Lade Inhalt...

Die Entwicklung des Notariatwesens im spätmittelalterlichen Hamburg

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

I. Einleitung

II. Die Entwicklung des Notariatwesens im spätmittelalterlichen Hamburg
1. Die Geschichte des Notariats
2. Rechtliche Regelungen für das Notariatswesen
3. Der Stadtschreiber
4. Die Entwicklung des Notariatswesens in Hamburg
5. Die Ratsnotare Jordan von Boitzenburg und Johann Schinkel Zwei bedeutende Hamburger Ratsnotare

III. Zusammenfassung

IV. Ausblick

Literatur

I Einleitung

Die Entwicklung des Notariats in Deutschland findet seine Ursprünge im römischen Reich, in dem organisierte Schreiber, die Tabellionen, in Schreibstuben oder Schreibkammern auftragsmäßig Urkunden für Privatpersonen herstellten. Sie genossen Vertrauen und Glaubwürdigkeit und verliehen dadurch sich und ihrer Tätigkeit ein besonderes Ansehen. Doch war die Beruf des Notars auch ein Tummelplatz für schlecht oder gar nicht ausgebildete Personen, die sich mit Beurkundungen ein Zubrot verdienen wollten und so gab es vielerorts Klagen über Missstände. Eine erste rechtliche Regelung erfuhr das Notariat im deutschen Reich erst 1495 durch die Reichskammergerichtsordnung und der 1512 folgenden Reichsnotariatsordnung. Eine wirkliche Behebung der Missstände aber brachten diese beiden Verordnungen nicht. Trotz alledem gab es, weit vor den genannten gesetzlichen Regelungen, gebildete und verantwortungsbewusste Notare, die in hohen Ämtern tätig waren, hochangesehen und vertrauenswürdig.

In der Folge des wachsenden Handels in den mittelalterlichen Städten des deutschen Reiches wurde es erforderlich, Verhandlungen zwischen zwei oder mehreren Handelspartnern urkundlich festzuhalten und rechtsgültig abzu-schließen. Dafür brauchte man gebildete, rechtskundige Schreiber, die eine gründliche Ausbildung oder sogar ein Studium absolviert hatten. Auch Hamburg. als aufstrebende Handelsstadt hatte für diese verantwortungsvolle Tätigkeit angestellte Schreiber. Aus diesem Grund werden in dieser Arbeit zwei sehr bedeutende, für das Notariatswesen richtungsweisende, Hamburger Ratsnotare aus dem 13. Jahrhundert vorgestellt.

II.1 Die Geschichte des Notariats

Im antiken römischen Reich kannte man schon die Tätigkeit der Schreiber, die sog. Tabellionen,[1] welche von privaten Personen[2] beauftragt wurden, Urkunden, Verträge, Briefe, Klagschriften u. a. aufzusetzen. Diese Vorläufer der Notare hatten zu damaliger Zeit schon eine hervorgehobene Stellung, da sie als Person in ihrer Arbeit besondere Vertrauenswürdigkeit genossen.

Gab es eine ähnliche Entwicklung des Schriftwesens bei den germanischen Völ-kern, ehe sie sich mit den Römern verbanden? Wenn man das schon sehr ausge-prägte römische Rechtswesen mit den vergleichsweise einfachen Volksrechten der Germanen und deren mangelnde Bildung betrachtet, so ist dies zu verneinen.[3] Auf Grund dessen kann gesagt werden, dass sich das italienische Notariatswesen des frühen Mittelalters aus der langen römischen Tradition entwickelte.

Je wichtiger und einflussreicher das römische Recht wurde, je bedeutungsvoller wurde die Arbeit des Notars zunächst in Mittel- und Norditalien. Das Ansehen des Notarberufes gewann beträchtlich durch die verbesserte juristische Ausbil-dung an der, zu damaliger Zeit führenden, Universität in Bologna. Das zunächst alleinige Ernennungsrecht der Notare durch Kaiser und Papst wurde später hohen weltlichen und geistlichen Würdenträgern übertragen. ,,Seit der Zeit Karls IV. (1346-1378) fiel den sogenannten Hofpfalzgrafen die Ernennung der öffentlichen Notare - der >notarii publici< - zu.“[4] Lange Zeit mussten sie sich gegen die rechtsgelehrten Schreiber des Rates und der Kirche sowie private Urkunds-tätigkeit behaupten. Notare standen im Dienste von Städten und sie besaßen in diesen Ämtern uneingeschränkte Glaubwürdigkeit.

In Deutschland verbreitete sich das Notariat erst im 13. und 14. Jahrhundert. In engem Zusammenhang mit der Entstehung und Entwicklung des Notariatwesens ist der geistliche Stand zu sehen. Aufgrund ihrer Bildung und der Beherrschung des Lateinischen in Wort und Schrift, schufen sich die Kleriker eine, zum Teil recht einträgliche, Verdienstmöglichkeit. In der Regel gehörte der als Notar wirkende Kleriker den niederen Weihen an.[5]

II.2 Rechtliche Regelungen des Notariatswesens

Rechtliche Regelungen für das Notariat wurden erst sehr viel später, zunächst in der Reichskammergerichtsordnung von 1495 schriftlich niedergelegt. Im Jahre 1512 wurden weitere Regelungen für das Notariatswesen in der Reichsnotariats-ordnung festgelegt. Diese beiden Verordnungen galten reichsweit.

Die Reichskammergerichtsordnung wurde von Maximilian I. in Worms am 7. 8. 1495 erlassen, in welcher der allgemeine Landfrieden gesichert werden sollte. An den herrschenden Missständen des Notariatswesens, wie ungenügende Ausbil-dung und Fehlen einer Kontrollfunktion, änderte die Reichsnotariatsordnung nichts. Es wurde weder das Ziel verfolgt, ,,Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten das Ernennungsverfahren im Sinne eines wirksamen Ausleseverfahrens zu reformieren, Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten“[6] um für den Beruf untaugliche Personen fernzuhalten , noch wurde die Anzahl der ernannten Notare durch die Verordnung in ein angemessenes Verhältnis zum tatsächlichen Bedarf gebracht.[7]

,,Wir haben auß beweglichen Ursachen ainen gemainen Landfriden durch das Römische Reych und Teutsch Nacion auffgericht und zu halten gebotten, und nachdem derselbig on redlich, erber und furderlich Recht schwarlich in Wesen besteen möchte, darumb auch gemainem Nutz zu Fürdrung und Notturften ewer aller Unser und des Hailigen Reichs Camergericht mit zeytigem Rat ewer der Churfürsten, Fürsen und gemainer Gesambnung uff Unser und des Hailigen Reichs Tag hie zu Worms aufgerichtet und zu halten fürgenomen und geordnet in Form und Maß, als hernach volgt.“[8]

Insgesamt umfasst die Reichskammergerichtsordnung 32 Paragraphen. Im § 5 wurde die Schriftführung geregelt. Die Bezeichnung Notar war jedoch noch nicht gebräuchlich. Die Reichskammergerichtsordnung spricht vom Gerichtsschreiber und Leser [9] gewählt wurde. Im § 5 heißt es:

Ferner sollen zwei glaubhafte Gerichtsschreiber und ein Registrator (Leser), der die Gerichtsakten führen soll, an das Kammergericht abgeordnet werden, die Unserer Königlichen oder Kaiserlichen Majestät oder dem Kammerrichter an Unserer Stelle geloben und zu den Heiligen schwören sollen: In ihrem Amt gewissenhaft zu sein beim Aufschreiben, Registrieren und anderem; die Briefe und Urkunden, die zu Gericht gebracht werden, gewissenhaft bei Gericht zu verwahren und weder den Parteien noch jemand anders zu eröffnen, welche Meinung die Richter und Beisitzer vertreten; die geheimen Gerichtsakten niemanden einsehen zu lassen und den Parteien ohne Genehmigung des Gerichts keine Kopien der eingegangenen Briefe und Schriften zu geben; keiner Partei gegen die andere einen Rat zu erteilen oder zu warnen und keine Geschenke oder sonstige Vorteile anzunehmen; sondern sich mit ihrem Lohn, der durch Kammerrichter und Beisitzer festgelegt wird, in jeder Sache zu begnügen, alles ohne Arglist.[10]

Das sich ergebende Bild aus der Reichskammergerichtsordnung nachfolgenden Reichsnotariatsordnung von 1512 zeigt sich eher allgemein und in einer

unvollständigen Form. Doch es werden in dieser Verordnung die notariellen Tätigkeiten schon recht deutlich aufgezeigt. Ihre eingehende Belehrung über die einzuhaltenden Formalien bei der Erstellung von notariellen Schriftstücken, könnte vermuten lassen, dass, ,,Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten damals unbeholfene, ihrer Aufgabe in keiner Weise gewachsene Notare tätig gewesen sein müssen Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten“.[11] Die Qualitätsunter-schiede bei den Notaren waren groß, genauso groß wie auch die an sie gestellten Anforderungen .

Die Reichsnotariatsordnung brachte keine wesentliche Besserung, ,,Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten da sie das Notariatsrecht, insbesondere das Ernennungsverfahren nicht auf neue Grundlagen stellte.“[12] Trotzdem blieb sie für das Reich und auch für Hamburg bis ins 19. Jahrhundert allgemein gültig.[13]

II.3 Der Stadtschreiber

Bevor sich das Notariatswesen in den Städten durchsetzte, gab es das Amt des Stadtschreibers. ,,Die ältesten Belege für das Bestehen von Schreiberstellen, für die bedienstete Mitarbeiter eingesetzt wurden, stammen im Deutschen Reich aus den Hansestädten, und zwar aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.“[14] Sie wurden als Notare,[15] Protonotare,[16] Sekretäre und Obersekretäre bezeichnet. Man

darf aber davon ausgehen, dass es diese Schreiberstellen schon lange vorher gab. Da die Schreiber des Lesens und Schreibens mächtig waren, bildeten sie eine neue soziale Schicht der städtischen Intelligenz.[17] Neben ihrer Tätigkeit in der

Kanzlei[18] gingen die Stadtschreiber oft noch anderen Berufen nach. Sogar Handwerker verdienten sich zu der Zeit ein Zubrot mit Beurkundungen.[19] Doch

[...]


[1] Osterley, Ferdinand: Das deutsche Notariat Band 1, Geschichte des Notariats, Hannover 1842, S. 22: ,,Am wahrscheinlichsten ist, daß die Tabellionen, wenigstens in der frühern Zeit, Personen wa-ren, welche, ohne ein öffentliches Amt zu bekleiden (1), ein G e w e r b e daraus machten“.

[2] Vergl. Osterley: S. 22: Ob Tabellionen öffentliche Beamte waren, ist nicht gesichert.

[3] Osterley: S. 60.

[4] Postel, Rainer, Helmut Stubbe-da Luz: Die Notare. Johann Heinrich Hübbe, Eduard Schramm, Gabiel Riesser, Hans Harder Biermann-Ratjen. Hrsg: Verein für Hamburgische Geschichte Band 17, 2001, S. 11.

[5] Die niederen Weihen sind die Vorstufe zur katholischen Priesterweihe. Sie berechtigen den

Kleriker nicht, das Priesteramt auszuüben. Ein Kleriker mit niederen Weihen darf eine Ehe eingehen.

[6] Schultze-v. Lasaulx, Hermann: Geschichte des Hamburgischen Notariats seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts. 2. erweiterte Auflage der Jubiläumsgabe der Hamburgischen Notarkammer anlässlich ihres 150jährigen Bestehens, Hamburg 1980, S.17.

[7] Ebenda.

[8] Ordnung des Camergerichts. (Reichskammergerichtsordnung vom 7. 8. 1495) (Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Reichsverfassung, hg. v. Zeumer, K., 2. A. 1913, Neudruck 1987, 284).

[9] Ebenda: § 5.

[10] Ebenda: Aus dem Frühneuhochdeutschen übertragen von Ralph Glücksmann.

[11] Schultze-v. Lasaulx, Hermann: S. 18

[12] Ebenda: S. 19.

[13] Ebenda: S. 18.

[14] Sarnowsky, Jürgen (Hrsg): Verwaltung und Schriftlichkeit in den Hansestädten. Hansische Studien, hrsgg. vom Hansichen Geschichtsverein Band XVI, Hamburg, 2006. S. 5.

[15] Lat. notarius= öffentlicher Schreiber, Geschwindschreiber (Stenograph). Damit ist nicht nur ein schnelles Schreiben gemeint, sondern ein der Form entsprechend aufgesetztes Schreiben. Vergl. Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch, erweiterte Neuausgabe, Berlin, München, Wien, Zürich 1983

[16] Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, 5. Aufl., Band 2, Leipzig 1911. S. 463. Schlagwort Protonotar= griech.-lat. protonotarius, Obergeheimschreiber, apostolische Protonotarien beim päpstlichen Stuhl.

[17] Sarnowsky, Jürgen (Hrsg): S. 6.

[18] Duden: Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. 14. Auflage, Wiesbaden 1957, Schlagwort: Kanzlei= Schreibstube. Vergl. Dazu cancelli, abgeleitet aus dem Italienischen=

Trennschranke für Arbeitsräume.

[19] www.notariat-ballindamm.de/seiten/historie.htm-35k-

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656451426
ISBN (Buch)
9783656451631
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229400
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
entwicklung notariatwesens hamburg

Autor

Zurück

Titel: Die Entwicklung des Notariatwesens im spätmittelalterlichen Hamburg