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Lauftherapie. Positive Auswirkungen von Sport auf die Psyche

Seminararbeit 2012 29 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Gliederung

A) Vorwort

B) Positive Auswirkungen von Sport auf die menschliche Psyche erklärt an Hand des Beispiels der Lauftherapie
1. Auswirkungen von Sport auf die „normale“ menschliche Psyche
1.1 Erholsamerer Schlaf
1.2 Stressabbau
1.2.1 Arten von Stress und deren Folgen
1.2.2 Phasen des Stressverlauf und dessen Wirkung auf den Körper
1.3 Gesteigertes Selbstbewusstsein und verbessertes Selbstbild
1.4 Kreativitäts- und Intelligenzförderung
2. Lauftherapie gegen depressive Erkrankungen
3. Persönlichkeitsveränderungen durch Joggen
3.1 Eyenecks Extraversionsmodell
3.2 Cattells Faktorenmodell
4. Planung und Durchführung eines langfristigen Laufprogramms
4.1 Beachtenswertes vor dem Beginn eines Laufprogramms
4.2 Beispiele für einen Laufplan
4.2.1 Zeitprogramme
4.2.2 Streckenprogramme

C) Nachwort

D) Anhang

E) Literaturverzeichnis
1. Literarische Quellen
2. Internetadressen

A) Vorwort

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Vergleich der benutzten Verkehrsmittel zur Ausbildungsstätte in den Jahren 1996 und 2008 [1]

In der heutigen Zeit ist unser Lebensstil, besonders in der westlichen Welt, von Wohlstand geprägt. Dies führt dazu, dass der moderne Mensch aus Bequemlichkeit zunehmend nur noch mit dem Auto unterwegs ist, anstatt zu Fuß, und sich zu ungesund ernährt. Zudem werden die Entfernungen zur Arbeitsstätte bzw. Ausbildungszentren immer weiter, sodass viele Schüler, Studenten oder Berufspendler motorisierte Verkehrsmittel nutzen. Deutlich wird dies bei einer Umfrage des statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2009 (siehe Abb. 1). Im Vergleich zu 1996 sank im Jahr 2008 die Anzahl der Fußgänger bei Studenten und Schülern um ca. 7 % von 31% auf 23,6%. Dieser zunehmende Bewegungsmangel kann zu den allgemein bekannten Folgen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkran-kungen, Rückenleiden, usw., den sogenannten Zivilisationskrankheiten führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Physische und psychische Beschwerden im Überblick[2]

Es treten jedoch nicht nur körperliche Beeinträchtigungen auf, sondern auch psychische, die, auch wenn sie häufig schwieriger festzustellen sind, nicht vernachlässigt werden sollten und meistens auch behandelt werden müssen. Deutlich wird dies bei einer Erwerbstätigenbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Viele Personen gaben, neben den typischen physischen Beschwerden, auch gesund-heitliche Probleme wie Nie-dergeschlagenheit, allgemeine Müdigkeit, oder sogar Depression an (siehe Ab-bildung 2).

Folglich müssen immer mehr Menschen auf Grund ihrer gesundheitlichen Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Dabei ist bekannt, dass Ausdauersportarten, die im aeroben Bereich betrieben werden, zu einem besseren psychischen Wohlbefinden beitragen können.[3]

Besonders geeignet ist hierfür die Sportart Laufen. Diese kann nämlich ohne kostspielige Ausrüstung und ortsunabhängig jederzeit betrieben werden. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Ausführung der Ausdauersportarten frei von jeglichem Leistungsdruck und ohne die Teilnahme an Wettkämpfen sein sollte, um die gewünschten Effekte zu erzielen. So kann, wenn in weiteren Verlauf des Textes von einem „Läufer“ gesprochen wird, keinesfalls darunter ein Marathonläufer o.ä. verstanden werden, sondern vielmehr eine Person, die ausschließlich von den positiven Effekten des regelmäßigen, langsamen Laufens auf den Körper und die Psyche profitieren möchte.[4]

Im Folgenden sollen einige positive Auswirkungen der oben genannten Sportarten, besonders die des Laufens, auf die nicht erkrankte menschliche Psyche dargestellt werden und die Frage geklärt werden, ob bei einer depressiven Erkrankung Bewegung als ein Bestandteil der Therapie geeignet ist.

B) Positive Auswirkungen von Sport auf die menschliche

Psyche erklärt an Hand des Beispiels der Lauftherapie

1. Positive Auswirkungen von Sport auf die „normale“ menschliche Psyche

Sport hat viele unterschiedliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Menschen. Im Folgenden werden einige Beispiele erläutert, wie sich die Sportart Laufen auf die „normale“ Psyche eines Menschen auswirken kann.

1.1 Erholsamerer Schlaf

Eine positive psychische Auswirkung von Sport ist die Verbesserung des Schlafes.

Schlafen ist der wichtigste Erholungsvorgang in unserem Körper.[5] Durch ihn wird gewährleistet, dass wir im Wachzustand psychisch, als auch physisch belastbar sind.[6]

Es ist bewiesen, dass Ausdauertraining zu einem erholsameren Schlaf führt und Schlafprobleme vermindert.

So zum Beispiel in der Studie von dem amerikanischen Sportmediziner Cooper (1970).

Bei seinem Versuchsablauf wurden Leute in zwei Personengruppen unterteilt, die alle drei Wochen durchgehend mit dem Rücken im Bett liegen mussten. Eine Gruppe jedoch trainierte dreimal täglich an den am Bett angebrachten Fahrradergometern. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass diese Personen nachts regelmäßig acht Stunden schliefen, wohingegen die nicht trainierende Gruppe über Schlaflosigkeit klagte. Die Studie zeigt folglich, dass Ausdauertraining den Sportler schneller einschlafen lässt und zu einem durchgängigen, erholsamen Schlaf beiträgt.[7]

Weiter ist durch die Wissenschaftler Torsvall, Akerstedt & Lindbeck (1984) nachgewiesen, dass es positive Veränderungen während des Schlafens gibt. Sie fanden heraus, dass die sogenannten REM-Phasen, also Phasen nächtlicher Gehirnaktivität, durch Ausdauertraining abnehmen, die Tiefschlafphasen hingegen zunehmen. Dem Sportler wird so zu einem erholsameren Schlaf verholfen.[8]

Erklären lassen sich diese Effekte folgendermaßen: Durch die Bewegung spannen sich die Muskeln an. Nach der Anspannung befinden sie sich jedoch auf einem niedrigeren Reizniveau als vor der Anspannung. Dadurch wird der Sportler ruhiger und entspann-ter.[9]

1.2 Stressabbau

Jeder kennt diese oder eine vergleichbare Situation:

Es ist morgens kurz nach 7 Uhr – „Mist! Verschlafen“. Ein wichtiger Termin steht an. Man ist sehr in Eile während man sich fertig macht, da man den Bus rechtzeitig erwischen muss. In dieser Eile geht alles drunter und drüber, man verschüttet den Morgenkaffee oder kann die benötigten Arbeitsutensilien nicht finden. Außer Atem steigt man in den überfüllten Bus und merkt erst knapp vor der Ankunft am Arbeitsplatz, dass wichtige Unterlagen daheim vergessen wurden, doch die Zeit ist zu gering um umzukehren. Endlich angekommen wird man mit missbilligenden Blicken von den Kollegen oder dem Chef für die Verspätung und die Vergesslichkeit gestraft.

Kurz gesagt: man steht unter enormem Stress. Doch was genau muss man sich unter Stress vorstellen?

1.2.1 Arten von Stress und deren Folgen

Es gibt zwei verschiedene Arten von Stress.

Erstens den negativen Stress (Distress), der in der Form von dem hier beschriebenen Alltagsstress oder auch in Dauerstress auftritt. Nämlich immer dann, wenn der Mensch eine Situation als bedrohlich und gefährdend wahrnimmt.[10]

Alltagsstress, oder Stress der durch eine Lebenssituation hervorgerufen wird, führt oft zu belastenden Gefühlen, die auf Dauer zu einer seelischen Belastung werden können. Zur näheren Darstellung dient Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Alltagstress und schwerer Lebens-Stress (Dauerstress) beeinträchtigen deutlich das seelische Erleben[11]

Zweitens gibt es den positiven Stress (Eustress). Dieser tritt auf, wenn der Mensch in eine Situation kommt, die ihn zwar beansprucht, aber nicht überfordert, sodass er das Gefühl hat die Erwartungen erfüllen zu können. Hier wirkt sich der Stress positiv und motivierend für ihn aus.[12] In der folgenden Ausführung wird auf den negativen Stress und dessen Folgen eingegangen.

Stress kann unterschiedliche Auslöser haben. Die Stressoren von Distress, also dem negativen Stress, können wie beim beschriebenen Alltagsstress z.B. Zeitknappheit, Überforderung, unangenehme Überraschungen oder die Informationsflut sein, aus der der Mensch das wichtige herausselektieren muss. Beim Dauerstress können die Trennung vom Partner, eigene oder Angehörige betreffende schwere Erkrankungen oder Arbeitslosigkeit der Auslöser sein.[13] Die körperlichen Folgen des Stresses sind die Entstehung von Krankheiten oder die Verstärkung bereits vorhandener Krankheiten,[14] wie zum Beispiel Herz-Kreislauf- Beschwerden oder Rückenschmerzen.[15] Es gibt jedoch auch psychische Auswirkungen, wie die Minderung der seelischen Lebensqualität, eine erhöhte Reizbarkeit, oder die Begünstigung der Entwicklung bzw. Auslösung seelischer Erkrankungen.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gedanken/Bewertungen der Umwelt oder der eigenen Person, die bedrohlich bzw. ungünstig wahrgenommen werden und die wesentlichen Körpervorgänge verändern.[17]

In der folgenden Abbildung 4 sind die Zusammenhänge von Gedanken und Vorstellungen, die meist durch Stressoren bedingt sind, den daraus resultierenden Gefühlen und die Auswirkungen auf den menschlichen Körper dargestellt.

1.2.2 Phasen des Stressverlaufs und dessen Wirkung auf den Körper

Was genau passiert mit uns, wenn wir mit so einer Stress hervorrufenden Situation konfrontiert werden?

Die Stress-Reaktion läuft in vier verschiedenen Phasen ab, in denen die Reizleitungssysteme und das vegetative Nervensystem, bestehend aus Sympathikus dem Gegenspieler Parasympathikus, wichtige Funktionen übernehmen.

Im Folgenden ist der Verlauf der vier Stressphasen nach van Duijn dargestellt, denen ich jeweils einen Überbegriff zugeordnet habe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Erregungsphase

In der ersten Phase wird vom Menschen ein auslösendes Signal, wie z.B. ein Geräusch oder ein psychologischer Reiz wahrgenommen. Die Aktivität des Parasympathikus vermindert sich und alle nicht unmittelbar nötigen Körperfunktionen, wie beispielsweise die Verdauung, werden heruntergefahren.

2. Aktivierungsphase

In der sich anschließenden zweiten Phase wird der Sympathikus aktiv. Er erhöht durch die Freisetzung von chemischen Botenstoffen, wie den Hormonen Adrenalin und Noradrenalin, die Atem- und Herzfrequenz, sowie den Blutdruck. Außerdem bewirkt er eine Anspannung der Muskulatur und sorgt für die Freigabe von Zuckerreserven. (vgl. Abbildung 4)

3. Aktions- Handlungsphase

In der dritten Phase kommt es nun zu einer Aktion oder Handlung mit der auf die Situation entsprechend reagiert wird.

4. Erholungsphase

Im Anschluss stellt sich in der letzten Phase vier, der Erholungsphase, das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wieder her.[18]

Früher stellte die Alarmbereitschaft des Körpers für uns eine überlebenswichtige Funktion dar, um sich vor Angreifern zu verteidigen oder vor ihnen flüchten zu können. Doch in der heutigen Zeit besteht so eine Situation im Normalfall nicht. Trotzdem reagiert unser Körper aber mit Stress auf den von uns als Bedrohung wahrgenommenen Reiz und wir werden dadurch täglich unnötig belastet.[19] Mit dem Unterschied zu früher, als der Stress durch die erfolgende Reaktion in der Aktionsphase abgebaut werden konnte, bleibt bei uns meist eine Handlung aus. Die Systeme im Körper können sich nicht normalisieren und der Stress wirkt sich noch lange danach auf uns aus.[20]

Hier kommt nun das Lauftraining ins Spiel. Es stellt eine optimale Möglichkeit dar, nach einer erlebten Stresssituation das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen.[21] Dabei muss man sich die Wirkung des Laufens als eine von sich selbst ausgelöste Kettenreaktion vorstellen. Durch die gleichmäßigen Bewegungen atmen wir gleichmäßiger und ruhiger, was die Erregung des sympathischen Nervensystems vermindert. Die Ausschüttung von Adrenalin wird durch eine bessere Durchblutung des Gehirns reduziert. Die angestauten Energien werden also verbraucht. Nach dem Laufen normalisieren sich die Herz- und Atemparameter wieder und die Entspannungsphase tritt ein.[22] Somit wurde der Stress durch das Laufen abgebaut. Daher ist es empfehlenswert, gerade nach einem stressigen Arbeitstag, an dem man daheim angekommen, sich lieber auf das Sofa legen würde, zum Abbau des Stresses eine Runde Joggen zu gehen. [23]

[...]


[1] Statistisches Bundesamt Deutschland (Hg.), in: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2009__10/2009__10Pendler.psml, Zugriff am 5.11.2011

[2] nach Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hg.), Betriebsinfo Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz in Zahlen, o.O. 2008, S.42

[3] Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S. 181

[4] vgl. Bartmann, U., Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit, Tübingen 2001, S.11

[5] vgl Bartmann, U., Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit, Tübingen 2001, S.31

[6] vgl. Ebd.

[7] vgl. Ebd., S.32

[8] vgl. Ebd.

[9] vgl. Bartmann, U., Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit, Tübingen 2001., S.74

[10] vgl., Ebd., S. 33

[11] Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S.182

[12] vgl. Ebd., S. 34

[13] vgl. Schmidt, U. u.a., Psychologie in Ausdauersportarten., Butzbach-Griedel 2000, S. 56

[14] vgl. Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S. 181

[15] vgl. Ebd., S. 184

[16] vgl. Ebd., S. 185

[17] Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S.183

[18] vgl. Calfish, D., Laufen und Psyche, in:

http://www.zhaw.ch/fileadmin/user_upload/psychologie/Downloads/Bibliothek/Arbeiten/2S/2s0898.pdf S.43, Zugriff am : 30.6.11

[19] vgl. Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S. 185 f.

[20] vgl. Calfish, D., Laufen und Psyche, in:

http://www.zhaw.ch/fileadmin/user_upload/psychologie/Downloads/Bibliothek/Arbeiten/2S/2s0898.pdf S.43, Zugriff am: 30.6.11

[21] vgl. Bartmann, U., Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit, Tübingen 2001, S. 35

[22] vgl. Weber, A., Hilf dir selbst: Laufe!, Paderborn 1999, S. 188

[23] vgl. Bartmann, U., Laufen und Joggen für die Psyche. Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit, Tübingen 2001, S. 36

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656456490
ISBN (Buch)
9783656456902
Dateigröße
4.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229898
Note
1
Schlagworte
positive auswirkungen sport psyche hand beispiels lauftherapie

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Titel: Lauftherapie. Positive Auswirkungen von Sport auf die Psyche