziert werden. Besonders geeignet ist das EK für langfristige Investitionen, denn es steht dem Unternehmen von Natur aus langfristig zur Verfügung. Darüber hinaus sind auf diese Weise auch keine Zins- und Tilgungsverpflichtungen mit der Finanzierung verbunden.20

Weiter erfüllt das EK eine Haftungs- und Garantiefunktion für die Gläubiger. Es stellt sich „schützend“ vor das Fremdkapital. Das EK auf der Passiv-Seite der Bilanz korrespondiert mit dem Reinvermögen (Vermögensteile ./. Verbindlichkeiten) auf der Aktivseite der Bilanz. Werden nun vom Unternehmen Verluste gemacht, schmälert sich das Reinvermögen und simultan das EK. Je größer also die EK - Basis des Unternehmens, desto größer dürfen die Verluste sein, bevor so viel Vermögensmasse aufgezehrt ist, dass die Rückzahlung des Fremdkapitals nicht mehr gewährleistet ist.21 Somit liegt das Interesse eines Fremdkapitalgebers an einer starken Eigenkapitaldecke auf der Hand.

Dito hat das EK auch eine existenzsichernde Funktion für das Unternehmen selbst. Führt ein Unternehmen eine Investition durch, welche scheitert, kann eine zu geringe EK - Basis das Scheitern nicht abpuffern und das Unternehmen wird im Worst Case insolvent. Da gerade Innovationsprozesse in hohem Maße durch Risiken gekennzeichnet sind und eine lange Bindungsdauer des eingesetzten Kapitals voraussetzen, ist Fremdkapital dafür eher ungeeignet.22 Somit ist die nächste Funktion, die dem EK in diesem Zusammenhang zu kommt die Innovationsfunktion.

Schließlich hat das EK einen maßgeblichen Einfluss auf Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Dies ergibt sich aus den obigen Ausführungen. Steht einem Unternehmen folglich viel EK zur Verfügung, geht der Fremdkapitalgeber ein geringeres Risiko ein. Somit steigt die Kreditvergabebereitschaft der Gläubiger, und das Unternehmen kann sich auf Grund seines EK zu besseren Konditionen fremdfinanzieren.

3.2.2 Fremdfinanzierung

Die Fremdfinanzierung lässt sich unterteilen und kurz- und langfristige Fremdfinanzierung. Zur kurzfristigen Fremdfinanzierung zählen unter anderem Bankkredite zu Dispositionszwecken und Lieferantenkredite.23 Diese spielen aber im Zusammenhang mit der Themen-stellung keine direkte Rolle. Daher wird an dieser Stelle von einer näheren Erläuterung abgesehen.

Von größerer Bedeutung ist dagegen die langfristige Fremdfinanzierung.

Großunternehmen haben die Möglichkeit, sich über die Emission von Anleihen über öffentliche Kapitalmärkte fremd zu finanzieren. Ihnen steht somit der Weg zu einer relativ preisgünstigen (markt- und risikogerechten) Fremdfinanzierung offen. Kleinen und mittelständischen Unternehmen, die in der Regel nicht emissionsfähig sind, bleibt dieser Weg verwehrt. Es bleibt also nur noch das langfristige Bankdarlehen (von Gesellschafter Darlehen u. ä. abgesehen) zur Finanzierung von Investitionen.24

Investitionen und vor allem Investitionen in Innovationen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Dazu kommt, dass die Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstandes mit im Durchschnitt 18%25 sehr gering ausfällt. Folglich begibt sich die Bank bei der Vergabe eines Kredites in ein recht hohes Risiko, was sie durch einen Risikoaufschlag bei den Zin-sen abzuwälzen sucht. Verstärkt wird dieser Effekt (gerade bei EK - schwachen Unter-nehmungen) durch die Einführung der neuen Eigenkapitalrichtlinie „Basel II“.26 Diese Entwicklung birgt für den stark fremdkapitalfinanzierten deutschen Mittelstand große Probleme.

Festzuhalten bleibt, dass die geringe Eigenkapitalquote ein Problem für den Mittelstand darstellt. Abzuhelfen ist dem nur durch die Zuführung von EK. Die dafür bestehenden Wege sollen im Folgenden diskutiert werden.

3.2.3 Beteiligungsfinanzierung

Beteiligungsfinanzierungen lassen sich dadurch charakterisieren, dass dem Unternehmen EK von außen zugeführt wird. Von Relevanz dabei ist, dass EK nur von den Eigentümern, Miteigentümern beziehungsweise Anteilseignern zugeführt werden kann.27 Folglich wird eine Person automatisch zum Miteigentümer oder Anteilseigner wenn sie der Unterneh-mung EK zufließen lässt. Hierdurch erwachsen rechtsformabhängig und beteiligungsartab-hängig verschiedene Rechte und Pflichten, die jedoch hier nicht diskutiert werden sollen. Wie auch schon bei der Fremdfinanzierung steht den emissionsfähigen Unternehmungen der Weg offen, sich über öffentliche, organisierte Kapitalmärkte Mittel zu beschaffen. Die nicht emissionsfähigen KMU haben dagegen keinen Zugang zur Börse, es steht ihnen demnach kein organisierter Markt zur Beschaffung von EK zur Verfügung. Daher sind sie neben der Beschaffung von Fremdkapital, welche wie bereits besprochen zunehmend Schwierigkeiten bereitet, zur Deckung ihres Kapitalbedarfes auf die Zuführung von privaten Mitteln oder die Aufnahme weiterer Gesellschafter angewiesen.28 Die Aufnahme neuer Gesellschafter ist jedoch nicht nur aus Gründen mangelnder Fungibilität der Anteile mit Schwierigkeiten verbunden, sondern auch aus eventuell entstehenden Mitspracherechten der neuen Gesellschafter und natürlich mit dem Problem, welches sich als erstes stell: dem Finden von Gesellschaftern. Eine interessante Möglichkeit, die hier vorab erwähnt werden soll, ist das Private Placement.

Das Private Placement zur Beschaffung von EK ist speziell für kleinere Unternehmen ge-eignet. Da es im Wege der Selbstemission erfolgt , erhält nur eine bestimmte vom Unter-nehmer gewollte Anzahl von Kapitalgebern ein Kaufangebot. Die Investoren haben dabei in der Regel ein dauerhaftes Anlageinteresse, so dass der Emittent auf ein langfristiges Wachstum und nicht auf schnelle Wertsteigerungen setzen kann. So wird ein Kaufangebot im Rahmen eines Private Placement zum Beispiel nur Geschäftspartnern gemacht, die die selben Ziele verfolgen. Interessenkonflikte zwischen den Anteilseignern können so ver-mieden werden. Da durch diese Art der Finanzierung Wachstumsmöglichkeiten geschaffen werden, durch welche die Emissionsfähigkeit des Unternehmens erreicht werden könnte, kann das Private Placement auch als eine Vorstufe für ein späteres IPO dienen.29

Mit der Beschreibung des Private Placement ist die Einordnung von PE in das Spektrum der Unternehmensfinanzierung vollzogen, denn das Private Placement gehört im weitesten Sinne schon zur PE - Finanzierung.30

3.3 Fazit

In diesem Kapitel ist deutlich geworden, dass viele deutsche mittelständische Unternehmen in naher Zukunft und schon teilweise in der Gegenwart vor einem Finanzierungsproblem stehen werden. Der hierzulande traditionelle Weg der Finanzierung über Fremdkapital wird im Zuge der Globalisierung und dem dadurch steigenden Wettbewerbsdruck, dem die Banken ausgesetzt sind, mehr und mehr verschlossen. Dieser Weg wird für Unternehmen erst wieder attraktiv, wenn sie ihre Eigenkapitalbasis verbessert haben und dadurch Fremdkapital zu günstigeren Konditionen erhalten werden.

Eine Alternative, die sich hier eröffnet, ist Finanzierung mittels PE. Die Anlässe und Möglichkeiten, zu denen diese Finanzierungsform genutzt werden kann, werden im folgenden Kapitel erläutert.

4 Die Private Equity Finanzierung

4.1 Ein Überblick

Die PE - Finanzierung kann als ein Kreislauf beschrieben werden, bei dem ein Investor in ein Unternehmen investiert, dadurch dem Unternehmen das Potential zur Steigerung seines Wertes gibt und schließlich aus dem Investment nach einigen Jahren durch Veräußerung der Anteile im Idealfall durch ein IPO aussteigt.31

Es gibt, wie bereits dargestellt, keinen öffentlich Markt f ü r Private Equity wie eine Börse, an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen. Vielmehr sind die Kapitalgeber, in Form von Beteiligungsgesellschaften, der Markt. Theoretisch könnte jede Person ein PE -Investment durchführen, in der Regel geschieht dies jedoch über Beteiligungsgesellschaf-ten, sogenannte PE-Gesellschaften respektive PE-Fonds, die als Intermediäre auftreten (siehe Abb. 3).32 Zusätzlich bieten Verbände wie der BVK oder die EVCA Möglichkeiten zur Vermittlung von Private Equity an, dabei gehört es zu den Aufgabe und Zielen des BVK in Deutschland die bestmöglichsten Rahmenbedingungen für Beteiligungskapital zu schaffen.33

4.2 Anlässe für Private Equity Finanzierungen im Lebenszyklus eines Unternehmens

Im Kreislauf der PE - Finanzierung geht es für den Investor anfangs darum, einem Unter-nehmen Kapital zufließen zu lassen. Dazu gibt es im Verlauf der Entwicklung eines Unter-nehmens unterschiedliche Anlässe, zu denen eine Finanzierung mittels PE durchgeführt werden kann. Es soll im Folgenden ein kurzer Überblick über die gängigsten Anlässe ge-geben werden.34

Seed financing: Dieser Anlass beschreibt die Finanzierung der Entwicklung eines Ge-schäftskonzeptes auf dem das Unternehmen basieren soll. Dazu ist es notwendig, Ideen zu entwickeln, diese in verwertbare Resultate zu bringen und daraus Produkt-Prototypen zu schaffen.

Start-up finanzing : Ist die Ideenfindung und Entwicklung der Produkte bereits abgeschlos-sen, geht es um die Umsetzung des Geschäftskonzeptes, folglich die Markteinführung der Produkte.

Expansion finanzing: Es geht dabei um die Finanzierung eines Unternehmens, welches den Break-Even-Point erreicht oder schon überschritten hat. Finanziert wird hier die Steigerung der Produktionskapazitäten und die Marktausweitung. Bei diesem Beteiligungsanlass, der auch als Wachstumsfinanzierung bezeichnet wird, muss es sich aber nicht zwingend um ein junges Unternehmen handeln. Es kann sich auch um bereits etablierte Unternehmen drehen, die für einen weiteren Wachstumsschub Kapital benötigen.

Bridge financing : Einem Unternehmen werden finanzielle Mittel zur Vorbereitung auf das geplante Going Public zur Verfügung gestellt, um damit notwendige Strukturen auf zu bauen und die Eigenkapitalquote zu verbessern.

Turnaround financing : Einem Unternehmen, welches sich aktuell in Schwierigkeiten befindet oder auch ein „Sanierungsfall“ ist, jedoch erfolgsversprechende Ideen und Konzepte aufweisen kann, wird Kapital zugeführt.

Replacement Capital : Hierbei handelt es sich um den Kauf von Anteilen eines Unterneh-mens von einem anderen Eigenkapitalinvestor oder einem anderen Gesellschafter. MBO / MBI / LBO : Beim MBO übernimmt das vorhandene Management eines Unterneh-mens das Unternehmen durch Kauf der Anteile. Beim MBI übernimmt ein fremdes Mana-gement die Anteile an einem Unternehmen, um dieses weiter zu führen. Beim LBO handelt es sich um eine Unternehmensübernahme, die überwiegend fremdkapitalfinanziert wird. Weitere Anl ä sse , die attraktiv für PE - Investoren sein können, sind zum Beispiel die Um-strukturierung eines Unternehmens, die Ausgliederung eines (erfolgreichen) Unterneh-mensteiles - ein sogenannter Spinn-Off, die Straffung des Gesellschafterkreises und das Treffen von Nachfolgerregelungen.

4.3 Der Exit

PE - Investitionen sind in ihrer Laufzeit begrenzt.35 Das Interesse des Investors ist es, An-teile eines Unternehmens zu kaufen und diese einige Jahre später möglichst gewinnbrin-gend wieder zu veräußern. Diese Veräußerung kann über differenzierte „Kanäle“ gesche-hen. Festzuhalten bleibt dabei: was für den einen ein Exit bedeutet, bedeutet für den ande-ren eine Investition. Es stellt sich ergo das Problem, für das Divestment einen (oder mehre-re) Investor(en) zu finden - außer es handelt sich um einen Ausstieg durch Liquidation (bei einem Totalverlust).

[...]


1 Jeske, Jürgen (2002), S.13.

2 Die Abkürzung KMU wird in dieser Arbeit synonym zu den Begriffen Mittelstand und mittelständische

Unternehmen gebraucht. KMU sind Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Mio. EUR. Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2002), o. S.

3 Die Begriffe Risikokapital und Wagniskapital werden in dieser Arbeit synonym zu VC verwendet.

4 Das Zitat stammt von Weisberger, T., Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Banken, zuständig für die Bereiche Wertpapier und Börse, in: Steinhäuser, S. (2000), o. S.

5 Vermögende Privatpersonen, die in ein Unternehmen investieren und dieses oft mit ihrer Managementerfahrung unterstützen.

6 Vgl. Baltzer, K. (2000), S. 38.

7 Vgl. o.V. (2001A), o. S.; Vgl. Echterbecker, M. (2002), S. 19f.; Vgl. Steinhäuser, S. (2000), o. S.; Vgl. Ivanova, A. / Tzvetkova, R. (2001) S. 165.

8 Vgl. BVK (Hrsg.) (2000A). S. 9.

9 Vgl. Echterbecker, M. (2002) , S. 19.

10 Vgl. HCI (Hrsg.) (2001.), S.8f.; Vgl. Advanced Financial Consulting e. K.(Hrsg.) (2001), o. S.

11 Eine Definition des Begriffs ist in Kapitel 4.2 zu finden.

12 Vgl. Bance, A. (2002), S. 3f .

13 Vgl. Gräfer, H. (2001) , S. 27.

14 Informationen zur Berechnung des Cash Flow finden sich u. a. in: Olfert (2001) S. 412f.

15 Vgl. Olfert, K. (2001), S. 359f.

16 Dieser Ansicht ist auch Baltzer, K. (2000) S. 35.

17 Vgl. Olfert, K. (2001) S. 263.

18 Vgl. Hopfenbeck, W. (2000) S. 184.

19 AG: 50.000 Euro ,Vgl. § 7 AktG, GmbH: 25.000 Euro, Vgl. § 5 Abs.1 GmbHG.

20 Vgl. Hopfenbeck, W. (2000) S. 185.

21 Vgl. Gräfer, H. (2001), S. 83.

22 Vgl. Baltzer, K. (2000), S. 36f.

23 Vgl. Wöhe, G. (2000), S. 710.

24 Vgl. Hopfenbeck, W. (2000), S. 189.

25 Siehe Abb. 4.

26 Vgl. Kapitel 4.4.1.

27 Vgl. Wöhe, G. (2000), S. 694.

28 Vgl. Wöhe, G. (2000), S.707.

29 Vgl. Gebhardt/Gerke/Steiner (Hrsg.) (1993), S. 306.

30 Vgl. Werner, H./Kobabe, R. (2000), o. S.

31 Vgl. Coenenberg, A./Schultze, W. (2002), S.24.

32 Mehr zum Thema Markt für PE und Kapitalgeber finden sich in: Cramer, J. (2000), S.165f.

33 Vgl. BVK (Hrsg.) (o. J.), o. S.

34 Quellen des folgenden Kataloges: Vgl. BVK (Hrsg.) (2000A), S. 2ff.; Commerzbank (Hrsg.) (2000A), o. S.; Vgl.. Advanced Financial Consulting e. K. (Hrsg.) (2001), o. S.; Vgl. BVK (Hrsg.) (2002A), S.72; Vgl. Commerzbank (Hrsg.) (2000B), o. S.; Vgl. Echterbecker, M. (2002), S.19.

35 Vgl. Kapitel 2.1 .

Details

Seiten
42
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638259057
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22618
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim – Fachbereich Wirtschaft - Fachrichtung Bank
Note
1,9
Schlagworte
Private Equity Eine Alternative Mittelstandsfinanzierung

Autor

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Titel: Private Equity - Eine Alternative für die Mittelstandsfinanzierung?