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Argentinien. Staatsbankrott und die Situation 10 Jahre danach

von Sven Buchholz (Autor) Sahar Diana Amini (Autor) Sebastian Römer (Autor)

Hausarbeit 2013 19 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung in die Entwicklung der Krise
1.1 Krisenbehafteter Einstieg in die 1990er Jahre
1.2 Einführung und Wirkung des Konvertibilitätsgesetzes

2 Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im Finanzsektor
2.1 Rezession des Bankensektors und deren Ursachen
2.2 Die Beziehung zwischen Argentinien und dem IWF

3 Der Weg aus der Krise
3.1 Entwicklung des Wechselkurses und der Realwirtschaft
3.2 Finanzlage und Schuldenschnitt

4 Argentinien Heute
4.1 Politische Situation
4.2 Wirtschaftliche Situation
4.2.1 Import/Export
4.2.2 Letzte Rate
4.2.3 Das Problem der Geierfonds
4.2.4 Inflation
4.2.5 Staatsschulden

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wechselkurs USD/ARS6 Abbildung 2: Veränderung des realen BIP in % zum Vorjahr…7 Abbildung 3: Argentiniens Staatsschulden.8 Abbildung 4: Konsumentenprei Index Argentinien (04-2009 bis 03-2013)….12

1 Einführung in die Entwicklung der Krise

Wirtschaftskrisen sind temporär eines der stärksten und meist diskutierten Themen der globalen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Sie beeinflussen Konjunkturen, Währungen und sogar das tägliche Leben einzelner Individuen. Aufgrund dieser ökonomischen und gesellschaftlichen Relevanz, trägt der Finanzhaushalt eines Landes enorme kollektive Verantwortung auf nationaler und internationaler Ebene. „Unter einer Wirtschaftskrise ist der ökonomische Prozess zu verstehen, bei dem eine signifikante, nachhaltige Verschlechterung der ökonomischen Fundamentaldaten eintritt“.1 Diese Verschlechterung wirkt sich insbesondere auf den Finanzsektor des betroffenen Landes aus, was in dieser Ausarbeitung im Folgenden an dem Beispiel des argentinischen Staatsbankrotts im Jahre 2001 thematisiert wird.

1.1 Krisenbehafteter Einstieg in die 1990er Jahre

„Als der frühere Gouverneur von La Rioja, Carlos Saúl Menem, im Juni 1989 frühzeitig das Amt des Präsidenten übernahm, befand sich Argentiniens Wirtschaft in einer starken Rezession.“2 Durch das negative Wirtschaftswachstum erlitt Argentinien einen starken sozialen Verfall. Dieser zeigte sich als einen 30-tägigen ausgerufenen Ausnahmezustand der sich durch Aufstände und Plünderungen äußerte, einer Preissteigerungsrate von fast 200% allein im Juli 1989, was bedeutete, dass die Inflation sich noch stärker entwickelte als bis dato und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 17%.3 Mit Hilfe des argentinischen Präsidenten Carlos Menems und seiner neuen liberalen Wirtschaftspolitik, die hauptsächlich aus „(1) marktorientierten Reformen, (2) einer disziplinären Haushaltspolitik, und in (3) der Konsolidierung der Staatsverschuldung“4 bestand, gelang es ihm durch Zuspruch und Unterstützung vom IWF und der Weltbank, einen Stand-by-Kredit (Darlehen des Internationalen Währungsfonds an einen seiner Mitgliedstaaten) zu erhalten. Somit war Carlos Menem samt seiner Regierung in der Lage die Inflationsrate auf 6% und den Nominalzins auf 10% zu senken.5 Es schien als würde sich die Wirtschaft Argentiniens erholen. Als jedoch durch wachsende Exporte, Preiserhöhungen im öffentlichen Sektor und steigende Deviseneinnahmen am Ende des Jahres 1989 einen erneuten Anstieg der Inflationsrate6 verursachten, sah sich die Regierung gezwungen einen Konvertibilitätsplan zu erstellen, der als präventive Maßnahme gegen eine erneute Hyperinflation helfen sollte.

1.2 Einführung und Wirkung des Konvertibilitätsgesetzes

Nach dem erneuten Anstieg der Inflationsrate, setzte der im Januar 1991 ins Amt getretene Wirtschaftsminister Domingo Cavallo, den Konvertibilitätsplan in die Tat um.7 „Dieser Plan führte den US-Dollar neben dem argentinischen Peso (vor 1992 noch 10.000 Australes = 1 US-Dollar) de facto als Zweitwährung (legal tender) ein“.8 Aufgrund der Bindung an den US-Dollar konnte die Inflationsrate Argentiniens an die der USA angeglichen werden.9 Des Weiteren sank die Zinsrate, was dazu führte, dass Argentinien ein hoher Zufluss von Auslandskapital erreichte, wodurch nicht nur die Wirtschaft gestärkt wurde, sondern auch die Kaufkraft der argentinischen Bevölkerung immens gesteigert werden konnte.10 Ungeachtet dessen, resultierten aus der Konvertibilität von US-Dollar und argentinischem Peso nicht ausschließlich positive Aspekte. Durch die starke Überbewertung des argentinischen Peso, stieg der Preis für argentinische Produkte, was zu einer Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt und zu einer größeren negativen Handelsbilanz inländischer Unternehmen führte.11

2 Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im Finanzsektor

Über die 1990er Jahre verschlechterte sich die Lage des Landes zunehmend. Im Jahr 1999 sollte der neue Präsident Fernando de la Rúa Argentinien aus der Rezession führen. Während das Volk für die Abwertung des Peso auf den Straßen demonstrierte, wollte die Regierung die Bindung des Peso an den US-Dollar definitiv beibehalten. Deshalb nahm die Regierung unter de la Rúa eine Umwandlung der Schulden vor. Die Staatsanleihen sollten dabei in Darlehen an den argentinischen Staat umgewandelt werden. Somit wurden Zinszahlungen und Fälligkeiten gestreckt.12 Außerdem nahm Wirtschaftsminister Domingo Cavallo eine Änderung des Konvertibilitätsgesetzes vor. Der Peso wurde zur Hälfte an den US-Dollar und zur Hälfte an den Euro gebunden.13 (bei einem Wechselkurs von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] entspräche ein Peso somit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Mit dieser Maßnahme sollte Argentiniens Wettbewerbsfähigkeit verbessert und zusätzlich die Abhängigkeit vom USD gesenkt werden. Zudem ließ de la Rúa die Konten der argentinischen Bürger einschränken (unter dem Begriff Corralito bekannt), da es massive Anzeichen für eine einsetzende Kapitalflucht aus dem argentinischen Bankensystem gab. Diese Einschränkung hatte zur Folge, dass nur noch 250 Pesos pro Woche von einem Konto abgehoben werden konnten.14 Diese Maßnahme schwächte jedoch das Vertrauen der argentinischen Bevölkerung in die Regierung.15 Fernando De la Rúa legte sein Amt im Dezember 2001 nieder, während die Regierung Argentiniens ihre Zahlungsunfähigkeit erklärte. Nach Fernando de la Rúa folgten innerhalb von 13 Tagen fünf Präsidenten, bis schließlich Anfang 2002 Eduardo Alberto Duhalde Maldonado ins Amt trat. Er hob die Peso-Dollar-Bindung auf. Mit der Zeit öffneten einige Bankfilialen erneut ihre Pforten und auch die Industrieproduktion wurde angeregt, da durch den billigen Peso, Exporte für die Argentinier günstiger wurden.16

Viele Anleger wechselten Peso in US-Dollar, um das politische und wirtschaftliche Risiko Argentiniens zu umgehen. Doch mit dieser Handlung begünstigten sie eine Verschlechterung der ökonomischen Situation.17 Von 2000 bis 2002 stieg die Inflationsrate, Arbeitslosenquote und die Staatsverschuldung trotz Duhaldes Engagement.18 Im April 2003 legte Eduardo Alberto Duhalde Maldonado sein Amt nieder.

2.1 Rezession des Bankensektors und deren Ursachen

Im Januar 2002 hatte der damalige argentinische Präsident Eduardo Duhalde alles in seiner Macht stehende getan, „um den fluchtartigen Rückzug der Banken aus Buenos Aires aufzuhalten“19. Das Finanzteam, unter der Führung von Wirtschaftsminister Roberto Lavagna, war bestrebt „Finanzintermediäre zur Rekapitalisierung der angeschlagenen Wirtschaft zu motivieren“20, um die Attraktivität wieder herzustellen und Argentinien nicht dem freien Fall zu überlassen. Durch die stetige Kapitalflucht und den Rückzug des Bankensektors, bezifferte die Rating Agentur Moody´s den Verlust des argentinischen Bankensystems im Januar 2002 auf 54 Mrd. US-Dollar.21 Dieser Rückgang spiegelte sich gleichzeitig in dem Verlauf des argentinischen Leitindex MERVAL wider, der am 30.11.2001 mit 193,4 Punkten den seit langem stärksten Tiefpunkt verzeichnete.22

Die primären Ursachen für eine derartige Schwächung des Finanzsystems lassen sich anhand von drei Faktoren festmachen: 1. Wechselkursrisiko, 2. Zinsrisiko und 3. Länderrisiko23. Durch den zunehmenden Globalisierungsprozess werden Finanzintermediäre einem zunehmenden Wechselkursrisiko ausgesetzt.24 „Hält eine argentinische Bank mehr in US- Dollar nominierte Verbindlichkeiten als Vermögenswerte (net short), so kann dieses Ungleichgewicht in der Bilanz bei einer Wertsteigerung des US-Dollars gegenüber dem argentinischen Peso zu großen Verlusten führen“25. Dieser Tatbestand traf auf viele argentinische Banken zu, was nach dem Wechselkursschock im Januar 2002 zu Illiquidität im Finanzsektor und zu einem Flächendeckenden Bankrott der Banken führte.26 Des Weiteren hatten die Finanzinstitute mit zunehmenden Zinsen zu ringen. „hält eine Bank Vermögenswerte mit einer durchschnittlich eher langen Laufzeit und Verbindlichkeiten mit eher kurzer Laufzeit, führt ein Zinsanstieg zur Verminderung des Eigenkapitalanteils.“27 Abhängig von der Stärke der Zinserhöhung kann dies zu einer negativen Eigenkapitalquote und somit zur Insolvenz führen, was letztendlich auch geschah.28

Das Länderrisiko, welches den dritten entscheidenden Faktor widerspiegelt, „besteht für Gläubiger darin, dass ein Schuldnerstaat seinen Zins-oder Tilgungszahlungen nicht nachkommen kann“29. Durch die Zinsdifferenz der Staatsanleihe des Schuldnerlandes und die der USA, lässt sich das Risiko bestimmen, welches mit einer Risikoprämie versehen ist, die die mögliche Zahlungsunfähigkeit berücksichtigt.30 Monate vor dem eigentlichen technischen default sahen Gläubiger und Investoren, dass Argentiniens Zukunft keinesfalls positiv aussieht und stoppten den Geldfluss, was die Zinsen für argentinische Staatsanleihen rapide ansteigen ließ.31 Durch Kapitalflucht und Isolation Argentiniens vom internationalen Kapitalmarkt, verschärfte sich die finanzielle Situation noch weiter, und führte zu einer hohen Instabilität des Landes und somit auch zur Rezession des gesamten Finanzsektors.32 Durch die stetig zunehmende Kapitalflucht, welche eines der wichtigsten Symptome einer Finanzkrise verkörpert, wuchs die Kapitalknappheit, was schließlich zum Zusammenbruch des argentinischen Finanzsystems führte.33

2.2 Die Beziehung zwischen Argentinien und dem IWF

Der IWF hat die Aufgabe das globale Finanzsystem zu stabilisieren.34 Im Laufe der gesamten Finanzkrise verlor Argentinien das Vertrauen vieler Gläubiger und Kreditgeber, weshalb es vom IWF und dessen Krediten zunehmend abhängig wurde.

Eine wichtige Maßnahme gegen die Krise war die Einigung Argentiniens mit dem IWF zur Vergabe eines neuen Kreditpakets.35 Die Kredite bekam Argentinien allerdings nur durch streng erlegte Auflagen, die es innerhalb einer bestimmten Zeit durchzusetzen hatte. Durch die ständig wechselnde Regierung, hatte es das Land immer schwerer zu Krediten des IWF zu gelangen. Oft wurde spekuliert, ob der IWF negative Auswirkungen auf Argentinien hat, da er zwar Kredite an Argentinien vergab, es jedoch nie zu Zuflüssen frischer Gelder für Argentinien kam, sondern die Schulden des Landes kontinuierlich anstiegen. Es entstand der Eindruck, dass Argentinien sich nur beuge, um an neue Kredite zu gelangen. Viele Wirtschaftsexperten rieten deshalb dem IWF vom „direkten Helfer“ zum Berater umzusatteln.36

[...]


1 Bickel 2005, S. 10 .

2 Bickel 2005, S. 34 .

3 Vgl. Bickel 2005, S. 34 .

4 Bickel 2005, S. 34 .

5 Bickel 2005, S. 34 .

6 Vgl. Bickel 2005, S. 34 .

7 Vgl. Bickel 2005, S. 34 .

8 Bickel 2005, S. 34.

9 Vgl. Bickel 2005, S. 35 .

10 Vgl. Bickel 2005, S. 35 .

11 Vgl. Bickel 2005, S. 35 .

12 Vgl. Meier 2010 .

13 Vgl. Bickel 2005, S. 36 -37.

14 Vgl. Silveira 2002 .

15 Vgl. Silveira 2002 .

16 Vgl. Bickel 2005, S. 38

17 Vgl. Bickel 2005, S. 39.

18 Vgl. Jost 2003 .

19 Bickel 2005, S. 29 .

20 Bickel 2005, S. 29 .

21 Vgl. Bickel 2005, S. 29 .

22 Vgl. F.A.Z. 2005 .

23 Vgl. Bickel 2005, S. 29 .

24 Vgl. Bickel 2005, S. 29 .

25 Bickel 2005, S. 29 -30.

26 Vgl. Bickel 2005, S. 30 .

27 Bickel 2005, S. 30 .

28 Vgl. Bickel 2005, S. 30 .

29 Bickel 2005, S. 30 .

30 Vgl. Bickel 2005, S. 30 .

31 Vgl. Bickel 2005, S. 30 .

32 Vgl. Bickel 2005, S. 30.

33 Vgl. Bickel 2005, S. 30 .

34 Vgl. Bickel 2005, S. 25.

35 Vgl. Bickel 2005, S. 25.

36 Vgl. Jost 2003 .

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656454946
ISBN (Buch)
9783656462255
DOI
10.3239/9783656454946
Dateigröße
951 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229674
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
Argentinien Staatsbankrott Finanzsektor Bankensektor Krise Fianzkrise

Autoren

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