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Institutionen und institutioneller Wandel bei Douglas C. North

Seminararbeit 2012 18 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Definition des Institutionenbegriffs
2.1 Formlose und formgebundene Beschränkungen

3. Verhaltensannahmen der Neoklassik

4. Institutionenökonomische Theorien
4.1 Adaption der neoklassischen Verhaltensannahmen
4.2 Theorie des Verfügungsrechts
4.3 Die Agentur-Theorie
4.4 Die Transaktionskostentheorie

5. Wandel von Institutionen und ihr Einfluss auf die Wirtschaftsleistung
5.1 Wechselwirkung zwischen Institutionen und Wahrnehmung
5.2 Wandel von Institutionen
5.3 Der Einfluss der Pfadabhängigkeit auf Institutionen

6 Zusammenfassung

1. Einleitung

Wir leben in einer Welt in der es einer Minderheit der Staaten möglich ist, ihre Bevölke- rung zu versorgen und ihren Reichtum zu mehren, während es vielen Staaten nicht möglich ist, die grundlegendsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Ausgehend vom Be- ginn der stammesgeschichtlichen Ursprünge der verschiedenen Gesellschaften starteten jedoch alle mit ähnlichen Grundvoraussetzungen, dem Überleben in einer mehr oder min- der feindlichen Umwelt. Doch wieso sind aus den Akteuren mit ähnlichen Startbedingun- gen heute so unterschiedlich leistungsstarke Volkswirtschaften entstanden? Warum sind die Verwaltungen, die Gerichte, sowie die politischen und wirtschaftlichen Systeme unter- schiedlich effizient? Und wieso bleiben die Systeme trotz ihrer offenkundigen Schwächen über lange Zeit stabil? Es scheint klar, dass die Konstruktion einer Gesellschaft ein andau- ernder Prozess ist, in welchem sie sich langsam wandelt. Während die neoklassische Theo- rie einer Beantwortung dieser Fragen jedoch schuldig bleibt, bietet die Institutionenöko- nomie erste Ansätze zu einer Erklärung dieser Unterschiede. Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit werde ich dieser Fragestellung anhand der Arbeiten von Douglass C. North nachgehen und seine wichtigsten Argumente aufgreifen und bearbeiten. Beginnen werde ich mit einer Definition des Institutionenbegriffs nach North, sowie den Beschränkungen, nach welchen eine Gesellschaft funktioniert. Dann werde ich die neoklassischen Verhal- tensannahmen erarbeiten um in einem nächsten Schritt diese an die Verhaltensannahmen in der neuen Institutionenökonomie anzupassen. Im Weiteren werde ich die drei Hauptansät- ze der neuen Institutionenökonomie erarbeiten und sie in einen weiteren Kontext zu den Arbeiten von North stellen. Anschließend werde ich die Wechselwirkung zwischen dem subjektiven Verständnis der Welt des einzelnen Akteurs und den Institutionen einer Ge- sellschaft analysieren, um anhand dieser Theorien den Wandel von Institutionen zu be- leuchten. Abschließend werde ich eine Erklärung für das anhaltend schlechte Abschneiden der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft durch das Phänomen der Pfadabhängigkeit erarbeiten.

2. Die Definition des Institutionenbegriffs

North definiert Institutionen als die Spielregeln einer Gesellschaft bzw. als selbstauferlegte Beschränkung menschlicher Interaktion (North 1992). Sie bilden die Grundregeln, die beim Tausch zwischen Menschen in politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Art stattfinden. Institutionen dienen in erster Linie dazu Unsicherheiten zu vermeiden, indem sie dem Individuum gewisse Verhaltensregeln vorgeben, das es in seinen Wahlmöglichkei- ten im alltäglichen Leben beschränkt. Dies kann z.B. die Art der Begrüßung eines anderen Menschen sein oder Vorgaben für sein Verhalten im Straßenverkehr. Im Zuge dieser Ver- ringerung von Unsicherheiten kommt es zur Bildung einer stabilen öffentlichen Ordnung. Institutionen bilden den Rahmen menschlicher Interaktion und können sowohl formell nie- dergeschrieben sein, als auch in ungeschriebene Verhaltensnormen präsent sein. Eine klare Differenzierung findet zwischen Institutionen und Organisationen statt: Institutionen sind als Regeln zu verstehen die bestimmen, in welcher Art und Weise das „Spiel“ gespielt wird. Bei Organisationen handelt es sich um Individuen die sich zusammenschließen um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Sie sind in dieser Betrachtungsweise also die „Spieler“, die sich im Rahmen der Regeln bewegen (North 1992). Die Aufgabe von Institutionen in einer Gesellschaft besteht in der Reduzierung der Möglichkeitenmenge aus denen ein Ak- teur wählen kann, was zu einer Verringerung von Transaktionskosten führt.

2.1 Formlose und formgebundene Beschränkungen

Bei formlosen Beschränkungen handelt es sich um Sitten und Gebräuche einer Gesell- schaft, die nicht schriftlich kodifiziert sind, sondern die sich aus den historisch gewachse- nen Konventionen im zwischenmenschlichen Umgang etabliert haben. North nennt hierbei als Triebkraft deren Entstehung die Notwendigkeit der Koordinierung menschlicher Inter- Angrenzung formgebundener Beschränkungen, gesellschaftlich sanktionierte Verhaltens- normen oder als intern bindende Verhaltenskodizes dienen (North 1992). Informelle Be- schränkungen haben auch den Zweck, durch Verringerung der Unsicherheit bei sich re- gelmäßig wiederholenden Interaktionen einen automatischen Vollzug zu gewährleisten, um so die Kosten der Messung und Abstimmung zu minimieren. Formlose Beschränkun- gen legen beispielsweise die Art und Weise fest, wie man einen engen Freund oder einen flüchtigen Bekannten auf der Straße grüßt. Würden die Akteure jedes Mal aufs Neue fest- legen, wie man sich grüßt, wären die Transaktionskosten einer einfachen Begrüßung exor- bitant (ebenda). Die Summe der informellen Beschränkungen, sowie die spezifische Werte und Überzeugungen einer Gesellschaft kann als deren Kultur angesehen werde (Pelikan 2003).

Formgebundene Regeln sind Verträge, die politische und justiziell festgelegte Regeln bzw. Gesetze, menschliche Interaktionen und wirtschaftliches Regeln formell festlegen. Politi- sche Regeln legen dabei fest, wie das öffentliche Leben strukturiert ist, indem sie kodifi- zieren wie das Gemeinwesen aufgebaut ist und welche Funktionen es erfüllt. Außerdem legen sie die Struktur der öffentlichen Willensbildung fest. Wirtschaftliche Regeln be- stimmen die Eigentumsrechte sowie in welcher Form das Individuum über dieses verfügen kann (North 1992).

3. Verhaltensannahmen der Neoklassik

Betrachtet man eine Welt ohne Institutionen, so stellt sich die Frage, wie sich Menschen bei ökonomischen Fragestellungen verhalten, wenn es keine Beschränkung der Wahlmöglichkeiten gibt. Die neoklassische Wirtschaftstheorie ist dabei das am meisten verwendete Modell und stellt das wichtigste Paradigma vieler Ökonomen. Sie fußt auf folgenden von Sidney Winter (Winter 1986) zusammengefassten Verhaltensannahmen:

1. Die wirtschaftliche Welt und die jeweiligen identifizierbaren Teilsektoren können als mehr oder weniger im Gleichgewicht angesehen werden.
2. Einzelne Wirtschaftssubjekte sehen sich wiederholt gleichen oder sehr ähnlichen wirtschaftlichen Entscheidungen gegenüber.
3. Die Wirtschaftssubjekte haben gleichbleibende Präferenzen und entscheiden des- halb bei Wahlmöglichkeiten nach gleichbleibenden Kriterien.
4. Bei sich wiederholenden Entscheidungen, kann das Wirtschaftssubjekt, eine sich bietende Möglichkeit ein besseres Ergebnis zu erzielen erkennen und nutzen. Ein Unternehmen müsste dies auch tun, da es befürchten müsste, dass die Konkurrenz sein Ergebnis optimieren würde und man durch den Wettbewerb ausgeschaltet werden würde.
5. Es ist nicht möglich ein stabiles Gleichgewicht zu erreichen, in dem Wirtschafts- subjekte ihre Präferenzen nicht maximieren. Die Logik des vorherigen Punktes erzwingt dies.
6. Da sich die Welt in einem annähernden Gleichgewicht befindet, müssen die Muster die sich aus vorhergehenden Punkten ergeben, annähernd der Realität entsprechen. 7. Wie die Anpassungsvorgänge der Wirtschaftssubjekte genau ablaufen ist komplex und akteurs- und situationsspezifisch. Demgegenüber sind die Regelmäßigkeiten, welche bei der Optimierung- und im Gleichgewicht stattfinden eher einfach. Damit muss nur eine theoretische Analyse dieser Regelmäßigkeiten stattfinden und empi- risch getestet werden.

4. Institutionenökonomische Theorien

Inhalt der neuen Institutionentheorie ist die Analyse von Institutionen, die den Rahmen für einen Austausch bilden. Ziel dieser Analyse ist eine Erklärung der Struktur, der Verhaltenswirkung, der Effizienz und dem Wandel selbiger Institutionen zu erklären. Aufgrund eines Fehlens einer einheitlichen Theorie, existieren momentan drei sich ergänzende Ansätze, die eine Analyse ermöglichen: die Theorie des Verfügungsrechts (Property Rights), die Agenturtheorie (Agency Theory) und der Transaktionskostentheorie.

4.1 Adaption der neoklassischen Verhaltensannahmen

Die institutionenökonomischen Theorien fußen auf den Annahmen, dass sich jeder Akteur nutzenmaximierend verhält und bei der Durchsetzung von Rechten und der Existenz von Verträgen Transaktionskosten entstehen. Bei der Maximierung der Nutzenfunktion handelt der Akteur nach seinem besten Eigeninteresse und wird versuchen im Rahmen der ihm offenen Optionen, möglichst effizient seine individuellen Ziele zu erreichen (Furubotn, Pejovich 1972). Die angestrebten Ziele können bei jedem Individuum verschieden sein und auch unterschiedliche Gewichtungen haben. Das Individuum maximiert also nicht seinen Profit, sondern seinen Nutzen, der sich nach den individuell verschiedenen angestrebten Zielen oder Güterbündeln richtet, zum Beispiel Macht, ein ruhiges Leben, der Ausbau so- zialer Kontakte, etc. (Boulding, Spivey 1960). Auch können sich Präferenzen, die in der neoklassischen Theorie als stabil angesehen werden, im Zeitverlauf stark ändern und damit zu einer Veränderung des nutzenmaximierenden Güterbündels, was wiederum zur Verän- derung der relativen Preise führt. Im Gegensatz zur neoklassischen Theorie spielt also auch Zeit eine Rolle. Auch die Annahme, dass sich das Wirtschaftssubjekt wiederholenden Situ- ationen gegenüber sieht und dem entsprechend rational eine bessere Wahl trifft, kann nicht als notwendigerweise gegeben betrachtet werden. Ist die Informationsrückkopplung nicht vollständig, können die Konsequenzen der Entscheidung unsicher bleiben und dadurch bei ähnlichen Situationen wiederholt nicht nutzenmaximierende Entscheidungen getroffen werden (North 1992). Ein wichtiger Unterschied besteht zur neoklassischen Theorie, dass sich bei jener eine pareto-optimale Allokation automatisch vollzieht, da es keinerlei Trans- aktionskosten gibt, bei den verschiedenen Komponenten der Institutionenökonomie diese jedoch regelmäßig auftauchen und damit nicht notwendigerweise ein wohlfahrtsmaximie- rendes Ergebnis resultieren muss. Nur unter der Prämisse das die Akteure ohne Transakti- onskosten handeln ist ein wohlfahrtsmaximierendes Ergebnis ohne Institutionen möglich (North 1993). Wie im Folgenden erläutert entstehen Transaktionskosten jedoch regelmä- ßig, wodurch Institutionen eine entscheidende Rolle bei der Effizienz von Märkten zu- kommt.

4.2 Theorie des Verfügungsrechts

In einem System von formlosen und formgebundenen Beschränkungen beziehen sich die dadurch entstehenden Institutionen auch auf das Verfügungsrecht einer Ressource. Diese bestimmt wer die legitimen Nutzungsmöglichkeiten an der Ressource hält und in welchem Maße diese von einem oder mehreren Individuen und Organisationen genutzt werden können (Kieser 2006). Traditionell kann zwischen vier verschiedenen Arten der Verfügungsrechte differenziert werden (Tietzel 1981):

1. Das Recht die Ressource zu nutzen (usus)
2. Die Erträge zu behalten (usus fructus)
3. Form und Substanz der Ressource zu verändern (abusus)
4. Das vorhergehenden Bündel an Rechten an einer Ressource anderen ganz oder teilweise zu überlassen

Das alleinige Nutzungsrecht an einer Ressource besitzt derjenige, der alle vier Verfügungs- rechte in sich vereint. Auch gibt es die Möglichkeit die Nutzung der Verfügungsrechte unter verschiedenen Nutzern aufzuteilen. Betrachtet man zum Beispiel eine Immobilie wird schnell klar, dass der Eigentümer zwar das Recht auf Veräußerung, das Usus Frucuts und das Abusus behält, im Falle einer Vermietung das Usus aber an den Mieter übergeht. Den Institutionen kommt besondere Bedeutung zu, da diese die einzelnen Verfügungsrech- te einschränken können. Zum Beispiel können verschieden baurechtliche Vorschriften und Mietgesetze die Verfügungsrechte des Eigentümers einschränken, er dürfte also im Falle von Bauvorschriften nicht jede Veränderung der Form und Substanz des Hauses durchfüh- ren (Kieser 2006). Dieser Effekt wird als Verdünnung der Verfügungsrechte bezeichnet und resultiert aus einer unvollständigen Spezifizierung und Zuschreibung an einen Inhaber der Rechte (Furubotn, Pejovich 1972). Gründe für diese Verdünnung können sich entweder aus formgebundenen Beschränkungen, also Gesetzen die vom Staat erlassen werden, oder aus formlosen Beschränkungen, also Traditionen und ethischen Vorstellungen, ergeben (Tietzel 1981). Die Einschränkung der Nutzungsrechte geht allerdings mit einer Steigerung der Durchsetzungskosten einher, ohne die eine effektive Einschränkung nicht möglich ist, wobei die Sanktionskosten den Nutzen aus einer Übertretung der Beschränkungen über- treffen müssen. Durch die damit notwendigen Kontrollen steigen die Transaktionskosten.

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Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656457480
ISBN (Buch)
9783656458043
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229926
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,0
Schlagworte
institutionen wandel douglas north

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