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Sexualisierte Gewalt

Missbrauchsfamilien und Handeln des Täters

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition: Sexualisierte Gewalt
2.1. Das Problem der Begriffsklärung
2.2. Klassifizierungsmöglichkeiten und Einordnung der sexualisierten Gewalt

3. Die Missbrauchsfamilie
3.1. Der Täter außerhalb der Familie
3.2. Der Täter innerhalb der Familie

4. Der Täter
4.1. Ursachen und Motivation
4.1.1. Ursachenmodelle
4.1.2. Handlungsmotivation
4.2. Vorbereitung und Durchführung
4.3. Folgen

5. Ergebnisse

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich mit der Fragestellung auseinandersetzen, wie Täter und Missbrauchsfamilien von sexualisierter Gewalt miteinander in Zusammenhang stehen. Dabei werde ich auch darauf eingehen, was eine Missbrauchsfamilie von einer normalen Familie unterscheidet und wie der Täter sein Handeln organisiert.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich finde, dass sexualisierte Gewalt, insbesondere an Kindern, ein gesellschaftliches Problem darstellt, was nicht verschwiegen, verleugnet oder worüber hinweggesehen werden kann und darf. Deshalb sollte dieses Problem sowohl der Schule, im Elternhaus, als auch in der breiten Öffentlichkeit öfter und nicht nur zu bestimmten Anlässen, wie der erneuten Vergewaltigung und Tötung oder Verstümmelung eines kleinen Jungen oder Mädchens thematisiert werden.

Zur Beantwortung der o.g. Fragestellung werde ich zunächst versuchen sexualisierte Gewalt in ihrem gesamten Spektrum zu erfassen, Stärken und Schwächen dabei herausstellen, eine Aussage darüber treffen zu können, was sexualisierte Gewalt im breiteren und engeren Sinne eigentlich bedeutet und abschließend versuchen eine geeignete Definition dafür zu finden. Danach wende ich mich der Missbrauchsfamilie zu und werde zunächst die Missbrauchsfamilie darstellen, in welcher der Täter nicht Bestandteil der Familie ist und danach diejenige, in welcher der Täter zur Familie gehört. In beiden Fällen werde ich zunächst erläutern, was für ein Verhältnis vorherrscht und danach darauf eingehen. was die Missbrauchsfamilien von einer normalen Familie unterscheidet. Anschließend werde ich mich noch dem Täter und seinem Handeln zuwenden, Ursachenmodelle und Handlungsmotive analysieren, den Ablauf eines sexuellen Übergriffes in seine Teilschritte zerlegen und in diesem Zusammenhang die Tat ableiten. Dabei werde ich mich auch kurz mit den Folgen eines sexuellen Übergriffes beschäftigen. Abschließend werde ich die Ergebnisse meiner Arbeit zusammentragen, auswerten und versuchen eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu erhalten.

2. Definition:sexualisierte Gewalt

2.1. Problem der Begriffsklärung

Wenn über sexualisierte Gewalt gesprochen wird, fällt dieser Begriff oft in Zusammenhang mit dem häufiger verwendeten Terminus des sexuellen Missbrauchs, der allerdings von vielen Seiten scharf kritisiert wird, da er einen „ordnungsgemäßen Gebrauch“ im Umgang mit Menschen, insbesondere Kindern suggeriert, was insofern nicht möglich ist, dass Kinder und Menschen keine Gebrauchsgegenstände, sondern frei denkende und handelnde Individuen sind.[1] Das Wort Missbrauch kann in diesem Falle ebenso die Bedeutung des angesprochenen Themas verharmlosen und ist zudem nicht darauf ausgelegt ist, eine sehr tiefgreifende Assoziation, von dem zu geben, was eigentlich gemeint ist. So werden oftmals in den Medien sexuelle Übergriffe auf Kinder mit dem Begriff sexueller Missbrauch abgetan, ohne eine klare Vorstellung davon zu liefern, ob es sich hierbei nun um eine Vergewaltigung, eine Nötigung zu sexuellen Handlungen oder beides handelt. So geht mit diesem Begriff eine gewisse Leichtfertigkeit einher und eine Verharmlosung der eigentlich angesprochenen Thematik. Allerdings ist das Wort Missbrauch insofern auch nützlich, da es als Oberbegriff für eine weitere Klassifizierung dienen kann. Dazu kommt, dass es außer den Begriffen sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch unzählige weitere Begriffe, wie z.B. Vergewaltigung, sexuelle Misshandlung, sexuelle Ausbeutung, usw. gibt, die allesamt ihre Existenzberechtigung haben und einen bestimmten Teilaspekt näher beleuchten.[2]

2.2. Klassifizierungsmöglichkeiten und Einordnung der sexualisierten Gewalt

Nach Wipplinger/Amann gibt es zwei Möglichkeiten, wie Definitionen von sexuellem Missbrauch klassifiziert werden können. Zum einen, ob sie eng oder weit gefasst werden können oder zum anderen nach entsprechenden Aspekten, d.h. gesellschaftlich (normativ), feministisch, entwicklungspsychologisch, rechtlich und klinisch.[3] Dazu ist anzumerken, dass hier keine klaren Grenzen vorliegen und sich Definitionen manchmal auch mehreren Aspekten zuordnen lassen.

Eine Definition zu sexualisierter Gewalt im engeren Sinne wäre somit beispielsweise, dass ein sexueller Körperkontakt zwischen einem Erwachsenen oder Jugendlichen und einem Kind stattfindet, der unter Druck oder Zwang ausgeübt wird.[4] Kompliziert wird es hier insofern, dass mit dieser Aussage bestimmte Definitionskriterien angesprochen werden, über die kein Konsens herrscht. Darunter fallen:

1. Das Alter des Opfers
2. Altersdifferenz zwischen Täter und Opfer
3. Beziehung zwischen Täter und Opfer
4. Art und Dauer der sexuellen Handlung
5. Missachtung des kindlichen Willens
6. Folgen der sexuellen Handlung u.a.[5]
Diese Kriterien müssen nicht zwangsläufig immer zutreffen und werden oft als sehr ungenau und oberflächlich beschrieben.[6] Allerdings sind sie für einen Zugang zum Thema nicht zu verachten, da hier bereits generelle Faktoren angesprochen werden, die auch für die Beurteilung einer bestimmten Tat, beispielsweise im rechtlichen Sinne von Bedeutung sein können. So sind die Punkte 2, 3, 4 und 5 für die Rechtsprechung von erheblicher Bedeutung zur Urteilsfindung, allerdings können Punkt 1 und 6 hier keine Anwendung finden, da der Täter ebenso noch minderjährig sein kann, wie sein Opfer und die Folge der Handlung ja bereits eine Verhandlung vor Gericht sein kann. Insofern können diese Faktoren nur bedingt zu Rate gezogen werden und sind immer kontextabhängig.
Die weiten Definitionen zur sexualisierten Gewalt dagegen müssen nicht zwangsläufig den sexuellen Körperkontakt beinhalten, schließen ihn aber nicht aus. Hierzu werden allerdings auch alle sexuellen Handlungen ohne Körperkontakt gezählt. Dazu gehören u.a. auch „…Handlung[en], wie obszöne Anreden, Belästigung, Exhibitionismus, Anleitung zur Prostitution, die Herstellung von pornographischen Materials usw…“[7] Das heißt, in einer Definition ausgedrückt:
„Dabei werden vor oder an der Person Handlungen vorgenommen oder von ihr verlangt, […] die in unserer Gesellschaft in weiterem Sinne mit Sexualität in Verbindung gebracht werden. Die Handlungen erfolgen unter Ausnutzung von Ressourcen- bzw. Machtunterschieden gegen den Willen der Person“[8]
Aus dieser Definition ergeben sich noch zwei weitere Definitionskriterien, die bislang noch nicht Erwähnung fanden, nämlich:
7. Der kulturelle Hintergrund der Tat und
8. Machtunterschied zwischen Täter und Opfer.

Wenn man diese zwei Kriterien mit in die Betrachtung hineinzieht, so erkennt man, dass man sich mit dem Begriff der Kultur und der Macht- bzw. Autoritätstruktur in einem normativen Raum bewegt und es hier somit eine Überschneidung zwischen der weiten Definition und der Gesellschaftlichen Definition gibt. So kann man allerdings auch gleichsam Beispiele für eine Definition finden, welche ihren Schwerpunkt auf Feminismus legt und aussagt, dass es sich besonders um sexuelle Handlungen gegen junge Mädchen handelt oder es kann aus entwicklungspsychologischer Sicht hervorgehoben werden, dass als Folge der sexuellen Handlung (des Vergehens) ein Schaden im Entwicklungsprozess des Kindes stattgefunden hat, was allerdings nicht immer zutreffen muss.

Zusammenfassend lasst sich also sagen, dass es eine allgemeingültige Aussage, was sexualisierte Gewalt eigentlich ist, nicht treffen lässt. Es lassen sich lediglich Teilbereiche dieser komplexen Begrifflichkeit miteinander in Verbindung bringen und so wäre mein Vorschlag einer Definition von sexualisierter Gewalt:

Sexualisierte Gewalt umfasst im engeren Sinne den geschlechtlich-sexuellen Körperkontakt (anal, oral, vaginal) eines Täters (Jugendlicher oder Erwachsener) mit einem Kind (Jungen oder Mädchen), im weiteren Sinne auch den ungeschlechtlich-sexuellen Körperkontakt (reiben und/oder anfassen von Körper oder Körperteilen aneinander) oder den platonisch-sexuellen Kontakt (Exhibitionismus, Zeigen von pornographischem Material, etc.), unter dem Druck oder der Androhung von physischer und/oder psychischer Gewalt und dem Missbrauch von Macht-und Autoritätsstrukturen, zur Bedürfnisbefriedigung des Täters (Jugendlicher oder Erwachsener) und Schädigung der Gesamtentwicklung des Kindes (Jungen oder Mädchen).[9]

[...]


[1] Vgl. Bange, S. 46.

[2] Vgl. Wipplinger/Amann, S. 14-15.

[3] Vgl. ebenda, S. 20; Bange, S. 49.

[4] Vgl. Wipplinger/Amann, S. 23.

[5] Ich habe an dieser Stelle, die für meine Betrachtung zentralen Kriterien gewählt. Über die Definitionskriterien besteht kein wissenschaftlicher Konsens und lediglich Punkt 1,2,4 tauchen öfters in der Literatur auf. Vgl. Wipplinger/Amann, S. 19-20.

[6] Vgl. ebenda, S. 20.

[7] Ebenda, S. 23.

[8] Brockhaus/Kolshorn, S.

[9] In dieser Definition habe ich versucht, alle gewonnen Erkenntnisse unterzubringen, natürlich wird die Aussage dadurch sehr kompliziert und schwer greifbar und natürlich wurden darin auch Punkte, wie die Normative der Gesellschaft bzw. die Betonung des feministischen Anspruches u.a. außer Acht gelassen.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656455417
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229708
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,0
Schlagworte
sexualisierte gewalt missbrauchsfamilien handeln täters

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Titel: Sexualisierte Gewalt