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Maximilian I. und Maria von Burgund

Motive und Ziele einer Heiratsverbindung im späten Mittelalter

Seminararbeit 2013 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretische Hintergründe
1.1 Die Dynastie der Habsburger
1.2 Das Herzogtum Burgund

2. Das Treffen von Trier – Vorverhandlungen zur Hochzeit

3. Die Hochzeit von Maximilian I. und Maria von Burgund
3.1 Heirat und Hochzeitsfeier – Darstellung historischer Fakten
3.2 Die Darstellung der Hochzeit in „Der Weißkunig“

4. Die burgundisch-habsburgische Ehe

5. Tod und Erbe Marias

6. Resümee

7. Quellen und Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Literatur
7.3 Beiträge aus Aufsatzbänden
7.4 Beiträge aus dem Lexikon

Einleitung

„Wenngleich das berühmte lateinische Distichon, demzufolge andere Kriege führen mögen, das Haus Österreich aber heiraten, weil diesem Venus beschere, wozu andere Mars bedürften (Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube!/Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus!), möglicherweise die an eine spätere Generation gerichtete Aufforderung zu friedlichen Änderungen der Verhältnisse ist, ist es stets als Eloge auf die Heiratspolitik Kaiser Maximilians I. gedeutet worden, welche die überragende Geltung der Habsburger im frühneuzeitlichen Europa begründet habe.“[1]

Die Hochzeit von Maximilian I. und Maria von Burgund am 19. August 1477 war ein bedeutendes Geschehnis in der Geschichte, denn dieser Bund der Ehe war bezeichnend für die Weiterentwicklung der Herrscherhäuser Habsburg und Burgund.

Papst Pius II. regte bereits 1463 eine Heirat zwischen Maximilian I. und Maria von Burgund an, um die militärische und finanzielle Kraft Burgunds mit dem römischen Kaisertum zu verbinden. Zwar hatten sich die Verhandlungen vorerst zerschlagen, doch das Heiratsprojekt blieb für Karl den Kühnen wegen der Aussicht auf die Erhebung Burgunds zum Königreich weiterhin interessant.[2] „Die Verbindung verschiedener politischer, ökonomischer und symbolischer Machtfaktoren“ brachten Karl den Kühnen und Friedrich III. 1473 in Trier wieder zusammen.[3]

Hier setzt das Thema der vorliegenden Ausarbeitung an. Sie befasst sich mit den Motiven und Zielen einer Heiratsverbindung im späten Mittelalter am Beispiel der Ehe von Maximilian I. und Maria von Burgund. Wer hatte die Eheschließung angeregt? Welcher Grundgedanke stand anfänglich dahinter bzw. welche Vorteile ergaben sich für die einzelnen Herrscherhäuser aus dieser Verbindung? Ziel der Arbeit ist

es zu untersuchen, welche Motive und Ziele hinter dieser Vermählung standen und wie es Maximilian und Maria letztendlich mit ihrer Ehe erging.

Die Arbeit ist dazu in fünf Themenbausteine unterteilt. Der erste Themenkomplex schildert sowohl die Situation der Habsburger wie auch der Burgunder vor der Hochzeit, um einen kurzen theoretischen Überblick über die Hintergründe zu schaffen. Im zweiten Themenbaustein werden die Vorverhandlungen zur Eheschließung in Trier dargelegt, um anschließend auf die Hochzeit an sich einzugehen. Hierzu werden die historischen Fakten wie auch Maximilians eigene Erzählungen im „Weißkunig“ betrachtet. Der vierte Themenkomplex bezieht sich auf die Beziehung zwischen

Maximilian und Maria, und als abschließender Punkt werden der Tod und das Erbe

Marias erläutert um schließlich ein Fazit ziehen zu können.

Die Quellenlage ist für das späte Mittelalter relativ günstig, für die Ausarbeitung lag der „Weißkunig“ von Maximilian selbst sowie der Ehevertrag des Paares und ein Brief Maximilians an seinen Freund aus der Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe vor. Die Suche nach passender Forschungsliteratur gestaltete sich etwas schwieriger. So schrieb bereits Karl Vocelka in seinem Buch: „Die Publikationen über die Habsburger sind von großer Quantität, nicht immer von großer Qualität. Ein überwiegender Teil der Bücher zum Thema ist biografisch orientiert, häufig sind es Kompilationen aus älterer Literatur. […] Letztlich sind viele dieser Publikationen Geschichten Österreichs bzw. der Habsburgermonarchie aus dem Blickwinkel der Dynastie.“[4]

In dieser Arbeit werden u.a. Hermann Wiesflecker, Manfred Hollegger und Christina Lutter auf der Suche nach Antworten helfen.

1. Theoretische Hintergründe

In diesem Kapitel soll zunächst für das theoretische Verständnis ein verkürzter Einblick in die Entwicklungsgeschichten von Habsburg und Burgund gegeben werden. Anhand von einigen bedeutenden Ereignissen werden die damaligen Gegebenheiten in den Herrscherhäusern vor der Hochzeit von Maximilian I. und

Maria von Burgund aufgezeigt, um einen kurzen Überblick über die Umstände zu geben, die schlussendlich den Weg zu dieser Heiratsverbindung ebneten.

1.1 Die Dynastie der Habsburger

Die Familie Habsburg stammte aus dem Aargau in der Schweiz, wo auch die namensgebende „Habichtsburg“ liegt. Sie benannten sich, wie viele andere Geschlechter ebenfalls, nach ihrer Stammburg, und somit war der Name Habsburg folglich der Familienname. Der Besitz der Habsburger vermehrte sich im Laufe des hohen Mittelalters beachtlich, insbesondere das Erbe der Lenzburger Grafen, welches die Habsburger antraten, erweiterte ihren Besitz im Aargau. Desweiteren gab es Hausgüter im Elsass, in Schwaben und im Schwarzwald. „Nicht groß genug, um die reichsfürstlichen Sonderbestrebungen ernsthaft zu stören, schienen die Habsburger den Kurfürsten für die deutsche Königskrone gerade recht“[5], und so wurde Graf Rudolf als erster seines Hauses 1273 zum römisch-deutschen König gewählt.

Während der Schlacht auf dem Marchfeld im Jahre 1278 gelang es Rudolf seinen böhmischen Widersacher Ottokar zu besiegen, und das babenbergische Lehen - Nieder- und Oberösterreich sowie die Steiermark – wurde von Rudolf 1282 an seine Söhne Rudolf II. und Albrecht I. zum Lehen gegeben. „Damit begründeten die Habsburger eine Hausmacht in Österreich, die bis zum Ende ihrer Herrschaft das Kerngebiet bleiben sollte.“[6]

Es gelang den Habsburgern im Laufe des späten Mittelalters ihre Erblande weiträumig auszudehnen, sie erwarben 1335 Kärnten und Krain und schließlich 1365 auch Tirol. Albrecht I. versuchte schließlich, das Herzogtum Schwaben wieder herzustellen und außerdem Böhmen und Ungarn zu gewinnen, und ein „geschlossenes System habsburgischer Länder, Österreich, Steiermark, Böhmen, Thüringen, Meißen, dazu die Vorlande am Oberrhein, im Elsass, Schwaben und in der Schweiz, drohten den ganzen Süden habsburgisch zu machen“[7].

Mehr als einhundert Jahre später wurde Friedrich III. zum König und künftigen Kaiser gewählt. Friedrich konnte „mit den geringen Mitteln seiner

innerösterreichischen Hausmacht das große Erbe nicht halten und noch weniger das Reich regieren“[8], und nicht selten gab es Fehden sowie Grenz- und Erbstreitigkeiten. Auch in den eigenen Ländern hatte er enorme Schwierigkeiten, sein eigener Bruder Albrecht VI. machte ihm schließlich Wien und die niederösterreichischen Länder streitig.[9] Darüber hinaus war im Mai 1453 Konstantinopel nach fast einjähriger Belagerung in die Hand der Türken gefallen, und die Osmanen hatten sich nun als jüngste Großmacht des Mittelalters an den Grenzen Europas etabliert, so dass man sie bald auch an den Grenzen Österreichs und Ungarns erwarten musste.

Nach dem Tode von Ladislaus Postumus, der nachgeborene Sohn Albrechts II., zerriss abschließend das Band, welches die österreichischen Länder mit Böhmen und

Ungarn zusammenschloss, und nach dem „unaufhaltsamen Abfall der Königreiche Ungarn und Böhmen war auch der Kern der österreichischen Erbländer von Zerspaltung bedroht“[10]. Bald kam es zum Streit um das Erbe von Ladislaus. Albrecht VI.beanspruchte dieses für sich, und dem Streit zwischen den Brüdern folgte ein Bürgerkrieg. Wien wurde zum Mittelpunkt der Geschehnisse, und Friedrich III. wurde samt seiner Familie in der Hofburg belagert. „Als Albrecht VI. überraschend starb (1463), schien Gott selber die Ordnung wieder hergestellt und dem Kaiser das Seinige zurückgegeben zu haben.“[11] Als sich Friedrich III. zu den Verhandlungen über eine Eheverbindung seines Sohnes mit Maria von Burgund begab, versprach er sich davon die notwendigen Macht- und Finanzmittel um seine bestehenden Ansprüche endlich durchzusetzen.[12]

1.2 Das Herzogtum Burgund

Die Bildung des Staates Burgund setzte in der Mitte des 14. Jahrhunderts ein. Auf dem Boden des alten Lotharingien entstand aus verschiedenen, weder national noch kulturell einheitlichen Ländern, welche teils aus Reichslehen und teils aus Kronlehen bestanden, eine bedeutende Kulturlandschaft im Herzen Europas. Unter seinen vier Herzögen Philipp dem Kühnen (1364-1404), Johann ohne Furcht (1404-1419),

Philipp dem Guten (1419-1467) sowie Karl dem Kühnen (1467-1477) wuchs Burgund zu einem beträchtlichen Territorialstaat heran.

König Johann II. von Frankreich hatte seinerzeit beim Aussterben der alten Herzoge das französische Herzogtum Burgund eingezogen und nicht etwa dem Thronfolger, sondern seinem Lieblingssohn Philipp dem Kühnen übertragen. Durch seine Hochzeit mit Margarethe von Flandern erwarb Philipp die Grafschaften Flandern, Artois, die Freigrafschaft Burgund sowie andere Gebiete dazu und begründete damit dieses selbstständige Zwischenreich.

Philipps ältester Sohn Johann wurde sein Nachfolger, und durch seine Ehe mit Margarethe von Bayern gewann er die Grafschaften Holland, Seeland, Friesland und den Hennegau hinzu, welche durchweg Lehen des Reiches waren.

Der dritte Herzog Philipp der Gute, ältester Sohn Johanns, fügte die Länder Brabant und Limburg hinzu. Diese Ländermasse nahm auch die dazwischenliegenden

Kirchenländer von Lüttich, Cambrai und Utrecht unter ihren Schutz. Im Verlauf des Hundertjährigen Krieges eignete er sich außerdem die französischen Lehen Picardie, Boulogne, Mâcon, Auxonne und schließlich Namur und Luxemburg an.

Inmitten dieser Ländergruppen lag das Herzogtum Lothringen, welches die Burgunder Herzoge immer gerne in Beschlag genommen hätten um den Anschluss an das Mittelmeer zu finden, und im Kampf um Lothringen fiel auch der letzte Herzog von Burgund, Karl der Kühne.[13] Karl praktizierte eine scharfe antifranzösische Politik, und durch die Eroberung von Lothringen und der damit verbundenen territorialen Verbindung seiner Besitzungen strebte er ein Königreich unter kaiserlicher Oberhoheit an.

Der große Flächenumfang, die Bevölkerungszahlen sowie die militärische und finanzielle Kraft machten die burgundischen Länder zu einem mächtigen Staat Europas, der Reichtum der einzelnen Länder gestattete den Herzogen die Kriegs- und Friedenspolitik einer Großmacht. Als Herr über so viele und reiche Länder konnte Karl der Kühne mit Recht die Nachfolge im Kaisertum anstreben.[14]

Papst Pius II. hatte bereits 1463 eine Hochzeit des Kaisersohnes mit Maria von Burgund angeregt, um die Stellung des Kaisers im Reich durch die burgundische Großmacht zu verstärken und beide gegen die Türken einzusetzen. Allerdings

[...]


[1] Heinig, Paul-Joachim: Maximilian und die Frauen. In den Fängen der dynastischen Politik. In: Kaiser Maximilian I. Bewahrer und Reformer. Hrsg. v. Georg Schmidt-von Rhein. Ramstein 2002. S. 69.

[2] Vgl.: Hollegger, Manfred: Maximilian I. (1459-1519) Herrscher und Mensch einer Zeitenwende. Stuttgart 2005. S.29.

[3] Lutter, Christina: Maximilian I. (1486-1519) In: Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Histori-

sche Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519). Hrsg. v. Bernd Schneidmüller u.a. München 2003. S. 526.

[4] Vocelka, Karl: Die Familien Habsburg und Habsburg-Lothringen. Politik-Kultur-Mentalität. Wien 2010. S. 7.

[5] Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. Die Fundamente des habsburgischen Weltreichs. Wien 1991. S. 17.

[6] Vocelka, Karl: Die Familien Habsburg und Habsburg-Lothringen. S. 19.

[7] Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 18.

[8] Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 22.

[9] Vgl.: Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 22 – 23.

[10] Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 25.

[11] Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 26.

[12] Vgl.: Lutter, Christina: Maximilian I. (1486 – 1519). S. 526.

[13] Vgl.: Wiesflecker, Hermann: Maximilian I. S. 36 – 37.

[14] Vgl.: Ebenda. S. 37.

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656449294
ISBN (Buch)
9783656449515
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229724
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Gesellschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
maximilian maria burgund motive ziele heiratsverbindung mittelalter

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