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Höfisches Leben im Mittelalter. Das ritterliche Turnier

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Turnier
2.1. Die Formen
2.2. Turniergegner

3. Das Turnier in der Literatur
3.1. Das Turnier von Nantes
3.3. Parzival

4. Abschluss

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ez wart ein turney dâ her
gesprochen: des enwart hie niht.
manec geziuc mir des giht.
den hât ein vesperîe erlemt.
die vrechen sint sô hie gezemt,
daz der turney dervon verdarp.[1]

Das höfische Leben im Mittelalter war sowohl bestimmt durch militärische Übungen als auch durch Freizeitaktivitäten. Wenn ein Adliger nicht gerade als miles in den Krieg zog, beschäftigte er sich mit dem Zelebrieren von Festen und höfischen Sportarten wie zum Beispiel dem Jagen. Das zum Beginn des Hochmittelalters aufkommende Turnier bildet eine Synthese aus beidem. Sowohl militärisch-kriegerische als auch sportlich-freizeitliche Aspekte wurden in höchstem Maße abgedeckt.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte des Turniers im Mittelalter. Zunächst wird die Entwicklung dieser Sportart von einer militärisch notwendigen Übung zu einem stark symbolisch aufgeladenen Inszenierungsakt beschrieben und die unterschiedlichen Formen des Turniers erklärt. Außerdem wird näher auf die Gegner des Turniers eingegangen. Im darauf folgenden Abschnitt wird es exemplarisch darum gehen, wie sich das ritterliche Turnier in der zeitgenössischen Literatur niederschlug. Dabei werden die Autoren Konrad von Würzburg und Wolfram von Eschenbach eingehender betrachtet.

Zu diesem Thema sind schon sehr viele unterschiedliche Aufsätze und Monographien erschienen. Auf drei Werke soll in dieser Arbeit ganz besonders Bezug genommen werden: Zum einen ist Richard Barbers und Juliet Barkers Werk Die Geschichte des Turniers zu nennen. Das Buch hat sich als hervorragende, da sehr detaillierte, Grundlage zu diesem Thema herausgestellt. Auch der von Josef Fleckenstein herausgegebene Sammelband Das ritterliche Turnier im Mittelalter bietet eine sehr ausführliche, jedoch trotzdem übersichtliche Darstellung des Stoffs. Als drittes Werk ist noch die zweibändige Monographie Höfische Kultur Joachim Bumkes, der einen enorm umfangreichen Abriss über das gesamte höfische Leben im Mittelalter verfasst hat, zu nennen. Allerdings ist die darin entwickelte These, die höfische Literatur sei die beste Quelle für höfisches Leben,[2] kritisch anzusehen und entweder zu legitimieren oder gar zu widerlegen, was in dieser Arbeit, indem gerade die Literatur betrachtet wird, auch versucht werden soll.

2. Das Turnier

Der Kampf und der Wettkampf haben seit Anbeginn der Zeit die Menschen unterschiedlichster Kulturen bewegt und waren ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Wie bei den Römern so auch bei den Germanen in der Antike hat es Reiterspiele und Schaukämpfe gegeben.[3] Turniere dienten zur Stärkung der Körperkraft, dem militärischen Training und der Übung von Waffenfertigkeiten.[4] Die Anfänge des mittelalterlichen Turniers in den Formen, wie es sich im gesamten Hoch- und Spätmittelalter etablierte und das auch heute noch allgemein als mittelalterliches Turnier bekannt ist, lassen sich im Frankreich des ausgehenden elften Jahrhunderts finden. So ist beispielsweise beim Tod eines französischen Adligen namens Geoffroi de Preuilly im Jahr 1066 die Rede davon, dass er die Turniere erfunden haben soll.[5] Im Jahr 1095 soll Graf Heinrich III. von Löwen bei einem Turnier getötet worden sein.[6] Zwar finden sich schon früher Belege für turnierähnliche Reitmanöver, wie bei einem Fest Ludwigs des Deutschen und Karls des Kahlen um 842, jedoch trugen diese Reitspiele noch nicht den Charakter des Turniers als echten Wettkampf, der nun hier näher erklärt werden soll.[7]

Der Begriff Turnier wird von dem französischen Verb tornoier abgeleitet und bedeutet so viel wie „sich drehen, kreisen, wirbeln“ bzw. „zu Pferde kämpfen“.[8]

Eine der wichtigsten und ausschlaggebendsten Gründe für das Aufkommen des Turniers war eine Neuerung in der militärischen Bewaffnung in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die sogenannte „eingelegte Lanze“, die fest unter den rechten Arm geklemmt wurde, ermöglichte es, schwerere und längere Lanzen zu benutzen.[9] Zuvor gab es nur die Möglichkeiten, die Lanze entweder zu werfen oder damit zuzustechen. Nun konnte der Ritter aus dem Lauf heraus mit der gesamten Wucht seines Anritts sowie dem Gesamtgewicht von Reiter, Pferd und Lanze einen viel kräftigeren Stoß ausführen und die Waffe, sofern sie heil blieb, nach dem Stoß weiter verwenden. Diese neue Form der berittenen Kriegsführung musste trainiert werden, woraus sich die ursprünglichen Formen des Turniers ergeben.[10] Im weiteren Verlauf dieses Abschnitts wird noch genauer auf die unterschiedlichen Formen, die Regeln und die Durchführungen eingegangen. An dieser Stelle jedoch soll vorab ein kurzer Abriss gezeichnet werden über die Turnierentwicklung zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert.

Das Turnier erreichte Deutschland um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Im Turnierbuch Georg Rüxners von 1530 wird das Turnier Heinrichs des Voglers von Magdeburg beschrieben, das dieser schon 938 abgehalten haben soll. Dort heißt es:

„Heinrich / auß Göttlichen Gnaden / Römischer Keyser / der Erst dieses Namens genannt der Vogler / hat auß mercklichen ursachen deß heiligen Römischen Reichs / den ersten Thurnier in Teutscher Nation gen Meydburg auff den Werd gelegt / der auch allda gehalten worden. […] Solchs geschah nach Christi unsers lieben Herren geburt / als man zalt neunhundert und im acht und dreissigsten jar.[11]

Dieses Buch ist sehr interessant: Ursprünglich basierte es auf den Turnierbeschreibungen Georg Rüxners von 1530, die 1566 von Sigmund Feyerabend verlegt wurden und sich damals größter Beliebtheit erfreuten. Im Sommer 1964 brachte Karl R. Pawlas das Buch in 1000facher Auflage als Faksimile Nachdruck heraus.[12] Obwohl es sich bei diesem Werk als ein Stück Heroldsliteratur des 16. Jahrhunderts handelt und deshalb nicht als authentische Beschreibung wahrgenommen werden kann, ist das Turnierbuch Rüxners als Quelle nicht von der Hand zu weisen.[13] Allein die detaillierten Auflistungen der Teilnehmer und Zuschauer von 37 Turnieren und die Tatsache, dass ein solches Werk in Auftrag gegeben und geschrieben wurde, deutet darauf hin, dass sogar noch im 16. Jahrhundert die Begeisterung für die ritterlichen Turniere des Mittelalters bestand.

Frühe Belege von Turnieren in Deutschland finden sich, wenn ein Teilnehmer dabei ums Leben kam. Die Turniere waren allgemein ein sehr gefährlicher Sport, bei dem es nicht selten Tote gab, was bei der genauen Beschreibung der unterschiedlichen Turniertypen noch genauer verdeutlicht wird. So wird beispielsweise von Heinrich von Habsburg oder Adelbert von Grüningen berichtet, wie sie in jugendlichem Alter ihr Leben beim Turnieren verloren.[14] Ein Bericht aus dem Jahre 1175 über den Tod des Grafen Konrad nennt explizit, dass dieser bei einer Übung ums Leben gekommen sei, die man gemeinhin Turnier nenne: „in exercicio militari, quod vulgo tornamentum vocatur“.[15]

Seit den 1170er und 1180er Jahren, vor allem unter der Herrschaft Philipps von Flandern und Heinrich von Champagne, nehmen die Belege für Turniere so enorm zu, dass man hier von der Blütezeit der Turniere sprechen kann, die über ein Jahrhundert andauerte.[16] Wenn man frühen Beschreibungen Glauben schenken kann, wurden um 1230 fast alle zwei Wochen Turniere ausgetragen.[17]

[...]


[1] Wolfram von Eschenbach: Parzival, herausgegeben von Eberhard Nellmann, Frankfurt am Main 2006, Vers 95, 14-19, im Folgenden zitiert als: „Parz“.

[2] Bumke, Joachim: Höfische Kultur, München 1986, S. 17, im Folgenden zitiert als: „Bumke: Kultur“.

[3] Bumke: Kultur, S. 342.

[4] Barber, R. und Barker, J.: Die Geschichte des Turniers, Darmstadt 2001, S. 21, im Folgenden zitiert als „Barber: Turnier“.

[5] Bumke: Kultur, S. 342.

[6] Ebd.

[7] Barber: Turnier, S. 21.

[8] Mölk, Ulrich: Philologische Aspekte des Turniers, in: Fleckenstein, Josef (Hg.): Das ritterliche Turnier im Mittelalter, Göttingen 1986, S. 163-174, hier: S. 163.

[9] Barber: Turnier, S. 22.

[10] Ebd.

[11] Georg Rüxner: Thurnier-Buch, Faks.-Nachdr. [d. Ausg.] Franckfurt am Mayn 1566, herausgegeben von Karl R. Pawlas, Schloss Burgpreppach 1964, S. 47-49, im Folgenden zitiert als: „Thurnier-Buch“.

[12] Thurnier-Buch, Vorwort des Herausgebers.

[13] Barber: Turnier, S. 21.

[14] Bumke: Kultur, S. 344.

[15] Fleckenstein, Josef: Das Turnier als höfisches Fest im hochmittelalterlichen Deutschland, in: Fleckenstein, Josef (Hg.): Das ritterliche Turnier im Mittelalter, Göttingen 1986, S. 229-256, hier: S. 233, im Folgenden zitiert als: „Fleckenstein: Fest“.

[16] Barber: Turnier: S. 30f.

[17] Bumke: Kultur, S. 346f.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656450658
ISBN (Buch)
9783656451594
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229805
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Turnier Ritterliches Turnier Parzival Wolfram von Eschenbach Tjost Nantes pas d'armes Konrad von Würzburg

Autor

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