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Die Philosophie und das Glück

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 19 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0 David Hume
1.1 Der Epikuräer
1.2 Der Stoiker
1.3 Der Platoniker
1.4 Der Skeptiker

2.0 Die Rolle des Autors
2.1 Vergleich der Essays
2.2 Diskussion: Kann die Philosophie den Weg zum Glück zeigen?
2.3 Fazit

3.0 Literatur

Einleitung

Kann die Philosophie trösten und gibt es allgemein gültige philosophische Anleitungen für ein glückliches Leben? Diese Fragen haben für die Philosophie und die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, eine große Bedeutung. Häufig, und heutzutage mehr denn je, wird die Möglichkeit der praktischen Anwendung der Philosophie in Frage gestellt. Es wird von einer Wissenschaft, die sich im Elfenbeinturm befindet, gesprochen. Gelingt es, die oben angeführten Fragen positiv zu beantworten, so ist zumindest ein Beleg für die Notwendigkeit der Philosophie geliefert, was allerdings nicht implizieren soll, dass bei einer negativen Antwort die Philosophie generell keinen praktischen Nutzen für die Menschen hat. Dies würde der Philosophie und den vielen Bereichen, mit denen sie sich beschäftigt, nicht gerecht werden.

Von den Philosophen wird der philosophisch weniger gebildete Betrachter dieser Frage sicherlich ein klares Ja als Antwort erwarten, was angesichts der antiken Trostschriften von Philosophen wie Seneca oder Boethius nicht weiter verwunderlich ist[1]. Es gibt jedoch einen Philosophen von großer Bedeutung, der gerade durch das Mittel der philosophischen Reflexion die Möglichkeit des verbindlichen philosophischen Trostes verneinen will. Dieser Denker heißt David Hume und hat in vier zusammenhängenden Essays vier Philosophentypen und deren Vorstellungen von einem glücklichen Leben beschrieben. Auch wenn, wie der Autor selbst anmerkt“, diese vier „Typen“ historisch und im Einzelnen nur ungenau beschrieben sind[2], so bilden diese Aufsätze, insbesondere der letzte über den Skeptiker, eine sehr gute Grundlage, um die am Anfang genannte Frage zu diskutieren.

Im ersten Teil dieser Arbeit werde ich nach einigen einleitenden Worten zu David Hume, eine kurze Darstellung der vier Essays im Einzelnen geben, um dann im zweiten Teil die wichtigsten Punkte im Hinblick auf das Thema der Arbeit zu interpretieren und zu diskutieren.

1.0 David Hume

Der 1711 geborene Schotte veröffentlichte die hier behandelten Essays 1742. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mit dem Neuplatonismus, dem Epikurismus und der Stoa persönliche Erfahrungen gesammelt[3]. Vor allem der Versuch die eigene Moral und Tugendhaftigkeit nach einem stoischen Ideal zu formen, führte bei Hume zu erheblichen Gesundheitsproblemen und hinterließ noch lange Zeit einen negativen Eindruck bei ihm[4]. Für die Betrachtung des Nachfolgenden ist es daher für das Verständnis der Position Humes, die er zu den einzelnen Philosophentypen und letztendlich auch zu der Möglichkeit des philosophischen Trostes einnimmt, sinnvoll, Kenntnis von diesem Teil der Humeschen Vita zu haben.

1.1 Der Epikuräer

Hume bezeichnet zu Beginn seines Aufsatzes den Vertreter der epikuräischen Schule als „Mann der Erlesenheit und des Vergnügens“[5].

Der Epikuräer ist der Auffassung, dass die Philosophie nicht in der Lage ist, die Menschen durch die Anwendung von Vernunft und Reflexion glücklich zu machen, beziehungsweise ein „künstliches Glück“ zu erzeugen. Wenn die „gestrengen Philosophen“ des Menschen Glück durch Anleitungen zum vernünftigen Leben produzieren wollen, so müssten sie den Menschen neu gestalten und strukturieren, was ihnen jedoch nicht gelingen kann, da Gestalt und Struktur des Menschen naturgegeben sind und folglich von ihr allein abhängen[6]. Da für den Epikuräer Glück mit Ruhe, Behaglichkeit und Lust gleichgesetzt wird, will er sich nicht der „Weisheit der Natur“ entgegensetzen, indem er seine natürlichen Leidenschaften zügelt und trainiert, da dies in Strapaze und Besorgnis endet und somit statt Glück, Leid und Kummer erzeugt[7]. Die Forderungen der „gestrengen Philosophen“ sind nicht durch die Natur bestimmt, sondern haben ihren Ursprung im Stolz. Da dieser Stolz nur auf Äußerlichkeiten einwirkt und nicht im Inneren des Menschen auch das Herz mit Freude zu erfüllen vermag, führt der Stolz nicht zum Glück, sondern zu „Gram und tiefster Melancholie“[8]. Der epikuräische Philosophentyp empfindet es als überflüssig, sich an die Philosophen bezüglich der Suche nach einem glücklichen Lebensweg zu wenden, da es die eigenen Leidenschaften sind, die den richtigen Lebensweg des Einzelnen in sich tragen[9].

Um sich jedoch dauerhaft an der Befriedigung der Triebe ergötzen zu können, ist für den Epikuräer die Anwesenheit anderer Menschen, mit denen man die Freuden teilen kann, notwendig. Die Anteilnahme an der Freude der Mitmenschen macht erst wahres Glück aus[10]. Des weiteren fordert der Epikuräer, dass die Feste gefeiert werden sollen, wie sie fallen, da es erstens ungewiss ist, was die Zukunft bringt und so zumindest die Erinnerung an die gegenwärtige Freude bleibt und zweitens der Mensch seine Jugend zugunsten eines stets vergänglichen Ruhms verschwenden wird, wenn er sich nicht den Genüssen hingibt[11].

Am Ende des Essays stellt der Epikuräer die Forderung auf, das Glück nicht durch Grübeleien über den Tod zu trüben, da gerade aufgrund dieser Vergänglichkeit jeder Moment der Gegenwart zu genießen ist. Weil es für ihn kein Leben nach dem Tod gibt, ist die Zeit im Diesseits seiner Aussage nach umso kostbarer. Zum Trost fügt der Vertreter der epikuräischen Schule noch hinzu, dass für den Fall, dass es eine höhere Macht gibt, die für alles verantwortlich ist, diese Freude daran hätte zu sehen, wie wir unsere Triebe befriedigen, „für die allein wir geschaffen wurden“[12].

1.2 Der Stoiker

Diesen Philosophentypen bezeichnet Hume auch als „Mann der Tat und Tugend“[13].

Auch der Stoiker bezieht sich auf die Natur. Er beschreibt sie als gütig, da sie den Menschen den Verstand gab, ohne den sie im Gegensatz zum Tier außerstande wären, in der Natur zu überleben[14]. Damit diese Fähigkeit jedoch nicht nur zum Nötigsten benutzt wird und sozusagen brachliegt, fordert der stoische Philosoph, dass man den Verstand trainiert und weiterentwickelt, indem man sich mit dem Material auseinandersetzt, welches uns die Natur bereitgestellt hat[15]. Das Endziel all der geforderten Bemühungen ist das Glück, welches alle Menschen ohne Ausnahme suchen[16]. Da für jedes Ziel, das der Mensch erreichen will, ein geplantes Vorgehen notwendig ist, meint der Stoiker, dass dies auch für das glückliche Leben als Endzweck gilt. Erst nachdem die Fehler, die das Glück verhindern, erkannt sind und das Leben dementsprechend verändert wurde, kann der Mensch glücklich werden. Allerdings ist nur der Philosoph in der Lage, Regeln für das „richtige Leben“ aufzustellen und somit wahres Glück zu erzeugen. Die Strapazen auf dem Weg zum glücklichen Leben, die vom Menschen Fleiß erfordern, sind schon selbst Bestandteil des Glücks, da bei allen Dingen, die zu leicht erworben werden, die Freude nur von geringer Dauer ist[17].

Der stoische Philosoph sieht die Gier nach Vergnügen als Grundlage für ein unglückliches Leben. Die stets ausgelebten Triebe bedürfen immer schneller neuer Befriedigung und verstärken somit zunehmend das Gefühl der Übersättigung an Vergnügungen. Da der Mensch in seiner Genusssucht vom Schicksal abhängig ist, kommt auch noch das Gefühl der Angst hinzu, die lusterzeugenden Dinge zu verlieren[18]. Dieses Leben kann den „Weisen“ nicht betreffen, denn „der Tempel der Weisheit“ steht „auf einem Felsen hoch über den wütend kämpfenden Elementen“. Von diesem schaut er mitleidig, aber auch vergnügt auf die Menschen herab, die wie eben beschrieben auf der Suche nach dem Glück unglücklich geworden sind[19]. Der „Weise“ weiß jedoch, dass sich erst durch ein tugendhaftes und sozial ausgerichtetes Leben das wahre Glück zeigt und begibt sich deshalb zu seinen Mitmenschen. Das Erkennen der eigenen „moralischen Schönheit“, führt zu einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit[20]. Der Lohn dieser Tugendhaftigkeit ist der Ruhm, der die Angst vor dem Tod dadurch nimmt, dass er den Tugendhaften dem endlichen Schicksal der Menschheit entreißt und für die Nachwelt unsterblich macht[21].

Am Ende des Aufsatzes betont der Stoiker noch einmal den Wert der Tugend an sich. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, für das sich ein tugendhaftes Leben gelohnt hätte, spielt für den stoischen Philosophentypen keine wesentliche Rolle. Er dankt schließlich dem Schöpfer, der es ihm ermöglichte in den Besitz der Tugend zu gelangen, indem er das Licht der Welt erblicken durfte[22].

[...]


[1] Seneca, Das glückliche Leben; Boethius, Trost der Philosophie.

[2] David Hume, Vom schwachen Trost der Philosophie. Essays, 13.

[3] Gerhard Streminger, David Hume, Sein Leben und Werk, 250.

[4] ebda., 108-109.

[5] siehe dazu Fußnote ebda., 13.

[6] ebda., 14.

[7] ebda., 15.

[8] ebda., 16.

[9] ebda., 16.

[10] ebda., 17-18.

[11] ebda., 18-19.

[12] ebda., 21-22.

[13] ebda., 23.

[14] ebda., 23.

[15] ebda., 24.

[16] ebda., 25.

[17] ebda., 26.

[18] ebda., 28.

[19] ebda., 29.

[20] ebda., 29-32.

[21] ebda., 33.

[22] ebda., 33-34.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638260046
ISBN (Buch)
9783640996742
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22732
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Philosophisches Seminar
Note
sehr gut
Schlagworte
Philosophie Glück

Autor

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Titel: Die Philosophie und das Glück